I.

Die Individualpsychologie, ihre Voraussetzungen und Ergebnisse.

(1914.)

Ein Überblick über die Anschauungen und Lehren der meisten Psychologen zeigt uns eine sonderbare Beschränkung, soweit ihr Forschungsgebiet und ihre Mittel der Erkenntnis in Frage kommen. Es ist, als ob Erfahrung und Menschenkenntnis mit tieferer Absicht ausgeschlossen sein sollten, und als ob der künstlerischen, schöpferischen Anschauung und Intuition jede Geltung bestritten wäre. Während die Experimentalpsychologen Phänomene sammeln oder erzeugen, um Reaktionsweisen zu erschliessen, also eigentlich Physiologie des Seelenlebens betreiben, reihen andere alle Ausdrucks- und Erscheinungsformen in althergebrachte oder wenig geänderte Systeme ein. Dabei finden sie nun freilich jene Abhängigkeiten und Zusammenhänge in den Einzelbewegungen wieder, die sie in ihrem Schema der Seele von vorneherein angebracht hatten.

Oder man versucht aus kleinen, womöglich messbaren Einzelerscheinungen physiologischer Art Seelenzustände und das Denken aufzubauen, indem man beide gleichsetzt. Dass dabei das subjektive Denken und Einfühlen des Forschers ausgeschaltet erscheint, in Wirklichkeit freilich recht kräftig den Zusammenhang meistert, gilt diesen Forschern noch als Vorzug ihrer psychologischen Auffassung.

Die Methodik dieser Richtungen erinnert auch in ihrer Bedeutung als Vorschule des menschlichen Geistes an die jetzt überholte ältere Naturwissenschaft mit ihren starren Systemen, die heute allgemein ersetzt sind durch Anschauungen, die biologisch, aber auch philosophisch und psychologisch das Leben und seine Varianten im Zusammenhang zu erfassen trachten. So auch jene Richtung in der Psychologie, die ich „vergleichende Individualpsychologie“ genannt habe. Sie versucht das Bild der einheitlichen Persönlichkeit als einer Variante aus den einzelnen Lebensäusserungen und Ausdrucksformen zu gewinnen, indem sie die Einheit der Individualität voraussetzt. Nun werden die einzelnen Züge miteinander verglichen, auf ihre gemeinsame Linie gebracht und zu einem Gesamtportrait individualisierend zusammengetragen1.

Es dürfte auffallen, dass diese Art der Betrachtung des menschlichen Seelenlebens durchaus nicht ungewöhnlich oder besonders verwegen aussieht. In den Betrachtungen der Kinderpsychologie leuchtet sie trotz anderer Richtungslinien deutlich hervor. Vor allem aber ist es das Wesen und das Werk des Künstlers, des Malers, des Bildhauers, des Musikers, vorzüglich des Dichters, alle kleinen Züge seiner Geschöpfe so darzustellen, dass der Betrachter in ihnen die Grundlinien der Persönlichkeit zu erfassen vermag, aufzubauen imstande ist, was der Künstler vorher schon, im Hinblick auf das Finale in sie versteckt hatte. Zumal das Leben in der Gesellschaft, das Leben ohne wissenschaftliche Voreingenommenheit ist so sehr im Banne der Frage nach dem Wohin? einer Erscheinung, dass man es aussprechen muss: trotz aller gegenteiligen wissenschaftlichen Anschauung hat noch nie einer sich über ein Geschehnis ein Urteil gebildet, ohne nach einer Linie gehascht zu haben, die alle seelischen Erscheinungen einer Person bis zu ihrem fiktiven Ziel zu verbinden scheint.

Wenn ich nach Hause eile, werde ich dem Betrachter alle Haltung, Miene, Bewegung und Gebärde darbieten, die man gemeiniglich von einem Heimkehrenden erwarten darf. Und dies trotz aller Reflexe und trotz aller Kausalität. Ja, meine Reflexe könnten auch andere sein, die Ursachen könnten variieren, — was man psychologisch erfassen kann und vor allem, was uns praktisch und psychologisch fast ausschliesslich interessiert, ist: die Linie, die einer verfolgt.

Ferner: wenn ich das Ziel einer Person kenne, so weiss ich ungefähr, was kommen wird. Und ich vermag es dann auch, jede der aufeinanderfolgenden Bewegungen einzureihen, im Zusammenhang zu sehen und meine ungefähre psychologische Kenntnis des Zusammenhangs fortlaufend zu korrigieren oder anzupassen. Solange ich nur die Ursachen, demnach nur Reflexe und Reaktionszeiten, Merkfähigkeit und Ähnliches weiss, weiss ich nichts von dem, was in der Seele dieses Menschen vorgeht.

