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Title: Erziehung zum Sozialismus. Ein Manifest
Description: Berlin: Verlag Gesellschaft und Erziehung, 1919. 22 S.
Author: Otto Rühle
URL: https://adler.school/archivo/ruhle/original/1919%20Erziehung%20zum%20Sozialismus.%20Ein%20Manifest
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<!-- Portada (Titelblatt) -->

OTTO RÜHLE

# ERZIEHUNG ZUM SOZIALISMUS

EIN MANIFEST

VERLAG GESELLSCHAFT UND ERZIEHUNG G. M. B. H.
BERLIN 1919

<!-- Antes de la portada (imagen 4 del digitalizado), anuncio de la editorial («Wir empfehlen:», lista de escritos socialistas y pedagógicos, entre ellos cuatro de Rühle); no se transcribe. -->

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## ERZIEHUNG ZUM SOZIALISMUS

Der Kapitalismus hat die Menschheit in ein System unwürdiger und qualvoller Knechtschaft geworfen. Zentnerschwer lastet auf der Kreatur, die Gottes Ebenbild heißt, das Joch wirtschaftlicher Ausbeutung, das nie so drückend war wie heute. Und tausendarmig wird sie umklammert von den Schlingen und Fesseln sozialer, politischer, rechtlicher Zwangszustände, die die herrschende Kaste zum Schutze ihrer Interessen und zur Aufrechterhaltung ihrer räuberischen und gewalttätigen Ordnung geschaffen hat.

Der Sozialismus wird die Fundamente der kapitalistischen Ausbeutungswirtschaft sprengen und die Fesseln der Gewaltherrschaft lösen. Was niedergeworfen, gebunden und ohnmächtig ist, wird er erheben und frei machen. *Der Sozialismus ist die Freiheit!*

*Laßt uns die Jugend zur Freiheit erziehen,* damit sie sich der Würde freien Menschentums bewußt werde und als Trägerin der Zukunft fühlen kann. Damit tapfere Kämpfer für das Zukünftige aus ihren Reihen erwachsen und der Sozialismus zur Tatsache werde. Frei von dem Drucke himmlischer und irdischer Autoritäten, von den Nebeln religiöser Tradition wie von den Scheuledern kapitalistisch versklavter Talmiwissenschaft. Frei von den Befangenheiten konventioneller Moral wie von den Vorurteilen und Gedankenlosigkeiten des Hergebrachten, Altgewohnten, Menschlich-Allzumenschlichen. Frei im Denken, Wollen und Vollbringen. *Frei sein ist Sozialismus!*

### ERZIEHUNG ZUR FREIHEIT

Freiheit ist die erste Losung des Sozialismus. Freiheit das erste Prinzip der sozialistischen Erziehung. Der einzelne soll die geistige und sittliche Freiheit als persönliches Gut gewinnen, damit er die Größe und Notwendigkeit der weltgeschichtlichen Entwicklung und ihres Zieles erkenne und bereitwillig und hingebungsvoll für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Befreiung der Menschheit kämpfe.

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Freiheit ist nicht Ungebundenheit und Willkür, kein Jenseits von Rücksichten, Pflichten und Gesetzen. Sie hat ihre sichere Grenze in der gleichberechtigten Freiheit der anderen und in den höheren Interessen der sozialen Gemeinschaft. Sie ist ebensosehr eine Sache des *innern Wesens* als der *äußern Form.* Freiheit, die von außen kommt, will von innen getragen sein. Sie muß *erlebt* werden, oder man hat sie nicht. Darum ist Freiheit in erster Linie *Erkenntnis* und die wahre Befreiung ein seelischer Prozeß.

Allem voran geht die Befreiung auf *religiösem* Gebiete. Die Natürlichkeit und Gesetzmäßigkeit des Weltgeschehens und der Menschheitsentwicklung war den Menschen früherer Zeiten ein tiefes und undurchdringliches Geheimnis. Der suchende und forschende Geist, den der Verstand auf tausend Fragen ohne befriedigende Antwort ließ, nahm seine Zuflucht zur Phantasie, die ihm in Mythen und Wundern eine Lösung der Rätsel bot. Nun wob sich aus den Sehnsüchten und Hoffnungen eines ratlosen Erlösungsbedürfnisses und den Schauern andachtsvoller Gläubigkeit ein bestrickendes Gewebe religiöser Vorstellungen und Gefühle, das die Menschen gefangen nahm und nicht wieder los ließ. Wohl erschloß sich dem menschlichen Auge schließlich das innere Leben der Natur und die Gesetze des Werdens wurden entdeckt; aber so sehr die Wissenschaft den Weltkreis entgötterte und das Spiel der religiösen Phantasien in nichts auflöste und zerstreute — die herrschende Klasse, die aus der Existenz himmlischer Autoritäten die Heiligkeit und Unantastbarkeit ihrer eigenen Autorität hergeleitet hatte, hielt die religiöse Ueberlieferung mit allen Machtmitteln aufrecht. Und noch heute ist die religiöse Erziehung, die Verankerung des Denklebens, der Gefühlswelt und der sittlichen Bildung in religiösen Vorstellungen und Gedankengängen die sicherste Grundlage für den Fortbestand geistiger und seelischer Unfreiheit auf der einen, geistiger und seelischer Herrschaft auf der anderen Seite. Während die Kinder der Besitzenden im Geiste moderner Weltanschauung heranwachsen, vertraut mit den Ergebnissen naturwissenschaftlicher Forschung und berührt von dem befreienden Lufthauche religionskritischer Untersuchungen, werden die Kinder der Armen noch immer in die vorsintflutliche Enge des alttestamentlichen Weltbildes gepreßt, mit Wundern, Geistererscheinungen und anderen Ungeheuerlichkeiten geistig irregeführt und mit einem erdrückenden Ballast vernunftwidrigster

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und widerspruchsvollster Glaubens- und Sittenlehren belastet. Das ist systematische Verkümmerung des Geistes, Korrumpierung des Denkens, Verwüstung des Gedächtnisses, Züchtung des Stumpfsinns. Das ist systematische Erziehung zu geistiger und seelischer Unfreiheit.

Die Befreiung des kindlichen Geistes von der Vergewaltigung durch religiösen Drill, den Zwangsvorstellungen der religiösen Denkweise und den lähmenden Suggestionen der religiösen Weltanschauung ist eins der ersten Gebote der sozialistischen Erziehung.

Aus dieser Forderung spricht weder eine feindselige Verachtung der Religion, noch steht sie im Widerspruch mit dem sozialistischen Grundsatze der Toleranz in allen religiösen Dingen. Es hieße eine Tugend zur Untugend machen, sollte Toleranz in dem Sinne geübt werden, daß die Errungenschaften und Forschungsergebnisse der Wissenschaft den Massen verschwiegen und vorenthalten bleiben, nur um Veraltetes und innerlich unhaltbar Gewordenes zu bewahren. Gewiß soll keine rohe Zerstörung walten, aber Klarheit und Freiheit sollen herrschen; und da wird unzweifelhaft der Sieg nicht bei den biblischen Schöpfungswundern, sondern bei der Logik des Entwicklungsgedankens sein.

