Zur Rolle des Unbewussten in der Neurose.

Von Dr. Alfred Adler, Wien.

Unser Verständnis für die Einzelfragen in der Psychologie der Neurosen ist so sehr an die individuelle Betrachtungsweise geknüpft, dass man behaupten kann: die Arbeitshypothese, obwohl aus Einzelerkenntnissen erwachsen, gibt ein Bild von der Weite der Anschauungen und von den Grenzen der Erkenntnis des Untersuchenden. Und dies so sehr, dass dadurch erklärlich wird, wie es zu verschiedenen Auffassungen, Wertungen, Voraussetzungen kommt, wie die eine Schule diesen, die andere jenen Punkt ihrer Darstellungen hervorhebt oder mindert, wie dem einen die Wichtigkeit eines Beobachtungsmaterials entgeht, wo ein anderer Unwesentlichem besondere Würde verleiht. Wer für eine formulierte Lehre einsteht, ist kaum wankend zu machen1; es wäre denn, dass ihm die inneren Widersprüche bewusst werden. Im allgemeinen benimmt er sich wie ein nervöser Patient, der eine Änderung seines Lebensplanes solange nicht zulässt, bis er sein unbewusstes Grössenideal erkannt hat und es als unrealisierbar verwirft.

Zum Unterschiede zu manchen anderen Autoren möchte ich den Leser zur Prüfung ermuntern, diese Betrachtung auch auf die folgenden Ausführungen anzuwenden. Die Psychotherapie ist ein künstlerischer Beruf. Die Selbstanalyse — wertvoller ist die Erfassung der eigenen Lebenslinie — etwa dem Selbstporträt vergleichbar, bietet schon deshalb keine Garantie für „voraussetzungsloses“ Forschen, weil sie wieder mit den leider beschränkten Mitteln der Persönlichkeit (oder zweier Persönlichkeiten) zustande kommt und weil die individuelle Perspektive nicht zulässt, sich oder andere anders als individuell zu betrachten. Persönliche, d. h. andere als in der Wissenschaft übliche Argumentationen bei der Beurteilung psychotherapeutischer Anschauungen anzuwenden, ist demnach ein Unfug, der nur durch die Jugend unserer Disziplin erklärlich ist, der auch auf die Dauer keinen Anklang finden dürfte.

Durchaus nicht so störend wirken diese Grenzen der Individualität in der psychotherapeutischen Praxis. Scheitert der Nervöse an dem Druck der Realität, so lehrt ihn der Arzt sich mit der Realität auseinanderzusetzen.

Der Zusammenstoss von Patient und Arzt hindert immer wieder das Wandeln des Neurotikers in der Fiktion. Und während der Patient um seine Überlegenheit zu kämpfen vermeint, verweist ihn der Arzt auf die Einseitigkeit und Starre seiner Attitude2.

Dabei erweist sich als die grösste Schwierigkeit in der Kur, dass der Patient, obgleich er die Einsicht in den neurotischen Mechanismus hat, gleichwohl seine Symptome teilweise aufrecht erhält. Bis sich ein neuer, vielleicht der schwerwiegendste der neurotischen Kunstgriffe enthüllt: der Patient bedient sich des Unbewussten, um mit seinen alten Bereitschaften und Symptomen trotz der Aufklärung dem alten Ziel der Überlegenheit folgen zu können. Und mit dieser Feststellung sind wir wieder auf der Linie der Aufklärungen, die ich in meiner Arbeit „Über den nervösen Charakter“3 den neurotischen Lebensplan beschreibend erörtert habe. Die nervöse Psyche ist, um ihr überspanntes Ziel überhaupt anstreben zu können, zu Kunstgriffen und Finten gezwungen. Einer dieser Kunstgriffe ist die Verlegung des Zieles oder eines Ersatzzieles ins Unbewusste. Steckt dieses Ziel als „Moral“ in einem Erlebnis oder in einer Phantasie, dann können auch diese der Amnesie ganz oder soweit verfallen, dass das fiktive Endziel darin verschleiert wird.