Dazu kommt noch, dass auch der Untersuchte nichts mit sich anzufangen wüsste, solange er nicht nach einem Ziel gerichtet ist. Solange wir seine durch ein Ziel bestimmte Lebenslinie nicht kennen, wäre das ganze System seiner erkannten Reflexe samt allen kausalen Bedingungen nicht imstande, über die nächste Folge seiner Bewegungen Sicherheit zu verschaffen: sie würden sich mit jeder möglichen seelischen Konsequenz in Einklang bringen lassen. Am deutlichsten ist dieser Mangel bei Assoziationsversuchen zu verstehen. Ich würde nie von einem Manne, der eine schwere Enttäuschung erlitten hat, erwarten können, dass er auf „Baum“ etwa „Strick“ assoziiert. Kenne ich aber sein Ziel, den Selbstmord, so werde ich eine solche Abfolge seiner Gedanken mit Sicherheit erwarten, so sicher, dass ich ihm Messer, Gift und Schiesswaffen aus dem Wege räumen werde.

Sieht man näher zu, so findet man folgende Gesetzmässigkeit, die die Entfaltung alles seelischen Geschehens durchzieht: wir sind nicht in der Lage zu denken, zu fühlen, zu wollen, zu handeln, ohne dass uns ein Ziel vorschwebte. Denn alle Kausalitäten genügen nicht, das Chaos des Zukünftigen zu bewältigen und die Planlosigkeit, deren Opfer wir wären, aufzuheben. Alles Tun verharrte im Stadium eines wahllosen Herumtastens, die Ökonomie des Seelenlebens bliebe unerreicht, ohne jede Einheitlichkeit, jede Physiognomie und jede persönliche Note glichen wir Lebewesen vom Rang einer Amöbe.

Dass wir durch die Annahme einer Zielsetzung im Seelenleben der Wirklichkeit besser gerecht werden, kann nicht bezweifelt werden. Bezüglich einzelner, aus dem Zusammenhang gerissener Phänomene besteht wohl auch kein Zweifel. Der Beweis kann leichtlich angetreten werden. Man braucht nur einmal die Gehversuche eines kleinen Kindes oder einer Wöchnerin mit dieser Voraussetzung zu betrachten. Freilich, wer voraussetzungslos an die Dinge herantreten will, dem dürfte sich meist der tiefere Sinn verbergen. Bevor der erste Schritt gemacht wird, steht schon das Ziel der Bewegung fest.

In gleicher Weise lässt sich von allen seelischen Bewegungen zeigen, dass sie ihre Richtung durch ein vorher gesetztes Ziel bekommen. Aber alle diese vorläufigen, im einzelnen sichtbaren Ziele geraten nach kurzem Bestand der seelischen Entwicklung des Kindes unter die Herrschaft des fiktiven Endzieles, des als fix gedachten oder empfundenen Finales. Mit anderen Worten: das Seelenleben des Menschen richtet sich wie eine von einem guten dramatischen Dichter geschaffene Person nach ihrem V. Akt.

Diese aus jeder Persönlichkeit individualpsychologisch einwandfrei zu erschliessende Einsicht führt uns zu einem wichtigen Satz: jede seelische Erscheinung kann, wenn sie uns das Verständnis einer Person ergeben soll, nur als Vorbereitung für ein Ziel erfasst und verstanden werden.

Wie sehr diese Anschauung unser psychologisches Verständnis fördert, ergibt sich besonders, sobald uns die Vieldeutigkeit der aus dem Zusammenhang gerissenen seelischen Prozesse klar geworden ist. Halten wir uns einen Menschen mit einem „schlechten Gedächtnis“ vor Augen. Nehmen wir an, er sei sich dieses Umstandes bewusst, und die Prüfung ergäbe eine geringe Merkfähigkeit für sinnlose Silben. Nach dem bisherigen Usus der Psychologie, der heute wohl ein Abusus zu nennen wäre, müssten wir das Urteil fällen: der Mann leide angeborener oder krankhafterweise an einem Mangel der Merkfähigkeit. Nebenbei gesagt, kommt bei dieser Art der Untersuchung gewöhnlich ein Urteil heraus, was mit anderen Worten in der Prämisse bereits gesagt ist, z. B. in diesem Falle: wenn einer ein schlechtes Gedächtnis hat, oder: wenn einer nur wenige Worte merkt, — so hat er eine geringe Merkfähigkeit.

