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Title: Mutterschaft
Description: Arbeiterinnen-Zeitung (Wien) 31 (1922), Nr. 1, S. 6-7; Nr. 2, S. 4-5; Nr. 4, S. 4-6; Nr. 6, S. 3-4; Nr. 7, S. 4. Serie en cinco entregas.
Author: Margarete Hilferding
URL: https://adler.school/archivo/hilferding/original/1922-01%20Mutterschaft
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# Mutterschaft.

Von Dr. Margarete Hilferding.

## I

<!-- Entrega 1: Arbeiterinnen-Zeitung 31 (1922), Nr. 1 (enero de 1922), S. 6-7 -->

<!-- Nr. 1, S. 6 -->

Den Lebewesen ist die Fähigkeit der Fortpflanzung gegeben. Das Einzelwesen (Individuum) vermag einen Teil seiner Körpermasse so umzuformen, daß er imstande ist, ein selbständiges Leben zu führen und wieder fortpflanzungsfähig zu werden. Bei niederen Tierformen, zum Beispiel Korallen, erfolgt die Fortpflanzung auf ungeschlechtlichem Wege durch Abschnürung einer Knospe aus dem Körper. Bei höheren Tierformen erfolgt die Fortpflanzung auf geschlechtlichem Wege, das heißt durch die Vereinigung der weiblichen Fortpflanzungszellen (Eier) mit dem männlichen (Samen). Bei den Fischen zum Beispiel werden die Keimzellen vom Männchen sowie vom Weibchen ausgeschieden, und es bleibt dem Zufall überlassen, ob und wann ihre Vereinigung (Befruchtung) zustande kommt. Erst wenn Samenzelle und Ei sich berühren und miteinander verschmelzen (Befruchtung) kann sich aus dem befruchteten Ei das neue Lebewesen entwickeln. Bei Vögeln und Säugetieren werden die Eier im Körper des Weibchens befruchtet, indem das Männchen seinen Samen durch den Geschlechtsverkehr in einen dazu bestimmten Hohlraum des weiblichen Körpers entleert. Die Eier werden nach dem Geschlechtsakt (der Befruchtung) ausgestoßen, und ihre weitere Entwicklung geht verschiedene Wege. Die Eier der Schlangen und Eidechsen werden durch den Einfluß der Sonnen- oder Erdwärme ausgebrütet, die Jungen kriechen aus und sind sogleich fähig zum selbständigen Leben. Nur beim Stichling zum Beispiel kümmern sich die Eltern um die Aufzucht der Brut. Bei den Vögeln, die ihre Eier bebrüten, unterscheiden wir Nesthocker und Nestflüchter. Bei den Nestflüchtern sind die Jungen, wenn sie das Ei verlassen, sofort in der Lage, sich ihre Nahrung selbst zu suchen. Sie sind gut entwickelt, tragen ein Federkleid, und die weitere Vorsorge der Elternvögel ist mehr die Erzieherin als die einer Kinderpflegerin. Zu den Nestflüchtern gehören unsere Hühner, Enten und Gänse. Singvögel und andere sind Nesthocker; sie kriechen fast unbefiedert in hilflosem Zustand aus dem Ei und werden von den Eltern noch lange im Neste gehegt, gewärmt und geatzt, bis sie zur Selbständigkeit gelangen.

Bei den Säugetieren werden die Eier nach der Befruchtung nicht sofort entladen, sondern werden im Körper der Mutter in einem eigens dazu gebildeten Organ (Gebärmutter) kürzere oder längere Zeit getragen, und erst nachdem sie auf eine gewisse Entwicklungsstufe gelangt sind, werden sie geboren. Die Neugeborenen sind bei den Beuteltieren (Känguruh) so wenig lebensfähig, daß sie von der Mutter noch lange in einer Hautfalte (Beutel) herumgetragen werden und erst spät ihre Selbständigkeit erlangen. Auch die höheren Säugetiere sind in Bezug auf die Ernährung wenigstens noch auf die Muttermilch angewiesen.

Das menschliche Kind wird in einem Entwicklungszustand geboren, der es noch jahrelang von den Eltern abhängig macht, nicht nur in bezug auf die Ernährung durch die Muttermilch. Die Unfähigkeit des menschlichen Kindes, für sich zu sorgen, und die daraus entstehende Notwendigkeit für die Eltern, diese Sorge zu übernehmen, dauert bis zur Erwerbsfähigkeit, mindestens aber bis zum 14. Lebensjahr.

Wir sehen also bei allen Lebewesen, daß die Brut zu ihrer Entwicklung besonderer Schutzvorrichtungen bedarf. Diese Schutzvorrichtungen bestehen entweder in einer so großen Zahl von Keimen, daß aus der allgemeinen Keimvorrichtung in der Natur noch immer genügend Lebewesen übrigbleiben, um die Fortpflanzung zu sichern, oder die Brut wird unter günstigen Umständen abgelegt (an Orten, wo die ausschlüpfenden Jungen Nahrung finden), oder die Sorgfalt der Eltern dient dem Schutz der Keime. Je weniger Keime, um so mehr Schutzmaßnahmen sind an ihrer Erhaltung nötig. Je mehr Keime, <!-- Nr. 1, S. 7 --> um so mehr kann die Entwicklung dem Zufall überlassen bleiben.

Fragen wir uns nun, in welcher Form die Fortpflanzung beim Menschen gesichert ist.