Es ist nur eine andere Ausdrucksweise, geht übrigens folgerichtig aus diesen Feststellungen hervor, wenn ich hervorhebe, dass dieses gleiche Ziel oder Bruchstücke von Erlebnissen und Phantasien, die mit diesem Ziel verknüpft sind, dem Bewusstsein soweit und in der Form zugänglich sind, dass sie der Erreichung des Persönlichkeitsideals förderlich und nicht im Wege sind. Die biologische Bedeutung des Bewusstseins wie die des geschilderten Anteils des Unbewussten liegt also in der Ermöglichung des Handelns nach einem einheitlich gerichteten Lebensplan. Diese Anschauung deckt sich zum Teil mit den bedeutsamen Lehren Steinthal's, Vaihinger's und Bergson's4 und weist auf die aus dem Instinkt erwachsene, den Zwecken der Aggression angepasste Qualität des Bewusstseins hin.

Auch die dem überspannten neurotischen Ideal gehorchende bewusste Vorstellung ist also in der Qualität ihres Bewusstseins ein Kunstgriff der Psyche, wie aus der Analyse der überwertigen Ideen, des Wahnes, der Halluzination5, vor allem der Psychosen deutlich hervorgeht. Jede bewusste Manifestation der Psyche weist uns demnach in gleicher Weise auf das unbewusste fiktive Endziel wie die unbewusste Regung, sofern man sie richtig erfasst. Die billige Redensart vom „Oberflächenbewusstsein“ kann nur den täuschen, der diesen Zusammenhang noch nicht kennt. Die häufige Gegensätzlichkeit von bewussten und unbewussten Regungen ist nur ein Gegensatz der Mittel, für den Endzweck der Erhöhung der Persönlichkeit, für das fiktive Ziel der Gottgleichheit aber irrelevant.

Dieser Endzweck aber und jeder überspannte Formenwandel desselben muss im Unbewussten bleiben, wenn er durch seinen offenen Gegensatz zur Realität das Handeln nach der neurotischen Leitlinie unmöglich macht. Wo die Bewusstseinsqualität als Mittel des Lebens, als Sicherung der Einheit der Persönlichkeit und als Sicherung des Persönlichkeitsideals nötig wird, erscheint sie auch in der geeigneten Form und Ausdehnung. Selbst das fiktive Ziel, der neurotische Lebensplan kann teilweise ins Bewusstsein treten, wenn dieser Vorgang geeignet ist, eine Erhöhung des Persönlichkeitsgefühls zu bewirken. So besonders in der Psychose. Sobald aber das neurotische Ziel durch sein Bewusstwerden sich selbst aufheben könnte, formt es den Lebensplan aus dem Unbewussten.

Diese aus den Tatsachen neurotischer Phänomene erhobenen Befunde finden ihre theoretische Bestätigung in einer Schlussfolgerung, die — wenn auch unausgesprochen — aus den fundamentalen Lehren Vaihinger's von dem Wesen der Fiktion hervorgeht6. In einer grandiosen Synthese erfasst dieser geniale Forscher das Wesens des Denkens als ein Mittel zur Bewältigung des Lebens, das mit dem Kunstgriff der Fiktion, einer theoretisch wertlosen aber praktisch notwendigen Idee, seinen Zweck zu erreichen sucht. War diese tiefe Konzeption des Wesens der Fiktion erst nötig, uns ganz mit den Kunstgriffen unseres Denkens vertraut zu machen, — eine Einsicht, die unsere Weltanschauung entsprechend umgestalten wird —, so liegt in der Tatsache einer „Entdeckung“ bereits angedeutet, dass auch die leitende Fiktion dem Unbewussten angehört, und dass ihr Auftauchen ins Bewusstsein für ihren Zweck teils überflüssig, teils aber hinderlich sein kann.

An diese Tatsache kann die Psychotherapie anknüpfen, indem sie die leitende Grössenidee ins Bewusstsein ruft und dadurch ihre Wirksamkeit für das Handeln unmöglich macht. Dementsprechend soll in folgendem gezeigt werden, dass nur die unbewusste leitende Persönlichkeitsidee das neurotische System ganz ermöglicht7.

I. Eine Nichte einer Patientin kündigt im Geschäft den Dienst. Pat. ist besorgt, dass diese, — obwohl sie sie früher sehr gering gewertet hatte, — unersetzlich wäre. Sie jammert, dass sie nie fertig wird, zweifelt, ob sie die oder die Person anstellen solle. Der Mann ist unbrauchbar. Das Fräulein ist ein Papagei. Man hört heraus: „Nur ich, ich, ich!“ — und: „wenn ich nicht wäre!“ . . .