Der Vorgang der Individualpsychologie ist nun von diesem gänzlich verschieden. Sobald sich organische Ursachen sicher ausschliessen lassen, müsste sie die Frage aufwerfen: wohin zielt die Gedächtnisschwäche? Dieses Ziel können wir nur aus einer intimen Kenntnis des ganzen Individuums erschliessen, so dass uns das Verständnis des Teiles erst aus dem Verständnis des Ganzen erwächst. Und wir würden etwa finden, was einer grossen Anzahl von Fällen entspräche: diese Person ist daran, vor sich und vor anderen den Beweis zu erbringen, dass sie aus irgendwelchen zugrundeliegenden Motiven, die ungenannt oder unbewusst bleiben sollen, die sich aber durch Gedächtnisschwäche besonders wirksam vertreten lassen, von irgend einer Handlung oder Entscheidung (Berufswechsel, Studium, Prüfung, Heirat) fern bleiben müsse. Dann wäre diese Gedächtnisschwäche als tendenziös entlarvt, wir verstünden ihre Bedeutung als Waffe im Kampfe gegen ein Unterliegen und wir würden bei jeder Prüfung einer solchen Merkfähigkeit gerade jenen Defekt erwarten, der zum geheimen Lebensplan dieses Mannes gehört. Bleibt noch die Frage, wie man solche Mängel oder Übel erzeugt. Der eine „arrangiert“ sie bloss, indem er allgemeine physiologische Schwächen absichtlich unterstreicht und sie als persönliche Leiden in die Rechnung stellt. Anderen gelingt es, sei es durch Einfühlung in einen abnormen Zustand oder durch Präokkupation mit gefahrvollen, pessimistischen Erwartungen den Glauben an ihr Können so weit zu erschüttern, dass ihnen dann kaum die Hälfte ihrer Kraft, ihrer Aufmerksamkeit, ihres Willens zur Verfügung stehen.

Um noch ein Beispiel zu geben: die gleiche Beobachtung machen wir bei den Affekten. Wir finden bei einer Dame Angstausbrüche, die sich von Zeit zu Zeit wiederholen. Solange nichts Wertvolleres zu finden war, konnte man sich mit der Annahme einer hereditären Degeneration, einer Erkrankung der Vasomotoren, des Vagus etc., begnügen. Oder man konnte glauben dem Verständnis näher zu sein, wenn man in der Vorgeschichte ein schreckensvolles Erlebnis, Trauma, aufspürte und diesem die Schuld beimass. Sehen wir uns aber diese Individualität an und gehen wir ihren Richtungslinien nach, so entdecken wir etwa ein Übermass von Herrschsucht, dem sich als Angriffsorgan die Angst beigesellt, sobald die Hörigkeit des anderen zu Ende geht, sobald die geforderte Resonanz fehlt, wie es sich etwa ergibt, wenn beispielweise der Gatte einer solchen Patientin ohne Bewilligung das Haus verlassen möchte.

Unsere Wissenschaft erfordert ein streng individualisierendes Vorgehen und ist deshalb Verallgemeinerungen nicht geneigt. In usum delphini aber will ich folgenden Lehrsatz hierher stellen: Wenn ich das Ziel einer seelischen Bewegung oder eines Lebensplanes erkannt habe, dann muss ich von allen Teilbewegungen erwarten, dass sie mit dem Ziel und mit dem Lebensplan übereinstimmen.

Diese Formulierung ist mit geringen Einschränkungen im weiten Ausmass aufrecht zu erhalten. Sie behält auch ihren Wert, wenn man sie umdreht: die richtig verstandenen Teilbewegungen müssen in ihrem Zusammenhang das Abbild eines einheitlichen Lebensplanes und seines Endzieles ergeben. Wir stellen demnach die Behauptung auf, dass, unbekümmert um Anlage, Milieu und Erlebnisse, alle psychischen Kräfte im Banne einer richtenden Idee stehen, und dass alle Ausdrucksbewegungen, das Fühlen, Denken, Wollen, Handeln, Träumen und die psychopathologischen Phänomene von einem einheitlichen Lebensplan durchzogen sind. Ein kurzer Hinweis mag diese ketzerischen Sätze begründen und zugleich mildern: wichtiger als Anlage, objektives Erlebnis und Milieu ist deren subjektive Einschätzung, und ferner: diese Einschätzung steht in einem gewissen, freilich oft wunderlichen Verhältnis zu den Realien. Aus der Einschätzung aber, die meist zu einer dauernden Stimmungslage im Sinne eines Minderwertigkeitsgefühls Anlass gibt, entspinnt sich entsprechend der unbewussten Technik unseres Denkapparates ein fiktives Ziel als gedachte, endgültige Kompensation und ein Lebensplan als der Versuch einer solchen.

Ich habe bisher viel vom „Verstehen“ des Menschen gesprochen. Fast soviel als manche Theoretiker der „verstehenden Psychologie“ oder der Persönlichkeitspsychologie, die immer abbrechen, wenn sie uns zeigen sollten, was sie eigentlich verstanden haben, wie etwa Jaspers. Die Gefahr, auch diese Seite unserer Untersuchungen, die Ergebnisse der Individualpsychologie in Kürze auseinanderzusetzen, ist gross genug. Man wird lebende Bewegung in Worte, in Bilder einfangen müssen, man ist gezwungen über Differenzen hinwegzusehen, um einheitliche Formeln zu gewinnen, und man wird bei der Beschreibung den Fehler machen müssen, den uns in der Ausübung zu begehen strenge verboten ist: mit einer trockenen Schablone an das individuelle Seelenleben heranzutreten, wie es die Freudsche Schule versucht.

