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Title: Stotternde Kinder
Description: Zur Unterhaltung und Belehrung (Wochenbeilage zum Volksblatt für Halle und den Saalekreis), Nr. 48, 25. Oktober 1906; Nachdruck: Hamburger Echo, 21. Jahrgang, Nr. 264, 10. November 1907, Dritte Beilage
Author: Otto Rühle
URL: https://adler.school/archivo/ruhle/original/1906-10-25%20Stotternde%20Kinder
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<!-- Encabezamiento en la primera publicación: «(Nachdruck verboten.)» -->

# Stotternde Kinder.

Von Otto Rühle.

Obenan in der Reihe der Vorzüge und Errungenschaften, die den Menschen über das Tier erheben, steht nächst der Fähigkeit, Begriffe zu bilden, das Vermögen, diese Begriffe mit Hülfe der Sprache für das Ohr vernehmbar zu machen. In demselben Maße, in dem eine dieser Fähigkeiten völlig oder teilweise versagt, geht der Mensch seiner geistigen Ueberlegenheit über das Tier mehr oder weniger verlustig. Dies gilt für den geistig Beschränkten wie für den mit schweren Sprachgebrechen Behafteten. Nur mit dem Unterschied, daß der erstere sich seines beklagenswerten Zustandes meist überhaupt nicht oder aber nicht in vollem Umfange bewußt wird, während letzterer das ganze niederdrückende Gewicht seines Mangels, den deprimierenden und verbitternden Einfluß seines Leidens empfindet. Dieses Leiden charakterisiert sich in den meisten Fällen als *Stottern*, das unter den mannigfachen Sprachstörungen an erster Stelle steht. Angehörige aller Rassen und Völker, Volksklassen und Berufsschichten haben unter diesem Uebel zu leiden; sogar bei afrikanischen Negervölkern und den Chinesen, die man bislang als stotterfrei ansah, ist man ihm begegnet. Gesundheit, Geschlecht, Alter, Bildungsgrad, Lebensgewohnheit, Klima — alles ist ohne Einfluß auf das Vorkommen des Stotterns. Höchstens, daß graduelle Unterschiede sich zeigen, z. B., daß auf ein Drittel stotternde Mädchen durchschnittlich zwei Drittel stotternde Knaben und auf ein Zehntel stotternde Frauen neun Zehntel stotternde Männer kommen; im übrigen aber ist niemand vor dem Stotterleiden gefeit.

Ziffernmäßige statistische Nachweise ergeben, daß *die Zahl der Stotterer* keineswegs gering ist. Die erste Stotterer-Statistik veröffentlichte 1870 Chervin; sie bezog sich auf Frankreich und war eine Militärstatistik. In der Folgezeit verwandte man besondere Aufmerksamkeit auf die Untersuchung stotternder Schulkinder, nachdem man die Beobachtung gemacht, daß durch Sprachübel die geistige Ausbildung der Kinder erheblich benachteiligt und gehemmt wird. Die Schulstatistiken wurden eingeleitet durch eine Stotterer-Statistik des Berliner Lehrervereins im Jahre 1886, die sich auf 155 000 Kinder bezog, von denen 1550 (genau 1 pZt.) stotterten. Das Ergebnis war ungünstiger als das von Dr. Berkhan 1882 in Braunschweig auf Grund einer allerdings wenig umfangreichen Enquete gewonnene; nach diesem kamen auf je 131 Kinder ein stotterndes. Im Verlaufe der Zeit sind noch zahlreiche Statistiken veranstaltet worden; nach ihren Resultaten beziffert Dr. H. Gutzmann, dem bis 1893 alle Zählungsergebnisse vorgelegen, die Gesamtzahl der untersuchten Kinder auf eine halbe Million und die Gesamtzahl der Stotterer auf rund 5000 (1 pZt.). Schätzt man die Zahl der im deutschen Reiche vorhandenen Schulkinder auf ungefähr acht Millionen, so beläuft sich bei dem gleichen Prozentsatze *die Anzahl der Stotterer auf 80 000*. „Nach allen unseren Erfahrungen ist diese Zahl eher zu niedrig als zu hoch gegriffen“ (H. Gutzmann). Scharr nimmt denn auch *für Deutschland 90 bis 100 000 stotternde Kinder* an. In Preußen stottern 1,12 pZt. aller Schulkinder, von den Provinzen hat Posen den höchsten (1,68 pZt.) und Westpreußen den niedrigsten Prozentsatz (0,74 pZt.). Am häufigsten kommt das Stottern nach Kußmaul, Coën u. a. in Nordamerika und in Nordafrika vor, denen in Europa der Reihe nach Rußland, Frankreich, *Deutschland*, Großbritannien, Oesterreich und die Schweiz folgen. Von 1000 Militärpflichtigen müssen in Frankreich 6, in Deutschland 2, in Rußland 1 bis 3 wegen hochgradigen Stotterns zurückgestellt werden.