Die Frau leidet an Platzangst. Das heisst: sie kann nicht fortgehen. Ja, wie sollte sie denn fortgehen können, wenn sie sich immer „in die Auslage stellen muss“! Sie sichert sich durch die Platzangst, um zu Haus zu bleiben und ihre Unersetzlichkeit zu demonstrieren. Sie leidet an Schmerzen in den Beinen. Nimmt 3—4—5 Gramm Aspirin täglich. Des Nachts wacht sie oft vor Schmerzen auf, nimmt Pulver, denkt über geschäftliche Aufgaben nach, und dies mehrere Male in einer Nacht. Sie hat Schmerzen, um sogar in der Nacht an das Geschäft denken zu können. Das überspannte Grössenideal dieser Patientin, Mann, Königin, die Erste überall zu sein, kann nur wirksam werden, solange es unbewusst bleibt. Reminiszenzen aus der Kindheit, wie die Knaben es besser hätten, decken sich mit ihrer heutigen Anschauung, dass die Frauen minderwertig seien.

II. Traum eines 26 jährigen Mädchens, die wegen Wutausbrüchen, Suicidgedanken, Weglaufen in Behandlung kam.

„Mir war, als ob ich verheiratet wäre. Mein Mann war ein schwarzer, mittelgrosser Herr. Ich sagte: Wenn du mir nicht hilfst mein Ziel zu erreichen, so werde ich alle Mittel versuchen, auch gegen deinen Willen.“

Das der Patientin unbewusst gewesene Ziel aus der Kindheit war: sich in einen Mann zu verwandeln. (Siehe Kainos, Ovid)8.

Dieses Ziel war in der Kindheit nicht unbewusst, wenngleich es für das kleine Mädchen nicht alles bedeutete, was wir in dieser Aufstellung sehen. Besser gesagt: die psychologische und soziale Bedeutung konnte von dem Kinde nicht mit voller Klarheit erfasst werden. Aber es äusserte sich in besonderer, übertriebener Wildheit, in nahezu zwangmässigem Antrieb, Knabenkleider anzulegen, Bäume hinaufzuklettern, in Kinderspielen die Rolle des Mannes zu wählen, Knaben — um das Prinzip der Metamorphose aufrecht zu erhalten — weibliche Rollen zuzumessen.

Unsere Patientin war ein kluges Kind und erkannte bald ihre leitende Fiktion als unhaltbar. Da geschah zweierlei: 1. Sie kam zum Formenwandel der Fiktion, die nunmehr lautete: Ich muss von allen verzärtelt werden! Auf die Kraftlinie reduziert: ich muss alle beherrschen, das Interesse aller auf mich ziehen. 2. Sie vergass, verdrängte ihre ursprüngliche leitende Idee, — damit sie sie weiter behalten konnte. — Dieser Kunstgriff der Psyche ist ungemein wichtig. Ich brauche kaum zu erwähnen, dass es sich nie dabei um die Verdrängung sexueller Regungen oder von „Komplexen“ ins Unbewusste handelt, sondern immer nur um das Unbewusstwerden von Machtbestrebungen, die vom leitenden Persönlichkeitsideal abstammen, um Fiktionen, die in dessen Interesse so festgehalten werden müssen, dass sie einer bewussten Anwendung und somit einer Erprobung und Beeinträchtigung entzogen werden. So sichert sich das Persönlichkeitsideal, um nicht aufgelöst zu werden, damit nicht die über alles erstrebte und lebensnotwendige Einheit der Persönlichkeit verloren gehe: durch die Verschleierung seiner Fiktionen, indem es sie dem Bewusstsein entzieht!

III. Traum eines Patienten, der wegen Suicidversuchs, wegen Untauglichkeit und Ungeschicklichkeit, wegen sadistischer Phantasien und Perversionen, wegen Zwangsmasturbation und wegen Verfolgungsideen in meine Behandlung kam:

„Ich teilte meiner Tante mit, mit Frau P. sei ich jetzt fertig. Ich kenne alle ihre guten und schlechten Charakterzüge, und ich zählte sie auf. Die Tante erwiderte: auf einen Zug hast du vergessen: auf die Herrschsucht.“

Die Tante ist eine schlagfertige, etwas sarkastische Frau. Frau P. hat mit dem Patienten ein Spiel getrieben, durch das sie ihn zur Raserei brachte. Sie zeigte ihm durch ihre Haltung, dass sie ihn geringschätze, und stiess ihn zurück, um ihn nach einiger Zeit wieder an sich zu ziehen. Für den Patienten überwogen natürlich die Demütigungen. Sie waren, wie für die meisten Nervösen die Niederlagen, nur Anlässe, sich in diese Affäre zu verbeissen, um doch einen Umschwung herbeizuführen und zur Beherrschung der Situation zu kommen. Das gereizte, gesteigerte Minderwertigkeitsgefühl sucht eine Überkompensation, und es ist ein typisch nervöser Zug, wie solche Patienten niemals von Menschen loskommen, die ihnen eine Niederlage bereitet haben. Das Verständnis dieses Charakters löst uns das ganze Geheimnis der Neurose.