Unter dieser Voraussetzung will ich in der Folge die wichtigsten Ergebnisse unserer Erforschung des Seelenlebens vorlegen. Es verdient hervorgehoben zu werden, das sich die hier zu besprechende Dynamik des Seelenlebens in gleicher Weise bei Gesunden und Kranken findet. Was den Nervösen vom Gesunden unterscheidet, liegt in der stärkeren „Sicherungstendenz“ des Kranken, mittelst deren er seinen Lebensplan ausstattet. Was aber die „Zielsetzung“ und den ihr angepassten Lebensplan anlangt, so finden sich keinerlei grundlegende Differenzen.

Ich darf demnach von einem allgemeinen Ziel der Menschen sprechen. Die eingehendste Betrachtung ergibt nun, dass wir die seelischen Bewegungen aller Art am besten verstehen können, wenn wir als ihre allgemeinste Voraussetung erkannt haben, dass sie auf ein Ziel der Überlegenheit gerichtet sind. Vieles davon haben grosse Denker verkündigt, manches weiss jeder für sich davon, das meiste birgt sich in ein geheimnisvolles Dunkel, und nur im Wahnsinn oder in der Ekstase liegt es deutlich zutage. Ob einer ein Künstler, der erste in seinem Fache, oder ein Haustyrann sein will, ob er Zwiesprache mit seinem Gotte hält oder die anderen herabsetzt, ob er sein Leid als das grösste ansieht, dem alle sich beugen müssen, ob er nach unerreichbaren Idealen jagt oder alte Götter, alte Grenzen und Normen zerbricht, — auf jedem Teil seines Weges leitet und führt ihn seine Sehnsucht nach Überlegenheit, sein Gottähnlichkeitsgedanke, sein Glaube an seine besondere Zauberkraft. In der Liebe will er gleichzeitig seine Macht über den Partner empfinden, bei freiwilliger Berufswahl dringt das vorschwebende Ziel in übertriebenen Erwartungen und Befürchtungen durch, und noch im Selbstmord empfindet er rachedürstend den Sieg über alle Hindernisse. Um sich einer Sache, einer Person zu bemächtigen, kann er auf geraden Linien wandeln, kann stolz, herrschsüchtig, trotzig, grausam, mutig zu Werke gehen; oder er zieht es, durch Erfahrungen auf Abwege und Umwege gedrängt, vor, seine Sache zum Siege zu führen durch Gehorsam, Unterwerfung, Sanftmut und Bescheidenheit. Auch die Charakterzüge haben kein selbständiges Dasein, auch sie passen immer zu dem individuellen Lebensplan, dessen wichtigste Kampfbereitschaften sie vorstellen.

Dieses Ziel der Allüberlegenheit, das im Einzelfall oft wunderlich genug aussieht, ist aber nicht von dieser Welt. Für sich betrachtet müssen wir es unter die „Fiktionen“ oder „Imaginationen“ einreihen. Von ihnen sagt Vaihinger (Die Philosophie des Als-Ob, Berlin, Reuter und Reichardt, II. Aufl. 1913) mit Recht, ihre Bedeutung liege darin, dass sie, an sich unsinnig, dennoch für das Handeln die grösste Bedeutung hätten. Dies stimmt in unserem Falle so sehr, dass wir sagen können: Diese der Wirklichkeit so vollkommen Hohn sprechende Fiktion eines Zieles der Überlegenheit ist die Hauptvoraussetzung unseres bisherigen Lebens geworden. Sie lehrt uns die Unterschiede machen, sie gibt uns Haltung und Sicherheit, gestaltet, leitet unser Tun und Handeln und nötigt unseren Geist vorauszusehen und sich zu vervollkommnen. Daneben die Schattenseite: sie bringt eine feindliche, kämpferische Tendenz in unser Leben, raubt uns die Unbefangenheit des Empfindens und versucht es stets, uns der Wirklichkeit zu entfremden, indem sie deren Vergewaltigung nahegelegt. Wer dieses Ziel der Gottähnlichkeit real fasst, es wörtlich nimmt, wird bald gezwungen sein, das wirkliche Leben als ein Kompromiss zu fliehen, um ein Leben neben dem Leben zu suchen, bestenfalls in der Kunst, meist aber im Pietismus, in der Neurose oder im Verbrechen2.

Ich kann hier auf Einzelheiten nicht eingehen. Eine offene Andeutung dieses überlebensgrossen Zieles findet sich wohl bei allen Menschen. Manchmal sticht es aus der Haltung hervor, zuweilen verrät es sich nur in den Forderungen und Erwartungen. Zuweilen findet man seine Spur in dunklen Erinnerungen, Phantasien oder Träumen. Sucht man es ernstlich, so darf man kaum je darnach fragen. Aber eine körperliche oder geistige Attitüde spricht deutlich ihre Abstammung vom Streben nach Macht aus und trägt das Ideal irgendeiner Art von Vollkommenheit und Fehlerlosigkeit in sich. Immer wird in jenen Fällen, die sich der Neurose nähern, ein verstärktes Messen an der Umgebung, auch an Verstorbenen und Helden der Vergangenheit auffällig werden.

