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Title: Die Sommerwohnung
Description: Prager Tagblatt, 58. Jg., Nr. 147, 24. Juni 1933, Unterhaltungs-Beilage. Gezeichnet: Ping.
Author: Otto Rühle («Ping»)
URL: https://adler.school/archivo/ruhle/original/1933-06-24%20Die%20Sommerwohnung
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Ping:

# Die Sommerwohnung

Vierzehn Tage lang haben sie Sommerwohnung gesucht. Mit Bahn und Auto, Schiff und Autobus haben sie unverdrossen alle in Betracht kommenden Gegenden abgeklappert, alle Kurorte, Sommerfrischen und Flußtäler besichtigt. Endlich hat man etwas Passendes gefunden. Am Abend besprechen sie ihren Erfolg. „Ich bin begeistert!“ ruft der Mann aus. „Diese wundervolle Landschaft zwischen Bergen, Wäldern, Wasser und Wiesen! Dieser zauberhafte Blick von der Veranda unseres Zimmers!“

„Deine Begeisterung in Ehren“, wendet die Gattin ein, „aber mir scheint, daß sie kritiklos ist. Darf ich dich auf Bedenken aufmerksam machen, die ich habe?“

„Natürlich hast du Bedenken!“ entgegnet lachend der Mann. „Selbst wenn du im Paradies Sommerwohnung fändest, würdest du noch Einwendungen zu machen haben.“

„Du mußt doch zugeben“, unterbricht sie ihn begütigend und legt ihre Hand auf seinen Arm, „daß die Sache keineswegs ideal ist. Da ist fürs erste die Wasserversorgung nicht in Ordnung …“

„Zugegeben“, fällt ihr der Mann ins Wort, „doch das spielt keine entscheidende Rolle. Dafür hast du in drei Minuten Entfernung das herrliche Schwimmbad.“

„Meinetwegen“, lenkt die Frau ein, „nehmen wir die Wasserfrage nicht zu wichtig. Aber was wirst du sagen, wenn du abends bei der Petroleumlampe sitzen mußt?“

„Ich werde“, lacht der Mann auf, „gar nicht bei der Petroleumlampe sitzen, sondern im Mondschein unter den prachtvollen Linden der Allee am Fluß spazieren gehen.“

„Es gibt nicht nur Mondschein“, belehrt ihn die Frau, „sondern oft auch im Hochsommer kalte und rauhe Tage. Da wirst du nicht auf der Wiese liegen können, da nützt dir das Schwimmbad nichts, da wirst du am liebsten ein warmes Federbett haben wollen, während du dir gerade leichte Decken bestellt hast.“

„Möglich, möglich“, tröstet der Mann, „aber ich verspreche dir, daß ich nicht raunzen werde. Eine Wanderung in die Wälder, ein Strauß Wiesenblumen, eine Schale Himbeeren wird mich für alles entschädigen.“

„Und dann hast du das Wichtigste nicht bedacht“, spielt die Frau ihren letzten Trumpf aus. „Wird denn die Wirtin auch anständig kochen können? Vielleicht bringt sie jeden Tag Schweinsbraten, Kraut und Knödel auf den Tisch. Ich habe da die schwersten Bedenken …“

„Was heißt Bedenken?“ ereifert sich der Mann, „da werden wir eben sechs Wochen lang Schweinsbraten, Kraut und Knödel essen. Ich stelle es mir geradezu ideal vor, in dieser entzückenden Landschaft ausschließlich davon zu leben.“

„Du phantasierst!“ weist ihn die Frau zurecht. „Wenn ich offen sein soll, so habe ich fast Reue darüber, daß wir so leichtsinnig gemietet haben.“

„Und ich muß gestehen“, versichert der Mann, „daß ich restlos glücklich bin.“

„Du bist eben der unverbesserliche Optimist“, konstatiert die Frau.

„Und du bist der unverbesserliche Pessimist!“ gibt ihr der Mann zurück.

„Nun gute Nacht, träume von deinem Paradies!“

„Gute Nacht! Und daß du nicht von der Schlange träumst, die das schönste Paradies stören kann.“

Am Morgen kommt mit der Post ein Brief, in dem die Vermietung rückgängig gemacht wird. „Ich konnte“, schreibt die Frau vom Land, „das Zimmer günstiger vermieten. Bitte nicht bös sein.“ „Gott, wie schade!“ sagte der Optimist und macht eine pessimistische Gebärde. „Gott sei Dank!“ sagt der Pessimist und strahlt in optimistischer Heiterkeit.

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*Fuente:* «Ping», «Die Sommerwohnung», *Prager Tagblatt*, 58. Jg., n.º 147, 24 de junio de 1933, Unterhaltungs-Beilage (suplemento de entretenimiento), columna derecha. Transcrito desde la imagen de página de ANNO / Österreichische Nationalbibliothek (ANNO_ptb19330624, imagen 9), con el OCR de ANNO, inservible para la Fraktur, descartado. La atribución a Otto Rühle del seudónimo «Ping» procede de la bibliografía de Stecklina (2002, secc. 2.1.1). Se conservan la ortografía y el cambio de tiempo verbal del original («sagte der Optimist»).
