Vereinigung der Individualpsychologischen Ärzte.
Sitzung vom 8. Juni 1933.
Vorsitzender: Herr Rudolf Dreikurs. Schriftführer: Herr Arthur Holub.
Der Vorsitzende begrüßt Mitglieder und Gäste und teilt mit, daß die individualpsychologischen Ärzte von nun ab einmal im Monat eine Sitzung im Kleinen physiologischen Hörsaal abhalten werden. Die nächste Sitzung findet am 22. Juni statt. Redner: Herr Alfred Adler, Thema: „Funktionelle Neurosen“.
Herr Adler berichtet vor Besprechung seines Themas über seine Vortragsreise in Holland. Er habe an den Universitäten Utrecht und Leyden vor Medizinern und Ärzten gesprochen, ferner in Rotterdam und Amsterdam. Es sei dies der zweite Besuch Adlers in Holland, der gezeigt habe, daß die Individualpsychologie inzwischen weit vorgedrungen sei. Es bestehe dort unter Psychologen und Ärzten sehr großes Interesse für die Individualpsychologie und der lebhafte Wunsch, nach Wien kommen und hier individualpsychologische Kurse besuchen und sich auch in anderen Fächern ausbilden zu können. Adler gibt der Hoffnung Ausdruck, daß seine Bemühungen in dieser Richtung Erfolg haben und schon in diesem Sommer eine Anzahl von Holländern in Wien erscheinen werden. Außer den 6 Vorträgen, die er im Internationalen Verein für Philosophie gehalten habe, wolle er noch seinen Vortrag in einem großen Montessori-Verein in Amsterdam erwähnen, der demnächst eine individualpsychologische Beratungsstelle eröffnen werde. Anfangs September werde er seine Vorträge in Holland fortsetzen, bevor er seine Lehrtätigkeit in Long-Island Medical College in New-York wieder aufnehme.
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Sitzung vom 22. Juni 1933.
Vorsitzender: Herr Rudolf Dreikurs. Schriftführer: Herr Arthur Holub.
Herr Alfred Adler: Funktionelle Neurosen.
Ref. geht vom individualpsychologischen Begriff der Neurose aus und setzt auseinander, daß sie entstehe, wenn ein mangelhaft vorbereitetes Individuum vor einem Problem steht, zu dessen Lösung mehr soziales Interesse erforderlich ist, als das Individuum aufbringen könne. Es empfinde dann die schwierige Situation als eine Art Schock und halte an den Schockresultaten fest, während der Nicht-Neurotiker eine Situation, für die er nicht vorbereitet ist, ebenfalls als einen Schock empfindet, ihn aber dank seiner besseren Vorbereitung fürs Leben bald überwindet.
Eine Patientin leidet seit sechs Monaten an Migräne mit Augenmuskellähmungen, Diplopie; anfallsweise treten Migräneattacken schon seit Jahren auf. Sie, sowie ihre Eltern und Geschwister neigen zu starken Zornausbrüchen, was A. bei Patienten mit Migräne sehr oft beobachten konnte. Die Mutter leidet an einer Enzephalitis, der Bruder ebenfalls an Migräne. (Familiäre Organminderwertigkeit von Hirnpartien.) Augenbefund, Röntgenbefund des Schädels normal, dagegen eine Asymmetrie des Gesichtes, was A. meistens bei Migräne konstatieren konnte. Ein chirurgischer Eingriff war ohne Einfluß auf die Migräne geblieben, derzeit Nase und Nebenhöhlen o. B. Die sehr ehrgeizige und eitle Patientin ist an einen Zimmermann verheiratet, den sie nicht schätzt. Sie hält sich viel lieber im Hause ihres Schwagers auf, der Arzt ist. Diesem ihrem chronischen Eheproblem entspricht auch die Chronizität ihrer Symptome, das heißt der Schockerscheinungen (auch Stottern, Harndrang). Der jetzige Zustand begann, als sie in der Tasche ihres Mannes einen Brief fand, aus dem sie schloß, daß sie betrogen werde; sie liebt den Mann nicht, aber der Gedanke ist ihr unerträglich, daß jemand ihr ihn wegnehmen könnte. Obwohl sie genau weiß, daß Kälte bei ihr Anfälle provoziert, ging sie ins kalte Wasser schwimmen, eine Art Selbstbeschädigung. Der schwere jetzige Anfall tritt ein. Jetzt, wo sie krank ist, wird ihr immerhin recht weicher Mann nicht mehr imstande sein, sie zu betrügen. Wie sie sich gegen die Ehe sträubt, geht auch aus ihren Träumen hervor. In drei Wochen gelang durch Aufklärung ihres Lebensstils die Heilung.
Aussprache: Herr S. Nowotny fragt, ob Patientin nicht die Symptome ihrer Mutter imitiere. Herr Geier und Frau Lehndorff halten eine andere Deutung der Träume für möglich. Ref. negiert erstere Frage und glaubt, daß eine andere Deutung der Träume der Gesamtpersönlichkeit nicht ganz Rechnung trage.
Fuente: Wiener medizinische Wochenschrift 83 (1933), n.º 51, 16 de diciembre de 1933, p. 1441, en la sección de informes de sociedades, tras el de la «Freie Vereinigung der Chirurgen Wiens»; transcripción hecha sobre la imagen de la página en ANNO (Österreichische Nationalbibliothek), cotejada con el OCR de la ÖNB (copia local en materiales/1933/1933-12-16_Funktionelle-Neurosen_Sitzungsbericht-Vereinigung-IP-Aerzte_WMW__anno/; la imagen de la p. 1442 que la acompaña contiene solo reseñas de libros, ajenas a Adler). Es el acta resumida de dos sesiones de la Vereinigung der individualpsychologischen Ärzte de Viena, publicada medio año después, redactada por la sociedad (presidente, Rudolf Dreikurs; secretario, Arthur Holub) en estilo indirecto: de Adler solo se resumen sus palabras. En la sesión del 8 de junio de 1933 Adler informa de su segundo viaje de conferencias a Holanda (primavera de 1933: Utrecht, Leiden, Rotterdam, Ámsterdam); en la del 22 de junio expone «Funktionelle Neurosen» con un caso de migraña. Ortografía original; las palabras espaciadas se dan en cursiva y las negritas del original en negrita.