Sehr geehrter Herr Professor!
Ihre freundlichen Zeilen haben mich sehr erfreut, und ich empfand es besonders peinlich, Ihrer grossen Liebenswürdigkeit gegenüber mein Versprechen noch nicht einlösen zu können. Mein Verleger, Bergmann in Wiesbaden, kommt seit Fertigstellung des Buches, also seit 2 Monaten, nicht vom Fleck. Ich erwarte also das Buch nach wie vor in einigen Tagen. Gleichzeitig werde ich dann die auf Ihr imposantes Werk bezüglichen Stellen für den Prospekt anmerken. Ferner habe ich vor, eine Besprechung in einer pädagogischen Zeitschrift und, wie Sie mit Recht beanspruchen müssen, in einem psychiatrischen Organ erscheinen zu lassen. Beide bekommen Sie für den Prospekt.
Früher als mein Buch wird Furtmüllers „Psychoanalyse und Ethik“ an Sie gelangen, das Buch eines meiner Anhänger, der sich auch auf Sie bezieht, wenngleich er einige Grade kühler urteilt, was aber bei noch näherer Bekanntschaft weichen wird. Die schöne Arbeit Professor Jerusalems war uns nicht entgangen. Im Namen unseres Vereines danke ich Ihnen
für deren Uebersendung. Ich hoffe, dass wir Ihnen unsere Arbeiten auch weiterhin übersenden dürfen, als demjenigen Ph Philosophen, der unser Verständnis für das ALS-OB des gesunden und kranken Seelenlebens zu grösserer Klarheit gebracht hat.
Indem ich auch für die Arbeit das Gymnasium betreffend herzlichst danke, – ich habe sie bereits an unsere Fachpädagogen weiter gegeben, – möchte ich mir den Hinweis gestatten, dass auch diese Arbeit recht wohl für ein Werk der letzten Tage genommen werden muss, ebenso wie Ihr letztes Werk.
Mit vielem Dank
Ihr ergebener
Adler.
Wien, am 5/VI 1912.
Quelle: Transkription nach den Digitalisaten der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Nachlass Hans Vaihinger, Aut. XXI, 1c-2: brema.suub.uni-bremen.de/nachlaesse/content/titleinfo/3587854 (Public Domain Mark 1.0). Ungedruckt. Zeichen der Transkription: … gestrichen.