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Title: Neues Kinderland. Ein kommunistisches Schul- und Erziehungsprogramm
Description: Berlin-Fichtenau, Verlag Gesellschaft und Erziehung, 1920, 24 S. (Aus Gesellschaft und Erziehung, Nr. 10). Mit einer Umschlagzeichnung von Heinrich Vogeler. Im selben Jahr auch als «Das kommunistische Schulprogramm» (Berlin-Wilmersdorf, Verlag Die Aktion, 1920, 40 S.; Politische Aktions-Bibliothek, Nr. 9).
Author: Otto Rühle
URL: https://adler.school/archivo/ruhle/original/1920%20Neues%20Kinderland.%20Ein%20kommunistisches%20Schul-%20und%20Erziehungsprogramm
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<!-- Umschlag: Zeichnung von Heinrich Vogeler (nicht wiedergegeben). Umschlaginnenseite: Anzeige der Zeitschrift «Die neue Erziehung» (ausgelassen). -->

<!-- Titelblatt -->

Aus Gesellschaft und Erziehung Nr. 10

# Neues Kinderland

Ein kommunistisches Schul- und Erziehungsprogramm

von
Otto Rühle

Mit einer Umschlagzeichnung von
Heinrich Vogeler

Verlag Gesellschaft und Erziehung
G. m. b. H. Berlin-Fichtenau 1920

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Dieses kommunistische Schul- und Erziehungsprogramm ist eine individuelle Arbeit ohne parteioffizielle Sanktion. Ein erster Entwurf, der sich damit begnügt, Richtlinien aufzuzeigen und große Gesichtspunkte anzudeuten. Ein Versuch, mit dem Kompaß der kommunistischen Welt- und Lebensanschauung in der Hand, aus dem Trümmerfelde des bürgerlichen Zusammenbruches und dem Wirrwarr des demokratisch-sozialistischen Überganges herauszukommen. Dieses Programm läßt das sozialdemokratische Schul- und Erziehungsprogramm weit hinter sich. Wohl übernimmt es von ihm Teilforderungen, die vielfach unerfüllte Forderungen schon des liberal-demokratischen Schulprogramms waren, wie es sich die Forderungen und Ziele der entwickeltsten pädagogischen Erkenntnis zu eigen macht. Aber indem es alle diese Forderungen in einen neuen lebendigen Zusammenhang bringt, sie tiefer faßt und unter die Beleuchtung einer neuen Weltanschauung rückt, erhebt es den Komplex der Schul- und Erziehungsfragen zur Höhe eines gewaltigen kulturellen Problems, dessen Lösung unsrer wartet.

Die Revolution, indem sie die Fundamente der kapitalistischen Wirtschaft zertrümmert und das morsche Bauwerk der bürgerlichen Gesellschaft niederlegt, wird auch eine Revolution des gesamten geistigen und sittlichen Kulturlebens und Kulturinhaltes sein.

Und die proletarisch-sozialistische Revolution wird uns die neue Schule, die neue Erziehung bringen.

Glücklich die Jugend, die Erbin dieser revolutionären Errungenschaft ist. Doch glücklich auch die Jugend, die die kommunistische Schule mit erobern darf!

Dem revolutionären Tatwillen der kommunistischen Jugend sei dieses Buch geweiht!

* * *

Die Ökonomie ist — nach Marx — das Fundament aller gesellschaftlichen Ordnung. Sie bestimmt nicht nur die äußere soziale Skruktur, sondern auch ihren kulturellen Gehalt. Im Komplex der Erscheinungen und Einrichtungen, die die gesellschaftliche Ordnung ausmachen, stehen *Schule und Erziehung* nicht an letzter Stelle. *Sie sind vielmehr die wichtigsten Träger der gesellschaftlichen Lebenswerte, die ersten Repräsentanten der sozialen Ideologie.* Diese Ideologie ergibt sich als das

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geistige Destillat der materiellen Lebensnotwendigkeiten, bildet den ideellen Reflex all der Realitäten, in denen sich unser physisches und soziales Dasein erschöpft. So wurzeln Schule und Erziehung in den ökonomischen Untergründen der Gesellschaft; Form, Inhalt und Ziel der Erziehung ergeben sich unmittelbar aus dem Charakter der jeweils herrschenden Produktions- und Austauschweise. Der Parallelismus ist unverkennbar: *wie die Arbeit, so die Erziehung; wie das soziale System, so die Schule.*

Die kapitalistische Wirtschaftsweise schuf die Bedingungen für die bürgerlich-kapitalistische Erziehung. In den Klassenstaat, der die Menschen in feindliche Heerlager spaltet, ordnet sich die Klassenschule mit logischer Folgerichtigkeit ein. Und die von ihr vermittelte Vorbereitung fürs Leben stellt sich — in Konsequenz ihrer innerlichen Gegensätzlichkeit — dar als eine Vorbereitung für den Existenz- und Konkurrenzkampf im Sinne und nach den Interessen der Bourgeoisie. Die Jugend der Besitzenden wird reif und tüchtig gemacht für Leitung und Verwaltung, Herrschaft und Genuß; die Jugend der Besitzlosen für Arbeit und Gehorsam, Knechtschaft und Ausbeutung. Sklaven auf der einen, Sklavenhalter auf der andern Seite sind das Ziel. Herdenmenschen — Herrenmenschen. Hohe Schulgelder und lange Ausbildungszeit in Verbindung mit den Nücken und Tücken des Prüfungs- und Berechtigungswesens sperren das ebenso bildungshungrige wie bildungsfähige Proletariat systematisch ab von Schulen und Ämtern, Einflüssen und Einkünften des Staates, die dem Nachwuchs der Bourgeoisie als Klassenprivilegien vorbehalten bleiben. Das geistige und sittliche Leben der Schule ist beherrscht von der Ideologie der herrschenden Klasse, die sich auslebt in idealistischer Geschichtsauffassung, Patriotismus, Kirchlichkeit, Untertanengesinnung und Sklavenmoral, die gesichert wird durch die staatliche Lehrerbildung, die behördliche Überwachung des Schulbetriebs, das Schulbüchermonopol, das Berechtigungs- und Bestätigungswesen usw., und die darauf hinausläuft, das Proletarierkind seinem Klasseninteresse systematisch zu entfremden und zu entziehen. Und während die bürgerliche Jugend aufs sorgfältigste vor jeder Berührung mit dem Erwerbsleben und der daraus sich ergebenden Einsicht in die sozialen Zustände bewahrt wird, möglichst solange, bis ihre eignen Interessen den Zusammenklang mit den Interessen der kapitalistischen Klasse gefunden haben, wird die proletarische Jugend schon im zartesten Alter in den Mahlstrom der Ausbeutung hineingeschleudert und aufs erbarmungsloseste ausgepreßt. So ist — wie bei der materiellen Versorgung — auch im Anteil an der geistigen Kultur der einen Klasse alles Licht, der andern aller Schatten zugekehrt.

Mit dem Siege der proletarischen Revolution wird die staatliche Macht der Bourgeoisie gebrochen. Die Herrschaft des Kapitalismus hat ein Ende. *Damit ist auch das Schicksal der bürgerlichen Schule und Erziehung besiegelt.*

Das sozialistische Zeitalter beginnt.

* * *

Das sozialistische Zeitalter setzt ein mit der Aufhebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln. Damit verschwinden die Klassenunterschiede. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessengegensätze bestehen nicht mehr. Reichtum und Armut gehören der Vergangenheit an. Auf gleicher materieller

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Basis stehen alle Menschen vereint zu gemeinsamer Arbeit für die Erhaltung und Erhöhung des Lebens, zu gemeinsamem Kampfe gegen die feindlichen Kräfte der Natur und die drohenden Gefahren der noch bürgerlich-kapitalistischen Umwelt.

*Oberstes Ziel der sozialistischen Wirtschaft ist die allgemeine Steigerung des Arbeitserfolges.*

Dieses Ziel wird erreicht durch die Beseitigung der Ausbeutung, die planvolle Organisation der Arbeit, die Entfaltung der Arbeitstechnik, die Entwicklung und Schulung der menschlichen Schaffenskraft und die Verteilung des Arbeitsertrags nach sozialistischen Grundsätzen.

Da an der allgemeinen Erhöhung der Arbeitsproduktivität wie an der daraus sich ergebenden allgemeinen Erhöhung des Kulturniveaus *alle* Gesellschaftsglieder in gleich hohem Maße interessiert sind, sind auch *alle* zur Mitwirkung und tatkräftigen Anteilnahme verpflichtet. Daraus ergibt sich die Pflicht der Gesellschaft, *alle* menschlichen Schaffenskräfte frei zu machen, für ihre Aufgabe zu befähigen, zu höchster Leistungsmöglichkeit zu erziehen.

*Die sozialistische Erziehung ist also nicht Sache einzelner oder einzelner Gesellschaftsgruppen, sondern Sache der Gesamtgesellschaft.* Sie wird von einheitlichen Gesichtspunkten geleitet, von einheitlichen Grundsätzen beherrscht sein. Ob zentralistisch oder föderativ organisiert — sie wird das treue Abbild der neuen Gesellschaftsordnung sein, die in ihrer organischen Struktur, ihren Funktionen, ihrem kulturellen Inhalte, ihrer Ideologie lebt. *Eine allgemeine, allseitige, allumfassede Erziehung.* Eine Schule des äußeren und inneren Menschen, die seine Fähigkeiten und Anlagen aufs glücklichste und erfolgreichste auslöst, zu freiester Entfaltung und höchster Vollkommenheit führt und damit zu höchster Arbeitsleistung wie zu reichstem Kulturgenuß befähigt.

