KARL SCHRATT:
Kultur und Schule im gleichgeschalteten Oesterreich
Fünf Jahre lang hatten Dollfuss und Schuschnigg versucht, das wirkliche kulturelle Leben Oesterreichs unter einer Deckschicht des reaktionären Kunstgebildes einer spezifisch „österreichischen“ Kultur zu ersticken. Sie musste, wenn sie sich nicht selbst entlarven wollte, noch einen Rest von Scham vor Europa beweisen. Diese fehlt dem Hitler-Regime völlig und mit wenigen scharfen Schlägen hat es wie dem politischen so auch dem geistigen und kulturellen Leben der „Ostmark“ jede Spur von Selbständigkeit zu rauben gewusst und an seine Stelle ein rein mechanisch ablaufendes Räderwerk gesetzt, das vom Reichspropagandaministerium und von der Reichskulturkammer als klappernde bürokratische Maschine in Gang gehalten wird.
Der Zwang für jeden Literaten, Journalisten, schaffenden oder ausübenden Künstler, der Reichskultur- oder Reichspressekammer anzugehören, hat nicht nur die Juden, Mischlinge und jüdisch Versippten aus der Gemeinschaft der geistig Schaffenden ausgeschieden, er macht auch den Arier in seiner Betätigungsmöglichkeit und damit in seiner materiellen Existenz zu einem wehrlosen Werkzeug der von oben diktierten kulturellen und künstlerischen Auffassungen und Wertungen. Wo es sich gar um Anstellungen, sei es an staatlichen Lehranstalten und Kunstinstitutionen, sei es in der Presse handelte, wurden noch weit darüber hinaus nicht nur die politisch Kompromittierten, sondern auch alle sonst aus irgend einem Grunde Missliebigen — missliebig etwa, weil sie einer stillen Hinneigung zu „entarteter Kunst“ verdächtig waren — ausgeschlossen, natürlich mit der dem System entsprechenden Brutalität. So erfuhr ein Musikpädagoge von internationalem Ruf von seiner Absicht, in den Ruhestand zu treten, erst dadurch, dass sich ihm einer seiner Schüler — dieser persönlich ahnungslos — als ernannter Nachfolger vorstellte. Mit der gleichen Brutalität wurde eines Tages einer grösseren Anzahl von Mitgliedern des künstlerischen Opernpersonals, die knapp vor der Erreichung ihrer vollen Dienstzeit standen, mitgeteilt, dass sie unter Hintansetzung ihrer Pensionsansprüche halbjährig gekündigt seien. Es bedurfte monatelanger Verhandlungen, die natürlich über Berlin führen mussten, bis dieser Kündigungsakt wieder rückgängig gemacht wurde. Und das berühmte Orchester der Philharmoniker — unter jedem Regime ein Stolz Wiens — musste es sich gefallen lassen, von Herrn Goebbels auf dem Kobenzl zur Tafelmusik kommandiert und dann von einem Adjutanten zu leiserem Spiel aufgefordert zu werden, weil sonst die Tafelgespräche gestört würden...
Die so umfassende personelle Säuberung hat natürlich den Anhängern des Nationalsozialismus eine Konjunktur gebracht, die der Arisierungswelle in der Wirtschaft zu vergleichen ist. Dass beim Kampf um die besten Pfründen Intrigue und Protektion eine Rolle spielten, ist selbstverständlich. Wo es aber streng nach den parteimässigen Richtlinien herging, gab auch unter Parteigenossen nicht die bessere sachliche Eignung, sondern das Ausmass der in der Illegalität erworbenen Verdienste den Ausschlag. Auch hier hatte, um das Wort eines treuherzigen Nazi-Illegalen zu zitieren, der Mörder den Vorzug vor dem einfachen Bombenwerfer. Dagegen bildeten Sünden in weiter zurückliegender Vergangenheit im allgemeinen keine Belastung. So hat es dem Hauptschriftleiter des „Neuen Wiener Tagblatt“, Reinalter, nicht geschadet, dass er seinerzeit eine Auswahl von Werken Stefan Zweigs mit einem enthusiastischen Begleitwort herausgegeben hatte. Natürlich füllte sich ein grosser Teil der entstandenen Lücken auch mit aus dem Altreich herbeiströmender Jugend. Selbst die Propagandazettel der Partei verraten deutlich die Berliner Mundart und sowohl im „Völkischen Beobachter“ als im „Neuen Wiener Tagblatt“ liegt gerade die Rubrik des täglichen mundartlichen Humors in den Händen von Leuten, die den Wiener Dialekt etwa so beherrschen wie ein Engländer den Pariser Argot.
