Die Ehe als Gemeinschafts-Aufgabe
Alfred Adler
Man wird einer Erscheinung des sozialen Lebens und der Persönlichkeit erst gerecht, wenn man sie in ihrem Zusammenhang beläßt und dort betrachtet, und wenn man ihren Stellenwert innerhalb einer fortschreitenden Entwicklung, im Fluß der Ewigkeit, nicht ganz vergißt. Kurzlebige individuelle Intelligenz versucht freilich immer wieder in einen engeren, kurzfristigen Interessenkreis zu bannen, um rasche Vorteile einzuheimsen, was sich ewigen Normen nur fügt. Wir können uns bei dieser Betrachtung nicht an Worte oder althergebrachte, heilige Begriffe binden. Was uns alle meistert und zwingt, ist schließlich immer wieder das unerschütterliche Bezugssystem Mensch-Erde, das uns ewig mit einer Aufgabe belastet, dessen eherne Gesetzmäßigkeiten als unerbittliche Winke in jedem menschlichen Erlebnis auftauchen, bald als Belohnung, bald als Strafe. Ein Mensch wird in kurzsichtiger Verblendung ermordet, — und die Welt gerät aus ihren Fugen. Tausende von Jahren zittert die Erregung nach, sobald das Sehnen der Menschheit nach Harmonie mit dem All in einem Erlebnis und dessen Wirkung Gestalt gewinnt. Wir andern ahnen nur das Wunder, Gefühle und Stimmungen überwältigen uns, bis einer kommt wie der vor dem Mord schauernde Shakespeare, der uns zeigt, daß geschändeter Sinn des Lebens sich rächt und rächen muß.
Wer Bäume pflanzt, bedenkt wohl Boden und Klima und läßt sich nicht durch Eigensinn und Eitelkeiten führen. Im übrigen ist es recht bedeutungslos, was er bei seiner Leistung denkt oder fühlt oder will. Nur der Einklang seiner Tat mit Notwendigkeiten der Entwicklung kann ihn rechtfertigen. Er schafft für die Allgemeinheit und für die Nachkommen, auch wenn er nur sein eigenes Wohl dabei im Auge hat, sogar wenn er gegen die Gemeinschaft und gegen die Zukunft zu handeln gewillt ist.
Kann sich jemand einer Leistung, einer Tat entsinnen, die aus anderem Grunde schön, groß, edel genannt wäre, als weil sie der Gesellschaft, der zukünftigen Entwicklung der Menschheit förderlich war? Trägt nicht jeder das Maß für solche Wertung in sich? Gibt es einen vollsinnigen Menschen, der nicht zu entscheiden wüßte zwischen gut und böse?
Der Standpunkt einer Betrachtung aller menschlichen Beziehungen und Einrichtungen ist demnach gegeben. Wert und „Richtigkeit“ sind in erster Linie bedingt und abhängig von der Eignung für die Gesamtheit. Wenn da manches für das Denken kontrovers ist — ein Widerspruch mit der Logik der Tatsachen wird sich immer fühlbar machen. Er macht sich auch geltend, wenn niemand den Zusammenhang überblickt. Die Behendigkeit, mit der wir Menschen Anschuldigungen erheben, erspart uns meist die Mühe der Erforschung des Zusammenhangs. Auch daß Irrtum und Folgen immer weit auseinanderliegen, erschwert die Einsicht und läßt fruchtbare Erfahrungen für das Individuum und für die Nachkommen kaum zu. Das tausendfältige Erleben der Vielen scheint sich einheitlicher Betrachtung schwer zu fügen. So rollt das Leben von Generationen ab, ohne haltbare Traditionen zu schaffen. Und jeder einzelne setzt noch seinen Stolz darein, seine eigenen dürftigen Erkenntnisse oft in schrullenhafter Weise zum Ausbau tragender, lebenswichtiger Beziehungen zu verwenden, nicht achtend, daß er tausendfältige Irrtümer wiederholt und Zielen nachjagt, die eigenes und fremdes Lebensglück zerstören.
Dreifach verknüpft ist das Schicksal des Erdenmenschen. Sein Leib und seine Seele haften an der Mutter Erde, an kosmischen und tellurischen Bedingungen, sind an ihnen herangebildet und suchen mit ewig erneuter Stärke Ausgleich und Anpassung, lebendige Harmonie mit den Gesetzmäßigkeiten der Natur. Kultur und Hygiene des Körpers und des Geistes entstammen diesem Zwang. Alle Schönheit bezieht aus ihm seine lockende Kraft.