Eine Schule der Arbeit für die Arbeit, der Kultur für die Kultur, des Lebens für das Leben, des Sozialismus für den Sozialismus.

* * *

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Im organischen Aufbau der auf dem Privatbesitz beruhenden Gesellschaft stellte die *Familie* den untersten Baustein dar. Sie war der Mikrokosmos: Wirtschafts-, Lebens- und Erziehungsgemeinschaft, geschlossen und zusammengehalten durch die Bande des gleichen Blutes, belebt von der Idee, die sich im Staat als Ganzem verkörperte. In vollkommener Form und harmonischer Wirksamkeit bestand sie bis in die kleinbürgerliche Ära — der Hof des Bauern und das Haus des Zunfthandwerks boten Stätten des idealen Familienlebens. Ludwig Richter, Schwind und andre holten aus ihnen die Motive ihrer Kunst. Später, besonders im Zeitalter des entwickelten Kapitalismus, verfiel sie mehr und mehr der Zersetzung und Auflösung. Die Entwicklung der Warenwirtschaft, die die Versorgung mit Lebensgütern aus dem Hause in die Fabrik und den Kaufladen verlegte, entkleidete sie ihres Charakters als Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft. Und indem Mann und Frau, vielfach auch die Kinder, zur Erwerbsarbeit außer dem Hause getrieben wurden, blieb von dem reichen Inhalte der Lebensgemeinschaft nur noch der dürftige Rest einer flüchtigen Tisch-, Bett- und Feierabendgemeinschaft übrig. Überflüssig zu sagen, daß damit auch die Bedeutung der Familie als Erziehungsgemeinschaft fast völlig verloren ging. Die geistige und moralische Vorbereitung aufs Leben wurde in der Hauptsache Aufgabe der Schule, der beamteten Lehrpersonen. Und diese — Schule und Lehrpersonen — standen unmittelbar im Dienste des Kapitalismus.

Der Krieg, der den Vater 4 Jahre lang in den Schützengraben, die Mutter in die Munitionsfabrik und die Kinder auf die Straße trieb, hat der bürgerlichen Familie den Rest gegeben. Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, wirtschaftliches Elend und politische Kämpfe beschleunigen und vollenden den Zerfallsprozeß, der in der ungeheuren Zunahme der Ehescheidungen, dem 3-Millionen-Überschuß geschlechtsreifer Frauen, der Straffälligkeit Jugendlicher, dem Sinken der Geschlechtsmoral usw. der Öffentlichkeit sichtbar wird. Das brüchige und dürftige Gebilde, das heute noch Familie heißt, ist eine Schale ohne Kern. Und dies ist, vom Standpunkt der Entwicklung, noch der günstigere Fall. Denn der Kern kann, wo er noch vorhanden ist, nur die Konzentration reaktionärer, gegenwartsfremder und zukunftsfeindlicher Interessen und Tendenzen sein. *Die Familie mit ihrer Tradition des Privatbesitzes, ihrer Weltanschauung des Individualismus, ihrer Tendenz der Selbsterhaltung, ihrer Ethik des Egoismus ist historisch überlebt.* Sie steht und fällt mit dem individuellen Eigentum an den Produktionsmitteln, mit der Privatwirtschaft, mit der Nutz-

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nießung des Produktionsertrags durch die kapitalistischen Unternehmer. Die Revolution zieht ihr den Boden unter den Füßen fort und macht ihre Form sinnlos. Das sozialistische Zeitalter hat für ihre Funktionen kein Objekt, für ihre Leistungen keine Bedürfnisse, für ihre Segnungen keine Voraussetzung mehr. Es erklärt sie für überflüssig. Sie ist erledigt.

An die Stelle der Familie tritt als neue Gemeinschaft schaffender, geistig und seelisch verbundner Menschen, in deren Händen die Wirtschaft, die kulturelle Lebensgestaltung und die Erziehung des Nachwuchses liegt, *die Kommune.*

* * *

Aus dem dämmernden Grau der Vorzeit heben sich die ungewissen Konturen des *Urkommunismus.*

Sie führen in die Epoche der frühesten sozialen Verbände, in die der Mensch hineingeboren wurde: der Horde, des Hordenverbandes, der Sippe. Alle Glieder der Blutsverwandtschaft waren im großen Kreise vereint; Wohnplatz und Feuerstätte, Zelte und Hütten, Werkzeuge, Viehstand und Äcker bildeten gemeinsamen Besitz. In den ältesten Zeiten bestand auch Geschlechtsgemeinschaft, ursprünglich uneingeschränkt, später im Rahmen von Generationen oder größeren und kleineren Truppen. Die noch ungenügende Entwicklung der Produktivkräfte bedingte die gegenseitige Hilfe in der Produktion und machte damit die Versorgung mit Lebensgütern und die Abwehr drohender Gefahren zu einer Sache aller für alle. In dieser primitiven Gemeinschaft keimten die ersten Formen wie der Wirtschaft so der sozialen Organisation auf. Hier bildeten sich die Zellen der Familie, der Gemeinde, des Staates, der Gesellschaft heraus.

Jede Phase des Aufstiegs hatte ihre besondere wirtschaftliche und gesellschaftliche Skruktur, ihre eignen geschlechtlichen Beziehungen, ihre ethische und kulturelle Physiognomie. Welche Formen aber immer das generative, familiale, soziale und kulturelle Zusammenleben der Menschen auf jeder Stufe jeweilig annehmen mochte, stets war es beherrscht von den ungeschriebnen Gesetzen der Gemeinsamkeit, den Grundgesetzen des Kommunismus. Gemeinsamkeit des Besitzes, Gemeinsamkeit der Arbeit, Gemeinsamkeit des Ertragsgenusses — das waren die starken Pfeiler, auf denen das Menschendasein dieser Zeit ruhte. Und überstrahlt wurde es von dem lebendigen Geiste der Solidarität, der in Religion und Ethik, Wissen und Kunst, Recht und Gesetz seinen Niederschlag fand. Seine höchste Blüte erreichte der Gesellschaftsverband dieses Zeitalters in der Epoche des Mutterrechts.

Das Kind gehörte nicht der Mutter, die es gebar, sondern der Sippe, d. h. allen, die von derselben Stammutter abstammten: sabuah parui — wie die Malaien von Menangkabau auf Sumatra sagen — wörtlich: allen, die aus demselben Bauche gekommen sind. Es führte den Namen der Gemeinschaft, deren Abzeichen oder Schmuck es trug und deren Schutz es genoß; es erbte in ihr, und zwar allein von der Mutter, sowohl Güter als Titel und Würden; es feierte ihre Feste, nahm an ihrem Kult teil, verehrte ihren Totem und wurde, wenn es starb, von ihr betrauert. War es erschlagen worden, so verfolgte die

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kollektive Blutrache der Sippe den Mörder. Immer lebte in jedem Einzelschicksal das Schicksal der Gesamtheit, in jedem Individuum die Kommune.

Soweit von einer Erziehung die Rede sein durfte, war sie darauf gerichtet, Fertigkeiten beizubringen und Eigenschaften zu entwickeln, die der Kampf ums Dasein erheischte. Vorwiegend Hand und Sinne wurden geübt, bei Jagdvölkern zur Aufspürung des Wildes und zum Gebrauch der Waffen, bei Hirtenvölkern zur Wartung und Pflege der Tiere und Verarbeitung der Produkte, bei Fischervölkern zum Schwimmen und Rudern, zum Fischfang und Bootbau. Daneben ließ die Gemeinsamkeit des Lebens und Schaffens Solidaritätsgefühl, Stammestreue und Aufopferungsbereitschaft als sittliche Tugenden erwachsen. Immer übten die materiellen Gesichtspunkte, unter denen die Anfänge gesellschaftlicher Organisation Klärung und Gestalt gewann, entscheidenden Einfluß auf Inhalt, Form und Umfang der sich entwickelnden Erziehungspraxis aus.

Das Aufkommen des Privateigentums, das in die Hände des Mannes überging, untergrub die Urkommune und führte ihren Zerfall herbei. Die Arbeit hatte sich so hoch entwickelt, daß der einzelne imstande war, auf sich allein gestellt von ihrem Ertrag eine Einzelfamilie und einen Einzelhaushalt zu begründen und aufrecht zu erhalten. Damit war der Reifen, der die Gemeinschaft zusammengehalten hatte, gelockert und gelöst. Der durch den Reichtum geweckte und gestachelte Individualismus des Mannes fand in der Familie sein Herrschaftsgebiet. Die Großfamilie zerbröckelte in Kleinfamilien, die Gruppenehe in Einehen, die Kommune in Haushalte. Das Zeitalter des Individualismus begann.

* * *

Nach Jahrhunderten kraftvollster Entwicklung und glänzender Triumphe steht das Menschengeschlecht wieder an einem Sterbebette. Das Zeitalter des Individualismus ist vorüber, das Privateigentum muß verschwinden, der Kapitalismus geht zu Grunde.

Dem ewigen Kreislauf der Geschehnisse folgend, treten wir wiederum in ein *Zeitalter des Kommunismus* ein.

Kommunismus — d. h.: Gemeinsamkeit des Besitzes, der Arbeit, des Arbeitsertragsgenusses; heißt Solidarität; heißt neue Beziehungen der Geschlechter, neue Lebensgestaltung, neue Kultursphäre, *neue Erziehung.*

Ein Umschwung wie ehedem, nur auf der erhöhten Stufenleiter einer tausendjährigen Entwicklung, auf den Errungenschaften der Menschheitskultur des ganzen zu Ende gehenden Zeitalters. Und mit entgegengesetzter Wirkung.