Während die männlichen Keime beim erwachsenen Mann in fast unbegrenzter Menge vorhanden sind, zeigen die weiblichen Eier ihrer Zahl nach eine Begrenzung. Während der Dauer der Geschlechtsreife (ungefähr 35 Jahre hindurch) der Frau wird allmonatlich in den Eierstöcken ein Ei zur Reife gebracht. Wird ein solches Ei befruchtet, so erlischt die Tätigkeit der Eierstöcke während der Dauer der Schwangerschaft und oft auch während der darauffolgenden Stillzeit. Bei der geschlechtstätigen Frau erfolgt also die Eireifung in viel längeren Zwischenräumen (bis zu anderthalb Jahren). Wir sehen, daß die Zahl der Schwangerschaften gerade durch die Befruchtung selbst begrenzt wird. Bei der nichtgeschlechtstätigen Frau werden im geschlechtsreifen Alter gegen 450 Eier erzeugt, bei der geschlechtstätigen — wenn wir Zwischenräume von anderthalb Jahren annehmen — 22 bis 23 Eier, vorausgesetzt, daß jeder Geschlechtsverkehr erfolgreich ist. Diese Keimzahl kann erreicht werden bei völlig gesunden Geschlechtsorganen. Es ist die Kinderzahl, die wir aus den Erzählungen unserer Großmütter kennen. Eine so erfolgreiche Fortpflanzungstätigkeit liegt nicht mehr im Interesse der Frau und wir wollen zeigen, warum.

(Fortsetzung folgt.)

## II

<!-- Entrega 2: Arbeiterinnen-Zeitung 31 (1922), Nr. 2 (febrero de 1922), S. 4-5. Mismo encabezado: «Mutterschaft. Von Dr. Margarete Hilferding. II.» -->

<!-- Nr. 2, S. 4 -->

Wenn die Frau ihre Geschlechtsreife im Alter von 10 bis 15 Jahren erlangt hat, so ist bei jedem stattfindenden Geschlechtsverkehr die Möglichkeit einer Befruchtung gegeben. Während das unbefruchtete Ei den Körper der Frau unter den Erscheinungen der Monatsregel verläßt, siedelt sich das befruchtete Ei in der Gebärmutter an und gelangt darin in ungefähr neun Monaten zur Entwicklung. Während der Schwangerschaft und häufig auch während der darauffolgenden Stillzeit werden, wie schon angeführt, keine neuen Eier mehr zur Reife gebracht. Durch diesen Selbstschutz des weiblichen Körpers wird bewirkt, daß die Zahl der Geburten in einem Frauenleben selten mehr als 20 bis 25 betrug. Sie erhöht sich aber, wenn die Schwangerschaften nicht bis zum Ende dauern, sondern durch Frühgeburten und Abortusse sich vermehren, um so mehr, als bei nicht lebensfähigen Früchten auch die Stillzeit (Laktation) mit ihrem Schutz entfällt. Es gilt also die merkwürdige Formel: Je mehr Schwangerschaften, um so weniger Kinder. Und diese Formel gilt in gewissem Sinne für unsere Kinderaufzucht überhaupt. Denn je mehr Kinder, um so ungünstiger und schwieriger die Daseinsbedingungen der Familie, um so verheerender die Folgen der Unterernährung, Krankheit, mangelnder Pflege, Stillunfähigkeit der Mutter. Wenn nach 20 bis 25 Schwangerschaften nur 3 bis 4 Kinder bis zur eigenen Fortpflanzungsfähigkeit aufgezogen werden, dann sind alle übrigen Schwangerschaften vergebens. Sie sind ein Raubbau an der Frau, <!-- Nr. 2, S. 5 --> ein Raubbau an Körper und Seele. Sie bedeuten aber auch volkswirtschaftlich eine vergebliche Kapitalsanlage, vergeblich sowohl in bezug auf das menschliche Kapital, die Mutter, als in bezug der materiellen Werte, die unnütz verschwendet wurden.

Die Aufzucht selbst einer kleinen Zahl von Kindern ist eine Arbeit, die hinreicht, das Leben der Frau auszufüllen. Die Frau der Gegenwart, die durch die Verhältnisse zur Berufsarbeit gezwungen ist, kann die doppelte Belastung nur schwer ertragen. Entweder der Beruf wird nicht voll ausgefüllt oder die Aufzucht wird zurückgestellt oder die Frau bricht unter dem Bestreben, beiden Pflichten gerecht zu werden, zusammen. Der Selbsterhaltungstrieb bedingt, daß von diesen drei Möglichkeiten die Kinderaufzucht am meisten leidet.

Die Mutterschaft wird von den Frauen abgelehnt, und nicht nur von den bequemen, oberflächlichen, nicht opferfähigen; nein, gerade die besten und tüchtigsten, die durchdrungen sind von Mutterliebe, Muttersorge, werden in der Gewißheit, ihrer Mutterschaft nicht voll genügen zu können, die Kinderlosigkeit wählen. Die Flucht vor dem Kind, die wir in den letzten Jahrzehnten erlebten, bildet eine schwere Sorge für die Bevölkerungspolitiker. Aber auch unsere Partei kann an einer Erscheinung nicht gleichgültig vorübergehen, die den Sozialismus seiner Träger für die Zukunft beraubt. Es ist das Problem der Gegenwart, den Nachkommen möglichst günstige Aufzuchtsbedingungen zu schaffen. Die wichtigsten Forderungen sind:

1. Durch Auswahl kräftiger und gesunder Eltern soll die Vererbung von Krankheiten auf die Kinder sowie der Einfluß elterlicher Krankheit auf das junge Kind eingeschränkt werden.