Im Begriffe „Mensch“ ist der „Mitmensch“ unabänderlich eingeschlossen. Alle Vorbedingungen seiner körperlichen und geistigen Entwicklung liegen in der Gemeinschaft und sind nach ihren Bedürfnissen geschaffen und groß gezogen. Sprache, Verstand, Kultur, Ethik, Religion, Nationalität, Staatlichkeit sind soziale Gebilde und wirken sich im Einzelnen aus als ein Deposit der Allgemeinheit In allen diesen Lebensformen liegt ein wirkender Abglanz des Erdendaseins, stark und unerschütterlich wie im Zwang zur Gemeinschaft. — Nicht frei von diesen Voraussetzungen kann sich das Menschenschicksal entfalten. Die dritte Schranke bildet die Zweigeschlechtlichkeit. Aber das Suchen der Geschlechter, vielleicht vor Äonen vorwiegend triebhaft gestaltet, trachtet nach einer Form, die den Widerspruch mit den obigen Bedingungen vermeidet. In der harmonischen Ausgestaltung der Erotik liegt ebensoviel Triebhaftes als Gemeinschaftsgefühl. Und in der beglückenden Ekstase der Liebenden entfaltet sich gleicherweise beglückende Schöpferkraft, willig tributerfüllend und irdisches Leben bejahend. — Betrachtet man das Liebesleben der Menschen von dieser Aussichtswarte, so sieht man es von Gesetzmäßigkeiten erfüllt, die nicht von ungefähr kommen, die auch nicht ohne große Bedenken zu umgehen sind. Die Logik der Tatsachen ist grausam, viel grausamer als wir Menschen. Wir wären gerne geneigt, durch die Finger zu schauen. Und wir machen uns nicht zum Anwalt härtester Vergeltungen, wenn wir auf die Unerbittlichkeit waltender Kräfte hinweisen. Nur zu warnen ist unsere Aufgabe, schwerwiegende Folgen zu mildern, der Gegenwart und künftigen Geschlechtern Geschehnisse in Zusammenhang zu zeigen, die sonst nicht als Abfolgen, vielmehr als zusammenhanglose, fatale Ereignisse gebucht werden.
Unser gegenwärtiges Dasein zeigt uns den Durchgangspunkt zu einer zukünftigen Entwicklung des Menschengeschlechtes. Diese Tatsache drückt so sehr auf unseren Lebensprozeß, daß sich, ohne daß wir es merken müssen, unsere Liebesbeziehungen sub specie aeternitatis abspielen. Der oft übergroße Wert, den wir der Schönheit zusprechen, gilt für die Zukunft der Gesundheit und vermehrter Anpassung. Die Treue und Aufrichtigkeit, die wir verlangen, das Ineinandergreifen zweier Seelen, das wir anstreben, entstammt der treibenden Sehnsucht nach stärkerem Gemeinschaftsgefühl. Desgleichen der Wunsch nach Kindern, deren Zugehörigkeit das Ideal einer Gemeinschaft widerspiegelt, die uns zugleich ein Unterpfand der Ewigkeit bedeuten. Treue und Wahrhaftigkeit, vor allem Zuverläßlichkeit, Grundpfeiler menschlicher Gemeinschaft, deuten wohl auch auf die Zukunft menschlicher Gesittung und auf Ziele der Erziehung von Kindern.