Die Probe auf die Richtigkeit dieses Befundes ist leicht anzustellen. Trägt nämlich jeder, wie wir es beim Nervösen in vergrössertem Masse wahrnehmen, ein Ideal der Überlegenheit in sich, dann müssen auch Erscheinungen zu finden sein, die auf eine Unterdrückung, auf Verkleinerung, auf Entwertung der anderen hinzielen. Charakterzüge wie Unduldsamkeit, Rechthaberei, Neid, Schadenfreude, Selbstüberschätzung, Prahlerei, Misstrauen, Geiz, — kurz alle Stellungen, die der Voraussetzung eines Kampfes entsprechen, müssen zum Durchbruch kommen, in weitaus höherem Grade als es etwa die Selbsterhaltung gebietet.

Daneben, manchmal gleichzeitig oder austauschbar, wird man je nach dem Eifer und dem Selbstvertrauen, mit dem das Endziel gesucht wird, Züge von Ehrgeiz, Wetteifer, Mut, die Attitüde des Rettens und Schenkens und Dirigierens auftauchen sehen. Eine psychologische Untersuchung erfordert so viel Objektivität, dass ein moralisches Urteil die Übersicht nicht stört. Man muss auch noch hinzunehmen, dass das verschiedene Niveau der Charakterzüge in erster Reihe unser Wohlgefallen oder unsere Missachtung auslöst. Und schliesslich liegen, insbesondere bei Nervösen, die feindlichen Züge oft so versteckt, dass der Träger dieser Eigenschaften mit Recht erstaunt und unwillig wird, sobald ihn einer darauf hinweist. Von zwei Kindern z. B. schafft sich das ältere eine recht unbehagliche Situation, weil es durch Trotz und Eigensinn die Herrschaft in der Familie an sich reissen will. Das jüngere Kind fängt es klüger an, zeigt sich als ein Muster von Gehorsam und bringt es so dahin, dass es der Abgott in der Familie wird, dem man alle Wünsche erfüllt. Als es der Ehrgeiz weiter trieb, kam es zur Zerstörung der Gehorsamsbereitschaft; es stellten sich krankhafte Zwangserscheinungen ein, mittelst deren jeder Befehl der Eltern durchkreuzt wurde, trotzdem man das Kind sich abmühen sah, im Gehorsam zu verharren. Ein Gehorsam also, dem seine Aufhebung durch Zwangsdenken auf dem Fusse folgte. Man sieht den Umweg, der gemacht wurde, um auf die gleiche Linie wie das andere Kind zu kommen.

Die ganze Wucht des persönlichen Strebens nach Macht und Überlegenheit geht frühzeitig beim Kinde in die Form und in den Inhalt seines Strebens über, während das Denken nur so viel davon beiläufig aufnehmen darf, als das unsterbliche, reale, physiologisch gegründete Gemeinschaftsgefühl erlaubt. Aus letzterem entwickelte sich Zärtlichkeit, Nächstenliebe, Freundschaft, Liebe, das Streben nach Macht entfaltet sich verschleiert und sucht sich heimlich auf den Wegen des Gemeinschaftsgefühls durchzusetzen.

An dieser Stelle muss ich eine alte Grundanschauung aller Seelenkenner bestätigen. Jede auffällige Haltung eines Menschen lässt sich bis zu einem Ursprung in der Kindheit verfolgen. In der Kinderstube formt sich und bereitet sich die künftige Haltung des Menschen vor. Grundlegende Änderungen ergeben sich nur durch einen hohen Grad der Selbsterkenntnis oder im Stadium der Nervosität durch ein individualpsychologisches Vorgehen des Arztes.

An einem andern Falle, wie er sich ähnlich ungezählte Male ereignet, will ich noch näher auf die Zielsetzung des Nervösen eingehen. Ein hervorragend begabter Mann, der sich durch Liebenswürdigkeit und feines Benehmen die Gunst eines wertvollen Mädchens errungen hatte, denkt an die Verlobung. Gleichzeitig rückt er mit einem Erziehungsideal dem Mädchen an den Leib, das diesem recht schwere Opfer auferlegt. Eine Zeit lang erträgt sie die masslosen Anordnungen, bis sie weiteren Prüfungen durch den Abbruch der Beziehungen aus dem Wege geht. Nun stürzt der Mann in nervösen Anfällen zusammen. Die individualpsychologische Aufklärung des Falles ergab, dass das Ziel der Überlegenheit bei diesem Patienten, wie es sich in den herrschsüchtigen Anforderungen an die Braut ergab, schon längst zu einer Ausschaltung der Ehe gedrängt hatte, und dass er heimlich vor sich selbst dem Bruch zutreiben musste, weil er sich dem offenen Kampfe, als den er sich die Ehe ausmalte, nicht gewachsen glaubte. Auch dieser Zweifel an sich selbst stammte aus seiner frühesten Kindheit, wo er als einziger Sohn ziemlich abgeschlossen von der Welt mit seiner früh verwitweten Mutter lebte. Aus dieser Zeit, die sich in fortwährenden häuslichen Kämpfen abwickelte, hat er den unauslöschlichen Eindruck gewonnen, den er sich offen nie eingestanden hätte: als sei er nicht männlich genug, als würde er nie einer Frau gewachsen sein. Diese psychische Attitüde ist einem dauernden Minderwertigkeitsgefühl vergleichbar, und man kann es wohl verstehen, wie sie in das Schicksal eines Menschen bestimmend eingreift und ihn zwingt, sein Prestige anders zu wahren als in der Erfüllung realer Forderungen.

