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Title: Probeehe — Kameradschaftsehe
Description: Neues Wiener Tagblatt (Wien), 21. Oktober 1928, S. 5 (Rundfrage; Antwort von Dr. Alfred Adler).
Author: Alfred Adler
URL: https://adler.school/archivo/adler/original/1928-10-21%20Probeehe%20-%20Kameradschaftsehe
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<!-- S. 5 -->

# Probeehe — Kameradschaftsehe.

## Rundfrage um ein modernes Problem.

<!-- Sigue en el original una introducción de la redacción, sin firma, sobre el «matrimonio de prueba» y el «matrimonio de compañía» del juez de menores estadounidense Ben Lindsey (con la definición de este tomada de su libro), que anuncia las respuestas de «un médico, un jurista, una miembro de la directiva de la Federación de Asociaciones Femeninas de Austria y la ponente para la educación femenina del Ministerio de Instrucción»; no se transcribe. Tras la respuesta de Adler siguen, en S. 5-6, las de Ernestine Fürth y otros encuestados, que tampoco se transcriben. -->

**Dr. Alfred Adler:**

Vor allem wollen wir uns darüber klar sein, daß wir unter der Kameradschaftsehe eine wirkliche, vollgültig juristische Ehe und nicht etwa ein loses „Verhältnis“ verstehen. Da ist nun die Idee sehr zu begrüßen, daß die jungen Leute, bevor es ihre wirtschaftliche Lage gestattet, einen gemeinsamen Haushalt zu führen, bei ihren Eltern wohnen und leben können. Jede wirtschaftliche Erleichterung der Eheschließung ist zu begrüßen, also auch diese Form. Voraussetzung bleibt freilich, daß beide Teile wirklich in Liebe zueinanderstehen, daß sie die Ueberzeugung haben, gute Kameraden für das Leben zu sein, daß einer sich für den andern mehr als für sich interessiert.

Daß eine zeitgerechte, also nicht zu späte Eheschließung auch sonst heilsam für den Entwicklungsgang junger Menchen ist, ersehen wir ja aus der Tatsache, daß Leute, wenn sie verliebt sind und sich ihrer Verbindung unübersteigliche Hindernisse entgegenstellen, leicht in tatenlose Apathie verfallen, ihren Beruf vernachlässigen und manchmal sogar zum Selbstmord getrieben werden.

Betonen möchte ich aber, daß wir Individualpsychologen durchaus den Gedanken ablehnen, daß es sich bei einer solchen Ehe um einen „Versuch“, ob man zusammenpasse, handeln könne. Bei einer derartigen „Probeehe“ würde unbedingt der weibliche Partner im Nachteil sein, da er der schwächere ist. Die Entscheidung, ob man eine Ehe eingehen will, muß in jedem Falle *unbedingt ernsthaft, überlegt und entscheidend* gefaßt werden. Die Berufung auf die Unkenntnis junger Leute ist haltlos. In der Ehe soll ja eine gegenseitige Erziehung stattfinden, und wie man nicht in der Luft schwimmen lernen kann, sondern nur im Wasser, so kann man zur Ehe auch nur in der Ehe selbst und nicht außerhalb derselben erzogen werden.

Die Frage der Kinder berührt diese Form der Ehe nicht anders als die Ehe in einem späteren Stadium, wo oft auch persönliche und wirtschaftliche Verhältnisse darüber entscheiden, ob die Ehe kinderlos bleiben soll oder nicht. Die Erleichterung der Eheschließung, wie sie durch die Kameradschaftsehen gegeben ist, bietet dem Mädchen den Vorteil, daß es leichter zur Ehe kommt. Dem weiblichen Teil wird auch das Gefühl genommen, durchaus abhängig zu sein, und es bleibt auch ihm die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Aber diese Form der Ehe kommt auch dem Gesetz der Auslese viel näher, da das Mädchen sich den jungen, gesunden Partner wählen kann und nicht darauf angewiesen ist, in erster Linie darauf zu schauen, ob der Ehepartner es auch gleich nach Schließung der Ehe werde „erhalten“ können.

Diese Anschauungen sind aufgebaut auf der Idee, daß die Ehe keine Privatangelegenheit, sondern eine Sache der Gemeinschaft ist. Wie immer man sich das Ideal einer Zukunft vorstellt, die Beziehung der Geschlechter wird sich doch nur auf höchster Stufe in der *Monogamie* lösen lassen und in dem Entschluß eines Zusammenlebens für immer, der durch die Gemeinschaft beglaubigt wird. Wir unterschätzen die Schwierigkeiten nicht, die mit dem Eheproblem verbunden sind, aber wir wollen nicht ein wertvolles Kulturideal, wie es die Ehe ist, opfern, sondern lieber die Schwierigkeiten zu beseitigen versuchen, die sich einer frühen Eheschließung entgegenstellen.

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*Fuente:* *Neues Wiener Tagblatt* (Viena), domingo 21 de octubre de 1928, pág. 5, encuesta «Probeehe — Kameradschaftsehe. Rundfrage um ein modernes Problem», respuesta de Adler (ANNO / Österreichische Nationalbibliothek, nwg19281021, imagen 5). Transcripción a partir del OCR Fraktur propio y del OCR de la ÖNB, corregida sobre la imagen. El espaciado de la tipografía se reproduce en cursiva. Se respeta la errata impresa «Menchen» (por «Menschen»); en «Ehe keine Privatangelegenheit» el periódico parece imprimir «Ehr», que se corrige. Los comentarios `S. n` del código marcan el comienzo de la página impresa.