Die Wissenschaft freilich, wie wir sie aus den Händen der bürgerlichen Gelehrsamkeit empfangen, hat auch ihre Gefahren für die sozialistische Erziehung. Es gibt keine objektive Wissenschaft, ganz tendenzlos und über den Parteien und Meinungsstreitigkeiten stehend. Tatsachen sind Tatsachen — ohne Frage; aber Tatsachen allein in ihrem Auf- und Nebeneinander machen nicht das Wesen der Wissenschaft aus. Es kommt auf die Verbindung und innere Verknüpfung, auf die Art ihrer Eingliederung und Beleuchtung an. Darin liegt des Wesens Kern. Die materialistische Geschichtsauffassung lehrt die fundamentale Erkenntnis, daß Wissenschaft, Kunst, Ethik, kurz alle Ideologien nicht aus blauer Luft entstehen, auch nicht Produkte unserer Vernunft, unseres Scharfsinns und Witzes sind, sondern daß es das gesellschaftliche Sein ist, dem das Bewußtsein entspringt und von dem es seinem Inhalte und Umfange nach abhängt. Das gesellschaftliche Sein aber — das Leben der Menschen in seinen tausendfältigen Ausstrahlungs- und Erscheinungsformen — wird bedingt durch die jeweilige Produktions- und Wirtschaftsweise, in der die Menschen leben; einfacher gesagt: durch die Art, wie

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die Menschen arbeiten, essen, trinken, wohnen und sich kleiden. Das gesamte geistige Leben ist also nur ein Widerschein dessen, was dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben Inhalt, Form und Charakter verleiht. Nun kommt es aber darauf an, wie wir das geistige Leben sehen, wie es uns zum Bewußtsein gelangt und wie wir innerlich darauf reagieren. Die menschliche Gesellschaft scheidet sich im Zeitalter des Kapitalismus in zwei Klassen: Besitzende und Besitzlose. Jede dieser Klassen ist ihrer Wesenheit, ihrer Qualität nach das, was sie durch ihre ökonomischen Verhältnisse geworden ist. Die Bedingungen des Werdens sind für jede je nach ihrem Anteil an der Produktion, Distribution und Konsumtion verschieden; jede hat sich in andrer Weise an die Umwelt angepaßt und in das gesellschaftliche Leben eingegliedert. Jede hat ihr eigenes Verhältnis zum Ganzen. Da dieses Verhältnis aber im Bewußtsein reguliert wird vom Zentralnervensystem des einzelnen, muß sich in diesem auch die Welt, in der er lebt, und die Welt seiner Klasse so malen, wie die Anpassung sich vollzogen hat und das Verhältnis beschaffen ist, also wie ihre geschichtliche Existenz bedingt ist. Wie die Kulisse, die im Wirtschaftsorganismus sich zwischen Mensch und Natur geschoben hat, dem Bourgeois und dem Proletarier je eine andere Seite zukehrt, so sind auch für beide verschiedene Ideologien vorhanden — die Wissenschaft, Kunst, Ethik usw. der Bourgeoisie kann niemals zugleich die Wissenschaft, Kunst, Ethik usw. des Proletariats sein. Gewiß wird die Kultur des Proletariats manche Errungenschaft der bürgerlichen Kulturwelt übernehmen, aber zugleich wird sich sein Verhältnis zu ihnen ändern. Eine Umwertung der Werte wird sich vollziehen in dem Sinne, daß die Kulturgüter des kapitalistischen Zeitalters — Mittel des Genusses für Wenige und der Herrschaft über Viele — zu Faktoren und Triebkräften der Entwicklung und Befreiung werden. Ein solcher Umwertungsprozeß vollzieht sich bereits: naturwissenschaftliche, historische, philosophische, pädagogische, künstlerische Probleme werden unter ganz neue Beleuchtungen gerückt, in neue Zusammenhänge gebracht, für neue Leistungen fruchtbar gemacht. Lassen wir die Kinder in den Bahnen der staatlich approbierten und sanktionierten Schulweisheit weiterwandern, genährt mit den Geistesschätzen von gestern und vorgestern, gelehrt von Leuten, die ihre Lebensaufgabe in der wissenschaftlichen Rechtfertigung des kapitalistischen Systems erblicken, dann wird der Staat aus

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ihnen brave Untertanen und das Unternehmertum willige Arbeitskräfte und Ausbeutungsobjekte heranwachsen sehen. Lehren wir sie aber, die bürgerliche Wissenschaft mit Mißtrauen und kritischem Blick zu betrachten, erschließen wir ihnen das Verständnis für den Entwicklungsgedanken und die natürliche Folgerichtigkeit alles Geschehens, zeigen wir ihnen die treibenden und bewegenden Kräfte in der Geschichte, flößen wir ihnen Respekt ein gegenüber allem organisch Gewordnen und allem lebendigen Sein, beleuchten wir die Rolle, die jeder, auch der kleinste unter uns, im unendlichen Wechselspiel des gesellschaftlichen Kräfteaustausches zu spielen hat und richten wir ihr Auge auf das erhabene Endziel des großen Umwälzungsprozesses, das der kämpfenden Menschheit mit tausend Verheißungen winkt — so werden wir nicht demütige Knechte und geplagte Lasttiere, sondern freie Bürger und begeisterte Kämpfer, nicht Kleber an der heutigen Ordnung, sondern Vollstrecker eines geschichtlichen Willens und Schöpfer einer neuen Ordnung der Dinge erziehen . . . Sozialisten!

Frei von der Last der Ueberlieferungen, die ihren Wert verloren haben, frei von den Schranken veralteter Weltanschauungen, frei von dem niederdrückenden Gefühl der Dumpfheit und Leere, wie es Unwissenheit und mangelnde Bildung erzeugen, frei von den kleinlichen Vorurteilen und Bedenken, mit denen der Unfreie und ewig Gebüttelte allem Neuen und Großen gegenübersteht — frei, ganz frei wird ein Geschlecht erwachsen und kämpfend sich erheben, sein Wissen in Wollen, seinen Freiheitsdrang in Freiheitstaten umsetzen, ein Geschlecht, dem die Zukunft gehören wird.

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Der Kapitalismus hat den Millionen, die seines Joches schwere Bürde tragen, die Selbständigkeit genommen, die ihres Daseins Stolz und Stärke war. Den Bauer trieb er von der Scholle, den Handwerker aus der Werkstatt. Er nahm ihnen nacheinander Besitz, Kundschaft und Beruf, Werkzeug und Selbstbestimmungsrecht. Er zersplitterte den Arbeitsprozeß in Handgriffe und erniedrigte den Arbeiter zum Bestandteil einer großen Maschine. Er verzichtete auf Geschicklichkeit, Geschmack, Tüchtigkeit und Erfindungsgabe des einzelnen, er löschte die Individualitäten aus und ging über die Persönlichkeiten zur Tagesordnung über. In der Massenproduktion,

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der Fabrikmäßigkeit, der unendlichen Mechanisierung ging alle Eigenart und Selbständigkeit rettungslos zugrunde.