Damals zerfiel der Gemeinbesitz und wandelte sich in Privateigentum, über das der Wille eines einzelnen zu verfügen begann. Heute ist die Zeit des Privatbesitzes wieder vorüber und die Stücke und Stückchen sammeln sich zum Ganzen; das Gemeineigentum ersteht neu.

Damals ging die Großfamilie in Scherben und setzte sich in einer Unzahl von Einzelfamilien fort, die das soziale Gefäß der monogamischen Ehe bildeten. Heute zerbricht die Einehe, zerschellt die Einzelfamilie unter den Schritten der Entwicklung, und die Trümmer formen sich zum neuen Ganzen.

Die Einzelhaushalte werden sinnlos angesichts der Not an Material, des Mangels an Arbeitskraft und der Kostspieligkeit der Lebenshaltung; die Einzelleistung sieht sich zur Ohnmacht verdammt angesichts der Aufgaben, die eine

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zusammenbrechende Weltordnung ihr stellt. Da streben die isolierten und in ihrer Isolierung unfähigen Teile wieder zur Bindung. Aus der versagenden Vielheit wird eine rettende Einheit. Die zusammenhanglosen Haushalte finden sich in der lebendigen Geschlossenheit der Kommune.

*Die Kommune ist die Zelle des neuen Gemeinschaftslebens.* Dieser Gemeinschaftsbegriff wurzelt im Bewußtsein des Proletariats als Klasse. Als der Arbeiter erkannte, daß er allein ein Nichts ist, vom Kapitalismus erdrückt, fing er an, sich mit seinesgleichen zu sammeln. Solidarität wurde seine moralische Fordrung. Im Klassengefühl und Klassenbewußtsein fand sie ihren ideologischen Niederschlag, im Klassenkampf ihre konkrete Ausdrucksform. Die Klasse wurde die neue Gemeinschaft. Der einzelne taucht in ihr unter, um als ein neuer aus ihr zu erstehen. Nicht, daß der einzelne die Gemeinschaft schaffen, formen und beseelen könnte; umgekehrt: der einzelne ist ihr Produkt. Einzelbewußtsein ist das aus dem Gemeinschaftsbewußtsein erzielte Substrat. Einzelwille ist der auf das Individuum projizierte Gemeinschaftswille. Einzelleistung ist die aus dem reichquellenden Borne der Gemeinschaftsleistung geschöpfte Aktion. Denken und Wissen, Können und Schaffen, Fühlen und Wollen — alles hat das Leben der Gemeinschaft zur Voraussetzung. In Sprache und Wissenschaft, Sitte und Recht, Religion und Kunst findet es Gestalt, um das Leben der Gemeinschaft wieder zu befruchten und zu erfüllen. Individualität ist nichts andres als der Reflex des Gemeinschaftslebens und der Gemeinschaftsideologie im Individuum.

*Aus der Gemeinschaft ergibt sich auch ein neues Verhältnis des Menschen zur Arbeit.* Diese tritt nicht mehr von außen an ihn heran. Als harte Pflicht, als Fremdes, Feindliches, das zur Knechtung führt und, anstatt zu beglücken, nur Qual bereitet. Sie wächst aus der Gemeinschaft heraus als Bedürfnis, als innere Nötigung, als Selbstverständlichkeit, die sich logisch aus der Tatsache unsrer Existenz und unsers Erhaltungswillens ergibt. Sie ist der immanente Ausdruck unsres Lebens, der Sinn unsers Daseins, der natürliche Adel unseres Menschentums.

*Diese Arbeit — gesellschaftliche Arbeit für die Gesellschaft — ist Grundlage und Inhalt, Mittel und Form, Zweck und Ziel der neuen Erziehung.*

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*Die neue Erziehung muß von der Voraussetzung des Lebens und Wirkens in der Gemeinschaft ausgehen.* Sie muß die Konsequenzen dieser Voraussetzung auf Schritt und Tritt beobachten und den Menschen stets als soziales Wesen gelten lassen. Dabei darf es sich „nicht bloß um das Verhältnis des einzelnen zum andern einzelnen handeln, sondern auch um sein Verhältnis zur konstituierten menschlichen Gemeinschaft“. Statt wie bisher isolierte Individuen für das freie Spiel der Kräfte zu erziehen, gilt es, einen Menschentyp zu schaffen, der sich seiner Stellung innerhalb der menschlichen Gesellschaft voll bewußt ist und den Anforderungen, die sich daraus ergeben — als Produzent, als freier Bürger, als Kulturträger und Kulturförderer — restlos genügt.

Alle großen Denker und Pädagogen früherer Zeit — Plato, Comenius, Goethe, Pestalozzi, Owen, Marx — wurden durch ein starkes soziales Empfinden oder durch eine tiefe Einsicht in die Bedingungen und die Zusammenhänge des Lebens zu sozialpädagogischen Fordrungen oder Utopien geführt; nur daß die materiellen, in der Ökonomie und Sozialstruktur gelegnen Voraussetzungen noch nicht vorhanden waren oder aber nicht ausreichten, um die Wünsche und Träume in Wirklichkeit zu verwandeln. Indem jedoch im Zeitalter der Großindustrie, der Maschinentechnik, der Entfaltung ungeahnter kapitalistischer Kräfte der Sozialismus die schillernde Hülle der Utopie aufgab, um in klarer wissenschaftlicher Formulierung die ehernen Fordrungen der historischen Entwicklung an seine Zeit zu richten, konnte auch die Sozialpädagogik aus den nebelhaften Regionen utopischer und dichterischer Komposition sich niedersenken und in der greifbaren Realität einer ernsthaften Theorie einlaßbegehrend an die Tore der Schulen pochen. Und indem jetzt der Kapitalismus schließlich zusammenbricht, fallen die letzten Schranken.

Heute ist durch die Revolution die Frage der Sozialpädagogik auf die Tagesordnung der Geschichte gestellt und in dem gewaltigen Kulturerlebnis der kommunistischen Erziehung an die Schwelle ihrer unmittelbaren praktischen Verwirklichung gerückt.

Träume werden Erfüllung, Theorie wird Tat. Wachenden Auges erleben auch die Pädagogen Weltgeschichte.

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Das Kind der bürgerlichen Zeit wurde in der Familie geboren; der Proletariersproß nur zu oft, wie Jesus-Christ, auf Heu und Stroh.

Wenn das Kind des sozialistischen Zeitalters in der Kommune zur Welt kommt, so sicher nur für die Phase des Überganges, in der es noch, den kapitalistischen Bankerott im Rücken, an all und jedem mangelt.

Bald wird man *Gebärhäuser* in großer Menge errichten, ausgestattet mit allem hygienischen Komfort und allen klinisch-technischen Errungenschaften der gynäkologischen Praxis. Ärzte, die aufgehört haben, bloße Geldverdiener zu sein, werden sachkundige Hilfe leisten, und ein Heer von Pflegerinnen wird zu verständnisvoller Wartung bereitstehen. Das Bewußtsein, sich körperlich in treuester Obhut zu befinden und aller materiellen Sorgen überhoben zu sein, wird der Wöchnerin die schwere Stunde ungemein erleichtern. Im *Mütter- und Säuglingsheim* wird sie mit dem Neugeborenen die Wochen bis zu ihrer Genesung verbringen.

Die sozialistische Gesellschaft hat ein hohes Interesse daran, dem Geburtsakt die Qualen und Schrecken nach Möglichkeit zu nehmen. Nicht allein aus Geboten der Menschlichkeit, sondern besonders, weil ihr daran liegt, die Gebärfreudigkeit der Frau nach allen Kräften zu heben. Sie braucht Kinder, viele Kinder, denn Kinder werden Arbeiter, Produzenten, Werteschaffer. Der Mensch ist das wertvollste Produktionsmittel; in einer Zeit, da der Mensch ein Vielfaches seines Bedarfs zu erzeugen vermag, stellt er eine Quelle von Reichtum dar. Je mehr schaffende Menschen, desto reicher die Gesellschaft. Je größer die Geburtenhäufigkeit — besonders nach den ungeheuren generativen Verwüstungen des Weltkrieges — desto sicherer der Wohlstand und aussichtsreicher die kulturelle Entwicklung. Darum: Fördrung der Kinderproduktion! Steigerung der Gebärfähigkeit und Gebärfreudigkeit! Vermehrung des Nachwuchses! Viele Kinder, viel Segen — endlich wird das Wort zur beglückenden Wahrheit!

Ob das Kind die ersten Monate und Jahre in der Hauskommune oder im Kinderpflegeheim verbringt, wird sich ganz nach den Umständen richten. Dort wie hier wird es nicht das einzige Kind sein und nicht nur unter Geschwistern aufwachsen; denn darauf wird Wert gelegt werden, daß es mit andern nicht blutsverwandten Kindern zu einer *kameradschaftlichen Gruppe* vereinigt wird. Im Kinderheim, wo die Mutter, um Tag und Nacht mit ihrem liebenden Herzen und ihrer sorgenden Hand in der Nähe des Kindes weilen zu können, vielleicht als Pflegerin Dienste angenommen hat, wird es üblich sein, daß die Mutterbrust nicht nur dem eignen Kinde, sondern — wenn möglich — auch einem zweiten oder dritten noch gereicht wird. Sicher muß die mütterliche Pflege über das eigne Kind hinaus auf mehrere der Pflegebefohlenen verteilt werden. Und in der Hauskommune ist es ähnlich. Nicht der Vater allein hat Herrschaftsrechte über das Kind, nicht die Mutter allein darf es als ihr persönliches Besitztum in Anspruch nehmen. Die Zeit ist vorbei, in der Eltern sagen durften: Das ist unser Kind, damit können wir machen, was wir wollen! *Das Kind gehört allen* und wird mit den Augen aller bewacht, der Sorgfalt aller betraut, der Liebe und Güte aller beschenkt. Die Affenliebe und willensschwache Nachsicht in dem einen, die Pflichtvergessenheit und das Rabenelterntum in dem andern Falle finden ihren Ausgleich und ihre harmonische Temperierung. In den allwöchentlichen Beratungen der

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Kommunemitglieder, ihren Erwägungen und Entschlüssen, ihren Leistungen und Hoffnungen ist jedem Kinde ein Stück, ein Abschnitt gewidmet. Sein Schicksal steht nicht mehr allein, isoliert, dem Zufall und der Willkür preisgegeben; es lebt in ihm das Schicksal der Gemeinschaft. Und dieses Schicksal ist planvoll und vorbedacht, ist Fürsehung.