Dass der Patient erreichte, was seine heimlichen Vorbereitungen zur Ehelosigkeit bezweckten, und was ihm seine Furcht vor dem Partner eingab, Kampfszenen und eine ruhelose Beziehung zur Frau, ist kaum zu verkennen. Ebensowenig, dass er sich zu seiner Braut ähnlich stellte wie zu seiner Mutter, die er ja gleichfalls niederringen wollte. Diese durch Sehnsucht auf Sieg erzwungene Haltung ist von der Freudschen Schule als dauernd inzestuöse Verliebtheit in die Mutter glänzend missverstanden worden. In Wirklichkeit treibt den Patienten sein aus der schmerzlichen Beziehung zu seiner Mutter verstärktes kindliches Minderwertigkeitsgefühl dazu, es im Leben noch einmal unter Anwendung der stärksten Sicherungstendenz auf den Kampf mit der Frau ankommen zu lassen. Was immer wir unter Liebe verstehen wollen, es bleibt in diesem Falle nur Mittel zum Zweck. Letzterer aber ist: endlich den Triumph über ein geeignetes weibliches Wesen zu erzwingen. Deshalb die fortgesetzten Prüfungen und Forderungen, deshalb auch die mit Sicherheit zu erwartende Lösung des Verhältnisses. Diese Lösung hat sich nicht „ereignet“, sie wurde kunstgerecht inszeniert, und ihr Arrangement erfolgte mit den alten Mitteln seiner Erfahrung, wie er sie an seiner Mutter geübt hatte. Eine Niederlage in der Ehe schien ausgeschlossen, weil er die Ehe verhinderte.

Bleibt so kaum etwas Rätselhaftes an dem Verhalten dieses Mannes, erkennen wir in seiner herrschsüchtigen Attitüde deutlich die Aggression, die sich als Liebe gibt, so bedarf doch der weniger verständliche nervöse Zusammenbruch des Patienten einiger erläuternder Worte. Wir betreten damit den eigentlichen Boden der Neurosenpsychologie. Wieder einmal wie in der Kinderstube ist der Patient am Weibe gescheitert. In allen ähnlichen Fällen lockt es den Nervösen, seine Sicherungen zu verstärken und sich in einen grösseren Abstand von der Gefahr3 zu begeben. Unser Patient braucht den Zusammenbruch, um eine böse Erinnerung in sich zu nähren, um die Schuldfrage aufzuwerfen und sie zu Ungunsten der Frau zu lösen, um in späteren Zeiten mit noch grösserer Vorsicht zu Werke zu gehen! Oder um endgültig von Liebe und Ehe Abschied zu nehmen! Dieser Mann zählt heute 30 Jahre. Gestatten wir uns die Annahme, dass er seinen Schmerz 10—20 Jahre mit sich herumtragen und ebensolange sein verlorenes Ideal betrauern wird, so hat er sich dadurch vielleicht für immer vor jeder Liebesbeziehung und so in seinem Sinne vor jeder neuen Niederlage gesichert.

Den nervösen Zusammenbruch aber konstruiert er gleichfalls mit den alten verstärkten Mitteln seiner Erfahrung, ähnlich wie er etwa als Kind das Essen, das Schlafen, die Arbeit von sich gewiesen hatte und die Rolle des Sterbenden spielte. Da sinkt die Schale mit der Schuld der Geliebten, und er selbst überragt sie an Gesittung und Charakter, und siehe: er hat erreicht, nach was er Sehnsucht trug, er ist der Überlegene, er ist der Bessere, sein Partner aber ist schlecht wie alle Mädchen. Sie können sich mit ihm, dem Manne nicht messen. So hat er die Verpflichtung, die er schon als Knabe fühlte, erfüllt, er hat gezeigt, dass er höher steht als das weibliche Geschlecht.

Wir begreifen, dass seine nervöse Reaktion nicht scharf genug ausfallen kann. Er muss als lebender Vorwurf gegen die Frau auf Erden wandeln4.

Wüsste er um seine geheimen Pläne, so wäre sein ganzes Tun Gehässigkeit und böse Absicht. Könnte demnach den beabsichtigen Zweck, seine Erhebung über die Frau, gar nicht erreichen. Denn er sähe sich so wie wir ihn sehen, wie er das Gewicht fälscht, und wie er alles zu einem vorherbestimmbaren Ziele führt. Was sich mit ihm begibt, wäre nicht mehr „Schicksal“, geschweige denn, dass es für ihn ein Plus ergäbe. Sein Ziel, sein Lebensplan, seine Lebenslüge verlangen aber dieses Plus! Folglich „ergibt“ sich auch, dass dieser Lebensplan im Unbewussten bleibt, damit der Patient an ein unverantwortliches Schicksal, nicht an einen langen vorbereiteten, ausgeklügelten verantwortlichen Weg glauben darf.