Unter den Stottererstatistiken der Städte verdienen besondere Beachtung die von Dr. Schellenberg in Wiesbaden und die von Hanke in Görlitz. Erstere, die 9312 Kinder umfaßt und 134 Stotterer (1,4 pZt.) ergibt, hat den Vorzug, daß die höheren Schulen mit einbezogen sind, und zwar mit dem Ergebnis, daß bei ihnen teilweise noch höhere Prozentsätze an Stotterern festgestellt wurden als bei den Mittel- und Elementarschulen. Die Görlitzer Statistik zeigt sehr deutlich, daß die Zunahmekurve im 12. und 13. Lebensjahr ihren höchsten Standpunkt erreicht, woraus zu schließen ist, daß das Stottern *mit der beginnenden Geschlechtsreife im ursächlichen Zusammenhang* stehen kann. Dieselbe Erscheinung fällt übrigens auch in anderweit veranstalteten Statistiken auf.

Damit wären die *Ursachen* des Stotterns bei Kindern berührt. Beim Sprechen sind vier Faktoren tätig: der Nervenapparat (Gehirn, Rückenmark, Nerven), der Atmungsapparat (Lunge), der Stimmapparat (Kehlkopf) und der Artikulationsapparat (Gaumen, Zunge, Zähne, Lippen). Jeder dieser Faktoren kann ungeregelt arbeiten und dadurch das Stottern hervorrufen. Die funktionellen Unregelmäßigkeiten hinwiederum können ihre Ursache haben in *anatomischen Veränderungen* im zentralen Nervensystem (Gehirnerschütterungen, Nervenfieber, Typhus) oder in *krankhaften Zuständen* des Gehirns und Rückenmarkes, besonders des verlängerten Markes, das als Sitz des Willens, der Intelligenz und des Atemzentrums gilt, auch in *akuten Krankheiten*, die den Gaumen, Kehlkopf, das Gehör und die Lungen angreifen (Diphtherie, Scharlach, Lungenentzündung, Keuchhusten) sowie in *angeborenen organischen Fehlern* (Gaumendefekte, Mandelanschwellungen, starke Zunge, dicke Lippen). Dr. H. Gutzmann fand bei 300 Stotterern, daß in 13⅔ pZt. der Fälle Infektionskrankheiten als Ursache des Sprachleidens in Betracht kamen, und zwar Diphtherie bei 6 pZt., schwere Masern 4⅔ pZt., Scharlach 1⅔ pZt., Influenza 1 pZt. und Typhus ⅓ pZt.; Scharr stellt bei 8 von 17 Fällen Stickhusten als Ursache fest. Zirka 80 pZt. der stotternden Schulkinder haben vergrößerte Rachenmandeln und 70 bis 80 pZt. sind — wie Dr. H. Gutzmann und Dr. Biaggi übereinstimmend befunden — Abnormitäten in bezug auf die Atmungstätigkeit. In den allermeisten Fällen entwickelt sich das Leiden aus einem *einmaligen Steckenbleiben* im Sprechen, das allerdings auffällig genug sein mußte, um das Gemüt so stark zu erschüttern, daß eine Beeinträchtigung der Sprechfähigkeit die Folge war. Es ist dabei gleichgültig, ob dieses erste Steckenbleiben durch heftiges *Fallen, Schlagen und Stoßen* auf Kopf und Rücken, durch *Schreck, Angst, Verlegenheit, Zorn*, durch *schroffe Behandlung* oder *Nachahmung, Gemütsstörung*, zu *lebhaftes Temperament*, das allzu schnelle Sprechen bewirkt, zu *rasches Denken*, so daß sich die Sprache überstürzt, weil sich die Sprechmuskeln nicht so schnell bewegen können, oder schließlich