[Publicado a nombre de la asociación (Internationaler Verein für Individualpsychologie), no de Adler. Adler lo reprodujo con cambios como apéndice de The Education of Children (1930) y como «Questionnaire for Individual Psychologists» en Social Interest (1938).]

Entwurf eines individualpsychologischen Fragebogens

zum Verständnis und zur Behandlung schwer erziehbarer Kinder, verfaßt und erläutert vom „Internationalen Verein für Individualpsychologie“

1. Seit wann bestehen Klagen? In welcher äußerlichen und seelischen Situation war das Kind, als die Fehlschläge sichtbar wurden?

Bedeutsam sind: Milieuänderungen, Schulbeginn, Schulwechsel, Lehrerwechsel, Geburt jüngerer Geschwister, Versagen in der Schule, neue Freundschaften usw.

2. War es vorher schon irgendwie auffällig? Durch körperliche oder geistige Schwäche? Durch Feigheit? Nachlässigkeit? Zurückgezogenheit? Ungeschicklichkeit? Eifersucht? Unselbständigkeit beim Essen, Ankleiden, Waschen, Schlafengehen? Hatte es Angst vor dem Alleinsein? Vor der Dunkelheit? Ist es klar über seine Geschlechtsrolle? Primäre, sekundäre, tertiäre Geschlechtsmerkmale? Wie betrachtet es das andere Geschlecht? Wie weit ist seine sexuelle Aufklärung vorgeschritten? Stiefkind? Illegitim? Kostkind? Wie waren seine Pflegeeltern? Besteht noch ein Kontakt? Hat es rechtzeitig gehen und sprechen können? Fehlerlos? Rechtzeitige Zahnentwicklung? Auffallende Schwierigkeiten beim Schreibenlernen? Rechnen? Zeichnen? Singen? Schwimmenlernen? Hat es sich auffälliger Weise an eine einzige Person angeschlossen? An Vater? Mutter? Großeltern? Kinderfrau?

Zu achten ist auf die Feststellung einer feindlichen Einstellung zum Leben, auf Ursachen zur Erweckung von Minderwertigkeitsgefühlen, auf Tendenzen zur Ausschaltung von Schwierigkeiten und Personen und auf Züge von Egoismus und Empfindlichkeit.

3. Hat es viel zu schaffen gemacht? Was und wen fürchtet es am meisten? Hat es nachts aufgeschrien? Das Bett genäßt? Ist es herrschsüchtig? Auch gegen Starke oder nur gegen Schwache? Hat es einen auffälligen Hang gezeigt, im Bett eines der Eltern zu liegen? Plump? Ungeschickt? Rachitis? Intelligenz? Wurde es viel geneckt und ausgelacht? Zeigt es äußerliche Eitelkeiten bezüglich Haare, Kleider, Schuhe? Nasenbohren? Nägelbeißen? Gierig beim Essen?

Geht auf Klarstellung, ob mit mehr oder weniger Mut nach dem Vorrang gestrebt wird. Ferner ob Trotz die Kultivierung seiner Triebhandlungen verhindert hat.

4. Hat es leicht Kameradschaft geschlossen oder war es unverträglich und quälte Menschen und Tiere? Hat es Führerneigung? Oder schließt es sich ab? Sammler? Geiz? Geldgierig?

Betrifft seine Kontaktfähigkeit und den Grad seiner Entmutigung.

5. Wie ist es in allen diesen Beziehungen jetzt? Wie benimmt es sich in der Schule? Geht es gerne hin? Kommt es zu spät? Ist es vor dem Schulgang aufgeregt, hastet es? Verliert es seine Bücher, Schultasche, Hefte? Aufregung vor Schulaufgaben und -prüfungen? Vergißt es seine Aufgaben zu machen oder weigert es sich? Vertrödelt es die Zeit? Ist es faul? Indolent? Mangel an Konzentration? Stört es den Unterricht? Wie steht es zu seinem Lehrer? Kritisch? Arrogant? Gleichgültig? Sucht es die Hilfe anderer bei seinen Aufgaben oder wartet es immer auf deren Aufforderung? Zeigt es sich beim Turnen und Sport ehrgeizig? Hält es sich für partiell oder ganz unbegabt? Liest es auffallend viel? Welche Lektüre zieht es vor?