2. Die Empfängnis soll nicht unter der Wirkung des Alkohols vor sich gehen, der die Früchte nachweisbar schädigt.

3. Die Kindererzeugung soll in jenen Jahren stattfinden, in denen nachweisbar die kräftigste, widerstandsfähigste Nachkommenschaft erzielt wird.

4. Die einzelnen und die Allgemeinheit (Staat) haben entsprechende Maßnahmen zur gesundheitlichen und materiellen Sicherung der Nachkommenschaft zu treffen.

Die Folge solcher Maßnahmen wird sich unmittelbar darin bemerkbar machen, daß die Sterblichkeit (Mortalität) und die Erkrankungshäufigkeit (Morbidität) der Kinder abnehmen. Aber auch mittelbar wird die Wirkung nicht ausbleiben. Wenn die Eltern, insbesondere die Mütter, einsehen, daß sie ihre Kinder mit weniger Arbeit, Sorge, Leid und Geldauslagen aufziehen können als früher, wird der Wunsch nach Kindererzeugung in ihnen neu erwachen. Aber sie werden nicht mehr, wie früher, es dem Zufall überlassen wollen, wie viele Schwangerschaften sie durchleben müssen, um ein oder zwei Kinder aufzuziehen, sondern sie werden bewußt an die Regelung ihrer Nachkommenschaft gehen.

So sehen wir, daß die *Flucht* vor der Muterschaft ihr *Heilmittel* in sich trägt, den Wunsch nach dem *gewollten* Kinde an Stelle der Zufallsmutterschaft früherer Geschlechter.

M. H.

## III

<!-- Entrega 3: Arbeiterinnen-Zeitung 31 (1922), Nr. 4 (abril de 1922), S. 4-6. Encabezado: «Mutterschaft*). Von Dr. Margarete Hilferding. III.», con la nota al pie, seguramente de la redacción: «*) Siehe Nr. 1 und 2 der „Arbeiterinnen-Zeitung“.» -->

<!-- Nr. 4, S. 4 -->

Die bewußte Beschränkung und Auswahl der Nachkommenschaft ist eine uralte menschliche Einrichtung. Ihre ältesten Formen haben sich bis auf den heutigen Tag erhalten und finden sich bei den Naturvölkern aller Zeiten und Länder. Manche Einrichtungen sind so eingelebt, daß sie unter religiöse oder staatliche Gesetze aufgenommen wurden oder anderseits mit schwerer Strafe bedroht waren. Dazu gehört:

1. Die völlige Abstinenz.

2. Die Beschränkung des Geschlechtsverkehrs auf gewisse der Befruchtung ungünstige Zeiten.

3. Die Verhinderung der Befruchtung beim Geschlechtsverkehr.

4. Die Kinderaussetzung (Kindesmord).

Die völlige Abstinenz (Enthaltung vom Geschlechtsverkehr) finden wir in uralten Zeiten bei den Heiligen des alten Indiens, aber auch später als religiöses Gebot für Priester und Priesterinnen, von den Vestalinnen des alten Rom angefangen bis zum Zölibat des modernen Katholizismus. Ihre Ursachen sind die gleichen wie bei anderen Formen der Geburtsbeschränkung, nämlich die Behinderung im Beruf (Gottesverehrung) durch das Kind und durch die Möglichkeit der Zeugung.

Die Erkenntnis, daß der Geschlechtsverkehr zu gewissen Zeiten (gegen Ende und gleich nach Abschluß der Monatsregel) häufiger zur Befruchtung führt als sonst, findet in den mosaischen Gesetzen, die noch heute von strenggläubigen Juden gehalten werden, ihren Ausdruck in einer Bestimmung, die der Frau noch nach völligem Abschluß der Monatsregel durch gewisse rituelle Maßnahmen Freiheit vom Geschlechtsverkehr sichert. Die Ver<!-- Nr. 4, S. 5 -->hinderung der Befruchtung durch das, was wir heute den untrebrochenen Geschlechtsverkehr oder das „Aufpassen“ nennen, wird in der Bibel in der Geschichte von Onan erwähnt, der dadurch schwerer Strafe von Gott verfiel.

Hier sei noch ein solches Mittel erwähnt, dessen Bedeutung von den Frauen nicht voll gewürdigt wird. Es ist der Schutz vor Schwangerschaft, den das Stillen verleiht. Freilich nicht so, als ob eine kurze Stilltätigkeit von zwei bis drei Monaten zuverlässig wäre. Nein, nur wo das Stillen länger andauert und bei jedem Kind geübt wird, da tritt als Folge ein, daß die späteren Schwangerschaften in längeren Zwischenräumen erfolgen, während allerdings beim ersten und zweiten Kind der Schutz noch nicht voll wirksam ist.

