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Title: Neurose und Begabung
Description: Autoreferat des Vortrags auf dem II. Internationalen Kongreß für Individualpsychologie (Berlin, 5.-7. September 1925). In: Bericht über den zweiten internationalen Kongreß für Individualpsychologie, Internationale Zeitschrift für Individualpsychologie, 3. Jg., Nr. 6 (November-Dezember 1925), S. 346.
Author: Alfred Adler
URL: https://adler.school/archivo/adler/original/1925-12%20Neurose%20und%20Begabung
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<!-- Forma parte del «Bericht über den zweiten internationalen Kongreß für Individualpsychologie» (S. 340 ss.), que la redacción introduce así: «Nachstehend veröffentlichen wir in Autoreferaten kurze Inhaltsangaben von Vorträgen, die am zweiten internationalen Kongreß für Individualpsychologie zu Berlin (5. bis 7. Sept. 1925) gehalten wurden». -->

<!-- S. 346 -->

# Neurose und Begabung

Dr. Alfred Adler (Wien)

Jede Neurose und Neuropsychose spielt sich mit Tendenz auf der Seite des Unnützlichen ab. Die Ausbiegung vor Leistungen, die der Allgemeinheit nützlich sind, ist individualpsychologisch restlos nachzuweisen. Ursache dieser Ausbiegung, die sich auch bei schwer erziehbaren Kindern findet, ist immer das verschärfte Minderwertigkeitsgefühl. Das aus ihm erwachsende verstärkte Geltungsstreben zeigt sich aber auch deutlich auf dem Gebiete des Unnützlichen als ein Bestreben: „*so zu tun, als ob man etwas täte*“. Und während der Neurotiker die Schattenseiten seines Leidens beklagt, genießt er, meist ohne es richtig zu verstehen, die Lichtseiten, schafft er sich sein Alibi gegenüber den von ihm ausgeschalteten Lebensfragen.

Alles, was auf der Seite des Unnützlichen nun geschieht, gehorcht der vom Minderwertigkeitsgefühl zum Ziel der Überlegenheit aufsteigenden Bewegung. In den richtigen, ja selbst in den irrigen Feststellungen anderer Autoren erscheint — in deren Unbewußtem — diese Bewegungslinie als Voraussetzung aller ihrer Denkmöglichkeiten. So im Ödipuskomplex, in der Wunscherfüllung, im Narzismus, in der Libidolehre, im Todeswunsch, in der Regression und ganz besonders im Ichideal. Die gleichen Triebkräfte geben dem Pykniker, dem Schizoiden und dem Eideliker ihre Lebensform.

Die allgemeine Verzweiflung an der eigenen Geltung ist der Ursprung des verheerenden Begabungswahnes. Letzterer ist die allgemeine Neurose, die Grundlage aller Neurosenvarianten. Die Individualpsychologie zeigt den Weg zur allgemeinen Prophylaxe: es kommt nicht darauf an, was einer mitbringt, sondern was er daraus macht.

<!-- Sigue en el informe (S. 346) el autorresumen de G. Vorbrodt, «Individual- und Religionspsychologie»; no se transcribe. -->

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*Fuente:* transcripción a partir del cuaderno digitalizado en Internet Archive (*Internationale Zeitschrift für Individualpsychologie*, 3. Jg., Nr. 6, Wien, November-Dezember 1925, S. 346, en el «Bericht über den zweiten internationalen Kongreß für Individualpsychologie», bajo el titulillo «Referate»), con el OCR de archive.org cotejado con la imagen de la página. Es el autorresumen (*Autoreferat*) de la ponencia de Adler en el II Congreso Internacional de Psicología Individual (Berlín, 5-7 de septiembre de 1925). Ortografía original («Narzismus», «Eideliker»). Los comentarios `S. n` del código marcan el comienzo de cada página impresa.