Der Sozialismus wird dem Individuum wieder Existenzberechtigung verschaffen, indem er seine Werte auslöst, seine Fähigkeiten entfaltet, sein Können in den Dienst des Gemeininteresses stellt. Die Sorge um die soziale Wohlfahrt der Gesamtheit wird dem wirkenden und strebenden Individuum freiesten Spielraum und ungeahnte Auslebungsmöglichkeiten geben. *Der Sozialismus ist die Selbständigkeit!*

*Laßt uns die Jugend zur Selbständigkeit erziehen,* damit sie ihre Kräfte und Gaben übe und erprobe, bewußt und frei gebrauchen lerne, damit sie ihren Willen stähle und in die befreiende Tat umzusetzen vermöge, wenn es die Not der Stunde gebietet. Fort mit dem Drucke elterlichen Autoritätsfanatismus, fort mit den Fesseln pedantischer Gehorsamsfordrungen, fort mit den Schablonen und Drahtspalieren der unausstehlichen Korrektheit. Selbständigkeit im Denken, Wollen und Vollbringen! *Selbständig sein ist Sozialismus!*

### ERZIEHUNG ZUR SELBSTÄNDIGKEIT

Aus dem Recht auf Freiheit erwächst die *Pflicht zur Selbstbeherrschung.* Denn, wenn Freiheit nicht Willkür werden, sondern in der berechtigten Freiheit anderer und in den höheren Interessen der Gesamtheit eine Grenze finden soll, muß der einzelne imstande sein, diese Grenze zu erkennen und zu respektieren. Er muß sein Denken, Wollen und Handeln in der Gewalt haben, muß sich beherrschen können. Freiheit ist also *Selbstbeherrschung, Charakter, Persönlichkeit.*

Selbstbeherrschung kann sich im Kinde, dessen Erziehung den Aufstieg zur eigentlichen Menschwerdung bedeutet, nicht entwickeln, solange der Druck eines fremden Willens auf ihm lastet. Jeder fremde Wille verengert, lähmt und schwächt den eigenen. Sei es, daß er sich in Form von Bevormundung, Hilfeleistung und Dienstbarkeit geltend macht, sei es, daß er als Zwang und Forderung zur Unterordnung und Gehorsam auftritt. *Nur Selbständigkeit bedingt Selbstbeherrschung.* Darum ist Erziehung zur Selbständigkeit die wichtigste Voraussetzung der Erziehung zur Freiheit und ein unerläßliches Stück der Erziehung zum Sozialismus.

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Kinder erziehen heißt für die meisten Eltern noch immer nichts anderes als: Kindern den *Gehorsam beibringen.* Die Kette der Knechtschaft schleppt sich durch Jahrhunderte. Der Feudalherr brauchte fronende Bauern, durch Prügel und strenge Zucht bog und zog er sie, wie er sie haben wollte. Die Kirche brauchte gottergebene und opferwillige Gläubige; durch seelische Aengstigung, Buße und Strafe machte sie die Massen fügsam. Die Stadtherren brauchten zinsende Untertanen und kuschende Bürger; durch straffes Regiment und Büttelgewalt brachten sie der Kanaille Subordination bei. Der Kapitalist braucht Lohnsklaven, der Militarismus Kanonenfutter, der Staat Steuerzahler — durch Gehorsam, Willensknechtung, Disziplin erreicht man seinen Zweck. Die Unfreiheit und Willenlosigkeit gedeihen am besten, wo der Gehorsam triumphiert. Also: Gehorsam den Eltern, dem Lehrer, dem Lehrherrn, dem Chef, dem Schutzmann, dem Unteroffizier, dem Pfarrer, der Obrigkeit, dem Könige . . . Gehorsam, immer nur Gehorsam . . .

Wir Sozialisten wollen weder hörige Bauern, noch gehorsame Kirchenschafe, weder dienstwillige Knechte, noch gesinnungslose Untertanen, weder kapitalistisch versklavte Arbeitstiere noch militärisch gedrilltes Kanonenfutter sein. Freie eigne stolze Menschen wollen wir sein, die keinem anderen zu gehorchen brauchen, nur sich selbst, keinem anderen dienen, nur ihrer Sache, ihrer Bewegung; keines andern Willen sich beugen, nur dem Willen und dem Interesse der Gemeinschaft. Angesichts dieser Tatsache, die eine ganz neue Welt in sich begreift, frage dich selbst: Was soll in dieser neuen Welt der Gehorsam?

Aber haben wir, die Träger des Neuen, die Eroberer des Künftigen, nicht auch Gehorsam und Disziplin in unseren Reihen und Verbänden? Gewiß — aber von anderer Art. Wir leisten ihn freiwillig, er entspricht unsrer Einsicht in seine Notwendigkeit um des Ganzen willen. Das Interesse der Gemeinschaft steht über dem Eigeninteresse — diese elementare demokratische Erkenntnis lehrt uns ohne weiteres die pflichtgemäße Unterordnung. Ohne Widerstreben, ohne Schmerzen, ohne das Gefühl der Entwürdigung. Im Gegenteil: das Bewußtsein, dem Ganzen zu nützen, indem man sich dem Bedürfnis des Ganzen fügt, verleiht Genugtuung, Freude und Stolz.

Dieser Gehorsam hat auch seine Berechtigung in der sozialistischen Erziehung, denn er ist ein Mittel der Erziehung zur Selbständigkeit, zur Demokratie.

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Das Kind wird durch seine Geburt Glied einer Gemeinschaft, des Familienverbandes; hier herrscht eine bestimmte Lebensordnung und der Ablauf von Verrichtungen und Leistungen vollzieht sich in einer gewissen Regelmäßigkeit, so, wie sie den Bedürfnissen entspricht. Jeder hat sich den ungeschriebenen Gesetzen zu unterwerfen, auch der kleine Mensch; er muß sich einordnen, gewöhnen. Eine regelrechte Erörterung, bei der kluge Führung und sanfter Zwang die mangelnde Einsicht und unentwickelte Entschließung ersetzen, nimmt ihn in ihre Schule. Gute Gewöhnung, unterstützt durch gutes Vorbild, legen ein so sicheres und solides Fundament für eine gute Erziehung, daß sich später die Forderung des Gehorsams fast von selbst erübrigt. Es ist erstaunlich, wie lenksam, willig und gutartig Kinder allein mit Hilfe dieser einfachen Mittel erzogen werden können. Bedarf es aber doch des Gehorsams, so verlange man keinen blinden knechtischen Gehorsam. Von einem Hunde kann man verlangen, daß er aufs Wort pariere, aber nicht von einem Menschen. Das Kind soll wissen, weshalb es gehorchen soll. Die Einsicht soll ihm helfen, gehorsam zu sein. Aus der Sache heraus soll es die Notwendigkeit des Gehorsams begreifen. Keine Versprechungen, keine Drohungen — damit verdirbt man das Kind. Weder die Aussicht auf Bonbons, noch die Gewißheit künftiger Prügel vermitteln dem Kinde die Einsicht, die es für die Leistung des erwünschten Gehorsams braucht: daß es in diesem Falle *sachlich notwendig* ist, zu gehorchen. Und gehorcht das Kind nicht — gut, so soll es die Folgen seines Ungehorsams tragen. Wer sich am Ofen zu schaffen macht, verbrennt sich die Finger. Wer durch Pfützen und Wassergräben läuft, muß im Bett stecken, bis die Kleider trocken sind. Wer zu lange schläft, versäumt die Schule und wird bestraft. Wer Hosen und Strümpfe mutwillig zerreißt, muß flicken und stopfen lernen. Das sind meist heilsamere Lektionen als Schelte und Schläge. Sie helfen auch zu Ueberlegung und Vorbedacht, zum Wollen des Guten und zum Verantwortlichkeitsgefühl; sie richten auf und machen selbständig. Darin liegt ihr erzieherischer Wert.