Sind also alle im Kulturleben praktisch Tätigen zu völliger Unterwerfung verurteilt, so kann man dem aufnehmenden Publikum wenigstens das Recht der Ablehnung und des Wegbleibens nicht rauben. Durch den passiven Widerstand wurde nicht nur in Wien, sondern auch in Graz den Versuchen, die neudeutschen Parteidramatiker einzuführen, bald ein Riegel vorgeschoben. Man greift jetzt zur Erneuerung der Klassiker, wobei zum Beispiel Maria Stuart etwa die Tragik des durch die Unzulänglichkeit des Führers scheiternden Faschismus darzustellen hat. Am meisten Glück hat man mit den zahlreichen Neuinszenierungen Nestroys, der dem Regime vielleicht deshalb so sympathisch erscheint, weil er die Wiener lehren kann, auf eine unerträgliche Situation statt mit einer Tat mit einem guten Witz zu reagieren. Man nimmt dafür in Kauf, dass die Zuhörer manchmal an der falschen Stelle donnernd applaudieren. Im allgemeinen ist der Besuch der Theater bedrohlich schlecht. Dabei nützt es auch nichts, dass „Kraft durch Freude“ den Betrieben die Karten einfach aufzuzwingen sucht. Man beruft sich bei der Ablehnung der Theaterkarten auf die gesteigerten Abzüge und die verlängerte Arbeitszeit. Noch ärger ist der Ausfall bei hochwertigen musikalischen Veranstaltungen. Nicht nur die Juden sind als Hörer weggefallen, sondern auch ein bedeutender Teil der Arier aus dem früheren Stammpublikum hat sich verstimmt zurückgezogen und so konnte es vorkommen, dass bei einem von der berühmten Wiener Bläservereinigung unter der Patronanz von „Kraft durch Freude“ veranstalteten Konzert im mittleren Konzerthaussaal kein volles Dutzend Zuhörer anwesend war. So mussten die Mitglieder des weltberühmten Philarmonischen Orchesters selbst Abonnements für die sonst in jedem Jahr und unter jedem Regime ausverkauften Philharmonischen Konzerte vertreiben, damit sie in der Saison 1938/39 nicht halbleer bleiben.
Die Interesselosigkeit des Publikums für das Theater wird zweifellos noch dadurch verstärkt, dass die Zeitungen nach der berühmten Anordnung des Propagandaministeriums keine Theaterkritiken mehr bringen dürfen, sondern nur „Charakteristiken“, das heisst in der Praxis breitspurige Relamezettel für Stück und Darsteller, in die höchstens ganz versteckt einmal ein schüchterner Vorbehalt hineingeschmuggelt wird. Dieser Grundsatz, dass nicht nur in der Politik, sondern auf allen Gebieten dem Publikum nur eine Meinung vorgesetzt werden darf, dass es über gar nichts, nicht einmal über ein Theaterstück eine öffentliche Diskussion geben darf, ist an sich mit dem System auch der schroffsten Diktatur nicht notwendig verbunden. Wir kennen zum Beispiel aus Russland die entgegengesetzte Methode, gewisse Fragen zweiten Ranges der Erörterung freizugeben, um das Interesse von den „verbotenen“ Themen abzulenken. Diese sture Eintönigkeit des nationalsozialistischen Kulturbetriebs ist es, die jede geistige Anteilnahme völlig lähmt und es dahin bringt, dass die Zeitungen sich schliesslich nur mehr durch ihre äussere Ausgestaltung und ihren Feuilletonteil unterscheiden, der unter Umständen einzelne interessante Artikel bringen mag, aber auch kein geistiges Leben und keine wirkliche Anteilnahme erzeugen kann, da er alles irgendwie Problemhafte vermeiden muss.