Diese Fragen ergeben die Einsicht in die Vorbereitungen des Kindes für die Schule und in den Ausfall des Experiments der Schule bei dem Kinde. Ferner auch in seine Stellung zu Schwierigkeiten.

6. Richtige Nachweise über die häuslichen Verhältnisse, über Krankheiten der Familie, über Alkoholismus, Verbrechensneigung, Neurosen, Debilität, Lues, Epilepsie. Über den standard of life. Todesfälle? In welchem Alter des Kindes? Ist das Kind verwaist? Wer dominiert in der Familie? Ist die Erziehung streng, nörgelnd, verzärtelnd? Werden die Kinder vor dem Leben geschreckt? Wie ist die Aufsicht?

Man sieht das Kind in seiner Familienposition und kann ermessen, welche Eindrücke dem Kinde vermittelt wurden.

7. An welcher Stelle in der Geschwisterreihe steht das Kind? Ältestes, zweites, jüngstes, einziges, einziger Knabe, einziges Mädchen? Rivalitäten? Häufiges Weinen? Boshaftes Lachen? Blinde Entwertungstendenzen gegen andere?

Bedeutsam für die Charakterologie, erklärend in Hinsicht auf die Stellungnahme des Kindes zu andern.

8. Was für Berufswahlgedanken hatte das Kind bis jetzt? Wie denkt es über die Ehe? Welchen Beruf üben seine Familienmitglieder aus? Wie ist die Ehe der Eltern?

Ermöglicht Schlüsse auf Mut und Zuversicht des Kindes für die Zukunft.

9. Lieblingsspiele? Lieblingsgeschichten? Lieblingsfiguren aus Geschichte und Dichtung? Stört es gerne die Spiele der andern? Abirren in Phantasien? Nüchternes Denken und Ablehnung von Phantasien? Tagträume?

Ergibt Hinweise auf Vorbilder in der Richtung auf eine Heldenrolle.

10. Älteste Erinnerungen? Eindrucksvolle oder oft wiederkehrende Träume? (Vom Fliegen, Fallen, Gehemmtsein, Zuspätkommen zum Eisenbahnzug, Wettlauf, Gefangensein, Angstträume.)

Man findet dabei oft Neigung zur Isolierung, warnende Stimmen im Sinne übergroßer Vorsicht, Ehrgeizregungen und den Vorzug, der einzelnen Personen, dem Landleben usw. gegeben wird.

11. In welcher Hinsicht ist das Kind entmutigt? Fühlt es sich zurückgesetzt? Reagiert es günstig auf Aufmerksamkeit und Lob? Abergläubische Vorstellungen? Läuft es vor Schwierigkeiten davon? Fängt es verschiedene Dinge an, um sie bald stehen zu lassen? Ist es seiner Zukunft unsicher? Glaubt es an die nachteiligen Wirkungen einer Vererbung? Wurde es von seiner Umgebung systematisch entmutigt? Pessimistische Weltanschauung?

Ergibt wichtige Gesichtspunkte dafür, daß das Kind den Glauben an sich verloren hat und in einer fehlerhaften Richtung seinen Weg sucht.

12. Weitere Unarten, wie Grimassenschneiden, sich dumm, kindisch, komisch gebärden?

Wenig mutige Versuche, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

13. Hat es Sprachfehler? Ist es häßlich? Klumpfuß? X- oder O-Beine? Schlecht gewachsen? Abnorm dick? Abnorm groß? Abnorm klein? Hat es Augen-, Ohrenfehler? Ist es geistig zurückgeblieben? Linkshändig? Schnarcht es bei Nacht? Ist es auffallend schön?