In der Literatur werden ähnliche Züge als masochistisch gewertet. Ich habe in der Arbeit „Die psychische Behandlung der Trigeminusneuralgie“ (Zeitschr. f. Psychoanalyse 1910) diesen verwirrenden Irrtum bereits aufgeklärt. Man kann nur von pseudomasochistischen Zügen reden. Denn sie dienen in gleicher Weise wie der Sadismus dem Streben nach Überlegenheit, scheinen nur gegensätzlich, ambivalent, solange man nicht weiss, dass beide Formen des Lebens gleichwertig nach dem gleichen Ziele streben. Sie sind bloss für den Betrachter gegensätzlich, nicht aber für den Kranken, nicht aber in der Betrachtung vom Standpunkt eines richtig verstandenen neurotischen Lebensplanes aus.

Patient hatte seit jeher einen ausserordentlich starken Hang zu einer analysierenden Welt- und Menschenbetrachtung. Wie so oft stammte dieser Zug aus einer starken Entwertungstendenz. Der analysierende Neurotiker handelt förmlich nach dem Schlagwort: divide et impera! Er löst die oft reizvollsten Zusammenhänge auf und erhält dann ein wertloses Gemenge von Schablonen. Ecce homo! Ist dies aber wirklich der Mensch? Eine wirkliche, lebendige Psyche?

Sarkastisch wie die Tante möchte Patient selbst sein. Er hat aber nur den Treppenwitz und findet nie eine schlagfertige Antwort. Diese „zögernde Attitude“ verdankt er freilich seinem Lebensplan, der ihn zwingt, jede Antwort so zu geben, dass der „Gegner“ — und jeder ist eigentlich sein Gegner — vernichtet ist, oder gar nicht oder so mangelhaft zu antworten, dass er und seine Angehörigen den Eindruck gewinnen, man müsse zart mit ihm umgehen, ihm in jeder Weise behilflich sein.

Patient stand am Tage, bevor er träumte, unter dem Eindruck einer Unterredung mit dem älteren Bruder, dem er sich nie gewachsen gefühlt hatte. Der Bruder versprach ihm, er wolle sich noch einmal für ihn bemühen und ihm zum letzten Male eine Stelle verschaffen. Solche Unternehmungen des stärkeren Bruders zum Scheitern zu bringen war aber gerade die Spezialität unseres Patienten gewesen. Und seine Behandlung wurde nötig, weil er einen Suicidversuch gemacht hatte, kurz nachdem er sich bei dem Bruder für die Erlangung einer Stelle bedankt hatte. — Als ihm der Bruder eines Tages wegen seiner schlechten Kleidung Vorwürfe machte, träumte er, er habe einen neuen Anzug an, den er mit Tinte übergossen hatte. Kennt man die psychische Situation eines Patienten, so sind auch seine Träume ohne viel Deutungsarbeit leicht verständlich. Wir sehen Gedanken und antizipierte Handlungen darauf abzielen, den Bruder um seine Geltung zu bringen, um seinen Einfluss, seine Leistungen hinterrücks und heimlich wieder aufzuheben. Dabei ist unser Patient ein gewaltiger Ethiker und Moralist.

Die gegen den Bruder gerichtete Entwertungstendenz arbeitet also verdeckt, sozusagen im Unbewussten. Nichtsdestoweniger leistet sie mehr als sie im Bewusstsein erreichen könnte!