Ich muss hier einer weitläufigen Schilderung dieser „Distanz“ die der Nervöse zwischen sich und die Entscheidung, — in diesem Falle die Ehe, — legt, aus dem Wege gehen. Auch wie er sie macht, ist einer Beschreibung der nervösen Arrangements vorzubehalten. Es sei nur darauf hingewiesen, dass diese Distanz sich in der „zögernden Attitüde“ des Patienten, in seinen Prinzipien, in seiner Weltanschauung und in seiner Lebenslüge deutlich ausspricht. Am wirksamsten zu ihrer Entfaltung erweist sich immer die Neurose und Psychose. Auch die Eignung der aus den gleichen Quellen stammenden Perversionen und jeglicher Impotenz ist ungemein gross. Den Abschluss und die Versöhnung mit dem Leben findet der Mensch dann in der Konstruktion eines oder mehrerer „Wenn-Sätze“. „Wenn irgend etwas anderes gewesen wäre . . .!“.

Die Bedeutung der Erziehungsfragen, auf die unsere Schule das grösste Gewicht legt (Siehe Heilen und Bilden, Reinhardt, München, 1913), geht aus diesen Zusammenhängen scharf hervor.

Es ergibt sich aus der Anlage der vorliegenden Arbeit, dass unsere Untersuchung wie im Falle einer psychotherapeutischen Kur den rückläufigen Weg einschlägt, zuerst das Ziel der Überlegenheit betrachtet, an ihm die Kampfstellung des Menschen5, insonderheit des Nervösen erläutert und nun die Quellen dieses hervorragenden seelischen Mechanismus zu erfassen trachtet. Einer Grundlage dieser psychischen Dynamik haben wir bereits gedacht, sie liegt in der vorläufig unausweichlichen, artistischen Eignung des seelischen Apparats, die Anpassung und die Expansion in der Realität mittelst des Kunstgriffs der Fiktion und der Zielsetzung zu ermöglichen. Wie das Ziel der Gottähnlichkeit die Stellung des Individuums zu seiner Umgebung in eine kämpferische umgestaltet, und wie der Kampf den Menschen auf den Linien geradliniger Aggression oder auf Leitlinien der Vorsicht dem Ziele näher zu treiben sucht, habe ich kurz zu beleuchten unternommen. Verfolgt man den Werdegang dieser Aggression weiter in die Kindheit zurück, so stösst man in jedem Falle auf die auslösende Grundtatsache: dem Kinde haftet während der ganzen Zeit seiner Entwicklung ein Gefühl der Minderwertigkeit in seinem Verhältnis zu den Eltern und zur Welt an. Durch die Unfertigkeit seiner Organe, durch seine Unsicherheit und Unselbständigkeit, infolge seines Anlehnungsbedürfnisses an Stärkere und wegen der oft schmerzlich empfundenen Unterordnung unter andere erwächst ihm dieses Gefühl der Insuffizienz, das sich in seiner ganzen Lebenstätigkeit verrät. Dieses Gefühl der Minderwertigkeit erzeugt die beständige Unruhe des Kindes, seinen Betätigungsdrang, sein Rollensuchen, sein Kräftemessen, sein Vorbauen in die Zukunft und seine körperlichen und geistigen Vorbereitungen. Die ganze Erziehungsfähigkeit des Kindes hängt an diesem Insuffizienzgefühl. So wird ihm die Zukunft ein Land, das ihm die Kompensationen bringen soll. Auch in seinem Minderwertigkeitsgefühl spiegelt sich die Kampfstellung wieder; und als Kompensation gilt ihm nur, was seine gegenwärtige dürftige Lage dauernd aufhebt und ihn allen andern überlegen macht. So kommt das Kind zur Zielsetzung und zum fiktiven Ziele der Überlegenheit, wo sich seine Armut in Reichtum, seine Unterwerfung in Herrschaft, sein Leiden in Freude und Lust, seine Unkenntnis in Allwissenheit, seine Unfähigkeit in Kunst verwandeln wird. Dieses Ziel wird um so höher angesetzt und um so prinzipieller festgehalten, je deutlicher und länger das Kind seine Unsicherheit empfindet und je mehr es unter körperlicher oder geringgradiger geistiger Schwäche leidet, je mehr es seine Zurücksetzung im Leben spürt. Wer dieses Ziel erraten will, muss das Kind beim Spiel, bei freigewählten Beschäftigungen oder bei seinen Phantasien über die künftige Berufswahl beobachten. Der fortgesetzte Wandel in diesen Erscheinungen ist nur äusserer Schein, in jedem neuen Ziel glaubt es seinen Triumph vorwegzunehmen. Einer Variante dieses Pläneschmiedens sei noch gedacht, die man häufig bei weniger aggressiven Kindern, bei Mädchen und bei häufig erkrankten Geschöpfen findet: sie lernen ihre Schwäche missbrauchen und verpflichten so die andern, sich ihnen unterzuordnen. Sie werden es auch später immer wieder versuchen, bis die Aufdeckung ihres Lebensplanes und ihrer Lebenslüge einwandfrei gelungen ist.