Die Kinderaussetzung als mildeste Form des Kindermordes wurde in Sparta geübt, jenem griechischen Kleinstaat, der die kriegerische Tüchtigkeit seiner Bürger als höchste Forderung aufstellte und deshalb alle schwächlichen, minderentwickelten, verkrüppelten Kinder dem Tod im unwegsamen Gebirg weihte. Auch die Geschichte von Romulus und Remus zeigt uns, wie die Aussetzung ungewünschter Kinder stattfand. In der Urgeschichte aller Völker finden wir Sagen von Findelkindern. Und die Kindesweglegung (in seltenen Fällen der Kindesmord) ist heute noch ein beliebtes Mittel für alle, die sich den Folgen der Mutterschaft entziehen wollen.

Ein anderes Mittel, das auch bei allen Naturvölkern geübt wird, aber heute, in der Zeit des Fortschrittes in der Chirurgie eine besondere Bedeutung erlangt hat, ist die Fruchtabtreibung (vorzeitige Unterbrechung der Schwangerschaft). Die Fruchtabtreibung wurde bei Naturvölkern durch bestimmte Handgriffe, aber auch durch innere Mittel herbeigeführt. Die inneren Mittel (Medikamente) waren stets schwere Gifte, die, indem sie den Tod der Frucht und damit ihre Ausstoßung herbeiführten, auch den Körper der Mutter so schwer schädigten, daß lange Krankheit oder Tod die Folge war. Noch bis in die letzte Zeit wurde der Phosphor als Volksmittel verwendet und hat fürchterlich unter den unvernünftigen jungen Müttern aufgeräumt. Die Mittel, die heute in Zeitungen von Kurpfuschern angepriesen und um teures Geld verkauft werden, sind fast stets unschädlich und wirken nur insofern, als sie die Börse der Mutter leeren und die des Kurpfuschers füllen.

Die Fruchtabtreibung der Gegenwart ist fast ausnahmslos ein chirurgischer Eingriff, der von befugten und unbefugten Händen vorgenommen wird. Die ältere, von den Hebammen zumeist noch heute vorgenommene Methode besteht darin, daß durch einen eingeführten Stift (Röhrchen, Kanüle, Mutterspritze) das Ei verletzt und dadurch die Frucht getötet wird. Die Ausstoßung der Frucht erfolgt einige Zeit später ohne weitere Beihilfe, wenn nicht die häufig eintretenden verhängnisvollen Folgen des Eingriffes, von denen wir gleich sprechen werden, eine solche erfordern.

Die ärztliche (chirurgische) Methode der Gegenwart löst die Frucht mit Hilfe von Instrumenten aus der Gebärmutter und entfernt zugleich die Eihüllen und die Nachgeburt. Die Gefahren beider Eingriffe sind groß; sie können durch genaue Ausführung, Gewissenhaftigkeit und peinliche Sauberkeit verringert, aber nie ganz beseitigt werden. Unter ihnen sind besonders zu erwähnen:

1. Die Verletzung.

2. Die Infektion.

3. Die Blutung.

Die Verletzung hängt wohl in letzter Linie von der Geschicklichkeit dessen, der den Eingriff ausführt, ab. Sie geschieht am ehesten, wenn der Abortus von den Frauen selbst oder von Kurpfuschern vorgenommen wird; doch auch der Abortus der Hebamme und des bestausgebildeten Arztes kann Verletzungen hervorrufen. Die Verletzungen können so schwerer Natur sein, daß sie große Operationen notwendig machen und gleichwohl oft zum Tode führen.

Die Infektion, die das gefürchtete Wochenbettfieber hervorruft, ist wohl manchmal durch ungenügende Sauberkeit der Instrumente und Hände des Ausführenden hervorgerufen. Doch gibt es auch im Körper und in den Geschlechtsteilen der Frau zahlreiche Keime, die bei genauester Ausführung des Eingriffes eine Infektion hervorrufen können. Solche Infektionen führen manchmal rasch zum Tod; sehr oft bringen sie jahrelanges, schweres Siechtum der Frau, neben Erkrankungen der Gebärmutter und Eierstöcke auch Erkrankungen der Lunge, des Herzens, ja aller übrigen Organe. Die chronischen Erkrankungen der Geschlechtsorgane, die so viele Frauen zum Arzt führen, entstammen zu einem großen Teil der Infektion bei einer Fruchtabtreibung.

Die letzte Gefahr, die zu erwähnen ist, ist die der Blutung; da jeder Abortus mit Blutung einhergeht, sollt man eigentlich sagen: die lebensgefährliche Blutung. Hier ist es die Geschicklichkeit des Ausübenden, die eine Blutung verhüten kann. Die Blutung ist daher bei allen Eingriffen, die von Ärzten vorgenommen werden, nahezu vermeidbar, während sie bei den Eingriffen durch Hebammen und Kurpfuscher häufig auftritt. Sie führt zur Schwächung, ja selbst zum Tod durch den Blutverlust.

Sehr häufig wird den Frauen der Eingriff zur Unterbrechung der Schwangerschaft als harmlos und ungefährlich geschildert. Insbesondere wird behauptet, er sei in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft unschädlich. Es ist wahr, daß die Gefahr der Blutung im Beginn der Schwangerschaft geringer ist; aber die Gefahren der Verletzung und der Infektion sind die gleichen. Freilich ist die Geistes- und Gemütsverfassung der Frauen zu Beginn einer neuen Schwangerschaft oft derartig, daß sie geneigt sind, jede Gefahr für Leben und Gesundheit lieber auf sich zu nehmen, als dem ungewollten Kind das Leben zu geben. Aber wir täten unrecht, diesen mit der Schwangerschaft verbundenen krankhaften Gemütszustand auszunützen, um die Frauen über die Schwere der Entscheidung wegzutäuschen.

