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Title: Die Frau und die Kirche. Eine Anleitung für zwei Vorträge
Description: Bildungsarbeit. Blätter für sozialistisches Bildungswesen (Wien) 10 (1923), Nr. 4, S. 27, Rubrik «Vorträge»
Author: Aline Furtmüller
URL: https://adler.school/archivo/furtmuller-aline/original/1923-04%20Die%20Frau%20und%20die%20Kirche
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<!-- S. 27 -->

<!-- Rúbrica: «Vorträge» -->

# Die Frau und die Kirche

Eine Anleitung für zwei Vorträge  
von *Aline Furtmüller*

## I. Die Kirche und die Frau

1\. Kurze geschichtliche Darstellung der Entwicklung des Urchristentums unter Hervorhebung a) der kommunistischen Elemente (Sklavenreligion), b) der fremdreligiösen Einflüsse. (Zitate aus verschiedenen Evangelien, etwa ursprünglich: „Selig sind die Armen“, späterer Zusatz „im Geiste“ und ähnliche; Feststellung, daß die wichtigsten Dogmen und Riten erst lange nach Christus entstanden.)

2\. Allmähliche Organisierung und Umformung des Christentums durch die Kirche; an der Hand von Beispielen zu zeigen.

3\. Zunächst ablehnende Haltung oder volle Gleichgültigkeit der Kirche der Frau gegenüber („die Frau schweige“ etc.). Geringschätzung der Frau und der Familie; siehe Zölibat und Klosterwesen. Später allmählich steigende Marienverehrung (zum Teil wieder hervortretende heidnische Kultureinflüsse, Fruchtbarkeits- und Erdgöttinnenkult, zum Teil ins Religiöse übertragene Troubadourpoesie).

4\. Die Kirche als Frauenerzieherin, seit dem 17. Jahrhundert, zuerst in Frankreich; Ziele: Unwissenheit des Mädchens, gesellschaftliche Gewandheit der Frau, Unterordnung beider unter die Kirche. Blick auf die heutige Klostererziehung.

5\. Taktik der Kirche gegenüber der Arbeiterin: *trennen und herrschen*. Einerseits Verteidiger der Familie, anderseits zwischen Mann und Frau drängen, um durch den zugänglicheren Teil den schon befreiten „abtrünnigen“ wieder einzufangen. Plangemäße Verdummung der Frau von klein auf: Religionsunterricht und Jugendschriften, Beichte und „Umgang“, Erziehung zur Eitelkeit und Unterwürfigkeit; Mädchenkongregationen, Wohltäterei; Beeinflussung der Verheirateten im Beichtstuhl; Politik im Beichtstuhl und auf der Kanzel. Bei alledem Vorwand: Religion; wirklicher Zweck: politische Macht der Kirche.

## II. Die Frau und die Religion

1\. Geht man dem oft gehörten Argument der „mystischen“ (das heißt zum unfaßbar geheimnisvollen Neigenden) Veranlagung der Frau nach, so findet man, daß es meist von Klerikalen oder Wirrköpfen oder sonstwie reaktionären Geistern gebraucht wird. Das tatsächliche Anderssein der Frau ist einfacher zu erklären.

2\. Natürliche, das heißt Geschlechtsunterschiede, die auch das geistige Wesen der Frau beeinflussen: a) regelmäßig unangenehme körperliche Zustände hinnehmen und verbergen müssen, also Entwicklung von Hilflosigkeit und Launenhaftigkeit einerseits, Verstecktheit anderseits; b) Mutterschaft mit ihrem Gefolge höchster Opferfähigkeit in kleinen und großen Dingen, aber auch unsozialer Beschränktheit auf die eigene Familie.

3\. Anerzogene, künstlich geschaffene Unterschiede zwischen Mann und Frau, die im Laufe der europäischen Kulturentwicklung hervortreten. Grundtatsache: Vorherrschaft des Mannes in der Familie, im Staat, im Wirtschaftsleben, im Geistesleben. Gesetze, Gebräuche, Sitte vom Mann bestimmt. Daher entwickelt sich bei der Frau: a) Abhängigkeit, Unselbständigkeit, Anpassungsfähigkeit; b) Schlauheit, Herrschsucht, Koketterie.

4\. Die Frau im kapitalistischen Zeitalter: doppelt Sklavin, vom Joch doppelter Arbeit gebeugt, daher: a) weniger fähig, die Ursachen des eigenen Elends zu erkennen; b) geneigt, nach jedem Trost zu greifen.

5\. Hier spielt die Kirche geschickt die alte längst unhistorisch gewordene Rolle der Sklavenreligion des ersten und zweiten Jahrhunderts noch einmal vor. Die gedrückte leichtgläubige Frau nimmt die Gotteskindschaft ernst; für die vom erhofften oder angetrauten Mann beherrschte Frau ist der Verkehr mit dem ehelosen, keiner Frau und allen gehörenden Priester eine angenehme Entschädigung; die in eintöniger häuslicher Arbeit Geplagte hat hier Glanz, Buntheit, Schönheit und Feierlichkeit.

6\. Alles, was den Arbeiter gegenüber dem Ausbeuter zum Kampf gefestigt und erzogen hat, wird auch bei den Frauen wirksam werden. Die zwei großen Grundgebote des Proletariats: Solidarität und Geistesschulung müssen bei der Aufklärungsarbeit unter den Frauen ganz besonders betont werden: a) Nur Solidarität zwischen Mann und Frau kann dem alten häßlichen Weiberunwesen von Schlauheit und Koketterie ein Ende machen und eine neue starke Sittlichkeit bereiten, vor der die blinzelnde Kirchensittsamkeit zerrinnt; b) nur Solidarität zwischen arbeitenden Frauen kann die dumpfe Kleinlichkeit und Beschränktheit der ins Haus Gesperrten überwinden; c) und nur Geistesschulung kann die unwissende abhängige Frau aus dem Kirchendämmer in die reine freie Luft des Wahren und lebendig Schönen führen.

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*Fuente:* transcripción a partir del facsímil de *Bildungsarbeit. Blätter für sozialistisches Bildungswesen* (Viena), año 10 (1923), n.º 4, pág. 27, en ANNO, Österreichische Nationalbibliothek (ANNOP bar19230004); se partió del OCR de la ÖNB (Antiqua) y se corrigió sobre la imagen. El espaciado del original se da en cursiva. Se conserva «Gewandheit» del impreso.
