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Title: Sitzungsberichte des Vereins für Individualpsychologie (7. und 21. März 1914)
Description: Protokollberichte der Sitzungen vom 7. März 1914 (Vortrag L. Deutsch, Kultur und Individualpsychologie) und vom 21. März 1914 (Vortrag C. Furtmüller, Über Moralunterricht) mit den Diskussionsbemerkungen Adlers, in indirekter Rede. Zeitschrift für Individualpsychologie 1 (1914), H. 3, S. 96, und H. 4/5, S. 143.
Author: Alfred Adler
URL: https://adler.school/archivo/adler/original/1914-03-07%20Sitzungsberichte%20des%20Vereins%20f%C3%BCr%20Individualpsychologie%20%287.%20und%2021.%20M%C3%A4rz%201914%29
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<!-- Actas de sesión redactadas por la redacción de la revista (resumen en estilo indirecto; sin firma), no textos redactados por Adler. Se transcriben íntegras las actas de las dos sesiones, con las intervenciones de los demás participantes, porque así se publicaron. -->

## Sitzung vom 7. März 1914.

<!-- Zeitschrift für Individualpsychologie 1 (1914), H. 3, S. 96 -->

<!-- S. 96 -->

Dr. Leonhard *Deutsch*: Kultur und Individualpsychologie.

Der Vortragende besprach die Folgerungen, die man auf Grund der Individualpsychologie für die individuelle Kultur ziehen müsse. Kultur sei das Prinzip, seine Nebenmenschen in Ruhe zu lassen, d. h. nicht zu belästigen, zu vergewaltigen (durch Affekte, neurotische Kunstgriffe u. dergl.). Der Nervöse habe demnach keine Kultur.

In der *Diskussion* wurden die Anschauungen des Vortragenden vielfach heftig befehdet. Hr. *Freschl* meinte, gerade das Gegenteil von dem Gesagten sei der wahre Kulturbegriff. Mit dem Prinzip des Inruhelassens müßte man zu einem allgemeinen Stillstand gelangen. Diese Meinung wurde späterhin von Dr. *Bloch*, Hrn. *Glaßner* und Hrn. *Cresta* bekräftigt. Dr. *Furtmüller* meinte, das Verständnis der Kultur als einer sozialen Erscheinung könne nicht Sache der Individualpsychologie sein. Und auch jede Formel für die individuelle Kultur sei willkürlich, so auch die des Vortragenden. Immer stecke die Tendenz dahinter, eine kleine Aristokratie einem großen Plebs gegenüberzustellen. Dr. *Adler* meinte: Die Forderung, den Menschen in Ruhe zu lassen, könne eine Strecke weit tragen, ebenso freilich auch die entgegengesetzte. Das Ideal des Gemeinsinns, auf dem unser Leben aufgebaut ist, fordert sowohl Ruhe als gegenseitige Beunruhigung. Im *Schlußwort* weist der Vortragende darauf hin, daß er durchaus kein nihilistisches Ideal propagieren wollte, daß ihm als Bedingung der Kultur nicht „Ruhe lassen“ überhaupt erscheine, sondern bloß die Unterlassung jener spezifischen, unfruchtbaren und aufreibenden Art der Beunruhigung, wie sie für den Nervösen charakteristisch sei. Über die Bedeutung der Worte Kultur, Unkultur, Zivilisation zu streiten, habe wohl keinen Sinn. Er nenne eben dieses Kultur. Wenn ein anderer dasselbe Unkultur nenne, sei das begreiflich, denn er könne von niemandem verlangen, daß er sich selbst als unkultiviert bezeichne.

## Sitzung vom 21. März 1914.

<!-- Zeitschrift für Individualpsychologie 1 (1914), H. 4/5, S. 143 -->

<!-- S. 143 -->

1. Kleine Mitteilungen: a) Dr. *Adler*: Psychische Behandlung der Chorea minor. b) Frl. *Horwitz*: Referat über Smith: „Zur Psychologie der Tagträume.