Hier handelt es sich um Lebensschwierigkeiten, die das Kind meist überschätzt. Es kann dadurch dauernd in die Stimmungslage der Entmutigung kommen. Eine ähnliche fehlerhafte Entwicklung findet man öfters auch bei sehr schönen Kindern. Sie geraten in die Suggestion, als ob sie alles geschenkt, ohne Anstrengung erhalten müßten und versäumen dabei die richtigen Vorbereitungen fürs Leben.

14. Spricht es offen von seiner Unfähigkeit, von seiner „mangelnden Begabung“ für die Schule? Für die Arbeit? Für das Leben? Selbstmordgedanken? Ist ein zeitlicher Zusammenhang zwischen seinen Mißerfolgen und seinen Fehlern? (Verwahrlosung, Bandenbildung.) Überwertet es den äußeren Erfolg? Ist es servil? Frömmelnd? Revoltierend?

Ausdrucksformen weitgehender Entmutigung. Oft erst nach vergeblichen Ansätzen emporzukommen, die wegen der anhaftenden Unzweckmäßigkeit, aber auch mangels genügenden Verständnisses der Umgebung scheitern. Sodann Suchen einer Ersatzbefriedigung auf einem Nebenkriegsschauplatz.

15. Positive Leistungen des Kindes.

Wichtiger Fingerzeig, da möglicherweise Interesse, Neigung und Vorbereitungen des Kindes in eine andere Richtung als die bisher eingeschlagene weisen.

* * *

Auf Grund dieser Fragen, die nie punktweise, sondern gesprächsweise zu stellen sind, niemals schablonenmäßig, sondern gleichzeitig aufbauend, ergibt sich immer ein Bild der Persönlichkeit, aus der die Fehlschläge wohl nicht als berechtigt aber als begreiflich zu verstehen sind. Die aufgedeckten Irrtümer sind immer freundlich, mit Geduld und ohne Drohung aufzuklären.


Fuente: «Entwurf eines individualpsychologischen Fragebogens zum Verständnis und zur Behandlung schwer erziehbarer Kinder, verfaßt und erläutert vom „Internationalen Verein für Individualpsychologie“», Internationale Zeitschrift für Individualpsychologie 2 (1923), n.º 2, noviembre de 1923, págs. 1–3; abre el número. Firmado por la asociación, no por Adler; la atribución a Adler es la habitual (Ansbacher), y él mismo lo reprodujo con cambios como apéndice I de The Education of Children (1930), «An Individual Psychological Questionnaire», y como «Questionnaire for Individual Psychologists» en Social Interest (1938). La revista lo publica en tres lenguas; a la versión alemana, que es la original y la única que se transcribe, siguen «An Individual Psychological Questionnaire. For the understanding and treatement [sic] of backward children, drawn up and exemplified by the „International Society of Individual-Psychologists“» (págs. 3–6, «Translated by D. Charles Marais») y «Esquisse d’un questionnaire basé sur la psychologie individuelle […] rédigé et expliqué par la „Société Internationale de Psychologie Individuelle“» (págs. 6–8, «Traduit par Dr. Grete Bruckner»). Ambas traducen fielmente el texto alemán salvo en un punto: en la explicación de la pregunta 9 las dos añaden una frase que falta en el alemán («A contrast in the child’s behaviour may be regarded as a sign of discouragement»; «Le contraste de ces modèles avec la conduite de l’enfant est un symptôme de découragement»), que pasaría después a la versión de 1930. Transcripción del fascículo digitalizado en archive.org (IZI_II_1923_2), a partir de un OCR propio (Tesseract, alemán) corregido íntegramente sobre la imagen de las páginas (hojas 2–4 del escaneo; las versiones inglesa y francesa, hojas 4–9, se cotejaron con la imagen en los pasajes citados). Los comentarios S. n del código marcan el comienzo de cada página impresa.