Ein besonderer Aspekt bietet sich dem aufmerksamen Betrachter sobald das Wesen dieser kompensatorischen Dynamik die Geschlechtsrolle als minderwertig erscheinen lässt und zu übermännlichen Zielen drängt. In unserer Kultur wird sich das Mädchen wie der Knabe zu ganz besonderen Anstrengungen und Kunstgriffen genötigt glauben. Unstreitig gibt es unter diesen eine grosse Anzahl fördernder. Diese zu erhalten, die zahllosen irreführenden und krankmachenden Leitlinien aber aufzudecken und unschädlich zu machen, ist unsere gegenwärtige Aufgabe, die weit über die Grenzen einer ärztlichen Kunst hinaus führt, von der unser gesellschaftliches Leben, die Kinder- und Volkserziehung die wertvollsten Keime erwarten dürfen. Denn das Ziel dieser Lebensanschauung ist: verstärkter Wirklichkeitssinn, Verantwortlichkeit und Ersatz der latenten Gehässigkeit durch gegenseitiges Wohlwollen, die aber ganz nur zu gewinnen sind durch die bewusste Entfaltung des Gemeinschaftsgefühls und durch den bewussten Abbruch des Strebens nach Macht.

Wer die Machtphantasien des Kindes sucht, findet sie meisterhaft in Dostojewskis „Jüngling“ (auch: „ein Werdender“) geschildert. Bei einem meiner Patienten fand ich sie besonders krass. In seinen Gedanken und Träumen kehrte immer der Wunsch wieder: andere mögen sterben, damit er Raum zum Leben habe, anderen möge es schlecht gehen, damit er bessere Möglichkeiten gewänne. Es erinnert diese Haltung an Gedankenlosigkeiten und Herzlosigkeiten vieler Menschen, die alle ihre Übel darauf zurückführen, dass schon zuviel Menschen auf Erden seien, Regungen, die sicherlich allenthalben den Weltkrieg schmackhafter gemacht haben. — Das Gefühl der Gewissheit bei solchen Fiktionen wird aus anderen Sphären herübergeholt, in obigem Falle aus den Grundtatsachen des kapitalistischen Handels, bei dem wirklich der eine um so besser fährt, je schlechter es dem andern geht. „Ich will Totengräber werden“, sagte mir ein vierjähriger Junge, „ich will der sein, der die anderen eingräbt.“ —


Fuente: Alfred Adler, «Die Individualpsychologie, ihre Voraussetzungen und Ergebnisse. (1914.)», en Praxis und Theorie der Individualpsychologie. Vorträge zur Einführung in die Psychotherapie für Ärzte, Psychologen und Lehrer, Múnich/Wiesbaden, J. F. Bergmann, 1920, cap. I, págs. 1-10; transcripción del ejemplar de la University of Michigan digitalizado por Google y publicado en archive.org (praxisundtheori00adlegoog; fichero local materiales/1920/1920_Praxis-und-Theorie-der-Individualpsychologie__archive.pdf, págs. 14-23 del PDF). El OCR de ese ejemplar es deficiente: el texto se ha transcrito de nuevo con OCR propio (Tesseract, deu, 300 ppp), corregido línea a línea sobre las imágenes de las páginas. La primera publicación, en Scientia (Bolonia) 16 (1914), págs. 74-87, no se ha consultado; el inventario de obras registra este texto como AA1914-05. Ortografía original de 1920 (ss por ß, como en la impresión). Se respetan las erratas impresas «das sich» (por dass sich, S. 5), «Voraussetung» (S. 5), «nahegelegt» (por nahelegt, S. 6), «beabsichtigen» (por beabsichtigten, S. 8) y «Ein besonderer Aspekt» (S. 10). Las notas del autor, numeradas por página en el original, se numeran aquí de forma continua. Las cursivas reproducen el espaciado (Sperrsatz) del original. Los comentarios S. n del código marcan el comienzo de cada página impresa. Forma parte del libro Praxis und Theorie der Individualpsychologie (1920), cap. I.

  1. Auf anderen Wegen ist William Stern zu ähnlichen Ergebnissen wie ich gekommen. ↩

  2. S. auch „Das Problem der Distanz“ in diesem Bande. ↩

  3. S. Problem der Distanz. ↩

  4. Der paranoide Zug wird erkennbar. Siehe: Lebenslüge und Verantwortlichkeit in der Neurose und Psychose, in diesem Band. ↩

  5. Der „Kampf ums Dasein“, der „Kampf aller gegen alle“ etc. sind nur andere Perspektiven der gleichen Relation. ↩