Gewiß hat die Natur zwischen Mutter und Kind innige Bande geknüpft; gewiß gilt nach Herkommen und Brauch das Verhältnis zwischen Mutter und Kind als das herzlichste, festeste und süßeste. Aber ist damit bewiesen, daß die Mutter die beste, die tauglichste Erzieherin des Kindes sei? Im Zeitalter des Individualismus — vielleicht? Im sozialistischen Zeitalter bestimmt nicht. *Hier kann die Erziehung nur eine Kollektivleistung sein.* Gefühl und Einsicht der Gesamtheit gehen über Gefühl und Einsicht der Individuen, weil das Interesse des Ganzen überwiegt. Das Einzelne hat sich dem Ganzen unterzuordnen. Es geht im Ganzen auf.

Niemand wird der Mutter roh ihr Kind entreißen. Keiner wird gewalttätig sein und edle Instinkte verletzen. Bande des Blutes und tausendjähriger Überlieferungen können nur mit größtem Zartgefühl und peinlichster Rücksichtnahme gelöst werden, wenn die Unerbittlichkeit und Unausweichlichkeit der Entwicklung dies verlangt. So wird die Lösung erfolgen unter denkbarster Schonung und voll ehrfürchtiger Verneigung vor der Heiligkeit der Mutterschaft.

Aber sie wird erfolgen. Und das Kind wird Eigentum der Gesellschaft werden.

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Das Kind wird Glied einer kameradschaftlichen Gruppe, deren Welt der *Kindergarten* ist. Das wird ein wirklicher Garten sein, ein Garten Eden, sonnig, mit Sandhaufen, reicher Spielgelegenheit, Planschwiese und etwas Getier, das die Zärtlichkeiten des kindlichen Herzens zu ertragen weiß.

*Alle Kinder sind zum Besuche des Kindergartens verpflichtet.* Etwa vom dritten Jahre an. Doch soll keine obligatorische Altersgrenze bestehen, weder nach unten wie nach oben. Altersklassen gehören zum Schematismus der Drillschule, die — gottlob! im sozialistischen Zeitalter überwunden ist.

Der Kindergarten dient dem *Spiel.* Im Spiel spiegelt sich das Leben. Zunächst mit seinen Mängeln. Darum beginnt das Spiel im Kindergarten mit der Ausgleichung des Fehlerhaften von Geburt, mit der Anbahnung des äußern und — da alles Körperliche sein Korrelat im Psychischen hat — innern Gleichgewichts. *Gesundheitspflege und Körperkultur bilden den Ausgangspunkt.* Die Gymnastik verschwistert sich mit Rhythmus und Ton, Bild und Linie — das Mensendick-Turnen und die rhythmische Gymnastik von Jaques Dalcroze deuten die Perspektiven an. Die Erlösungen körperlicher Hemmnisse an Hand dieser Erfahrungen machen das Turnen zum Tanz, zur künstlerischen Pose, zum Ausdrucksmittel ästhetischer Intentionen — „zum freudigen Ausdruck einer sich befreienden Seele“.

Aber das Leben ist nicht bloß Heiterkeit und Schönheit; es atmet tiefen Ernst und findet im Schaffen, im *produktiven Tun* den Kern und die Krone seiner Bestimmung. Auch hierin erweist sich das Kinderspiel als Abbild des Lebens, „Äußerungen ernster Tätigkeit im leichtesten Flügelkleide“, so nannte es Jean Paul. Da ist ein Bub, dem ein Stecken als Pferd, als Schiff, als Waffe dient; da ein Mädel, das aus Sand die herrlichsten Kuchen bäckt und die Rübe als Wickelkind in den Schlaf singt. Erlebtes wird erfaßt, Beobachtetes nachgeahmt, Eignes hinzugefügt. So formt sich aus Wahrheit und Dichtung eine wunderliche Welt. Unendlich viele feine und geheimnisvolle Kräfte des Geistes und der Seele müssen sich regen, ein ganzer Apparat — von ungeahnten Antrieben bewegt, von unerhörten Energien belebt — muß sich in Bewegung setzen, um das Wunderwerk aus Sand, Papier, Holz oder Ton zu vollbringen. Es war Fröbel, der als erster die Erzieher lehrte, *das Kind von Anfang an als schöpferisches Wesen zu würdigen,* und der mit sei-

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nem Kindergarten eine farbigfrohe Regenbogenbrücke zwischen Spiel und Arbeit schlug. Im Kindergarten gruppieren sich die primitiven Handgriffe des Spiels und der häuslichen Beschäftigung zu kleinen Systemen, durch die eine bewußte, planvolle Einwirkung auf die körperlichen Fertigkeiten, die Sinnenwelt und das Geistesleben des Kindes erstrebt und erzielt wird. Auge und Hand werden geübt, das Hirn reift und wächst. Namen und Worte prägen sich ein. Eigenschaften und Formen werden erkannt. Begriffe und Vorstellungen speichern sich auf, bereit zur Apperzeption. Zahl, Zeit und Raum treten aus dem Dämmer des Unbewußten klar und scharf umrissen ins Bewußtsein.

Mit zunehmendem Alter reifen die Kräfte und Fähigkeiten des Kindes. Es wachsen seine Erfahrungen, Erkenntnisse und Leistungen. Der Sinn für Zweckmäßigkeit nimmt zu, die Ausdrucksfähigkeit vervollkommnet sich, die Erfindungsgabe lebt sich in Talentproben aus. Bald lösen denn auch Märchenbuch und Hobelbank den Sandhaufen und das Reigenspiel ab. Der Kindergarten wandelt sich zur *Spielschule.* Eine Schule zwar, ein Schritt näher zum Lebensernst — aber doch noch überlaut von dem unendlichen Frohgefühl des Spiels und beseelt von der sonnigen Heiterkeit der Jugend, die alle Regungen der Seele und des schöpferischen Willens beschwingt.

Wenn das Spiel ein treues Abbild des Lebens sein soll, muß es auch die *Geschichte der Menschheit* spiegeln. Wir wissen, daß sich in der Entwicklung des Individuums verkürzt und konzentriert der Verlauf der Menschheitsentwicklung wiederholt. Es ist das auf die Kultur übertragne Haeckelsche biogenetische Grundgesetz. Die Hauptphasen dieses Aufstieges sind dem Kinde durch das Spiel zu demonstrieren und zu eignen Erlebnissen zu machen. Eine Robinsonade, aus dem Geschichtenbuch ins Kinderleben übertragen. Aufrechter Gang, Greifhand, Sprache, Verarbeitung von Lehm, Bast und Reisern, Feuergewinnung und Feuerkult, Hirt und Herde, Zeltbau, Ackerbestellung — welch eine unabsehbare Fülle von Anregungen, Motiven und Ausdrucksmöglichkeiten eröffnen diese Etappen der ersten Kulturentwicklung dem Spiel und der kindlichen Betätigung.

Aber nicht nur, daß Spiel und Schaffen der intellektuellen Entwicklung des Kindes neue und aussichtsreiche Perspektiven erschließen, daß sie für die Entfaltung des Schönheitsgefühls und künstlerischen Erlebens wertvolle Grundlagen schaffen und schließlich, vom Standpunkt praktischer Nützlichkeit aus, eine bedeutsame Vorbereitung für die spätere Arbeitserziehung bilden — sie verleihen vor allem dem werdenden Menschen *die einzig echten untrüglichen Maßstäbe für die soziale Beurteilung und Würdigung der menschlichen Arbeit, der Arbeit des Kopfes wie der Hand, des Mannes wie des Weibes.* Sie bereiten der sozialistischen Wertschätzung die Bahn. Darin liegt ihre ungeheure soziale Bedeutung.

Doch auch auf anderm Wege noch werden Kindergärten und Spielschule zu Weckern des Gemeinschaftssinnes und Pflegern sozialer Gefühle. Indem das Kind sich eingliedert in die lebendige Kette der jugendlichen Spiel- und Arbeitsgemeinschaft muß es sich anpassen, eingewöhnen, unterordnen; es muß Rücksicht nehmen, verzichten oder fordern, sein Recht wahren und kämpfend seinen Platz behaupten — genau wie die Erwachsnen draußen im Leben. Ängstlichkeit und Schüchternheit setzen sich in Entschlossenheit und Schlag-

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fertigkeit um; Mangel an Selbstvertrauen verwandelt sich in Kraft, Ausdauer und Mut. Übereifer und Jähzorn werden gebändigt; Unsoziales wird ausgemerzt. So wird das Kind geübt in den Tugenden, ohne die es ein Zusammenleben von Menschen nicht gibt, in Verträglichkeit, Gefälligkeit, Unterordnung unter das Ganze, Selbstdisziplin, Solidarität. „Wo kann denn das Kind“, fragt Jean Paul, „seine Herrscherkräfte, seinen Widerstand, sein Vergeben und Geben, seine Milde, kurz jede Blüte und Wurzel der Gesellschaft anders zeigen und zeitigen als im Freistaat unter seinesgleichen? Schulet Kinder durch Kinder! Der Eintritt in den Kinderspielplatz ist für sie einer in die große Welt“.