Unsern Vätern und Müttern steckt der Dünkel der Elternautorität noch zu tief im Blute; sie müssen sich immer als Vorgesetzte und Beherrscher des Kindes fühlen und wollen ein Recht des Kindes auf Selbstbestimmung und Selbständigkeit um keinen Preis anerkennen. Sie selbst sind durch eine Schule der Knechtschaft gegangen und leben in einer sozialen Ordnung, die knechtisch ist;

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nun vermag sich ihre Einsicht der Forderung nicht zu erschließen, daß Eltern und Kinder sich als Freie und Gleiche gegenüberstehen sollen. Daß der ewige Gehorsam das Denken des Kindes einschläfert, das Verantwortungsgefühl verkümmert, die Selbständigkeit vernichtet, ja daß im Ungehorsam auch pädagogische Werte stecken und daß Ungehorsam ein Zeichen von Kraft und Eigenart sein kann — all das ist ihnen noch nie zum Bewußtsein gekommen.

Sie meinen es gut mit dem Kinde, gewiß; aber die Güte und Liebe, im Uebermaß oder in verkehrter Anordnung, können dem Kinde ebenso verderblich werden wie die Strenge und der Kadavergehorsam. Da wird das Kleine gegängelt und bedient, geschont und bewacht, gewaschen und geführt und damit auf alle erdenkliche Weise entmutigt, in seiner Entschließung aufgehalten, seinem Willen behindert, seiner Selbständigkeit bedrückt. Ich beobachte einen Anderthalbjährigen, der einen unbändigen Drang hat, zu laufen, zu greifen, zu schaffen; aber wo er geht und steht, wo er die Finger rühren und seine Kräfte erproben will, steht die Mutter, um ihn zu nötigen und zu quälen, daß er sich führen und bedienen und bevormunden lasse. Jeder seiner Versuche, das lästige Joch des fremden Willens abzuschütteln, wird beantwortet mit um so eifrigerem Bemühen, ihn unter dieses Joch zu beugen. Im Haus und auf der Straße, beim Spiel und beim Spaziergang, im Lachen wie im Weinen — überall umgibt ihn diese wohlgemeinte und doch so grundverkehrte mütterliche Ueberwachung und Sorge, bedrängt und belästigt ihn die ungewollte und doch so planmäßige Erziehung zur Unselbständigkeit.

Wir müssen die Kinder dahin bringen, daß sie ohne Hilfe gehen und springen, die Treppe auf- und absteigen, zu Boden gefallene Gegenstände aufheben, ihre Spielsachen holen und wegschaffen, gut und deutlich sprechen und ihre Wünsche ohne Fragen und Nötigen äußern. Sobald wie möglich müssen sie sich waschen und kämmen, an- und auskleiden, das Näschen putzen und die Zopfschleife binden, Schuhe anziehen und einen Knopf annähen lernen. Ihr Tätigkeitstrieb will gefördert und ausgebildet, nicht erstickt sein; ihr Streben nach Selbständigkeit braucht Genugtuung und Erfolg, nicht lähmende Eingriffe. Mag es auch bequemer für die Mutter sein, rasch zuzufassen und die Verrichtung selbst zu besorgen, so ist es doch nachteilig für das Kind, weil dadurch seine Selbständigkeit in der Uebung, Erprobung und freien Entfaltung

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behindert wird. „Der große Herr, der zu viele Diener hat, wird nicht nur immer abhängiger von ihnen, bis er zuletzt tatsächlich ihr Sklave ist, sondern die Untätigkeit macht auch seine Muskeln immer schwächer, bis sie zuletzt ihre natürliche Fähigkeit zur Tätigkeit verlieren. Und der Geist eines Menschen, der das, was er braucht, nicht durch eigene Bemühung erwirbt, sondern es von anderen fordert, wird schwerfällig und träge“ (Montessori).

Vielfach entspringt die Erziehung zur Unselbständigkeit weder zu großer Strenge, noch zu großer Zärtlichkeit — sie ist einfach eine Folge purer Gedankenlosigkeit und schlechter Gewohnheit. Ob das Kind langsam oder schnell, rechts oder links von uns, auf dem Fußwege oder Fahrdamm, in der Sonne oder im Schatten geht, ob es in der Straßenbahn sitzt oder steht, ob es kurze oder lange Strümpfe anziehen will, wenig oder viel zu Mittag ißt, weiße, rote oder blaue Schürzen lieber umbindet — das alles ist doch schließlich seine Sache. Aber nein, die Mütter wollen das bestimmen. Darum erteilen sie in jeder Stunde mindestens sechzig Befehle. Weshalb sie bestimmen wollen und nicht das Kind? Sie wissen es im Grunde selbst nicht: weil sie es so gewöhnt sind, weil sich das so gehört, weil sie als Kind auch ihrer Mutter gehorchen mußten, weil . . . nun ja, weil das Kind keinen Willen zu haben braucht. . . .

Aber das Kind soll einen Willen haben, soll selbständig stark und frei werden. Willenlose und willensschwache Menschen, Denkträge, Unselbständige, Charakterschwache brauchte der Kapitalismus. Der Sozialismus aber braucht Kämpfer für die Freiheit, Menschen mit Willen und Tatkraft, selbständige, eigene, charaktervolle Persönlichkeiten, die rüstig und siegesgewiß einer hellen Zukunft entgegenschreiten.

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Der Kapitalismus hat die Menschheit in ein dichtes Gewebe der Täuschung, Heuchelei und Lüge verstrickt. Er hat die Natur entgöttert, weil er ihre Schätze in Profit verwandeln wollte, und heuchelt Frömmigkeit, um die Massen zu bändigen. Er hat Königen die Köpfe heruntergeschlagen und begeistert sich, sobald seine Interessen es erfordern, für die Monarchie. Er hat in Strudeln revolutionärer Erhebungen alle altehrwürdigen Verhältnisse aufgelöst und durcheinandergeworfen und jammert über die Pietätlosigkeit

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und Zuchtlosigkeit des Volkes. Er macht Liebe, Ehre, Ruhm zu einer feilen Handelsware, für Geld zu kaufen, und lügt sich selbst und anderen ins Gesicht, daß er Ideale besitze, an denen sich sein Herz erhebe.