Daß in der Liebes- und Ehesituation alle diese Forderungen zusammentreffen, sich dort verdichten und zu bindenden Gesetzmäßigkeiten werden, ist nur aus dem unlösbaren Zusammenhang historischer und organischer Entwicklung verstandesgemäß zu erfassen. Ebenso, daß jede willkürliche oder irrtümliche Abweichung im ganzen Bezugssystem des Lebens nachzittert und die günstigen Entwicklungstendenzen schädigt. Schädliche Erbfaktoren wirken sich aus, ob nun die Wissenschaft Klarheit geschaffen hat oder nicht. Inzest verfällt dem Banne des Gemeinschaftsgefühls, weil er ebenso wie Blutsverwandtenehen zur Isolierung und nicht zur gemeinschaftfördernden Blutvermischung führt, und weil leichter als sonst durch eine doppelseitige organische Belastung die Erbmasse in ungünstigem Sinne beeinflußt werden kann. Auch der mutig und hoffnungsvoll in die Zukunft gerichtete Blick, unumgänglich, um allen Schwierigkeiten einer Familiengründung entgegenzutreten, die Verknüpftheit mit der Gesellschaft, Vorbedingung, um nicht in Isolierung und mutlos seine Kräfte bloß im engen Rahmen einer Familie unfruchtbar auszugeben, scheinen stets bei Verwandtenehen zu fehlen. Und die andern, obenerwähnten Wesenszüge leiten wohl leicht und unmerklich den Partner, die Kinder in die gleiche Richtung, während ihr Mangel eine mißtrauische, ewig unsichere Stimmung schafft, eine Familienluft, in der nur kämpferische, feindselige Tendenzen gedeihen.
Es ist nur eine andere Seite derselben seelischen Dynamik, die wir zu finden erwarten, wenn wir am Maße des richtigen Mitmenschen messen. Sein ewig unerschütterliches Grundgesetz auf dieser armen, rauhen Erdkruste heißt: geben! Alle profane und heilige Weisheit führt zu dem gleichen Schluß. So ist mit Recht in der Liebe und Ehe mitbeschlossen: mehr an den andern zu denken als an sich, so zu leben, daß man dem andern das Leben erleichtert und verschönert! Wie viele — oder wie wenige — es treffen, ist hier nicht zu untersuchen. Sicher ist, daß es zu viele Nehmende und Erwartende in unserer Gesellschaft gibt gegenüber den Gebenden. Zu sehr scheint die Menschheit in die Liebes- und Eheformel verfangen: Weil ich dich liebe, so mußt du mir folgen!
Was den Menschen derzeit noch an Mitmenschlichkeit fehlt, äußert sich auch in der Spannung der Geschlechter. Das Streben nach persönlicher Überlegenheit, erwachsen aus einem tiefsitzenden, meist unerkannten Minderwertigkeitsgefühl, treibt Mann und Frau zumeist, den Schein ihrer Macht in demonstrativer Weise zu überspannen. Meist benehmen sich Eheleute so, als ob sie fürchteten, man könnte es gewahr werden, daß sie die Schwächeren seien. Trotz, Eigensinn, Negativismus und oft auch erotische Ablehnung, polygamische Neigungen und Untreue, auch nervöse Erkrankungen kommen der Eigenliebe zu Hilfe, um den Standpunkt des eigenen Machtdünkels verfechten zu können. Der Mann hat durch eine längst fällige allgemeine Tradition einen kleinen Vorsprung, den er eigensüchtig, aber zum eigenen Schaden festzuhalten trachtet. Wer unseren Standpunkt teilt, für den ist der Herr der Familie gewesen. Er sieht die Ehe als eine Zweisamkeit, in der beide Teile eine gemeinsame Aufgabe gemeinsam zu lösen suchen, nicht entlang irgendwelcher Eigenmächtigkeiten, sondern nach all den Gesetzmäßigkeiten, die ihrem Problem innewohnen. Die organische und historische Entwicklung der Menschheit zur monogamischen Ehebereitschaft ist, besonders wenn man die einzigartigen Möglichkeiten einer Erfüllung wertvollster erotischer Erwartungen ins Auge faßt, Bürgschaft genug, daß jeder imstande wäre, diese Aufgabe zu lösen. — Gemeint ist immer die Ehe als Schöpfung des Gemeinschaftsgefühls, als gesellschaftliche Form des Liebeslebens, als Hort und Vorschule der Kinder in ihrer Entwicklung zum Mitmenschen. Abseits von diesem Wege liegen konventionelle Ehen, Geld- oder Spekulationsheiraten, deren Verlauf sich immer auf Rutschterrain abspielt. Denn auch den Kindern muß die Ehe der Eltern vorbildlich sein, sonst tragen sie, oft trotz besseren Wissens und trotz guter Vornahme, die schlechte Tradition in ihr neues Heim hinüber. Herrschsucht oder Härte des Vaters kann Mädchen so sehr erschrecken, daß sie künftig jeden Zug des Gatten mißtrauisch belauern und mißdeuten, kann sie auch mit so hochgespannter Sehnsucht nach Wärme erfüllen, die hienieden unerfüllbar bleiben muß. Kann sie untauglich zur Ehe machen oder zur Erziehung der Kinder, weil sie den Glauben an sich verloren haben. Söhne harter Mütter fliehen die Frau und sind einer Gemeinschaft schwerer zugänglich. Dies liegt an einer bisher mangelhaft erkannten Funktion der Mutter: das Verständnis für grenzenlose Verläßlichkeit dem Kinde aufgehen zu lassen und Vorbild edler Weiblichkeit zu sein. Muttersöhnchen wieder können nicht geben. Sie suchen statt Gemeinsamkeit mütterliche Wärme, die einzig im Leben nur in der kindlichen Situation ihren richtigen Platz hat. Die Wahl von älteren, mütterlichen Gattinnen hat meist in diesem Irrtum ihren Grund.