* * *

Aus der Spielschule führt der Weg zum *Arbeitsbetrieb.* Was dort Spiel und Vorbereitung war, ein heitres Pflücken vom Baume der Erkenntnis, wird hier ernsthaftes Tun und sachliche Pflichterfüllung. Das ist kein Gegensatz; nur ein Schritt der Weiterbildung, ein Wachsen zu höhern Zwecken. Zwischen dem spielenden Kinde, dem produzierenden Arbeiter und dem schaffenden Künstler gibt es keinen Unterschied. Es gibt nur Stufen, Nuancen, Entwicklungsgrade. Dem Spielenden die Spielschule, dem betriebsam Schaffenden der Betrieb.

*Die Einordnung und Einreihung des Kindes in den gesellschaftlichen Arbeitsprozeß ist die nächste und wichtigste Aufgabe der kommunistischen Erziehung.*

Diese Aufgabe wird diktiert von dem materiellen Bedarfe der Gesellschaft und dem daraus resultierenden Gebote, jede Arbeitskraft für die gesellschaftliche Produktion nutzbar zu machen. Nicht so sehr um deswillen, weil verhungernde Völker ihre letzte Rettung vor dem Grabe nur noch vom Aufgebot ihrer letzten Kräfte zu erwarten hätten, sondern vielmehr aus dem Grunde, weil die Arbeit der Inhalt der Lebensbestimmung aller Menschen, auch der Jugend, geworden ist. Damit wird die Aufgabe zugleich diktiert von der pädagogischen Erkenntnis, *daß die beste und erfolgreichste Erziehung zur Arbeit gegeben ist in der Erziehung durch die Arbeit selbst.*

Voraussetzung zur Erfüllung der Aufgabe ist die Sozialisierung der Produktionsmittel, zunächst der Großbetriebe in Landwirtschaft und Industrie, also die Beseitigung der kapitalistischen Warenwirtschaft und die Einführung der sozialistischen Bedarfswirtschaft. Nur wenn die Gesellschaft frei über alle Produktionsmittel und Produktivkräfte verfügt, kann sie diese nach ihrem Ermessen in den Dienst der gesellschaftlichen Erziehung stellen. Nur wenn die Produktion frei ist von den Gesetzen, Zufälligkeiten und Launen des Warenmarktes, vermag ihre Organisation eingestellt zu werden für die Zwecke planvoller Erziehung. Und nur, wenn hinter dem Rücken des Produzenten nicht mehr die Peitsche des profitheischenden Unternehmers geschwungen wird, kann die Arbeit ihre Wirkungen als Erziehungsmittel offenbaren.

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Der neue Sinn der Arbeit ist gegeben in ihrer neuen Bestimmung: jede Existenz zur Versorgung mit Existenzmitteln zu sichern, das materielle Dasein der Menschen auf eine breitere reichere Basis zu stellen, die Menge der verfügbaren Kulturgüter zu steigern und damit das Maß des allgemeinen Kulturgenusses zu erhöhen. Alle Menschen sollen satt und froh werden!

Aus diesem neuen Wirtschaftszwecke ergibt sich nächst der *allgemeinen Arbeitspflicht* ein *allgemein verbindliches Arbeitsmaß,* dessen Erfüllung allein den Anspruch auf Bedarfsgüter aus dem gesellschaftlichen Arbeitsertrag rechtfertigt und ihre Gewährung erwirkt. Nur wer arbeitet, soll essen dürfen! Das Maß der Arbeit wird gefunden, indem man die Menge der vorhandnen Arbeitskräfte in die Menge der benötigten Bedarfsmittel dividiert — ein Rechenexempel, das immerhin komplizierter ist, als es erscheint, weil die Arbeitskräfte nicht mechanisch gleichgesetzt werden können, sondern nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit zu Gruppen zu ordnen sind. Fürs erste wird das Maß der Arbeit ein Zeitmaß sein. D. h. in konkreter Anwendung: der gesunde und normal entwickelte Erwachsne ist Vollarbeiter und leistet seinen Vollarbeitstag von so und so viel Arbeitsstunden. Wird das Kind — sagen wir — mit 18 Jahren Vollarbeiter, so wird man ihm für das 16. bis 18. Jahr etwa ¾ für das 12. bis 16. Jahr die Hälfte und für das 8. bis 12. Jahr ¼ der Vollarbeitsleistung zumuten dürfen. Jedenfalls wird mit zunehmender Reife auch das Quantum der ihm auferlegten Arbeitsleistung, zunächst nach Zeit gemessen, zunehmen.

Lenin weist — in Staat und Revolution — unter Berufung auf Marx nach, wie anfechtbar die scheinbare Gerechtigkeit dieses Zeitmaßes ist und wie wenig im sozialistischen Zeitalter dieser Modus des „gleichen Rechts“ auf Konsummittel für die Länge der Zeit aufrechterhalten werden kann. In der Tat wird hier ein gleicher Maßstab und ein gleiches Recht bei ungleichen Individuen angewandt: der eine Mensch ist stärker, der andre schwächer, der eine begabter, der andre weniger begabt, der eine besser disponiert, der andre schlechter, usw. „Bei gleicher Arbeitsleistung“, folgert Marx, „und daher gleichem Anteil an dem gesellschaftlichen Konsumtionsfonds erhält also der eine faktisch mehr als der andre, ist der eine reicher als der andre usw. Um alle diese Mißstände zu vermeiden, müßte das Recht — und damit auch das Zeitmaß der Arbeit — statt gleich ungleich sein.“

In der ersten Phase der sozialistischen Gesellschaft wird man sich mit dieser peinlichen Ungleichheit und Ungerechtigkeit abfinden müssen. „In einer höheren kommunistischen Phase, nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit, damit auch der Gegensatz geistiger und körperlicher Arbeit verschwunden ist, nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis geworden, nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch die Produktionskräfte gewachsen sind und alle Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums voller fließen — erst dann kann der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz überschritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahne schreiben: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.“

Die Erziehung wird durch Einführung und Handhabung differenzierter Messungs- und Schätzungsmethoden, durch sorgfältigere Beobachtung und Individualisierung, durch gewissenhaftere Auslese und Beurteilung den höheren

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Zustand der kommunistischen Gesellschaft bei der Jugend schon nach Kräften vorzubereiten haben. Welch ein reiches Arbeitsfeld eröffnet sich damit der Psychologie, der experimentellen Pädagogik! Wie interessant und belebt gestaltet sich der ganze Aufstieg des Nachwuchses, der so den vollen Reichtum der Individualitäten und Varietäten zur Geltung kommen läßt, anstatt ihn wie heute im Prokrustesbett der Altersjahresklassen zu vergewaltigen und zu verstümmeln! Und welche Fülle von Entfaltungsmöglichkeiten bietet sich jeder Begabung, jedem Talent dar!

Die Kinder finden sich nach *Neigungs- und Begabungsgruppen* zusammen, die in ihrer Konsistenz unausgesetzt wechseln, denn das Kind genießt — selbstredend immer innerhalb der wirtschaftlichen Bedingungen und Notwendigkeiten — die *größte Wahlfreiheit und das freieste Bestimmungsrecht* in bezug auf Arbeit und Unterricht. Der geistige Zwang hört auf. Es gibt keine allgemein verbindlichen Lehrgänge und keine am grünen Tische für das „Normalkind“ entworfnen amtlich verfügten Lehrpläne mehr. Für die Arbeit im Betriebe ist die Betriebsordnung da, an deren Aufstellung auch die produzierende Jugend mit beteiligt ist und die der kindlichen Eigenart Rechnung zu tragen hat. Sie wird z. B. die geringere Ausdauer des Kindes berücksichtigen, seinem Bedürfnis nach häufigerem Wechsel möglichst Spielraum gestatten, besondere Wünsche respektieren usw. Bei pflichtschuldigster Einordnung wird größte Selbständigkeit gewährt sein, und grade daraus werden sich starke Antriebe zur *Selbsterziehung* entwickeln. Das Kind wird zum bewußten Wollen veranlaßt und gelangt zu einer selbständigen Vorstellung des Zwecks und Ergebnisses seiner Handlungen. Als Richtschnur und Korrektiv entsteht eine *Arbeitsdisziplin,* die ihre äußerste Exekutive in einem gewählten *Betriebsgerichtshofe* findet, der Faule, Unpünktliche, Widerspenstige und andre unsoziale Elemente zur Rechenschaft zieht und evtl. bestraft. *Im übrigen sind Strafen, welcher Form auch immer, unter allen Umständen ausgeschlossen.* Oberster Leitgedanke soll sein: bei straffster Organisation und nachdrücklichster Betonung des Gemeinschaftszweckes größte Selbständigkeit und denkbarste Freiheit des Individuums.

Möglichst jeder Ort bildet eine *Schulgemeinde* mit landwirtschaftlichem Betriebe, Werkstätten, Fabriken und wissenschaftlichen Anstalten. Einzelne Betriebe werden — nicht nur technisch, sondern auch pädagogisch — zu Musterbetrieben eingerichtet, denn sie sollen als Arbeits- und Bildungsstätte für die Jugend dienen. Was wir heute Schule nennen, ist zu einem Wirtschaftsbetriebe geworden, in dem produktive Arbeit als Erziehungsarbeit geleistet wird. Kleinere Orte sind zu einer Schulgemeinde zu verbinden, doch müssen ermüdende Wege vermieden werden. Größre Orte und Städte lösen sich in mehrere Schulgemeinden auf. Dabei ist auf möglichste Verschiedenheit im Charakter der Wirtschaftsbetriebe zu sehen, damit alle erdenklichen Anlagen und Fähigkeiten der Kinder auf ihre Rechnung kommen und ihre Ausbildung erfahren.