Der Sozialismus, indem er den Kapitalismus überwindet, wird auch seinen verlogenen Ideologien ein Ende machen. Er wird das Natürliche als Natur erkennen und beurteilen lehren, wird das Wahre wahr sein lassen, das Unwahre als unwahr brandmarken und verwerfen. *Der Sozialismus ist die Wahrheit.*

*Laßt uns die Jugend zur Wahrheit erziehen,* damit sie hellen Auges durch die Welt gehe, klar schaue, die Reinheit erkenne und sich für das Gute Große Edle begeistere. Machen wir der eklen Roheit unsrer verlognen Geschlechtsmoral ein Ende durch sexuelle Erziehung! Räumen wir auf mit den Geschichtslügen in den Köpfen der Jugend! Rein und wahr sei die Stätte der Erziehung, als eine Stätte besserer Menschwerdung. Wahrheit im Denken, Wollen und Vollbringen! *Wahr sein ist Sozialismus!*

### ERZIEHUNG ZUR WAHRHEIT

Wahrheit ist innerliche Freiheit. Darum muß Erziehung zum Sozialismus, die mit Freiheit anfängt und in Freiheit gipfelt, zugleich Erziehung zur Wahrheit sein.

Absolute Wahrheit ist eine Fiktion, wie alles Absolute. Die Bedingtheit aller Erscheinungen unseres Daseins zwingt auch hier zum Relativum. Dies lautet in seiner praktischen Anwendungsform: bringe dein Denken, Reden und Handeln nach Umfang und Inhalt in Uebereinstimmung; laß innerhalb der Grenzen deiner Erkenntnis und Ueberzeugung alles klar, offen und aufrichtig sein. In dieser subjektiven Wahrhaftigkeit, die sich selbst treu ist, keine Widersprüche und Hinterhalte kennt, keine Verschleierungen und Doppelzüngigkeiten duldet, liegt der Triumph der Wahrheit, die innerlich frei macht.

Unsere hergebrachte Erziehung steckt voller Unwahrhaftigkeiten, denn sie ist das Produkt ihres unwahrhaftigen Zeitalters. Der Gegensatz der Weltanschauungen, als Folge und Ausdruck der gesellschaftlichen Klassengegensätze, findet seine Parallele in der Klassenmoral, die für den Besitz allen Optimismus der Lebensbejahung in Anspruch nimmt, für die Besitzlosigkeit aber den Pessimismus der Lebensverneinung in Bereitschaft hält. Nicht

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ohne Grund bildet die weltabgewandte und knechtselige Ethik des Christentums das bevorzugte Erziehungsmittel der Massen, während die Herrenkaste sich zur Herren- und Uebermenschenmoral Nietzsches bekennt. Nicht ohne Grund auch eifert der Kuttengeist dieser christlich-pessimistischen Ethik gegen die Weltfreude des Nackten, die Lebensbejahung des Geschlechtlichen, gegen die Bekundung eines so starken schöpferischen Lebenswirkens, wie er im Zeugungsakt seinen freudigsten tatkräftigsten Ausdruck findet. Trotz jahrhundertelanger Uebung eifert der Bußpredigerzelotismus freilich vergebens, schon weil die stärkere Menschennatur immer wieder ihre Rechte geltend macht. Da begnügt sich die bürgerliche Gesellschaft mit einem Kompromiß: kann sie an der Tatsache selbst nichts ändern, so nimmt sie den Schein für die Tatsache. Die Folge ist ein System der Heuchelei, ein Gewebe der Unwahrhaftigkeit, eine Kulisse der Täuschung, der Lüge, des Pharisäertums, womit die Abgründe der sexuellen Doppelmoral verdeckt werden sollen. Es gibt in unserer an kulturellen Mankos und Brüchigkeiten so reichen Gesellschaftsordnung kein Gebiet, wo die sittliche Verwildrung so groß, die Barbarei so erschreckend, die Heuchelei so schamlos und herausfordernd wäre wie auf dem Gebiete des Geschlechtslebens und der Geschlechtsmoral.

Eine üble Atmosphäre schlägt von hier aus in die Erziehung. Wenn der kleine Mensch Aufschluß über die Herkunft des Menschen zu erhalten wünscht, wird ihm die abgeschmackte Fabel vom Klapperstorch erzählt. Wenn bei der Betrachtung seines Leibes der Blick die Geschlechtsteile streift und unbefangen-wißbegierige Fragen auslöst, macht sich geschäftige Prüderie sogleich ans Werk, um zu verhüllen, zu vertuschen. Wenn Knaben und Mädchen in natürlicher Freundschaft sich zu Spiel und Beschäftigung zusammenfinden, kommt der schnüffelnde und überall Unrat witternde Bureaukratismus und richtet eine Schranke zwischen den Geschlechtern auf, die ein gegenseitiges Verstehen erschwert und späterhin sexuelle Spannungszustände durch den starken Reiz des Ungewohnten unnatürlich steigert. Wenn die nackte Reinheit edler Kunstwerke Sinn und Seele der Jugend entzücken und erheben will, beschmutzen die unberufenen Finger übereifriger Tugendwächter das Heilige und wecken in jungen Gemütern bedenkliche Konflikte. Wenn schließlich die Stimme des Blutes sich meldet und der Unberatene und Unerfahrene nach Aufklärung und Beratung verlangt, speist man ihn mit Zweideutigkeiten und

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Zoten ab, lehrt ihn, die Frau als Lustobjekt zu betrachten und überläßt ihn seinem Schicksal. So häufen und summieren sich die Notstände, die eine ratlose und unwahrhaftige Geschlechtsmoral verschuldet, zu einer einzigen großen pädagogischen Kalamität, deren Opfer die Jugend ist.

Es ist eine wichtige kulturelle Mission, die der sozialistischen Erziehung aufgegeben ist: diese Kalamität zu überwinden. Der Sozialismus als Weltanschauung repräsentiert das Prinzip der Lebensbejahung. Alles, was lebenskräftig ins künftige schafft, was tatenfroh in die Zukunft baut, vereinigt sich in ihm zu einer Harmonie der Weltfreude, zu einem quellenden Strom rüstigsten und sieghaftesten Lebenswillens. Wo christliche Ethik ablehnend verneint, antwortet er mit stolzem selbstbewußtem Ja; wo sie prüde verdeckt, streift er keck die Hülle ab; wo sie mit pharisäischem Augendrehen das Verborgene sucht, verkündet er laut das Evangelium des Natürlichen und tritt aufrecht in das Helle der Wahrheit. Indem die sozialistische Erziehung den Körper des Kindes zur Reinheit, Kraft und Gesundheit führt, schafft sie die physische Voraussetzung für eine reine und natürliche Auffassung vom Geschlechtlichen; indem sie die soziale und sittliche Bewertung der Geschlechter unter das Licht einer neuen kulturellen Beleuchtung rückt, bietet sie hierzu auch eine neue psychische Basis dar. Und indem sie die schweigende Erziehung des Vorbildes der Erwachsenen mit der beredten Belehrung durch das aufklärende Wort verbindet, füllt sie das düstere Gebiet, das heute nur huschende Schatten beherbergt, mit dem Lichte der Erkenntnis, richtet sie den jugendlich schwankenden Willen, der heute zwischen Begierden und Rätseln hin und her geworfen wird, mit dem stärkenden und belebenden Tranke der Wahrheit empor.

Aber nicht bloß die sexuelle, sondern auch die *historische* Wahrheit findet im Sozialismus ihren Bekenner, Träger und Vollstrecker.

