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Title: Aus der Partei. Genosse Reichstagsabgeordneter Otto Rühle
Description: Leipziger Volkszeitung, 25. Jg., Nr. 106, 8. Mai 1918, S. 3, Rubrik «Aus der Partei». Erklärung, gezeichnet: Otto Rühle; mit Nachbemerkung der Redaktion.
Author: Otto Rühle
URL: https://adler.school/archivo/ruhle/original/1918-05-08%20Aus%20der%20Partei.%20Genosse%20Reichstagsabgeordneter%20Otto%20R%C3%BChle
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# Aus der Partei.

## Genosse Reichstagsabgeordneter Otto Rühle

ersucht uns um die Aufnahme der folgenden Erklärung:

Der Vorwärts veröffentlichte vorige Woche in einer von Uebertreibungen und Entstellungen strotzenden Betrachtung über den **Niedergang des Parteilebens im 8. sächsischen Reichstagswahlkreise** u. a. eine in Anführungsstrichen gesetzte Briefstelle eines angeblich von mir an die Kreisleitung in Pirna-Mügeln gerichteten Schreibens, in dem ich erklärt haben sollte, daß ich die Genossen im Wahlkreise in ihrer politischen Arbeit nicht stören wollte, es aber ablehne, im Wahlkreise persönlich zu erscheinen, da ich mich vom politischen Leben zurückzuziehen gedächte. Die ganze Notiz — auch die Briefstelle — waren der **Dresdner Volkszeitung entnommen**, wo ich sie, da ich dieses Blatt nicht lese, übersehen hatte. Ich schrieb dem Vorwärts sofort, daß der angebliche Brief nach Form und Inhalt eine von der Dresdner Volkszeitung verübte **glatte Fälschung** sei, und ersuchte um Veröffentlichung meiner Erklärung. **Bis heute hat der Vorwärts seinen Lesern diese meine Erklärung unterschlagen.** Es handelt sich bei der in Rede stehenden Angelegenheit um folgendes: Die Kreisleitung des 8. Kreises hatte mich um eine Aussprache gebeten über die bei der nächsten Reichstagswahl zu befolgende Taktik, die ihr um deswillen schwierig erschien, weil ich zu keiner der beiden Parteiorganisationen gehöre. Darauf schrieb ich der Kreisleitung, daß eine solche Aussprache meine Wiederkandidatur zur Voraussetzung habe; da ich indes entschlossen sei, nicht wieder zu kandidieren, erübrige sich die Erörterung. Die Kreisleitung tue deshalb besser, zunächst einmal die Kandidaturfrage zu erörtern, was am besten wohl in meiner Abwesenheit geschehen könne. Dies der Inhalt meines Schreibens. Damit vergleiche man, was die Dresdner Volkszeitung unter Fälschungen, Verdrehungen und persönlichen Beschimpfungen aus der Sache gemacht hat. Und der Vorwärts gibt die Büberei geflissentlich weiter, wirft die Berichtigung des Angegriffenen aber unter den Tisch.

Parteigruß Otto Rühle.

<!-- Nachbemerkung der Redaktion -->

Zu dieser Erklärung haben folgendes zu bemerken:

Es sind nicht die schlechtesten Charaktere, die in der jetzigen Zeit einen Ekel vor der Politik empfinden. Aber es ist durchaus nicht zu billigen, daß dieser Ekel Anlaß dazu geben soll, sich vom öffentlichen Leben verärgert und resigniert zurückzuziehen. Gerade darin zeigt sich der Mut und der Charakter des grundsatzfesten Mannes, daß er auch in der schwersten Zeit die Fahne nicht verläßt, der er sich in einer erfolgreicheren Vergangenheit angeschlossen hat. Nicht Resignation, sondern Aktivität, nicht mildes Geschehenlassen, sondern tatkräftiges Mitwirken muß gerade jetzt unsre Losung heißen. Und je größer die Schwierigkeiten sind, die sich uns entgegenstellen, je trostloser die Zustände des öffentlichen Lebens und die inneren Verhältnisse in der Arbeiterschaft sind, desto mehr muß das alte Wort für uns Geltung haben: Trotz alledem und alledem!

Die regierungssozialistische Presse freilich darf über die Mitteilung, daß Rühle das politische Leben satt bekommen hat, ihre hämischen Glossen machen. Wer so robust veranlagt ist, wer, wie man wohl sagt, abgebrüht genug ist, daß er seine Ueberzeugung je nach Bedarf wie ein schmutziges Hemd wechseln kann, wer gestern noch als wilder Revolutionär auftrat, heute sich aber als treue Stütze der von ihm früher bekämpften Gesellschaftsordnung allen Machthabern zur Verfügung stellt, dem werden auch die jetzigen politischen Verhältnisse wenig anhaben.

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*Fuente:* rúbrica «Aus der Partei», *Leipziger Volkszeitung*, 25. Jg., Nr. 106, Mittwoch, 8. Mai 1918, S. 3, columna 3. Transcripción hecha desde la imagen del número digitalizado por la SLUB Dresden (digital.slub-dresden.de/id394414608-19180508, imagen 3), en Fraktur. La pieza tiene dos partes: la declaración de Rühle (desde «Der Vorwärts veröffentlichte» hasta la firma «Parteigruß Otto Rühle.»), introducida por la frase de la redacción que forma el encabezamiento, y una nota sin firma de la redacción de la *Leipziger Volkszeitung* (desde «Zu dieser Erklärung»), que no es de Rühle y se transcribe para dar la pieza completa. Se conserva la omisión del impreso «haben [wir] folgendes zu bemerken». Las negritas reproducen la letra gruesa del original.