*Es kann nicht oft genug und nicht eindringlich genug gesagt werden, daß die Fruchtabtreibung die roheste und gefährlichste Form der Kinderbeschränkung darstellt und daß jedes andere Mittel, das angewendet wird, ihr vorzuziehen ist* im Interesse der Gesundheit und des Wohlbefindens der Frau selbst.

Warum aber, müssen wir fragen, ist gerade dieses Mittel so überaus verbreitet und so beliebt? Können wir nicht die Männer und Frauen veranlassen, lieber durch unschädliche Mittel die Verhütung der Schwangerschaft zu versuchen, als durch einen gefährlichen Eingriff das Geschehene wieder gut zu machen? Warum werden die Mittel, die wir kennen und deren Verläßlichkeit eine große ist, so selten angewendet?

Daran ist einerseits die Indolenz (Gleichgültigkeit) der Frauen, anderseits der Egoismus der Männer schuld. Die Männer wollen in ihrem Genuß nicht gestört sein, nicht einmal dadurch, daß sie einen Gedanken daran wenden, wie sie sie verhüten können.

Die Frauen aber nehmen den Geschlechtsverkehr und die daraus folgenden Schwangerschaften als unvermeidlich, als von Gott oder vom Schicksal gewollt, ohne Widerspruch hin. Die alten Volksmittel sind einerseits nicht beliebt, anderseits unsicher in ihrer Wirkung im Einzelfall. Es ist nicht zu leugnen, daß der unterbrochene Geschlechtsverkehr für Mann und Frau Störungen des Nervenlebens mit sich bringt. Die völlige Abstinenz gar kann wohl vorübergehend, nicht aber für längere Dauer empfohlen werden, da sie das Individualleben oft schwer beeinträchtigt. Die Festlegung des Verkehrs auf bestimmte Zeiten ist häufig untunlich.

<!-- Nr. 4, S. 6 -->

Hier setzt die moderne Industrie ein, die uns Mittel an die Hand gibt, um die Schwangerschaft nahezu sicher zu verhüten, die bequem in der Anwendung sind und die den Geschlechtsgenuß gar nicht oder nur in geringem Grade beeinträchtigen. Ihre Anwendung zu fördern und zu verbreiten, ist vielleicht einer der dringendsten Aufgaben der modernen Hygiene, um so mehr, als sie häufig gleichzeitig dem Schutze vor Geschlechtskrankheiten dienen.

<!-- Aquí termina la entrega (S. 6, arriba a la izquierda), sin firma; sigue, tras una raya, el artículo «Gruß den burgenländischen Genossinnen», que no es suyo. Párrafo muy desvaído en el facsímil, leído con la imagen contrastada. -->

## IV

<!-- Entrega 4: Arbeiterinnen-Zeitung 31 (1922), Nr. 6 (junio de 1922), S. 3-4. Encabezado: «Mutterschaft. Von Dr. Margret Hilferding. IV*).», con la nota al pie, seguramente de la redacción: «*) Siehe Nr. 1, 3 und 4 der „Arbeiterinnen-Zeitung“.» (sic; las entregas anteriores salieron en los Nr. 1, 2 y 4). -->

<!-- Nr. 6, S. 3 -->

Die Verhütung der Empfängnis durch technische Mittel besteht darin, trotz stattfindenden normalen Geschlechtsverkehres mit Samenerguß die Schwängerung zu verhüten. Die älteste Form dieser Verhütung war, kleine Schwämmchen in die Geschlechtsteile der Frau einzuführen, die die Samenflüssigkeit aufsaugen sollten. So unzulänglich dieses Mittel ist, hat es gerade in den letzten Jahren wieder viele Anhänger gefunden, weil es billig, bequem und von der Frau selbst zu handhaben ist.

In ihrer Wirkung auf gleicher Stufe steht die Verwendung von Spülungen unmittelbar nach dem Verkehr. Durch diese Spülungen kann wohl das Sperma, das in der Scheide der Frau deponiert ist, entfernt werden, nicht aber jene Samenkörperchen, die bereits in den Muttermund und Halsteil der Gebärmutter eingedrungen sind. Das Mittel wirkt rein mechanisch, der Zusatz eines Desinfektionsmittels, wie es sehr beliebt ist, scheint daher zwecklos. Um so mehr, da es nur in solcher Konzentration auf die Samenkörperchen tötend wirkt, daß es zugleich die Schleimhäute beschädigt. Ein drittes Mittel ist die Einführung von fett- oder gelatinehaltigen Medikamenten, die entweder die inneren Geschlechtsteile mit einem Überzug überziehen sollen, oder durch die zugesetzten Säfte bestimmt sind, die Samenkörperchen zu töten. Derzeit sehr wenig gebräuchlich. Auch hier gilt, was von den Spülungen gesagt wurde. Wohl das wirksamste Verhütungsmittel sind die sogenannten Präservative oder Kondome, die der Mann anzuwenden hat, um so den Erguß des Samens in die weibliche Scheide völlig zu verhindern. Diese Kondome werden aus Fischblasen oder Gummi hergestellt. Sie müssen aus bestem Material verfertigt werden, damit sie nicht reißen, genügend weit sein und dürfen nicht zu lange lagern, weil sie sonst — besonders gilt das für Gummi — leicht brüchig werden. Man soll sie daher nur in verläßlichen Geschäften kaufen und die — allerdings große Auslage — nicht scheuen, wenn man sicher gehen will. Bei gutem Material ist auch die mehrmalige Benützung möglich.