Besonders bezeichnend für die Ausschaltung der Bevölkerung von der Anteilnahme an allen kulturellen Fragen ist die Geschichte des Lessing-Denkmals. Wie hätte früher das Für und Wider bei einem solchen Streit die Geister geschieden! Jetzt bemerken eines Tages die Passanten des Judenplatzes, dass das Lessingdenkmal abgetragen wird. Es spricht sich in Wien herum, man schüttelt den Kopf, aber keine einzige Zeitung hat es auch nur mit einem Worte angekündigt oder berichtet. Nur der „Völkische Beobachter“ brachte eine Woche später eine schnoddrige Notiz, in der er darauf hinwies, dass die Frage der Abstammung Lessings keineswegs geklärt sei und dass er im übrigen den „Nathan“ verbrochen habe. Aus diesen Verhältnissen erklärt sich auch das grosse Zeitungssterben in Wien und der Auflagen-Rückgang der verbleibenden Blätter.
Die Volks- und Propagandabüchereien sind, nachdem sie der Kleriko-Faschismus schon einmal verstümmelt hatte, ihrer alten Bestände jetzt fast völlig beraubt und mit nationalsozialistischer Propagandaliteratur aufgefüllt worden. Die Folge war ein katastrophaler Rückgang der Entlehnungen, was dann durch eine grosse Propagandaaktion mit zahlreichen Strassenplakaten bekämpft werden sollte. Die offizielle, natürlich nicht nachprüfbare Statistik behauptet für die letzte Zeit wieder ein merkliches Ansteigen der Entlehnungen. Wenn dabei mit Stolz darauf hingewiesen wird, dass das Interesse an der Naturwissenschaft stärker wachse als an der Belletristik, so zeigt das, dass die Leserschaft eben auf ein Gebiet ausbiegt, das der Entstellung durch nationalsozialistische „Weltanschauung“ bisher noch am wenigsten zugänglich war. Damit stimmt es überein, dass auch in den Volkshochschulen und in der „Urania“ — so wie schon unter Dollfuss und Schuschnigg — eigentlich nur die praktischen Fächer wirkliches Leben aufweisen.
Die einzigen kulturellen Veranstaltungen, bei denen bisher wirklich eine Massenbeteiligung erzielt wurde, sind die Ausstellungen: „Der ewige Jude“, die „Antikomintern-Ausstellung“ und „Die entartete Kunst“. Hier ist in der Anordnung und Aufmachung wirklich etwas Neues geschaffen worden, aus dem zu gegebener Zeit auch der Gegner wird lernen können. Charakteristisch ist auch hier die Art, wie der Besuch organisiert wird. Was man will, ist nicht der Einzelbesuch, sondern die Massenführung, eine Führung, die nicht den einzelnen auf das Selbst-Ansehen und Selbst-Urteilen vorbereiten will, sondern dieses verhindern soll. Nicht nur dass die ganze Ausstellung nach propagandistischen Gesichtspunkten zusammengestellt und angeordnet ist, auch dieses gesiebte Material soll nur insoweit und nur so betrachtet werden, wie die Veranstalter es wollen. Natürlich hat auch diese Art der Beeinflussung ihre Grenzen und man konnte zum Beispiel nicht verhindern, dass sich in der „Entarteten Kunst“ gerade um die Sammlungen politischer und sozialer Karikatur die Besucher drängten.
Sonst bleibt an kultureller Anregung das Kino und das Radio. Die deutsche Filmproduktion und den deutschen Rundfunk hier zu charakterisieren, ist überflüssig. Hie und da schleicht sich noch immer ein wertvoller ausländischer Film ein und mit einem guten Radioapparat hört man auch das Ausland. Da sucht der Wiener Arbeiter freilich in der Regel nicht kulturelle Darbietungen, sondern die politischen Sendungen aus Strassburg, Moskau und London.