Das Bestreben der bürgerlichen Klasse, den Nachwuchs des Volkes von Jugend auf in den Dienst ihrer eigensüchtigen Interessenpolitik zu stellen, läßt sie den Geschichtsunterricht in den Schulen als ein Werkzeug offenkundiger politischer Agitation handhaben. Unbekümmert um die Gebote geschichtlicher Tatsachenwahrheit und ungeachtet des Widerspruchs, der sich zwischen ihrem Tun und ihrer Forderung unpolitischen Jugendunterrichts auftut, schreckt sie selbst vor gemeinen Geschichtsforschungen <!-- sic; corregido en la 3.ª ed. (1920): «Geschichtsfälschungen» -->

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und wüsten politischen Verhetzungen nicht zurück. Da werden die Dynastien, die notgedrungenen Repräsentanten und Schutzherren des kapitalistischen Ausbeutungs- und Knechtschaftssystems, in den Opferrauch eines byzantinischen Kults gehüllt und ihre jeweiligen Vertreter durch abgeschmackten Legenden- und Anekdotenkram der Sympathie des großen Haufens nahegebracht. Da werden Kriege und Schlachten mit der amtlich befohlenen Skrupellosigkeit mordspatriotischer Geschichtsklitterung und der bombastischen Poesie von Kriegervereinsbarden als weltgeschichtliche Großtaten gefeiert, während alle fortschrittlich-freiheitlichen Bestrebungen oder gar revolutionären Erhebungen, ohne den Ernst und die Bereitwilligkeit, sie geschichtlich verstehen zu wollen, mit dem giftigen Haß der wirtschaftlich Bedrohten verfolgt und der bösartigen Verleumdung niederer Rachsucht besudelt werden. Die sozialdemokratische Bewegung schließlich wird — getreu der Anweisung jenes „allerhöchsten Erlasses“ vom 1. Mai 1889 — als „den göttlichen Geboten und der christlichen Sittenlehre widersprechend, in der Wirklichkeit unausführbar und in den Konsequenzen dem einzelnen wie dem Ganzen gleich verderblich“ mit der arroganten Geste einer durch keinerlei Sachkenntnis getrübten Ueberlegenheit abgetan. Nun gar erst der letzte Krieg — welche Schlammflut der Völkerverhetzung und Mordlust hat er über die Jugend gebracht, wie haben die von ihm entfesselten Seuchen der geschichtlichen Lüge, der politischen Irreführung, der patriotischen Berauschung und der sittlichen Verwilderung unter dem Nachwuchse unserer Nation gewütet! Hat Goethe von der Geschichte gesagt, sie habe das Gute, daß sie Enthusiasmus erwecke, so glaubt die herrschende Klasse, es als Aufgabe und Zweck der Geschichte ansehen und in Anspruch nehmen zu müssen, daß sie um jeden Preis Enthusiasmus, Patriotismus, Byzantinismus erzeuge und die Jugend zu Untertanen mit Lakeiengesinnung, zu Lobpreisern, Schildhaltern und Verteidigern der gottgewollten Ordnung erziehe. Um jeden Preis — vor allem um den Preis der geschichtlichen Wahrheit.

Die sozialistische Erziehung hat an der Unwahrhaftigkeit des herrschenden Geschichtsunterrichts fürs erste rücksichtslose Kritik zu üben, um seinem gefährlichen lähmenden Einfluß wirksam zu begegnen. Sodann aber hat sie dafür zu sorgen, daß die erkennbare und erkannte Geschichtswahrheit zur Geltung und Anerkennung gelangt. Sie wird dazu in der Lage sein, wenn sie, vom

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Boden der materialistischen Geschichtsauffassung ausgehend, das Gewirr und Gehäufe von Daten, Phrasen und Anekdoten auflöst in den lebendigen Fluß einer folgerichtigen Entwicklung, die, von ökonomischen Kräften bewegt und in der vielgestaltigen Erscheinung des gesellschaftlichen Lebens zum Ausdruck gebracht, ihren eigenen Gesetzen folgt; wenn sie die Taten der Machthaber und die Ideen der großen Geister in sachlichen Zusammenhang bringt mit den sozialen Voraussetzungen des jeweiligen Gesellschaftsbereichs und den realen Bedürfnissen ihrer Zeit, wenn sie die Gesamtheit des historischen Geschehens als organisches Wachstum erkennen läßt und die daraus sich ergebende Solidarität aller menschlichen Interessen zum Bewußtsein bringt. Eine Umwertung von Werten wird hierzu nötig sein, aber schon vollzieht sie sich. Die sozialistische Wissenschaft, die aus dem Konglomerat der bürgerlichen Zweckgelehrsamkeit und Nützlichkeitskultur freie Schöpfungen des Geistes formt, unbelastet mit der Erdenschwere banaler Interessendienstbarkeit, wird auch der Geschichtsschreibung die Absicht dynastischer Herrschaftsgelüste und den Stempel kapitalistischer Unterjochungsinstinkte nehmen. Sie wird die Lehren, die das Studium der Geschichte den nachwachsenden Geschlechtern vermittelt, von den Ketten der gottgewollten Abhängigkeiten befreien und ihnen die weitausgreifenden Fittiche der menschgewollten Befreiung verleihen. Sie wird durch das beklemmende Dunkel der historischen Labyrinthe mit der sieghaften Fackel der Wahrheit leuchten und den suchenden Blicken der hoffnungslos Wandernden das hohe und beglückende Ziel der Menschheitsbefreiung zeigen.

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Der Kapitalismus hat im Innern der Menschen den Eigennutz als brennendes Uebel gezüchtet, hat ein Zeitalter des schrankenlosesten Egoismus heraufgeführt. Das Ich steht im Vordergrunde menschlichen Denkens und Strebens: das Ich der Bereicherung, das Ich der Herrschaft, das Ich des Genusses und der Glückseligkeit. Alle praktische Moral gipfelt in der Betätigung des niederträchtigen unsozialen Prinzips, daß jeder sich selbst der Nächste sei. Alle schönen und erhabenen Lehren des Nazareners von Bruderhilfe und Nächstenliebe, dem Buchstaben nach geheiligt, sind in der Wirklichkeit des kapitalistischen Individualismus elend zuschanden geworden.