Polygamische Neigungen, Perversionen und Vorliebe für sittlich tiefstehende Personen und Prostituierte erklären sich immer aus ihrer Tendenz zur Ausschaltung und Entwertung des passenderen Partners, also aus der Furcht, vor dem andern Geschlecht nicht zu bestehen. Wie sehr dabei der Sinn und die Aufgabe der Liebe und Ehe verfehlt ist, kann man aus dem Überhandnehmen der Geschlechtskrankheiten ersehen. Was immer ihr Ursprung gewesen sein mag, ihre Ausbreitung verdanken sie einzig dem Mißbrauch und den Irrwegen der Erotik. Es gibt nur ein Heilmittel, nur einen Schutz vor diesen Seuchen: gegenseitige Liebe.
Die Verknüpfung der Ehe mit den wichtigsten gesellschaftlichen Notwendigkeiten läßt uns verstehen, daß sie nicht, wie wohl die meisten meinen, eine Privatangelegenheit bedeutet. Das ganze Volk, die ganze Menschheit ist daran beteiligt. Und jeder, der eine Ehe schließt, erfüllt dabei, auch wenn er nichts davon weiß, ein Mandat der Gesamtheit. Zu den bedeutsamsten Vorbedingungen einer Eheschließung gehört deshalb ein Beruf und Erwerb, an dem beide beteiligt sein können, und der der Familie den Lebensunterhalt sichert. Auch der Beruf ist Forderung der Gesellschaft, Beteiligung an der Produktion. Der Beitrag zur Erhaltung der Menschheit ist gleichfalls nicht Privatangelegenheit und muß durch die Ehe gefördert werden. Auch die Leistung der Hausfrau, derzeit mit Unrecht tiefer gewertet, kann vollgültige Werte schaffen, wenn sie durch gute Handhabung oder künstlerische Ausgestaltung der Arbeitsfähigkeit des Mannes Vorschub leistet. Berufung auf ökonomische Schwierigkeiten zwecks Ablehnung der Ehe ist oft ein Vorwand der Schwachmütigen.
Es ist ein weitverbreiteter Aberglaube, daß die Ehe auch Übel, Verwahrlosung, Krankheiten heilen könne. Liebe und Ehe sind keine Medikamente. Man schafft meist nur neuen Schaden, ohne den alten zu beheben. Der gleiche Unfug herrscht in der Anschauung von der Heilwirkung der Schwangerschaft. Die Lösung der Ehefrage soll, wie die aller andern Lebensfragen, aus Stärke, nicht aus Schwäche geschehen.
Auch davon droht der Ehe Unheil, wenn Menschen heiraten, die sich dabei als Opfer fühlen. Es kann nicht ausbleiben, daß sie es den andern fühlen lassen und ihn stetig um sein Glücksgefühl betrügen. Mängel in den ehelichen Beziehungen, Vernachlässigungen, Frigidität, Untreue sind die häufigen Folgen. Die Zielsetzung der Ehe, am Glück des andern teilzunehmen, wird so oft gleich anfangs zerstört. Denn die Ehe ist kein ausgebautes Land, dem man sich nähert, kein Fatum, dem man entgegengeht, sondern Aufgabe der Gegenwart und Zukunft, eine schöpferische Leistung in rasch verfließender Zeit, eine Aufgabe, in das Nichts der Zukunft gesellschaftliche Werte zu bauen. Man wird in ihr immer nur finden, was man in sie hineingeschaffen hat.