*Arbeit und Erziehung sind hier eins.* Das Kind arbeitet praktisch für den gesellschaftlichen Bedarf; keine Kerbschnittbilderrahmen, keine gestickten Überhandtücher, keine dieser kitschigen Überflüssigkeiten, die nur Zeit und Material vergeuden, während Hirn und Sinne leer ausgehen.

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Nein — das Kind hilft Brot backen und Kleider weben, Möbel anfertigen und Häuser bauen. Es ist ein echter und rechter Arbeiter, der reelle Werte schafft, ein nützliches Glied im Gesellschaftsorganismus, das an seinem Platze freudig dem Ganzen dient. *Und während das Kind arbeitet, lernt es und wird es erzogen.* Wie der Mensch, indem er atmet und verdaut, wachsend sich vervollkommnet.

Die Ausgangsbasis für die Arbeitserziehung ist der gärtnerische und landwirtschaftliche Betrieb. Er führt zu den Quellen und Elementen menschlicher Tätigkeit überhaupt. Er führt zur Natur. Auf ihm bauen sich die handwerksmäßigen Verrichtungen auf. Sie vollziehen sich in Werkstätten, die den Kommunen und Landwirtschaftsbetrieben angegliedert sind. Und über den Werkstätten, gleichsam als höhere Region, entfaltet sich die Industrie mit ihren Maschinen und ihrer Technik in reicher Mannigfaltigkeit und hoher Vollendung. Stufenweise durchschreitet das Kind, je nach Reifegrad und Befähigung, die Stufenleiter der organisierten Produktion. Aus den Beobachtungen und Erfahrungen seiner Arbeit heraus oder doch im engsten Zusammenhange mit der Produktion, in der es steht und an der es unmittelbaren Anteil nimmt, fliegen ihm naturwissenschaftliche, technische, physikalische, mathematische Kenntnisse zu oder werden ohne sonderliche Mühe entwickelt. Die Arbeit im Gemüsegarten oder auf dem Acker ist praktische Natur- und Wirtschaftskunde, die Arbeit in der Küche praktische Chemie oder Physik; in den Werkstätten und Fabriksälen, in den Verteilungsstellen und Kontoren: überall nimmt die Wissenschaft praktische Form und lebendige Gestalt an. Praxis ist Erlebnis: so wird aus dem abstrakten Ballast des Gedächtnisses ein lebendiger Gewinn der Sinne, die graue Theorie erblüht zum grün-goldnen Baume des Lebens. Kein Arbeitsgerät ist nur zufälliges totes Instrument, kein Material verfällt mehr gedankenloser und mechanischer Verarbeitung — alles hat Stimme und Sprache, wird persönlich und redet mit Zungen der Geschichte, der Erdkunde, der Sprach- und Völkerlehre, der Wissenschaft überhaupt; keine Maschine wird in den Betrieb gesetzt, die nicht in ihrem Bau, ihren Funktionen und all ihren Beziehungen zum produktiven Leben von den Kindern erkannt wäre. Die gesamte gesellschaftliche Arbeit ist mit erziehlichen Tendenzen und Bildungselementen so durchsetzt und durchtränkt, daß *das Produktionsleben in seiner Totalität zu einer einzigen großen Erziehungs- und Bildungsgelegenheit* für alle Arten und Grade der Aufmerksamkeit, des Temperaments, des Interesses, der Neigung und Begabung wird. Zwischen Produktion und Geisteswelt, äußrer materieller Verrichtung und innerm seelisch-geistigen Wachstum besteht ein tausendfädiges Gewebe von Zusammenhängen und vollzieht sich ein tausendfältiger Austausch der Potenzen in wechselseitigem Befruchten, Ergänzen und Vertiefen. So entfaltet die Arbeit unvermerkt, aber mit größter Eindringlichkeit und Nachhaltigkeit ihren Charakter und ihre Mission als Erziehungsmittel. Sie ist konzentriertestes, zweckbewußtes, positives Leben, schöpferischster Lebensausdruck, materialisierte Lebensbejahung. Und damit unvergleichliches Erziehungsmittel, fruchtbarste Erziehungsmethode, reichster Erziehungserfolg.

Wo wäre ein reinerer Quell der Beglückung? Ein tauglicheres Werkzeug geistiger und seelischer Vervollkommnung? Wo gibt es einen tiefern Inhalt menschlicher Daseinsbestimmung? Einen höhern und echtern Adel freien

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Menschentums? In allem ist Arbeit die Wurzel und der Gipfel, der Kern und die Seele, die Blüte und die Krone.

Aber die Arbeit wandelt sich. Ihr ewiger Wechsel ist ein Gesetz. Die Fortentwicklung der Produktionsmittel revolutioniert die Arbeitsmethoden der großen Industrie, das stete Wachstum und die fortwährenden Verändrungen des Bedarfs verlangen unausgesetzten Wechsel und größre Ergiebigkeit der Produktion. So muß der Arbeiter auf eine Art herangebildet werden, die ihm Verwendung in möglichst vielen Produktionszweigen gestattet. *Das Kind wird also möglichst viele Betriebe durchlaufen,* in vielerlei Produktionszweigen sich üben, bald da, bald dort tätig sein, nicht einem oberflächlichen Dilettantismus huldigend, sondern überall lernend, schaffend, reifend. Bald wird die Gesamtheit der jugendlichen, später auch der erwachsnen Produzenten eine große elastische Masse bilden, die sich formen läßt für alle Konjunkturen des Arbeitskräftebedarfs. Sie wird während des Sommers die Äcker und Fluren bevölkern und während des Winters die Werkstätten und Fabriken füllen. Sie wird dahin und dorthin fluten, je nachdem der gesellschaftliche Bedarf sie ruft oder gehen heißt. *Die Arbeitserziehung strebt diese Anpassungs- und Verwendungsfähigkeit der Arbeitskräfte an und bereitet sie vor.* Darum wird der Übergang nicht allein von einem Betriebe zum andern, auch von einer Schulgemeinde zur andern, einem Wirtschaftsgebiet zum andern soviel wie möglich erleichtert. Um besondre Anlagen oder Neigungen zu fördern, werden Kinder in Spezialkurse oder Fachschulen überwiesen, ins Ausland geschickt, von der Arbeit ganz oder teilweise befreit, durch Vergünstigungen angeregt usw. Aus einem *Arbeitsbuche,* das jedes Kind erhält, wird der gesamte Bildungsgang ersichtlich sein. *Examina sind natürlich abgeschafft.* Der Befähigungsnachweis wird allein durch Leistung und Erfolg erbracht. *Das Berechtigungswesen fällt fort.* Zu keinem Amt und keiner Stellung wird mehr der Nachweis eines bestimmten Vorbildungsgangs gefordert werden. Die Phrase erhebt sich zur Tatsächlichkeit: Freie Bahn dem Tüchtigen!

Für den Aufenthalt der Kinder während des ganzen Tages, gegebnenfalls auch über Nacht, sind — möglichst in Verbindung mit den Arbeitsbetrieben — *Tagesheime* zu schaffen, in denen Beköstigung, Erholung, Pflege, Badegelegenheit, ärztliche Fürsorge usw. gewährt und vor allem Gymnastik getrieben wird. Sowohl die gesundheitlich-sportliche, die der Körperkräftigung und Leibeskultur dient, wie auch die rhythmisch-ästhetische, die mit Musik, Plastik und Tanz verbunden zu einer Verfeinerung des Lebensstils und einer Vertiefung der künstlerischen Genußfähigkeit führt. Für auswärtige Kinder sind *Internate* einzurichten, in denen sie mit allem versorgt werden. Sie schließen sich mit den Lehrpersonen zu Kommunen zusammen, die sich nach Möglichkeit wirtschaftlich selbst erhalten. *Überhaupt soll jede Schule, jedes Heim, jede Bildungsstätte wirtschaftlich möglichst auf sich selbst gestellt sein.*

Wo dies nicht angängig ist, sind entsprechende Verbindungen zu suchen, um durch gegenseitige Hilfe und praktische Solidarität der Interessen den Aufbau und die Aufrechterhaltung von Schulkommunen zu ermöglichen.

*Lehrer und Erzieher in den Betrieben werden alle vorbildlichen Arbeiter sein.* Nicht in erster Linie Berufspädagogen,

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sondern Arbeiter, Bauern, Gärtner, Handwerker, Techniker, Künstler. Da die Lehrer von heute für die Erfordernisse der neuen Erziehung im allgemeinen völlig unvorbereitet und infolgedessen fast durchweg unbrauchbar sind, wird man auf sie ebenso verzichten, wie man auf bürgerliche Richter, Bürokraten und Diplomaten verzichtet. Den qualifizierten Teil unter ihnen wird man durch besondre Instruktionen und Kurse wenigstens für den Übergang tauglich zu machen suchen. Das Hauptgewicht ist darauf zu legen, *daß aus dem Proletariat selbst und unmittelbar aus der Produktion Kräfte herausgehoben werden,* die man für erzieherische Wirksamkeit schult und dann als Lehrarbeiter verwendet. Die Gewinnung von Lehrkräften ist ein schwieriges, vielleicht das schwierigste Kapitel, da theoretische Bildung und praktische Tüchtigkeit neben pädagogischer Begabung und persönlicher Vorbildlichkeit nicht allzu häufig vorkommen. Aber einmal schlummert in den Tiefen des Proletariats ein gewaltiger Reichtum an intelligenten und schöpferischen Kräften, der, erst gehoben, eine wunderbare Befruchtung des neuen Kulturlebens verspricht, sodann wird die Erziehung der Zukunft in ungleich höherem Maße als die heutige — da sie die Freiheit und Selbständigkeit der Persönlichkeit zur Voraussetzung und zugleich zum Ziele hat — *Selbsterziehung* sein. Der Verzicht auf die Mitarbeit des anspruchsvollen und auch so minderwertigen Pauker- und Bildungspfaffentums der heutigen Schule wird also eher einen Gewinn als einen Verlust bedeuten.