Ihre regelmäßige Verwendung in der Ehe scheitert gewöhnlich an dem Widerstand des Mannes, der wohl einsieht, daß es notwendig ist, solche Mittel im vorehelichen Verkehr als Schutz gegen Geschlechtskrankheiten zu verwenden, aber nicht gewillt ist, die Unbequemlichkeit auf sich zu nehmen, um die Frau vor Schwangerschaft zu bewahren. Daher die Erscheinung, daß Kondome *außer* der Ehe sehr viel, *in* der Ehe nur selten verwendet werden.

Es war ein Arzt, Dr. Menninger, der in einem Buch, das noch heute ergreifend zu lesen ist, schildert, wie schwer die Frauen unter den ununterbrochen folgenden Schwangerschaften leiden. Insbesondere ereregt ihn das Unglück der von Tuberkulose befallenen Mütter, deren Krankheit durch die Mutterschaft eine stets neue Verschlimmerung erfährt. Er hat als erster jene Verhütungsmittel angegeben und benützen lassen, die nach ihm benannt sind. Es sind das die Gummipessare nach Menninger. Er konnte bereits in seinem Buche nachweisen, daß ihr Erfolg ein nahezu sicherer war. Die Technik hat sich dieses Behelfes bemächtigt und ihn in einer Mannigfaltigkeit hergestellt, die in bezug auf Form und Material ins Unendliche geht. Aus Gummi, Metallen, von Aluminium bis zum Golde, Hartgummi, Zelluloid werden in Form von kleinen Schüsselchen oder Kappen die Pessare fabrikmäßig hergestellt. Merkwürdigerweise sind noch immer die alten Menninger-Pessare, bestehend aus einem Gummihütchen, das durch eine Metallfeder (sehr selten Spiralfeder) am Rande ausgespannt wird, die besten. Ihre Anwendung ist aber bei den Frauen nicht beliebt, weil die Pessare öfters erneuert werden müssen, weil ihre Handhabung nicht immer ästhetisch ist. Die Metallpessare sind zuverlässig, in ihrer Anwendung angenehmer, weil sie nicht so wie der Gummi im feuchten Zustand unschön werden; dabei ist die Art des Metalls völlig gleichgültig. Die Frauen verlangen zumeist Silberpessare; sie sind nicht besser als die aus dem wesentlich billigeren Aluminium. Der Vorgang bei der Anschaffung eines Pessars für die Frauen ist gewöhnlich der, daß auf möglichst diskrete Weise der Einkauf vollzogen wird und das Pessar dann ohne Rücksicht, ob es richtig sitzt, verwendet wird. Und doch ist gerade die *Auswahl* des Pessars das Allerwichtigste und sollte unbedingt nur von fachkundiger Hand geschehen. Selbst da, wo die Frauen sich das Pessar durch den Arzt aussuchen lassen, pflegen sie die Einführung oft selbst zu besorgen. Ja es gibt Ärzte, die ihren Patientinnen die Einführung zeigen und sich weiter nicht um den guten Sitz bekümmern. In Ausnahmefällen mag das gehen; zumeist aber liegt eben darin der so häufige Mißerfolg des „Frauenschutzes“. Nur wenn seine Anwendung von sachkundiger Hand erfolgt — es gibt auch Hebammen, die das sehr gut verstehen —, nur wenn durch stete Kontrolle besonders der Metallpessare jeder Druck auf den Scheidenteil, dem das Pessar ansitzt, vermieden wird, zugleich aber der passende Sitz gewährleistet ist, wird das Pessar seine segensreiche Wirkung entfalten können, ohne die Geschlechtsorgane der Frau zu schädigen. Jene veraltete Form des Mutterschutzes, die aus einem in den Gebärmutterhals einzuführenden Stifte besteht, sei nur nebenbei erwähnt. Der Stift ist völlig unsicher in seiner Wirkung, kann aber beim Einführen zu schweren Verletzungen führen, bei längerem Sitzen Entzündungen und Verengungen des Gebärmutterhalses hervorrufen.

Alle die angeführten Mittel wirken nicht völlig sicher. Am zuverlässigsten ist das Kondom, wenn es, wie erwähnt, aus gutem Material und genügend weit ist. Ihm am nächsten an Sicherheit steht der „Frauenschutz“ (Okklusivpessar, Schutzkappe, Mutterschutz und andere Bezeichnungen). Jeder Arzt kennt Fälle aus seiner Praxis, in denen das Okklusivpessar durch viele Jahre mit Erfolg benützt wurde. Aber ebenso kennt jeder Arzt einige von Versagern. Sie sind darauf zurückzuführen, daß das Pessar nicht genau paßt, anderseits darauf, daß es beim Geschlechtsverkehr aus seiner Lage verschoben wird. Der erste Fehler ist durch entsprechende ärztliche Beratung beim Einkauf des Pessars zu vermeiden. Den zweiten Fehler werden wir uns gefallen lassen müssen, da wir ihn nicht verhindern können. Gerade der Umstand, daß ein Schutzpessar nicht „völlig“ sicher ist, führt viele Frauen dazu, seine Anwendung zu verwerfen. Sehr mit Unrecht. Denn wenn bei vieljährigem Gebrauch des Schutzmittels doch einmal eine Schwangerschaft eintritt, so ist es noch immer leichter zu ertragen, als Schwanger<!-- Nr. 6, S. 4 -->schaft um Schwangerschaft nacheinander durchzumachen. Das Mittel ist zudem völlig unschädlich und legt den Frauen nur die kleine Unannehmlichkeit auf, es vor der Menstruation zu entfernen, nach derselben wieder einführen zu lassen. Die Kosten sind im Verhältnis zu den Kosten, die eine Entbindung oder selbst eine vorzeitige Unterbrechung der Schwangerschaft verursacht, gering zu nennen.