auch durch *geistige Ueberarbeitung* und Erschlaffung und nicht zuletzt vor allem durch Vernachlässigung beim Sprechenlernen im frühen Kindesalter bewirkt worden ist. In der Folgezeit wird bei dem Kinde durch Ideenverknüpfung der Gedanke an die einmal beobachtete Sprechschwierigkeit wach und rege gehalten, immer wieder stellt er sich ein und fängt an, den Sprechenden zu peinigen und zu beunruhigen. „In vielen Fällen bewirkt er auch sogar die Auslösung von Angst- und Depressionszuständen, deren Wirkung auf den Körper sich in einer gesteigerten Atmung, in Herzklopfen und in Druckempfindungen am Kehlkopfe bemerkbar machen. Um nun dennoch vorwärts zu kommen, greift der Geängstigte zu allerlei Hülfs- und Kraftmitteln, die aber das Ziel, in Form eines leichten Zusammenspiels aller beim Sprechen tätigen Muskeln, nicht treffen, sondern weit darüber hinausgehen. Daraus ergeben sich die das Stottern charakterisierenden Symptome, das gewaltsame Anhalten oder Davonschießenlassen des Atems am Anfang oder im Verlauf der Rede, das Pressen und Stoßen der Konsonanten und Vokale, und endlich greift das Zuviel der Kraft auch auf benachbarte Muskelgebiete hinüber, die Gesichtsverzerrungen, die krampfhaften Zuckungen, das Mitbewegen des Kopfes, ja womöglich des ganzen Körpers, der Arme und Beine.“ (R. Ernst.) So ist der ganze Stotterakt, äußerlich und innerlich, das Resultat eines zwangartig auftretenden Gedankens, nämlich der *Zwangsvorstellung*, daß der Stotternde der an ihn herantretenden sprachlichen Anforderung nicht gewachsen sei. Diese Zwangsvorstellung macht ihn erst zum Stotterer. Tritt sie zeitweilig in den Hintergrund oder fällt sie ganz weg, so bekommt sofort der Gedanke des Könnens die Oberhand. Der Stotterer wird dann wenig oder gar nicht beunruhigt und deprimiert, fühlt sich sicherer, unterläßt die Anwendung von Kraftmitteln und das Stottern macht sich, wenn überhaupt, so nur äußerst gering bemerkbar. Fast alle, selbst die stärksten Stotterer vermögen glatt und fließend zu sprechen, wenn sie sich unbeobachtet wissen, wenn sie nicht angesehen werden oder wenn sie frei von jeder psychischen Erregung sind. Ein Genosse — seit 40 Jahren starker Konsonantenstotterer — der in einer großen Gewerkschaft die Kasse verwaltet, machte den Versuch, in einer Versammlung zu sprechen, und obwohl er erst ganz kurze Zeit in meiner Behandlung war, gelang ihm dies dort mit ermutigendem Erfolg. Als aber kurz darauf einer der Revisoren konstatierte, daß sich bei der Kassenrevision zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren ein (kleines, durch Markenumrechnung entstandenes) Manko herausgestellt habe, war der Stotterer, ein äußerst gewissenhafter Kassenbeamter, der die Sachlage aufklären und die inzwischen gelungene Beseitigung des Mankos mitteilen wollte, so erregt, daß er — der eben noch so verständlich gesprochen — auch nicht einen einzigen Laut hervorzubringen vermochte.

