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Title: An die Arbeiterschaft von Holzweißig
Description: Volksblatt für Halle und den Saalekreis, 16. Jg., Nr. 301, 24. Dezember 1905, 2. Beilage, S. 10, Rubrik «Eingesandt». Gezeichnet: O. R.
Author: Otto Rühle
URL: https://adler.school/archivo/ruhle/original/1905-12-24%20An%20die%20Arbeiterschaft%20von%20Holzwei%C3%9Fig
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# Eingesandt.

## An die Arbeiterschaft von Holzweißig.

Arbeiter und Parteigenossen! Fast zwei Jahre liegen wieder hinter uns seit der letzten Gemeinderatswahl, und nun stehen wir wieder vor der harten Notwendigkeit, uns mit ihr zu beschäftigen. Versetzen wir uns einmal zurück in die Zeit, als der erste Sozialdemokrat vor vier Jahren in unsere Gemeindevertretung einzog. Wie sahen damals die Sitzungen aus? Es war ein buntes Durcheinander. Meldeten sich aber die verhaßten Sozis zum Wort, um ihre Sache zu verteidigen, da regnete es Ordnungsrufe, Wortentziehungen. Mit Polizei und Gendarmen hat man gedroht, die Geschäftsordnung verschärft. Doch das alles hat nichts genützt. Die scharfe Kritik gegen die Ungerechtigkeiten und Verfolgungen gegen unsere Partei von seiten des Herrn Huth wird von unseren Parteigenossen nach wie vor geübt. Da nun unsere Parteibewegung sich in letzter Zeit ganz gewaltig gehoben hat, und wir deshalb mit ruhigem Gewissen der nächsten Gemeinderatswahl entgegensehen, so kriegen es gewisse Leute mit der Angst. Man sucht nach Mitteln, um den verhaßten Roten den Sieg streitig zu machen. Und siehe da, endlich, man traut seinen Augen kaum, ist ein Retter in der Not erstanden. Wie uns von Gewerkvereinsmitgliedern mitgeteilt wird, wollen die hiesigen Gewerkvereinler sich an der nächsten Gemeinderatswahl beteiligen. Uns kann es recht sein, aber das eine steht schon heute fest: Die Mitgliederflucht, welche sich in letzter Zeit in den hiesigen Gewerkvereinen bemerkbar gemacht hat, würde dadurch noch akuter werden. Die Gewerkvereine werden sich dadurch ihr eigenes Grab graben, denn Holzweißig ist nicht Bitterfeld, wo ja leider ein Paradepferd der Gewerkvereine nur infolge der Lethargie unserer dortigen Parteigenossen in die Stadtvertretung gewählt wurde.

Ueberhaupt, was wollen denn die Gewerkvereine? Sehen wir uns doch einmal die Zahlen von der letzten Reichstagswahl an. Da stehen rund 600 sozialdemokratische Stimmen nur 200 gegnerische gegenüber. Diese Zahlen beweisen doch wohl am besten, daß die große Mehrzahl der Holzweißiger Arbeiterschaft mit unserer Partei sympathisiert. Und noch eins: Der jetzige Vertreter in der zweiten Klasse, der Bauunternehmer Schumann, der ja bekanntlich als Delegierter der Gewerkvereine mit auf den Verbandstagen war, geht denn dieser Herr mit unserem Herrn Gemeindevorsteher nicht durch dick und dünn? Hat dieser Herr nicht alle Anträge, welche unsererseits gestellt waren, nicht niedergestimmt? Und noch mehr: Der Herr Schumann erhält fast sämtliche Maurerarbeiten, welche in der Gemeinde auszuführen sind, ja er pfuscht sogar den Steinsetzern in ihrem Gewerbe herum, obgleich er gar kein Steinsetzer ist. So sieht in Wirklichkeit ein Gewerkvereinler als Gemeindevertreter aus. Die Art und Weise, wie die Macher der Gewerkvereine in letzter Zeit gegen mehrere ihrer Mitglieder, welche jahrzehntelang ihre Beiträge bezahlt haben, vorgegangen sind, bloß weil die Betreffenden eine andere politische Gesinnung betätigen, ist jedenfalls nicht dazu angetan, die Sympathie für den Kandidaten der Gewerkvereine zu erhöhen. Aber an die hiesigen Parteigenossen geht die Pflicht und die Mahnung, unablässig zu agitieren, um die schöne Suppe, welche im Stillen gebraut wird, mit einer tüchtigen Portion Bittersalz zu würzen, so daß am Wahltage die Oberhirsche mit einem kräftigen Durchfall davon laufen.

O. R.

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*Fuente:* «An die Arbeiterschaft von Holzweißig», en la rúbrica «Eingesandt» (comunicados de lectores) del *Volksblatt für Halle und den Saalekreis*, 16. Jg., Nr. 301, 24. Dezember 1905, 2. Beilage, S. 10, columnas 2-3, firmado «O. R.». Transcripción hecha desde la imagen de página a resolución completa de la Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt (Public Domain Mark; imagen 10 del número, urn:nbn:de:gbv:3:1-171133730-17067526219051224-18; ficha DDB https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/item/Q7BXD2BQQ7K43OJE4DYKQXQNWVDSJ56Y), en Fraktur; el texto es enteramente legible. Atribución: la firma es «O. R.» (no «O.», como se había leído en el OCR) y la bibliografía de Stecklina (2002) da la pieza como de Otto Rühle, que colaboraba entonces con regularidad en el *Volksblatt* de Halle; pero el texto es un llamamiento local de un militante de Holzweißig (cerca de Bitterfeld), escrito en primera persona del plural de los compañeros del lugar y con detalles de la política municipal (el alcalde Huth, el concejal Schumann), lo que hace dudosa la autoría de Rühle: se publica como atribuido. Se lee «buntes» donde la *u* sale rota en el impreso.