Und zuletzt noch ein Wort über den künstlichen Abortus: es ist wahr, *dieses* Mittel ist *völlig* sicher. Eine Frucht, die einmal abgetrieben wurde, ist für immer beseitigt. Und doch, wenn wir die Gefahren bedenken, die der künstliche Abortus, wie letzthin erw[¿ähnt?], mit sich bringt, wollen wir lieber ein nicht völli[¿g sicher?]es, aber ungefährliches Mittel wählen. In gee[¿igneten?] Fällen bleibt da, wo wichtige gesundheitliche Gründe die Schwangerschaft verbieten, noch immer die Möglichkeit der Einleitung des Abortus, wenn das Schutzmittel einmal versagt hat. Doch mögen sich die Frauen, die sich ihrer Aufgabe als Parteigenossinnen und Mütter bewußt sind, in jedem Falle überlegen, welches Übel das geringere ist: ob in vielen Jahren einmal ein Kind oder der Abortus mit allen seinen Gefahren.

Wenn wir in dieser Auseinandersetzung die gesetzlichen Bestimmungen nicht berührt haben, so geschieht es nicht etwa deshalb, weil wir das Gesetz für gut oder ausreichend halten. Gerade im Gegenteil. Seine Änderung ist nur eine Frage der nächsten Zeit und sollte durch eine Diskussion aller dazugehörigen Probleme in der breitesten Öffentlichkeit vorbereitet werden. Ausschlaggebend in der Frage der Kindererzeugung und -aufzucht wird immer nur und soll immer nur neben dem allgemein menschlichen das Interesse der Frauen sein, als derjenigen, die die Lasten des künftigen Geschlechtes zu tragen haben.

<!-- Sigue en la misma S. 4, tras tres asteriscos, una carta que no es de la autora: «Genosse Johann Ferch ersucht uns um Aufnahme nachstehender Zeilen». Ferch cita frases de la entrega III (protección por la lactancia, «no plenamente eficaz»; aborto «inocuo en los tres primeros meses»; el aborto como «la forma más brutal y peligrosa» de limitar los hijos; «¿por qué es tan extendido y tan apreciado?») y las rechaza: lo que empuja a las mujeres al aborto es el sufrimiento social y la ley anticuada que impone la maternidad; hablar de «aprovechar» y «engañar» o de «brutal» es una ofensa a las madres. Una nota de la redacción anuncia: «Genossin Hilferding wird in der nächsten Nummer mit einer Erwiderung auf diese Zuschrift die Besprechung des Mutterschaftsproblems abschließen.» No se transcribe. -->

## V

<!-- Entrega 5: Arbeiterinnen-Zeitung 31 (1922), Nr. 7 (julio de 1922), S. 4 (la bibliografía da S. 3-4, pero la S. 3 no contiene texto suyo). Encabezado: solo «Mutterschaft.», sin número de entrega; es la réplica a la carta de Johann Ferch (Nr. 6) anunciada por la redacción. -->

<!-- Nr. 7, S. 4 -->

In der Berichtigung des Genossen Ferch (Nr. 6) — wenn er mir gestatten will, ihn Genosse zu nennen — möchte ich folgendes bemerken: Ein und dasselbe ist es, was Ferch und ich für die Frauen des Proletariats erringen wollen, nicht wahllose Kinderzeugung mit ihrem Elend für Mutter, Kind, Haushalt und Volk, sondern die *gewollte* Mutterschaft und durch sie die *bewußt* erzeugten und erwünschten Nachkommen. Genosse Ferch und ich wollen gleicherweise, daß die Frau, die Mutter, darüber zu entscheiden habe, wann und wie viele Kinder sie zur Welt bringen wolle. Genau so wie ich befürwortet Ferch die Verhütung der Empfängnis als das geeignete Mittel zur Regelung der Geburten und läßt den künstlichen Abortus (Fruchtabtreibung) als letztes Mittel, wenn die Verhütung versagt hat, und auch dann, nur unter bestimmten Voraussetzungen gelten. Warum also die heftigen Angriffe Ferchs gegen mich?

Seine Einwendung, daß ich nur *fast sichere Mittel*, nur *nahezu und nicht voll wirksamen Schutz* empfehle, sollte Ferch eigentlich nicht gegen mich, sondern gegen die *Natur selbst* erheben, die es nun einmal so eingerichtet hat, daß es für gesunde Menschen nur *ein* völlig sicheres Mittel gegen die Empfängnis gibt, das ist die völlige Enthaltsamkeit vom Geschlechtsverkehr.