Die Zeit, die dem Kinde über sein Tagesarbeitspensum hinaus übrig bleibt, steht ihm für Erholung, Spiel und Sport, für künstlerische und wissenschaftliche Betätigung zur Verfügung. Auch für freiwillig zu leistende Arbeit. Für produktive Tätigkeit ohne Muß, ohne Verpflichtung. Darin liegt ein Aufblick zu höherem Ziele: die Entwicklung geht dahin, immer mehr gesellschaftlich zu leistende Aufgaben durch freiwillige Arbeit zu bewältigen.

Welch ein Aufblick! Und welch ein Ziel!

* * *

Vom Standpunkt des Kindes aus gesehen, dient seine Teilnahme an der Produktion in erster Linie seiner Erziehung, in zweiter seiner Belehrung.

Natürlich sind auch außerhalb des Produktionslebens und der Betriebe erziehliche und unterrichtende Kräfte am Werke, die nicht nur durch das Mittel der Arbeit wirken. Die Anschauung, das Beispiel, die Umgebung, der Umgang, die gesamte geistige und seelische Lebenssphäre. Im Tagesheim, in der Kommune, auf dem Spiel- und Sportplatze, in der Versammlung — überall ist das Kind umgeben von einem Heere bald offner, bald geheimer Mitlehrer und Miterzieher.

Doch abgesehen von diesen gewiß nicht unwichtigen, so doch zufälligen und unkontrollierbaren Faktoren, wird in der sozialistischen Gesellschaft neben der Arbeit noch eine planvoll aufgebaute und durchgeführte Bildungs-

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organisation bestehen; eine Schule, die neben dem Arbeitsunterricht herläuft und diesen ergänzt, erweitert, intellektuell vertieft und bereichert. *Es ist das fakultative System der Kurse oder Zyklen.*

Ein Kursus ist ein bestimmter Stoffabschnitt, ein jeweilig abgeschlossenes Teilgebiet wissenschaftlichen, technischen oder künstlerischen Charakters. Er hat mit dem Produktionsleben direkt nichts zu tun; er steht für sich allein, außerhalb der Betriebe. Er wird in Schulzimmern, Seminaren, Hörsälen abgehalten und erinnert, zumindest in der Zeit des Übergangs, an die Form des heutigen Unterrichts und der akademischen Vorlesungen. Für die Abhaltung dieser Kurse werden die Lehrkräfte der heutigen Schulen aller Grade im großen ganzen zu gebrauchen sein, bis man bessre herangebildet hat.

Es werden also Lehrer z. B. Schreib- und Lesekurse abhalten. Andre werden Rechenkurse einrichten, dieser für Anfänger, jener für Fortgeschrittne. Wieder andre werden Erdkunde, Geschichte, Naturwissenschaft treiben und Abschnitte davon in Kursen darbieten. Für jedes Fach wird es Kurse geben. Jedes Interesse wird auf seine Rechnung kommen. Der Lernbegierige hat auf einer reichen Speisekarte die Wahl. Mathematik, Astronomie, Kunstgeschichte, Sprachen, Rethorik — alles wird vorhanden sein. Für jeden Bedarf, jeden Geschmack, jede Begabung. *Nur Religion als Lehrfach hat aufgehört zu existieren.* Sie ist reine Privatangelegenheit geworden — soweit für dieses Opium noch Bedarf vorhanden ist. Im Geschichtsunterricht und in der Philosophie wird ihre Beleuchtung und Würdigung den Platz finden, der ihr im Rahmen der Geschichte und der Wissenschaft zukommt. Sonst aber hat sie in der Schule nichts mehr zu suchen.

Das Kind, das Kindergarten und Spielschule durchlief und etwa mit 8 oder 9 Jahren in die gesellschaftliche Produktion eintrat, wählt sich einen Kursus, in dem es die Elemente des Schreibens, einen zweiten, in dem es die Anfänge des Rechnens gewinnt. Es ist in seiner Wahl absolut frei; es darf ganz seinen Neigungen folgen. Findet es Vergnügen daran, beispielsweise nur Rechenkurse zu bevorzugen, um auf diesem Wissensgebiet, seiner Anlage entsprechend, etwas Tüchtiges zu lernen — schön! Kein Mensch wird es daran hindern. Ein andres Kind geht in naturwissenschaftlichen Kursen auf, ein drittes verschreibt sich der Kunst, der Litteratur, den Sprachen. Da sind Kinder, die eine möglichst allseitige Bildung erstreben, und andre, die sich in Spezialgebiete vertiefen. Solche, die organisch vorwärts schreiten, und solche, die oft wechseln und umsatteln, um — ewig unbefriedigt — immer wieder von vorn zu beginnen. Jeder nach seiner Fasson! Es herrscht Wahlfreiheit und Selbstbestimmungsrecht. Wir leben nicht mehr im Zwangsstaat und in der Zwangsschule! Wir sind freie kommunistische Bürger! Nur insofern sind Schranken gezogen, als für die untern Stufen mehr Elementarkenntnisse und grundlegende Allgemeinbildung, für die mittleren Stufen mehr fachmännische Ausbildung in Anlehnung an die praktische Arbeit im Betrieb, für die höheren Stufen mehr wissenschaftliche Vertiefung in Fachgebieten dargeboten werden. Doch sei ausdrücklich bemerkt, daß die Stufenfolge an kein bestimmtes Lebensalter gebunden ist und daß es jeder Begabung jederzeit möglich ist, Zugang zu jeder Wissenschaft und jedem Bildungsgebiet zu erlangen.

Die Kurse auf jeder Stufe dauern die gleiche Zeitspanne, beginnen und endigen also zu gleicher Zeit, damit der Übergang von einem Kursus zum

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andern nach Ablauf der Kursusperiode jedem Schüler dieser Stufe möglich ist. Die Gesamtheit der Lehrer und Schüler einer Stufe wird durch den Umstand, daß jeder Schüler einer Stufe mit jedem andern derselben Stufe an einem Kursus teilnehmen kann, zu einer großen lebendigen Arbeitsgemeinschaft. Zeigt sich ein Teilnehmer den Anfängen des Kursus nicht gewachsen, kann er ausscheiden. Als Regel soll aber gelten, den Kursus durchzuhalten. Kommt der Lehrer in seinen Darbietungen den Ansprüchen der Teilnehmer nicht genügend entgegen, sei es, daß seine Methode zu trocken, seine Stoffbeherrschung zu mangelhaft, seine wissenschaftliche Erkenntnis nicht einwandfrei ist, so werden ihm die Teilnehmer davonlaufen und seine Kurse werden absterben. Er wird also Schritt halten müssen mit den Fortschritten seiner Wissenschaft und seiner Zeit; er wird, will er nicht ausgeschaltet werden, das Beste in bester Form zu bieten haben. Nichts Ungewöhnliches wird es sein, wenn jemand, der heute vom Katheder lehrt, morgen mit am Schraubstock steht, wie umgekehrt mancher, der im Betriebe praktisch schafft, zu andern Stunden Kursusteilnehmer um sich vereinigt, denen er sein Wissen und seine Erfahrungen übermittelt. Wer soll Lehrer sein? — Wer was kann!

Auch für die erwachsne Arbeiterschaft werden Kurse abgehalten. Neben Geschichte und Volkswirtschaft, die zu einem soliden Verständnis der politischen und wirtschaftlichen Fragen nötig sind, wird besonders Technik (Neue Erfindungen, Arbeitsmethodik, Taylor-System usw.), Verbrauchswirtschaftskunde (Bewirtschaftung von Zentralküchen, Kommunen, Heimen, Gemeinschafts-, Kranken- und Volksspeisehäuser usw.) und Verwaltungskunde zu lehren sein. Von hier aus oder im Zusammenhange mit diesen Veranstaltungen wird die Herausgabe von Zeitungen und Fachschriften erfolgen, die der Pflege und Förderung wissenschaftlicher und künstlerischer Interessen dienen. Weitere Verbindungen führen zum Buchverlag und zur Litteratur.

Es ist selbstverständlich, daß *der Besuch der Kurse wie die Gewährung von Lehr- und Lernmitteln unentgeltlich* ist und daß zur Teilnahme *beide Geschlechter* ohne jede Einschränkung und Ausnahme berechtigt sind.

Die Kurse der Hochschule bilden die Krönung des freien Bildungswesens. Gewisse allgemeine Vorlesungen und Übungen stehen jedermann ohne weitres offen. Über den Besuch von Fachvorlesungen, Seminaren usw., die gewisse Vorkenntnisse voraussetzen, entscheiden besondre Anordnungen, die sachlich bedingt sein müssen. Im besondern Maße dient die Hochschule dem Studium und der Vertiefung des wissenschaftlichen Sozialismus.

In Verbindung mit dem gesamten Bildungs- und Erziehungsbetriebe stehen: Musik-, Turn- und Zeichensäle, Laboratorien, Bibliotheken, Lesehallen, Museen, Stern- und Wetterwarten. Und ergänzend greifen in das Erziehungswerk ein: Konzerte, Theatervorstellungen, Wandrungen, Besichtigungen, Ausstellungen.