2. Dr. *Furtmüller*: „Über Moralunterricht“.

Angesichts des oft leidenschaftlichen Streites um die *Methoden* des Moralunterrichts hält es der Vortragende für notwendig, vorerst die Frage aufzuwerfen, was von einem Moralunterricht *überhaupt* erwartet werden dürfe. Er verweist auf die Theorie der individuellen Entstehung der Ethik, die er in seiner Schrift „Psychoanalyse und Ethik“ zu geben versucht hat; aus ihr scheint ihm zu folgen, daß für die Entwicklung ethischen Erlebens im Kinde direkte Erziehungseingriffe oder spezieller Moralunterricht nicht nötig seien; ihnen könne nur eine klärende und korrigierende Aufgabe zukommen. Da aber andrerseits die ethische Form des subjektiven Erlebens keinerlei Gewähr biete für das objektiv Ethische der ganzen Persönlichkeit, bleibe die ethische Erziehung den schwierigsten Charakterproblemen gegenüber wirkungslos und könne höchstens einen trügerischen Formwandel erzielen; sie habe sogar ihre spezifischen Gefahren. Demgegenüber legt der Vortragende das Hauptgewicht auf die „*vorethische Erziehung*“, d. h. auf die plan- und zweckmäßige Beeinflussung derjenigen Erscheinungen in der kindlichen Psyche, aus denen heraus auch das ethische Erlebnis erst seinen Ursprung nehme, also des Minderwertigkeitsgefühls und der darauf reaktiven Erscheinungen des (vorethischen) Gehorsams und Trotzes. Der Vortragende erläutert seine Ausführungen durch zahlreiche Beispiele aus der pädagogischen Literatur und Praxis.

*Diskussion*: Frau Dr. *Furtmüller* bezweifelt die praktische Durchführbarkeit eines Moralunterrichtes. Allerdings sei das Erziehungsprinzip, das sich aus der Individualpsychologie ergibt: die Kinder mit ethischen Forderungen zu verschonen, sie „in Ruhe zu lassen“ — schon dort nicht mehr durchführbar, wo eine Schädigung der Mitmenschen in Betracht komme.

Dr. *Adler*: Die Vieldeutigkeit des ethischen Phänomens zwinge uns, die Linie des Individuums darin aufzusuchen. Ethik sei die Inkarnation des Gemeinschaftssinnes. Die „vorethische Erziehung“ sei eine Klärung der Lebenslinie des Kindes. Das Ziel sei Erziehung des Kindes für die Gemeinschaft.

Dr. *Bloch* meint, der Moralunterricht wäre den einzelnen Fachdisziplinen, vor allem der Geschichte, anzugliedern. Hr. *Leitner* weist auf die versteckte Aggression im Schuldgefühl des Schülers hin.

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*Fuente:* transcripción a partir de la *Zeitschrift für Individualpsychologie. Studien aus dem Gebiete der Psychotherapie, Psychologie und Pädagogik* 1 (1914), sección «Sitzungsberichte des Vereins für Individualpsychologie»: sesión del 7 de marzo de 1914 en el H. 3 (junio de 1914), S. 96 (Internet Archive; fichero local `1914/1914-06_Zeitschrift-Individualpsychologie_Bd1-H3_Nervoese-Schlaflosigkeit__archive.pdf`, pág. 34 del PDF), y sesión del 21 de marzo de 1914 en el H. 4/5 (julio de 1914), S. 143 (fichero local `1914/1914-07_Zeitschrift-Individualpsychologie_Bd1-H4-5_Sitzungsberichte__archive.pdf`, pág. 49 del PDF). OCR de Internet Archive corregido sobre las imágenes. No son textos redactados por Adler sino actas sin firma (en estilo indirecto) de la redacción, cuyo responsable era Carl Furtmüller. Se respetan las grafías del original (la comilla que no se cierra tras «Tagträume»). Las mismas series de actas recogen otras intervenciones de Adler (14-II, 14-III, 28-III, 4-IV y 18-IV-1914) que no forman parte de esta entrada. Las cursivas reproducen el espaciado del original. Los comentarios `S. n` marcan el comienzo de cada página impresa.