Bei vielen Kindern hat das Stotterleiden *unsere Lern- und Drillschule* auf dem Gewissen. Durch die enormen Anforderungen, die sie an die Leistungsfähigkeit des beim Schuleintritt meist noch gar nicht genügend reifen Gehirns stellt, züchtet sie geradezu Stotterer. Doch nicht bloß die *Ueberanstrengung*, nein auch die *Behandlung* der Kinder in der Schule wirkt in dieser Richtung. Das Kind bleibt aus irgend einem Grunde, etwa wegen zu hastigen Ansatzes eines Konsonanten oder wegen falscher Atmung ein oder mehrere Male bei einem Worte stecken. In seinem jungen Gemüt, dem es noch an Selbstvertrauen und Selbstbewußtsein fehlt, und das durch die ungewohnte Umgebung, vielleicht auch durch das nervöse, schroffe Verhalten des Lehrers eingeschüchtert ist, setzt sich allmählich der Gedanke fest, daß dieses Wort oder dieser Buchstabe ihm Schwierigkeiten bei der Aussprache bereiten. Diese Zwangsvorstellung erzeugt bei dem Kinde ein Angstgefühl vor dem betreffenden Buchstaben. Die Folge davon ist, „daß jedesmal, wenn das Kind z. B. in der Schule vor der großen Anzahl seiner Mitschüler sprechen muß, sich seiner eine starke innere Unruhe bemächtigt, die schon an und für sich eine Unsicherheit im Sprechen hervorbringt, besonders aber durch die mit ihr verbundene unregelmäßige und schnellere Atmung außerordentlich ungünstig auf die Sprache wirkt. Zu dem einen schwierigen Buchstaben gesellen sich neue, mit anderen Worten, der Stotterer ist fertig. Verständnislosigkeit auf seiten des Lehrers erhöhen dann sehr oft noch die seelischen Leiden des Schülers.“ (J. Schernius.) Selbst jedoch, wenn Schule und Unterrichtsbetrieb nicht direkt das Stotterleiden hervorrufen, so birgt auf alle Fälle die grausame Unnatur der heutigen Schulerziehung die schwere Gefahr in sich, eine Prädisposition für das Stottern bei den Kindern zu schaffen. Dr. H. Gutzmann schreibt: „Wenn man bedenkt, daß Kinder, die bis zum 6. Lebensjahr sich frei und fröhlich herumgetummelt haben, die bis dahin keine Sorge kannten, die tun und lassen konnten, was ihnen beliebte, die sich an Spielen erfreuten, daß diese Kinder jetzt plötzlich doch mindestens drei Stunden an einem Vormittag still sitzen und auf die Worte des Lehrers intensiv achten sollen, so wird man verstehen, daß diese Zumutung in der Tat unter Umständen eine schwere Schädigung im Gefolge haben kann. Es gibt sogar sehr kräftige Kinder, die nicht im stande sind, die plötzliche Veränderung ohne Schädigung ihres körperlichen Zustandes zu ertragen ... Mir scheint, daß durch die heutigen Verhältnisse eine Prädisposition zur Erwerbung nervöser Uebel gelegt wird und daß die größte Zahl der Kinder an den Störungen körperlicher und seelischer Art lange Zeit zu leiden hat ... Es würde zu weit führen, auf all die Einzelheiten hier näher einzugehen; ich erwähne sie nur, um die Wahrscheinlichkeit einer Schädigung und die Wahrscheinlichkeit der Entstehung nervöser Sprachstörungen infolge des Schuleintritts zu erklären.“ Eine erhebliche Prädisposition für die Erwerbung des Stotterns wird auch durch *Rhachitis und Skrofulose*, die Krankheiten der feuchten Kellerwohnungen und lichtarmen Hinterhäuser, geschaffen; Klencke meint sogar, daß das Stottern eine Symptom- und Reflexerscheinung offenen oder versteckten Skrofelleidens sei, und Coën stimmt ihm bei. Noch weiter geht Berkhan, der die Rhachitis als Hauptursache des Stotterns bezeichnet und dies ein *Leiden der ärmeren Bevölkerung* nennt. H. Gutzmann bestreitet dies, jedoch sind seine Argumente wenig überzeugend; zum mindesten dürfte Berkhan in so weit recht haben, daß rhachitische, in der Lebenskraft geschwächte und in der Entwicklung zurückgebliebene Kinder eintretenden psychischen Depressionen wenig Widerstandskraft entgegenzusetzen haben und infolgedessen leichter zu Stotterern werden als die gesunden, besser genährten Kinder der bemittelten Bevölkerungsschichten.