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Der Sozialismus wird das Interesse der Gesellschaft über das Interesse des einzelnen, den Gesamtwillen über den Einzelwillen, das Gesamtwohl über das Einzelwohl setzen. Erst mit dem Ganzen und durch das Ganze wird der einzelne in seinen individuellen Angelegenheiten seine Rechnung finden. Alle für einen, einer für alle — Individuum und Gesellschaft finden sich in solidarischer Einmütigkeit. *Der Sozialismus ist die Solidarität!*

*Laßt uns die Kinder zur Solidarität erziehen,* damit sie sich von klein auf geschwisterlich verbunden fühlen, zu einer großen Familie gehörig, für ein großes Ganze berufen und bestimmt. Beiseite bleibe Klassenscheidung, Selbstsucht, Neid und kleinliche Uebertreibung. Dafür helfe einer dem andern, schätze und liebe ihn, sei ihm Freund, Berater, Förderer. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit, in jungen Herzen und Hirnen lebendig gemacht, festigt sich zu Banden der Brüderlichkeit, erstarkt zu Mauern der Solidarität, zur unüberwindlichen Phalanx des Kampfes um ein hohes Menschheitsziel. Solidarität im Denken, Wollen und Vollbringen! *Solidarisch sein ist Sozialismus!*

### ERZIEHUNG ZUR SOLIDARITÄT

Mit dem Privateigentum, der Einehe, der Einzelhaushaltung und der individuellen Nutznießung des Arbeitserfolgs war die Notwendigkeit und zugleich die reale Basis für eine individualistische Erziehung gegeben. Je mehr der Kapitalismus auf wirtschaftlichem Gebiete und in der Struktur der sozialen Ordnung das Prinzip des Individualismus befestigte, ausprägte und zuspitzte, desto deutlicher markierten sich im Gesicht der Wissenschaft die individualistischen Züge, bis sie sich schließlich zur charakteristischen Maske gefunden und geschlossen hatten. Der Individualismus beherrschte von nun an die gesellschaftliche Ideologie des Bürgertums. Eifrig waren Philosophie, Ethik und Pädagogik bemüht, die Erziehung nach den Grundsätzen des Individualismus zu gestalten und auszubauen, ihre Wirksamkeit auf dessen Ziele einzustellen, ihr Wesen aus den sozialen Bedürfnissen zu rechtfertigen. Das Zeitalter des Individualismus hat seine individualistische Erziehung.

„Das ist *mein* Kind, damit kann ich machen, was ich will!“ Was vermöchte den Grundzug des Verhältnisses zwischen Kind, Eltern und Gesellschaft in unserer bürgerlich-individualistischen Zeit nackter, brutaler und treffender zum Ausdruck zu bringen

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als dieses oftgehörte herrische Wort. *Mein* Kind! Es ist *mein* Kind, das geboren, genährt, gepflegt, erzogen wird, *mein* Kind, das ich zum Menschen bilde, *mein* Kind, das im Leben vorwärtskommen soll, *mein* Kind, das einmal die Früchte seiner Erziehung, Bildung, Menschwerdung ernten soll. Nicht *dein* Kind, *nur* Kind, das Kind der Gesamtheit, das um des Ganzen willen da ist — nein, *mein* Kind, *mein* Privateigentum, *mein* Privatvergnügen, mein . . . Ich.

In dieser Sphäre verläuft die erste Jugend des Kindes. Dann kommt die Schule. Aber auch da sitzt der Individualismus am Ruder. Es kann kaum etwas Unsozialeres geben als solch ein Schul- und Klassenleben. Da arbeitet und strebt jeder nur für sich, keiner schafft und lebt für den andern. Der Ehrgeiz des einzelnen wird systematisch aufgepeitscht, der Egoismus gedeiht in Reinkulturen. Auch die Lieblosigkeit und Selbstüberhebung; der viel leistet, darf, ja soll sich erhaben fühlen über den, der weniger leistet, mag es auch für seine schwächeren Kräfte eine größere Leistung sein. Wie es verboten ist, dem Schwachen durch Zuruf und Handreichungen zu helfen, so ist es erlaubt, sich über die Schwäche des anderen lustig zu machen. Man muß, so schreibt Gansberg, das dumme Lachen nur gehört haben, das in einer gutgedrillten Klasse losbricht, wenn irgend ein schwacher Geist einen Aufsatz mit grammatischen Fehlern vorliest! Die Schüler lauern förmlich auf diese Aeußerlichkeiten, ja sie lachen noch über Naivitäten und Seltsamkeiten in solchem Aufsatz, auch wenn diese von der Originalität, Wahrheitstreue und Plauderlust des kleinen Vorlesers das beste Zeugnis ablegen. In dieser Atmosphäre werden nicht nur Frische und Urwüchsigkeit vergiftet, Tiefen verschüttet und Kräfte vergeudet, es wird auch das Gefühl des Gemeinsamen ertötet, das Vertrauen zur Gemeinschaft untergraben, der Wille zum Zusammenwirken gelähmt, die Solidarität der Interessen vernichtet.

Der bürgerlichen Klasse ist an dieser Solidarität nichts gelegen; sie verabscheut sie als Vorstufe zum Sozialismus.

Um so lebhafter und stärker ist die proletarische Klasse an ihr interessiert. Sie erblickt in der Solidarität die Grundlage ihrer Ethik; die fundamentale ideelle Voraussetzung ihrer wirtschaftlichen und politischen Machtentfaltung und damit ihres Kampfes und Sieges; den breiten, massigen Sockelbau, auf dem die Göttin der Freiheit thront. Ohne Solidarität keine Befreiung.

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Der Sozialismus lebt nicht durch einzelne, im einzelnen. Er setzt die Massen, die Gesellschaft, das Ganze voraus. Societas — die Gesellschaft. Und das Band, das sie alle vereint, ist die Solidarität. Erziehung zum Sozialismus muß notwendigerweise Erziehung zur Solidarität sein.

Lehren wir das Kind schon im zartesten Alter durch unser Beispiel und das belehrende Wort erkennen, daß der Familienkreis zusammengehalten wird nicht bloß durch den Zufall der Blutsbande, sondern auch durch die bewußte und freundwillige Uebung gegenseitiger Achtung und Liebe, Verständigung und Hilfeleistung, bei der es weder Neid noch Streit, weder Angeberei noch Unkameradschaftlichkeit gibt, die immer beseelt ist vom Streben zum Ganzen, vom Willen zur Einigkeit, vom Bedürfnis nach Harmonie — dann stehen wir am Anfange der Erziehung zur Solidarität.

Helfen wir tatkräftig und freudig dazu, daß sich der Geist dieser schönen Gewöhnung aus dem Herzen und Sinn der Kinder fortpflanze auf die Straße, die Nachbarschaft, die Schule, daß er lebendig werde und sich entfalte im Kinderspiel, auf kleinen Wanderungen und Festen, bei der Erfüllung häuslicher Pflichten und den Arbeiten für die Schule, immer einend und verbindend, Kräfte austauschend und aus dem Zusammenschluß neue Kräfte gewinnend — dann machen wir Fortschritte in der Erziehung zur Solidarität.

Zeigen wir in Fällen der Not unsere Bereitwilligkeit zur Hilfeleistung, unsere Aufopferungsfähigkeit für andere, ohne Dank zu fordern und ohne Ehrgeiz und Ruhmredigkeit, lehnen wir uns auf gegen das Unrecht, auch wenn es nicht gerade uns betrifft, schließen wir uns den Klassengenossen an zum Kampfe gegen Ausbeutung und Bedrückung, Roheit und Unkultur, und lassen wir an alledem auch schon die kleinen mit ihren horchenden Herzen und fragenden Augen Anteil nehmen — dann pflanzen wir tief in ihr Inneres unauslöschliche Eindrücke für die Erziehung zur Solidarität.