Die künstliche Lähmung des geistigen Lebens zeigt sich aber wohl nirgends so deutlich, wie im Verhältnis der Bevölkerung zur Schule. Die Kämpfe um die Schule — von der Volksschule bis zur Hochschule — haben in Wien früher jahrelang politische Leidenschaften und sachliches Interesse ununterbrochen und intensiv erregt. Von all dem nichts mehr. Auf den Hochschulen herrscht Friede. Da es keine Juden mehr hinauszuprügeln gibt, hat sich die innere Beziehung des grössten Teils der nationalsozialistischen Studentenschaft zur Alma Mater wesentlich gelockert. Für das Berufsethos dieser Gruppe ist es bezeichnend, dass man wiederholt Nazi-Studenten der Medizin darüber „meckern“ hören kann, dass sie das zweite Jahr ihres Militärdienstes statt in der Kaserne im Spital verbringen müssten, dass man sie auf diese Weise zwinge, Militärärzte zu werden und ihnen — den „Aufstieg“ zum Reserveoffizier versperre. Für das Studium bleibt nur die Zeit und die Kraft, die nicht von der vorgeschriebenen körperlichen Ausbildung, den Schulungslagern und der Parteiarbeit in Anspruch genommen werden. Gauleiter Bürckel hat ja ausdrücklich erklärt, er werde denen schon das Konzept verderben, die glaubten, dadurch einen Vorsprung gewinnen zu können, dass sie sich ganz dem Studium widmen... Wenn man nun bedenkt, dass bald auch in Oesterreich, wie jetzt schon im Altreich, der angehende Universitätshörer nach der Reifeprüfung zweieinhalb Jahre des Arbeits- und Militärdienstes hinter sich haben, also jeden Zusammenhang mit dem Studium und jede Gewöhnung an regelmässige geistige Arbeit verloren haben wird, so muss man nicht nur für die geistige Verfassung, sondern auch für die technische Berufsbildung der künftigen Akademiker das Schlimmste befürchten.
An den Mittelschulen sind selbstverständlich alle nicht ausgesprochen nationalsozialistischen Direktoren entfernt und die Leitung gewöhnlich dem illegalen Nazi-Vertrauensmann — ohne Rücksicht auf Dienstalter oder sachliche Eignung — übertragen worden. Aber gerade die Mittelschullehrerschaft, diese alte Kerntruppe des Nationalsozialismus, kann ihres Sieges nicht froh werden. Muss sie jetzt doch
die Herrschaft über die Schule mit der Hitler-Jugend teilen und diese nimmt sich dabei den Löwenanteil. Die Reibungen sind so gross, dass sogar in Festreden bei pädagogischen Veranstaltungen nicht ganz darüber hinweggegangen werden kann. Wo sich die beiden Richtungen finden, das ist in der Verbreitung des Unteroffizierstons und der Einführung militärischer Aeusserlichkeiten in der Schule. Die körperliche Beanspruchung, ja Uebermüdung in der Hitler-Jugend (Dauerlauf bergauf auf Granitpflaster ist eine der beliebtesten Uebungen!) und die vielen Halbtage, die für solche Uebungen beansprucht werden, drücken natürlich die Schulleistungen; deswegen wird bei dem Urteil über die Reife nicht nur das Wissen, sondern auch der Charakter, das heisst die Strammheit als Hitler-Junge, in Rechnung gezogen. Es ist natürlich, dass dies ebenso den Lehrern wie den Eltern nicht passt, auch wenn sie Nationalsozialisten sind. Das wiederholte Ausbleiben der Burschen und Mädel während der ganzen Nacht, die Ausstattung der Jungen mit Dolchmessern empören die Leute. Auch das Heranziehen der HJ und des BDM zu den Zeremonien der Synagogenverbrennung hat bis weit in die Parteikreise hinein böses Blut gemacht.