Woher sie kam, ist leicht zu sagen: sie ist ein Abkömmling der überspannten Grössenidee des Patienten. Warum arbeitet sie im Unbewussten? Damit sie überhaupt arbeiten kann! Denn das Persönlichkeitsideal unseres Patienten würde durch ein derartiges bewusst herabsetzendes, beschimpfendes Wollen eine Beeinträchtigung erfahren, der Patient würde sich minderwertig fühlen. Deshalb der Umweg, deshalb die Charakterzüge der Unbeholfenheit und Ungeschicklichkeit, die Finessen und Raffinements ausgeübter Minderwertigkeit im Beruf und im Leben! Deshhalb auch der Selbstmordversuch im äussersten Fall und die heimliche Drohung mit demselben, um den Druck gegen den Bruder zu verstärken! Um dessen Anspannung zu erhöhen, um ihn um die erhofften Früchte seiner Bemühungen zu bringen!

Daraus leiten wir den praktisch ungemein wichtigen Satz ab: Wir können das neurotische Handeln so betrachten, als ob es wie im Bewussten einem Ziel gehorchte. Und wir können vorläufig abschliessend behaupten: die Unbewusstheit einer Fiktion, eines moralisierenden Erlebnisses oder einer Erinnerung kommt als ein Kunstgriff der Psyche zustande, wenn das Persönlichkeitsgefühl und die Einheit der Persönlichkeit durch das Bewusstwerden derselben bedroht wäre.

„Auf die Herrschsucht nicht vergessen!“ lautet mein Warnungsruf an den Patienten. Ich werde im Traum mit der Tante in eine Linie gestellt, sowie der Bruder mit der Frau P., die immer überlegen war. Diese Verweiblichung von zwei Männern geschieht unter dem gleichen Impuls der Entwertung, von der oben die Rede war. Aber der Patient ermahnt sich im Traume bereits, durch die Worte der Tante, d. h. durch meine Worte, was bisher meine Aufgabe war, ja die wichtigste Aufgabe des Psychotherapeuten überhaupt ist. Man sieht das derzeitige Stadium der Neurose: die durch den Bruder erlittene Herabsetzung beantwortet er durch Entwertung des Bruders. Da ruft er sich zur Ordnung, wie ich es sonst getan habe.

Am nächsten Tage schrieb er an die Schwester einen Brief, den er zu schreiben gezögert hatte. Er beschwert sich zum ersten Male offen über die Arroganz des Bruders. Zum Schlusse fügte er allerdings hinzu, sie möge den Brief geheim halten. Der offene Kampf scheint ihm noch zu schwer, weil er die heimliche Herrschsucht des Patienten enthüllen würde.


Fuente: transcripción a partir del Zentralblatt für Psychoanalyse. Medizinische Monatsschrift für Seelenkunde 3 (1912/13), H. 4/5, S. 169-174 (Internet Archive; fichero local 1913/1913-01_Zentralblatt-Psychoanalyse_Jg3-H4-5_Rolle-des-Unbewussten__archive.pdf, págs. 3-8 del PDF). OCR de Internet Archive corregido íntegramente sobre las imágenes. Se respetan las erratas del original que no afectan al sentido («das Wesens des Denkens», «Deshhalb»); el titulillo de la S. 171 dice «Die Rolle des Unbewussten in der Neurose». Las cursivas reproducen el espaciado del original; los nombres propios espaciados se dan también en cursiva. Los comentarios S. n marcan el comienzo de cada página impresa. Adler lo reimprimió en Praxis und Theorie der Individualpsychologie, München/Wiesbaden, J. F. Bergmann, 1920, cap. XIX, S. 158-163; allí lleva la indicación (1913.) (reimpresión no cotejada); véase la página del libro.

  1. Siehe Furtmüller, Psychoanalyse und Ethik, E. Reinhardt, München 1912. ↩

  2. Siehe auch dieses Zentralblatt, I. Jahrgang, Heft 5: Adler, „Zur Lehre vom Widerstand“. ↩

  3. Verlag J. F. Bergmann, Wiesbaden 1912. ↩

  4. Paul Schrecker, Bergson's Philosophie der Persönlichkeit. E. Reinhardt, München, 1912. ↩

  5. Adler, Neurologische Betrachtung über Berger's „Hofrat Eysenhardt“. Zeitschr. f. mediz. Psychologie und Psychotherapie, 1913. (Erscheint demnächst.) ↩

  6. Vaihinger, Die Philosophie des Als—Ob, Reuter u. Reichardt, Berlin 1911. ↩

  7. Der Gegensatz zur Auffassung Freud's liegt klar zutage. Der Zusammenhang meines Befundes mit dem Ganser'schen Symptom bedarf noch der Erörterung. ↩

  8. Diesen wertvollen Hinweis verdanke ich Herrn Professor Oppenheim in Wien. ↩