Um die *Heilung des Stotterns* haben sich seit Jahrhunderten Aerzte und Lehrer in großer Zahl bemüht, von Hieronymus Merkurialis (1585) an, der die Ursache des Stotterns in zu großer Gehirnfeuchtigkeit erblickte, bis auf Dieffenbach (1841), der operativ gegen das Leiden vorging, Klencke, der das Tacktsprechen übte, Denhard und A. Gutzmann, welche die für das Sprechen nötigen Bewegungen bewußt, physiologisch eingeübt und die auftretenden Mitbewegungen unterdrückt wissen wollen, und Coën, der neben Atmungs-, Lese- und Lautübungen eine Kräftigung der Nerven durch Kaltwasserbehandlung, Heilgymnastik und Elektrizität anstrebt. Dr. Liebmann hält alle Stimm-, Artikulations-, Silben- und Wortübungen für überflüssig und tritt nur für eine *geeignete psychische Beeinflussung* ein. Ebenso sagt Dr. Treitel, daß die Sprachhygiene mehr eine *Hygiene des Geistes und Gemütslebens* als der Sprache selber sei. In der Tat erscheint es als der logisch richtigste Weg, daß der Stotternde *auf dieselbe Weise* — nur in umgekehrter Richtung — *seine gesunde Sprache wiedergewinnt*, auf die er zu dem Uebel gelangt ist. Seelische Beeinflussung, Beseitigung der Zwangsvorstellung, Stärkung des Selbstvertrauens, Erhöhung des Bewußtseins eigener Kraft — das werden die Mittel sein müssen, mit denen man Sprachleidende am zweckmäßigsten und erfolgreichsten kuriert. In neuerer Zeit hat sich denn auch das *suggestive und hypnotische* Verfahren der Stotterheilung bemächtigt. Ich selbst habe mit Hülfe von Suggestion und Hypnose in Verbindung mit Respirations- und Artikulationsübungen komplizierter Art in schwierigen Fällen, wo alle anderen Methoden versagten, noch befriedigende Erfolge erzielt. Zu warnen ist vor dem sogenannten orthopädischen Heilverfahren, das mechanische Apparate in Anwendung bringt, etwa wie Mad. Leigh, Gebrüder Malbouche vor fast 100 Jahren (Vergl. „Hamb. Echo“ 1906, Nr. 198, Erste Beilage), und den Stotterleidenden entweder überhaupt keine oder nur vorübergehende Hülfe gewährt, sowie vor offenbar schwindelhaften Anpreisungen, wie: Sofortige Heilung! Eine Unterrichtsstunde genügt! Schnellster Erfolg! usw. Selbst der tüchtigste und erfahrenste Stotterheillehrer vermag bei kürzerer Behandlungsdauer als *durchschnittlich 4 bis 6 Wochen* (bei täglich 2 bis 3 Stunden Unterricht und Uebung) keine dauernde Heilung zu garantieren. Und von der unsäglichen Mühe, Sorgfalt und Geduld, die ein solcher Kursus erfordert, macht sich der Fernstehende gar keine Vorstellung.

Seit einer Reihe von Jahren werden in zahlreichen Orten *Schul-Stotterheilkurse* von Lehrern mit teilweise recht gutem Erfolg abgehalten. Immerhin steht der didaktischen und psychischen Stotterheilung noch ein weites Feld zur Betätigung offen.

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*Fuente:* Otto Rühle, «Stotternde Kinder», publicado primero en *Zur Unterhaltung und Belehrung*, suplemento semanal del *Volksblatt für Halle und den Saalekreis*, Nr. 48, 25 de octubre de 1906 (Id OR1906-27), y reimpreso en el *Hamburger Echo*, 21. Jahrgang, Nr. 264, Hamburgo, 10 de noviembre de 1907, Dritte Beilage, pág. 13 del número, columnas 1-3 (Id OR1907-20). Las dos entradas de la bibliografía de Stecklina (2002) son el mismo texto y se reúnen aquí bajo la fecha de la primera publicación. Transcripción partiendo de los OCR de los proveedores (Deutsches Zeitungsportal; Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, item GRU4BA72SDD5MWRFAGKASA7XDI34LXPT, y Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, item LN66ZGPVXWXHCEKTXHEDDZSUDQC4U2E5), **cotejada íntegramente con el facsímil de la reimpresión de 1907** (SUB Hamburg, https://pic.sub.uni-hamburg.de/PPN1754726119_19071110/2000/0/00000013.jpg): restituidos los espaciados (en cursiva), los quebrados de la estadística de Gutzmann (13⅔ = 6 + 4⅔ + 1⅔ + 1 + ⅓), «4 bis 6 Wochen», «dort», y las grafías del impreso «Coën», «Denhard», «Tacktsprechen», «in so weit». La página de Halle no se ha podido descargar todavía (el servidor de la ULB Sachsen-Anhalt no respondía), y su texto solo se conoce por el OCR, lagunoso, que llega hasta «auch in akuten»; de él se han tomado dos cifras en que difiere del impreso de Hamburgo: 1893 (Hamburgo: 1898) como año hasta el que Gutzmann reunió las estadísticas, y 134 tartamudos en Wiesbaden (cifra que en Hamburgo queda cortada en el pliegue y da el 1,4 por ciento indicado). Erratas del impreso de 1907 corregidas: «Schrachleidens», «verlängreten». La remisión al *Hamburger Echo* de 1906 (sobre la historia de la curación del tartamudeo) es propia de la reimpresión de 1907; no puede saberse si hay otras diferencias en la parte que falta del OCR de Halle.