Die wichtigste Entscheidung für das österreichische Schulwesen aber muss augenblicklich auf dem Gebiet der Pflichtschule fallen. Schon die alte Bürgerschule war zweifellos ein grosser organisatorischer Vorsprung des österreichischen Schulwesens vor dem reichsdeutschen. Umsomehr die Hauptschule, der selbst nach ihrer Verstümmelung durch den Kleriko-Faschismus eine gewisse Organisationsähnlichkeit mit der Untermittelschule geblieben ist, der den Abstand zwischen Pflichtschule und Ausleseschule wenigstens mindert. Nach dem Schulprogramm des Nationalsozialismus, das sich ja auch mit Worten gegen das Bildungsprivileg wendet, hätte man erwarten dürfen, dass er diese Einrichtung nicht nur beibehalten, sondern sie von den Schmitz-Schuschnigg'schen Verschlechterungen befreien und ihre Uebernahme für das Altreich vorbereiten würde. Eine solche Uebernahme bewährter österreichischer Einrichtungen war ja angekündigt, ist jedoch bisher nur bei der Postsparkassa Wirklichkeit geworden. Im Laufe des letzten Jahres sind nun hintereinander vier der Form nach offiziöse, dem Inhalt nach einander völlig widersprechende Mitteilungen über das Schicksal dieser Hauptschule erschienen, die bald erhalten, bald aufgelöst, bald in eine Unterstufe der „Mittelschule“ nach preussischem Muster — im alten Preussen „Schulen für den Mittelstand“ wie die Gymnasien „Höhere Schulen“ für die „höheren Stände“ — verwandelt werden sollte. Auf Anfragen bei den Schulbehörden hörte man jedes Mal, dass die Verlautbarung dem derzeitigen Stand der Frage entspreche, dass man aber Endgiltiges nicht sagen könne. In Wirklichkeit ist die Entscheidung dem direkten Einfluss österreichischer Stellen völlig entzogen und scheiterte bisher an Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Reichsministerium für Unterricht und dem Amt des „Stellvertreters des Führers“, bei dem sich österreichische Interessentengruppen gelegentlich Gehör zu verschaffen wissen. Und all das vollzieht sich völlig hinter dem Rücken der Elternschaft, für die das Zeugnis der Hauptschule in der Hand der Kinder, verglichen mit dem einfachen Abgangszeugnis der Volksschule, immer ein wertvoller Besitz war. Eine solche Ausschaltung nicht nur der Mitwirkung, sondern auch des Interesses in der Stadt, in der einst Zehntausende vor dem Parlament aufmarschierten, um ihren Willen in Schulfragen kundzutun!
Zieht man aus all diesen Einzelheiten die zusammenfassende Schlussfolgerung, so muss man sagen, dass unter den heutigen Verhältnissen für den Intellektuellen, der über seine Bibliothek, über eine Anzahl gleichgestimmter Freunde, über eine Schar seit langem erstarkter geistiger Interessen verfügt, auch heute geistiges Leben noch immer möglich ist, wenn auch das Leben eines vom grossen europäischen Ideenstrom und Gedankenaustausch abgeschnittenen Einsiedlers. Für die breiten Massen, insbesondere für die Arbeiterschaft, ist zweifellos eine Abstumpfung der Empfänglichkeit, eine Einengung des Interessenkreises, eine Senkung des Niveaus eingetreten, die bei Andauern des Regimes wachsen und wahrscheinlich mit zunehmender Geschwindigkeit wachsen wird. Die unmittelbaren politischen und sozialen Interessen werden durch die Not des Tages immer wieder wachgerüttelt — Geistigkeit gehört zu den Luxusartikeln, auf die unter der Herrschaft des Vierjahrsplanes verzichtet werden muss. Das sind Tatsachen, die wir uns auch dann werden vor Augen halten müssen, wenn wir zu der österreichischen Arbeiterschaft wieder in breiterem Masse Zugang haben werden, und denen wir dann sowohl bei unserer unmittelbaren Propaganda als auch bei unserer auf weitere Sicht berechneten Erziehungsarbeit werden Rechnung tragen müssen.
Fuente: transcripción a partir del facsímil de Der sozialistische Kampf / La lutte socialiste (París, editado por la Auslandsvertretung der österreichischen Sozialisten), n.º 16, 12 de agosto de 1939, págs. 377-379, en ANNO, Österreichische Nationalbibliothek (dsk, 1939), hecha desde la imagen con el OCR de la ÖNB como apoyo. Firmado «Karl Schratt», seudónimo de Carl Furtmüller en el exilio de París (atribución según la bibliografía de psyalpha, Zaufarek 2010). Se respeta la ortografía del impreso (ss por ß, «Endgiltiges», «Intrigue») y sus erratas («Relamezettel», «Philarmonischen»). Los comentarios S. n marcan el comienzo de cada página impresa.