DIE BESTEN BÜCHER DES JAHRES
Wir haben uns auch in diesem Jahre an eine Reihe führender Persönlichkeiten des literarischen und geistigen Lebens gewandt, mit der Bitte, uns ihre nachhaltigsten Lese-Eindrücke mitzuteilen. Hier sind die Antworten.
Alfred Adler:
Ich halte für das beste Buch aus meiner Lektüre dieses Jahres das Werk des General Smuts: „The Wholeness“ (MacMillan, London), das in einer wundervollen Klarheit unter dem zwingenden Gesichtspunkt der Ganzheit des Lebensprozesses auf dieser Erde die Evolution aus dem scheinbar leblosen Material bis zur Entwicklung des Menschen mit all seinen geistigen und körperlichen Fähigkeiten schildert. In fesselndster Weise wird dargestellt, ähnlich wie es die Individualpsychologie für die seelische Struktur des Individuums gezeigt hat, wie das Streben nach Ganzheit alle Körper durchströmt und ihr wesentlichstes Grundprinzip ausmacht. Eine deutsche Ausgabe dieses Werkes wird hoffentlich bald erscheinen.
Fuente: „Die besten Bücher des Jahres“, Das Tage-Buch (Berlin), 12. Jg., Heft 49, 5. Dezember 1931, S. 1893; ANNO / Österreichische Nationalbibliothek (ANNOP_dtb19310149, Bild 17). Transkription nach dem OCR der ÖNB, mit dem Seitenbild verglichen (berichtigt: „Individualpsychologie für“ statt „Individualspsychologie lür“, „Eindrücke“). Wiedergegeben sind die Einleitung der Redaktion und Adlers Antwort; die Antworten der übrigen Befragten sind weggelassen. Das von Adler genannte Buch ist J. C. Smuts, Holism and Evolution (London: Macmillan, 1926); den Titel gibt Adler ungenau an.