Wir haben bisher wesentliche Hauptbedingungen genannt, die einer festen, dauerhaften Ehe zugrunde liegen müssen. Wir fürchten, daß im Gedränge des Alltags manche dieser Notwendigkeiten dem Gedächtnis allzu leicht entschwinden könnten. Es scheint uns wünschenswert, nach einer kürzeren Formel zu suchen, die trotz ihrer Kürze alle Aufgaben der Ehe in sich schließt. Ob diese Formel nicht hieße: ein richtiger Mitmensch zu sein?
Der Entschluß zur Ehe sollte wohl ganz dem Streben nach Mitmenschlichkeit entspringen. Aber dieser Entschluß und die Ehe decken sich noch nicht mit diesem Streben. Erst wenn sie in diesem Sinne erfolgen, sind sie imstande, ihre Aufgaben in der Richtung auf allgemeine Nützlichkeit zu lösen. Der Mitmensch als Sinn des Lebens muß also vorausgehen, und die Ehe bedeutet dann einen weiteren Schritt der Vollkommenheit entgegen.
Wie immer man den Mitmenschen denken mag, immer wird man auf Parolen und Maximen und Imperative stoßen, die wenigstens besagen: sich nützlich machen — mehr an den andern als an sich denken — andern das Leben erleichtern und verschönern. — — Es sind auch die Imperative der Ehe. So schrumpft unsere Frage nach der „Ehe als Aufgabe“ zusammen in die Frage: Wie wird man ein Mitmensch?
Über die körperliche Eignung als einer Selbstverständlichkeit können wir hinwegsehen. Das gleiche gilt von der geistigen Reife. Sie fehlen so selten, daß sie aus der Rechnung ausscheiden können. Anders die seelische Reife. Es ist um sie in der menschlichen Gesellschaft trotz aller Bemühungen schlecht bestellt. Die individualpsychologische Forschung hat die Gründe hierfür ausgiebig dargetan. Die meisten Menschen beginnen mit einem falschen Start.
Ein allzu großes Minderwertigkeitsgefühl drängt sie zu egoistischen, demonstrativen Ausdrucksformen, in denen sie ihr Herrseinwollen zu finden glauben. Oder sie ergeben sich einem tatenlosen Pessimismus, unter dessen Druck sie sich wie unter einer Bremswirkung bewegen. Hochmut aus Schwächegefühl oder Mutlosigkeit aus Ehrgeiz kennzeichnen ihren Weg. Sie sind bestenfalls für ein Einzelleben, nie aber für ein Leben zu zweit oder in der Gesellschaft richtig vorbereitet. Wer in ihre Nähe gerät, wird zum Objekt auserkoren. Sie müssen in der Ehe scheitern, weil ihnen die seelischen Organe für Gemeinsamkeit fehlen.
Die Ehe als Aufgabe zielt aber auf Einordnung in die Forderungen der Gemeinschaft, des Berufes und der Erotik.
Fuente: transcripción a partir de la tercera edición («Volksausgabe», con prólogo de Keyserling fechado en junio de 1926) de Das Ehe-Buch. Eine neue Sinngebung im Zusammenklang der Stimmen führender Zeitgenossen, angeregt und herausgegeben von Graf Hermann Keyserling, Celle, Niels Kampmann Verlag, págs. 314-321 (ejemplar digitalizado en Internet Archive), con el OCR de archive.org cotejado con las imágenes de las páginas. En el índice y en los titulillos de esta edición el título se escribe «Die Ehe als Gemeinschafts-Aufgabe». La primera edición (1925; prólogo del editor fechado en julio de 1925), donde el capítulo ocupa las págs. 187-195, no se ha visto; según el prólogo a la tercera edición, solo se reelaboraron para ella las contribuciones de Paul Ernst, Alphonse Maeder y el propio Keyserling. Pasajes de este texto se reimprimieron en el Salzburger Volksblatt del 13.8.1927 con el título «Die Ehe als Aufgabe»; es un texto distinto del artículo «Die Ehe als Aufgabe» de la Internationale Zeitschrift für Individualpsychologie 4 (1926), cuad. 1 (AA1926-05). Ortografía original. Los comentarios S. n del código marcan el comienzo de cada página impresa de la tercera edición.