Lenken wir den Blick der Jugend schon auf die unermeßliche Bedeutung der menschlichen Arbeit, dieses Segensbornes der Völker und Mutterschoßes aller Kultur; bringen wir ihr das Bewußtsein vom Stolz und der Würde des Arbeiters bei, der alle Werte schafft und auf seinem gebeugten Rücken alle Lasten und Herrlichkeiten des Erdballs trägt; öffnen wir ihr das Verständnis für die Berechtigung der Ansprüche auf Rechte, wo mit Fleiß und Ausdauer

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Pflichten erfüllt und Opfer gebracht werden — dann kann niemand mehr den Erfolg einer solchen Erziehung zur Solidarität streitig machen.

Die Schule hat es in der Hand, das Werk würdig und erfolgreich zu vollenden: durch die Arbeitserziehung und die Einheitsschule.

Die Lernschule stimmt zum individualistischen Zeitalter — *das Maß des Besitzes* an Wissen und Kenntnissen bestimmt die persönliche Tüchtigkeit und Verwendbarkeit. Die Arbeitsschule setzt den Sozialismus voraus — *die Fähigkeit zu Leistungen* entscheidet über die Brauchbarkeit des einzelnen und den Platz seiner Eingliederung ins Gefüge des Ganzen. Die Lernschule streckt und stutzt den Menschen nach einem amtlich vorgeschriebenen Schema und stattet ihn mit Berechtigungen und Diplomen aus. Die Arbeitsschule läßt den Menschen aus dem Fonds seiner eigenen Kräfte und Gaben heraus wachsen, eigenartig und selbständig, und das Betätigungsfeld erobern, zu dem er sich innerlich hingezogen und berufen fühlt. Die Lernschule setzt an den Zielpunkt ihrer Laufbahn den persönlichen Erfolg, Reichtümer und Ehren, als Lohn für aufgewandte Zeit, Mühen und Unkosten — die Verzinsung einer eingeschossenen Kapitalanlage. Die Arbeitsschule hat zum Effekt die Einmündung aller geweckten und geschulten Kräfte, deren Leistungsfähigkeit auf der Arbeit von Jahrtausenden und Menschenmillionen beruht, in die Gesamtsumme aller gesellschaftlich nutzbaren Agentien, die nur im fortwährenden Austausch ihrer Potenzen und in der stetigen Solidarität des Wollens dauernd weiterwirken können. Liegen in der Lernschule die geistigen Interessen der kapitalistischen Gegenwart verwahrt, so regen sich im Kampfe um die Arbeitsschule die aufs Künftige gerichteten geistigen und kulturellen Interessen des Sozialismus.

In dem Fortschritt von der Klassen- zur Einheitsschule spiegelt sich dieselbe Entwicklung. Die Klassenschule entspricht dem Klassenstaat und der Klassengesellschaft; für den Besitz der glänzende Palast, für die Armut der elende Pferch. Die Wissenschaft ist eine Handelsware, die Schule ein Krämerladen geworden: wer Geld hat kauft sich Bildung nach Maß, Elle und Qualität. Nicht nur Ehre und Ruhm, Liebe und Glück, auch Wissen und Bildung ist auf eine einfache Voraussetzung zurückgeführt: auf die bare Zahlung.

Mit der Klassengesellschaft schwindet die Existenzberechtigung der Klassenschule. Schon schickt die Solidarität der sozialistischen

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Zukunft auf dem Gebiete der Schulorganisation ihre Forderungen in die Gegenwart: die Forderung der *Einheitsschule* als „einer Schule aller, die Menschenantlitz tragen, zu allem, was menschlich ist“. Hier sollen, ungefragt nach Abkunft, Zugehörigkeit, Besitz und Fürsprache, alle die Stufenleiter der Geistesbildung emporsteigen dürfen, denen die gütige Natur Talente und Gaben in die Wiege legte, jede Höhe und Helle soll ihnen geöffnet sein und der Cherub steht nicht mehr mit drohend flammendem Schwerte vor der Pforte, die zum Baum der Erkenntnis führt. Die Einheit des Bildungswegs wird begleitet sein von der Unentgeltlichkeit der Lern- und Lehrmittel, des Unterhalts, der materiellen Versorgung. Volle Freiheit für jede Kraft, jeden Drang, jede Hoffnung, weil das Ganze mit dem Reichtume jeder Kraft, den Schöpfungen jedes Dranges, den Spenden jeder Hoffnung Unendliches gewinnt.

So strömt die Erziehung zur Solidarität, indem sie die Bereicherung und Beglückung der ganzen Menschheit als letztes und höchstes Ziel kulturellen Wirkens ins Auge faßt, gleich dem Segen eines zauberischen Füllhorns über, unerschöpflich, verschwenderisch, alles überschüttend. . . Ungeahnte Kräfte ringen sich aus der Tiefe los und tauchen zum Licht empor, Millionen Geister und Hände regen sich zum Werke und bauen den Tempel einer neuen Kultur, unübersehbare Schätze des Geistes und der Seele breiten sich vor trunkenen Blicken aus und grüßen mit Jauchzen das Zeitalter des Sozialismus.

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Freiheit, *Selbständigkeit, Wahrheit, Solidarität* — das sind die Fundamente und Pfeiler der Erziehung zum Sozialismus. Darin liegen die Zukunftshoffnungen unseres Geschlechts, darauf erheben sich die Mauerwerke künftiger Kultur, darüber breiten sich die Hallen kommender Glückseligkeit aus.

*Noch gehört die Jugend zunächst uns,* dem Proletariat. Noch wächst sie unter unseren Augen und Händen empor, ehe sie sich unter den Einfluß der bürgerlichen Klasse begeben muß. *Noch sind wir ihre ersten Erzieher.*

Erziehen wir sie im Geiste des Sozialismus, *frei, selbständig, wahr und solidarisch,* als Menschen und Kämpfer, denkend, wollend, handelnd, dann —

WOHL DIR, DASS DU EIN ENKEL BIST!

<!-- Siguen (imágenes 28-29 del digitalizado) anuncios de la editorial Gesellschaft und Erziehung (Robert Seidel, Wilhelm Ostwald, colección «Revolutions-Bibliothek»); no se transcriben. -->

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*Fuente:* transcripción a partir del ejemplar de la Deutsche Nationalbibliothek (signatura 1919 A 4354) digitalizado en su visor (DNB, bookviewer 101433280X): Otto Rühle, *Erziehung zum Sozialismus. Ein Manifest*, Berlín, Verlag Gesellschaft und Erziehung G. m. b. H., 1919, 22 págs. Corregida página por página sobre las imágenes; el OCR (tesseract) solo sirvió de apoyo. Cotejada con la 3.ª edición (11.º-15.º millar, Berlín-Fichtenau, Verlag Gesellschaft und Erziehung, 1920; DNB, bookviewer 1031692088): mismo texto, con las mayúsculas con diéresis modernizadas (Ü por Ue, etc.), «wenige»/«viele» en minúscula y la errata «Geschichtsforschungen» (pág. 15) corregida en «Geschichtsfälschungen». La 2.ª edición (5.º-10.º millar, 1919) no se ha consultado. No se transcriben los anuncios de la editorial anteriores a la portada y posteriores a la pág. 22. Las cursivas reproducen las del original; las capitales ornamentales de cada apartado no se reproducen. Los comentarios `S. n` del código marcan el comienzo de cada página impresa.