Ein Riesenaufgebot von Kraft und Willen, Eifer und Hingabe, Fürsorge und Fördrung, Wissen und Kunst.

Und mitten darin, überschüttet fast von dem Reichtume, das Kind der neuen Gesellschaft — ein glückliches Kind!

* * *

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Der organische Aufbau und die Verwaltung der neuen Erziehung werden durch die Formen der gesellschaftlichen Produktion und das *Rätesystem* bestimmt.

Wie Arbeit zugleich Erziehung ist und Betriebe zu Erziehungsstätten werden, *so sind Betriebsräte auch Erziehungsräte und Arbeitsordnungen zugleich Schul- und Unterrichtsordnungen.* Wenigstens gilt dies für die eigentliche Arbeitserziehung in den Betrieben.

Das freie Bildungswesen außerhalb der Betriebe wird nach Fächern organisiert sein und in Räten seine verwaltenden und kontrollierenden Instanzen haben. Die Lehrer, befreit von dem behördlichen Stachelhalsband des Rektorats und der Schulinspektion, wählen *Fachschulräte,* die Schüler schaffen sich in *Schülerräten* ihre Vertretung.

Zusammengefaßt wird die Verwaltung des Erziehungs- und Unterrichtsbetriebs einer Schulgemeinde im *Schulgemeinderat,* der gebildet ist aus gewählten Vertretern der Arbeitereltern, der Lehrer, der Schüler (von einer bestimmten Stufe an) und der Regierung, d. h. des Arbeiterrats. Dieser Schulgemeinderat stellt die Lehrkräfte an und kontrolliert ihre Tätigkeit, bewirkt den Austausch von Lehrern und Schülern, veranstaltet die Kurse, führt die Arbeitsbücher, arrangiert Reisen, Feste, Veranstaltungen aller Art, überwacht die Bibliotheken, Lesehallen, Museen usw., hat die materielle Sicherstellung der Kindergärten, Heime und Schulkommunen zu regeln, setzt für besondre Aufgaben Studien- und Arbeitskommissionen ein usw.

In grundlegenden Fragen und Fällen von besondrer Wichtigkeit — etwa über den Bau neuer Schulen, die organisatorische Umgestaltung des Bildungsbetriebs usw. — entscheidet der *Arbeiterrat* als örtliche Zentralinstanz oder die von ihm hierfür eingesetzte Kommission.

Die Schulgemeinden eines Wirtschaftsgebietes werden zentral zusammengefaßt, um den stufenweisen Aufbau des Bildungswesens zu ermöglichen, den Austausch der Lehrkräfte und Schüler zu erleichtern und gemeinsame Interessen, die über den örtlichen Pflicht- und Gesichtskreis hinausgehen, wirksam zu vertreten. Ihre Verwaltung gliedert sich den jeweiligen Wirtschafts- und Verwaltungsorganisationen dieser Gebiete an.

An der Spitze steht ein *Zentralschulrat* mit einem *Volkskommissariat,* dem Vertreter der Zentrallehrer- und Zentralschülerräte angehören und das dem *Kongreß der Arbeiterräte* verantwortlich ist.

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Es kommt nicht darauf an, alle Stufen und Glieder dieses organisatorischen Aufbaugerüstes festzustellen und darzulegen. Die Praxis wird hier die beste Lehrmeisterin und Beraterin sein, und aus den Erfahrungen wird sich ergeben, welche Formen der Verwaltung die zweckmäßigsten sind. Nur daran ist festzuhalten, daß, wie der Inhalt, so auch das Gefäß der sozialistischen Erziehung grundsätzlich bedingt ist durch die sozialistische Idee, die sich in ihm verkörpert. Die soziale Ethik des Gemeininteresses und die proletarische Demokratie des Rätesystems haben ihm den Stempel aufzudrücken. Aus all seinen Gesetzen und Ausdrucksformen, Maßnahmen und Einrichtungen hat der lebendige Geist des Sozialismus zu sprechen.

Das kommunistische Zeitalter muß seine kommunistische Schule haben.

* * *

Die Voraussetzung der kommunistischen Schule ist der Sieg der proletarischen Revolution. Wer die kommunistische Schule will, muß den Sieg der proletarischen Revolution wollen! Dem Kampf folgt der Neuaufbau auf neuem Grunde.

Aus den Abgründen eines katastrophalen Zusammenbruchs ringt sich die gemarterte Menschheit wieder empor.

Sie flüchtet aus dem Trümmer- und Totenfelde, in das Barbarei- und Profitgier, Haß und Verblendung die kapitalistische Welt verwandelt hat.

Sie zerreißt die Gebundenheiten des Systems der Tyrannei und Ausbeutung, dem sie als blutendes Opfer überliefert war und dem sie alle Schrecken und Nöte ihres Daseins verdankt.

Sie überwindet die Hemmungen ideologischer Befangenheit und resignierender Passivität durch die Waffe der Erkenntnis und den Heroismus eines unerschütterlichen Lebens- und Siegeswillens.

Sie richtet sich auf in dem Glauben an eine bessre Zukunft, gegründet auf die Solidarität aller menschlichen Interessen und errichtet in dem Geiste brüderlicher Freiheit.

Sie schafft sich eine neue Welt durch die Vereinigung all ihrer Kräfte in dem Werke schöpferischen Aufbaus, dessen Ziel die klassen-, staaten- und herschaftslose Gesellschaft ist.

*Sie sichert sich die Ewigkeit durch die Erweckung und Erziehung der Jugend zu den Idealen höchsten Menschentums, erwachsen aus der ewig zeugenden Urkraft und dem ewig gebärenden Schoße der menschlichen Arbeit.*

<!-- S. 25-26: Verlagsanzeigen der Reihe «Aus Gesellschaft und Erziehung» und der «Revolutions-Bibliothek» (ausgelassen). In der Anzeige wird «Neues Kinderland» als Nr. 9 geführt, auf dem Titelblatt als Nr. 10. -->

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*Fuente:* transcripción hecha sobre el facsímil del ejemplar de la Deutsche Bücherei de Leipzig (Deutsche Nationalbibliothek, visor de páginas, 1031692290): Otto Rühle, *Neues Kinderland. Ein kommunistisches Schul- und Erziehungsprogramm*, Berlín-Fichtenau, Verlag Gesellschaft und Erziehung, 1920 (Aus Gesellschaft und Erziehung, n.º 10), 24 págs., cubierta de Heinrich Vogeler; texto establecido desde las imágenes, con el OCR (tesseract) solo de apoyo, y cotejado palabra por palabra con la otra edición de 1920: *Das kommunistische Schulprogramm*, Berlín-Wilmersdorf, Verlag der Wochenschrift Die Aktion, «impreso en junio de 1920» (Politische Aktions-Bibliothek, n.º 9), 40 págs., ornamentación de Grete Rühle (DNB, visor de páginas, 1113021357; id. OR1920-05). Es el mismo texto; se toma como base *Neues Kinderland* porque lleva el título con que Rühle había publicado el programa por entregas en el *Basler Vorwärts* (22 de marzo - 1 de abril de 1920; OR1920-24 a OR1920-33, no localizados) y porque la edición de Die Aktion es una revisión posterior: corrige erratas de esta («Skruktur», «Truppen» por «Gruppen»), moderniza la ortografía («andere», «eigenen», «Förderung» por «andre», «eigne», «Fördrung»), retoca el estilo y comete un salto de igual a igual («einen Kursus, in dem es die Elemente des Schreibens, in dem es die Anfänge des Rechnens gewinnt»). Variantes de la edición de Die Aktion que afectan al sentido: S. 5 «Leistungsfähigkeit» por «Leistungsmöglichkeit»; S. 7 «derselben Mutter» por «derselben Stammutter», «Fischereivölkern»; S. 8 falta «Und mit entgegengesetzter Wirkung»; «über das der Wille eines einzelnen verfügte»; S. 11 «zur verständnisvollen Wartung»; S. 14 «verzichten und fordern»; S. 15 «nicht so sehr um deswillen, als verhungernde Völker … als vielmehr»; S. 16 «jede Existenz durch Versorgung mit Existenzmitteln zu sichern», «zu Gruppen zu rangieren», «etwa drei Viertel … ein Viertel» (en letra); S. 17 «im qualvollen Prokrustesbett», «zu verkrüppeln», «Einzelne Betriebe werden alsbald»; «Strafen, welcher Form auch, unter allen Umständen»; S. 18 falta «technische»; «unmittelbarsten Anteil»; S. 20 «ein so schwieriges», «ach so minderwertigen», «freie künstlerische … Betätigung»; S. 21 «eine reine Privatangelegenheit», «ihre historische Beleuchtung», «im Rahmen der Wissenschaft» (sin «der Geschichte und»); S. 22 falta «und wirtschaftlichen»; S. 23 «organisch zusammengefaßt» por «zentral zusammengefaßt», «Pflichts- und Gesichtskreis»; S. 24 «Es kommt hier nicht darauf an», «Rätewesens» por «Rätesystems», «Ihre Voraussetzung ist der Sieg der proletarischen Revolution» y falta «Dem Kampf folgt der Neuaufbau auf neuem Grunde»; «bessere», «herrschaftslose». La división en apartados (separados por filetes y capitulares en los dos impresos; aquí con `* * *`) es la misma. Se conservan las erratas del impreso («Skruktur», «allumfassede», «Rethorik», «herschaftslose»). Los comentarios `S. n` marcan el comienzo de cada página impresa de *Neues Kinderland*; el espaciado del original se reproduce en cursiva.