Wollen wir überhaupt vorbeugende Maßnahmen verwenden — und Ferch empfiehlt sie ebenso wie ich —, dann *müssen* wir uns gefallen lassen, daß sie *nicht völlig*, sondern nur *nahezu sicher* sind. Ferch sagt, die Frauen hätten recht, einen *nicht voll wirksamen* Schutz nicht besonders zu würdigen. Das ist *seine* Ansicht, über die ich nicht mit ihm streiten will, ebensowenig wie über die Frage des Stillschutzes, über der ich in der „Arbeiterinnen-Zeitung“ später einmal ausführlich zu sprechen gedenke.

„Aber das Beste kommt noch“, sagt Ferch ironisch, und führt wörtlich die Stelle an, „... daß die Fruchtabtreibung die roheste und gefährlichste Form der Kinderbeschränkung darstellt und daß jedes *andere* Mittel ihr vorzuziehen ist.“ Ferch hat recht, *das ist das Beste*, was ich in dieser Artikelserie gesagt habe, weil es die Wahrheit ist, die Ferch nicht gerne hört. Der Ausspruch wurde nicht von mir geprägt; aber er enthält alles, was ich darüber sagen wollte. Nur hätte ich noch hinzufügen müssen, daß jedes andere, *wenn auch unsichere Mittel* vorzuziehen ist. Die Gefahren der Fruchtabtreibung *müssen* der Bevölkerung, besonders den Frauen immer aufs neue und ohne Beschönigung vorgeführt werden. Denn die Frauen sind es, die ebenso wie bei Schwangerschaft und Geburt auch bei der Fruchtabtreibung mit ihrem Körper und ihrer Gesundheit zahlen. Wenn Ferch und sein Bund den Frauen mit beredten Worten die Leiden der ungewollten Mutterschaft schildert, so werde *ich* nicht müde werden, ihn zu ergänzen und den Frauen immer wieder sagen und beweisen, wie sie durch die wiederholten Fruchtabtreibungen den eigenen Leib verwüsten. Ferch bestreitet — durch keine ärztlichen Fachkenntnisse beeinflußt und als Laie, wie in der Frage des Stillens, die Gefahren des Eingriffs, wenn es von Ärzten und nicht von Hebammen oder Kurpfuschern ausgeführt wird. Ich sage als Arzt, daß auch der Arzt, und wäre er noch so geschickt, nicht jede Gefährdung vermeiden kann. Der Zufall schickt mir Kronzeugen durch eine Gerichtsverhandlung, die in den letzten Tagen stattfand. Und Ferch möge nicht einwenden, daß die beiden Ärzte besonders ungeschickt waren; denn nicht wegen eines Kunstfehlers wurden sie verurteilt, sondern wegen des Eingriffs als solchen. Es ist wohl nur auf oberflächliches Lesen oder mangelndes Verständnis zurückzuführen, wenn Genosse Ferch mich beschuldigt, durch den Ausdruck „roh“ die Frauen zu beschimpfen. Ich habe mit dem Worte „roh“ einen chirurgischen Eingriff bezeichnet, nicht aber diejenigen, die den Eingriff an sich ausführen lassen. Ich bin überzeugt, daß die Leserinnen der „Arbeiterinnen-Zeitung“ meinen Artikel besser gelesen und verstanden haben.

Und darum will ich genau so wie Schriftsteller Ferch es diesen Leserinnen überlassen, sich ein richtiges Urteil über meine Aufsätze zu bilden, die dem Wohle der arbeitenden Frauen dienen sollen und keinen anderen Nebenzweck haben. Die Klagen Ferchs über bürgerliche Verständnislosigkeit gehen uns nichts an.

Der schwankende Respekt vor der Wissenschaft aber, den Ferch bedauert, kann nur dann befestigt werden, wenn die Ärzte über Fragen der Volksgesundheit wie diese, mit voller Aufrichtigkeit zur Bevölkerung sprechen.

Dr. M. Hilferding.

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*Fuente:* transcripción a partir de los facsímiles de ANNO (Österreichische Nationalbibliothek): Arbeiterinnen-Zeitung 31 (1922), Nr. 1 (ANNOP_abg19220101, imágenes 6-7; MH1922-01), Nr. 2 (ANNOP_abg19220102, imágenes 4-5; MH1922-02), Nr. 4 (ANNOP_abg19220104, imágenes 4-6; MH1922-03), Nr. 6 (ANNOP_abg19220106, imágenes 3-4; MH1922-04) y Nr. 7 (ANNOP_abg19220107, imagen 4; MH1922-05). Texto en Fraktur leído en la imagen, con el OCR de la ÖNB y el de tesseract (frk+deu) solo como apoyo. Ortografía y erratas del original sin corregir («Muterschaft», «untrebrochenen», «ereregt», «sollt man», «einer der dringendsten Aufgaben»). Las entregas I-III van firmadas «Von Dr. Margarete Hilferding» (la II, además, «M. H.» al final), la IV «Von Dr. Margret Hilferding» y la V «Dr. M. Hilferding»: el texto es de Margarete Hilferding, no de Rudolf Hilferding. La fecha de cada número se da por el mes (el periódico era mensual; el Nr. 7 comenta el asesinato de Rathenau, 24.6.1922). Se omite la carta de Johann Ferch (Nr. 6, S. 4), que no es de la autora. Lo conjeturado en pasajes borrosos va entre `[¿ ?]`. Los comentarios `Nr. n, S. n` del código marcan el comienzo de cada página impresa.
