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Title: Sitzungsbericht des Vereins für Individualpsychologie (13. Dezember 1913)
Description: Protokollbericht der Sitzung vom 13. Dezember 1913 mit dem Referat über Adlers Vortrag „Lebenslüge und Wahnsinn“, der Diskussion und Adlers Schlußwort, in indirekter Rede. Zeitschrift für Individualpsychologie 1 (1914), H. 1, S. 29-30.
Author: Alfred Adler
URL: https://adler.school/archivo/adler/original/1913-12-13%20Sitzungsbericht%20des%20Vereins%20f%C3%BCr%20Individualpsychologie%20%2813.%20Dezember%201913%29
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<!-- Acta de sesión redactada por la redacción de la revista (resumen en estilo indirecto; sin firma), no un texto redactado por Adler. Se transcribe íntegra el acta de la sesión, con las intervenciones de los demás participantes, porque así se publicó. -->

## Sitzung vom 13. Dezember 1913.

<!-- Zeitschrift für Individualpsychologie 1 (1914), H. 1, S. 29-30 -->

<!-- S. 29 -->

Dr. *Adler*: Lebenslüge und Wahnsinn.

Einen tieferen Einblick in die Mechanismen des Wahnsinns gewährte ein Grenzfall, der *Fall* eines Gummifetischisten. Er wollte immer mehr sein als die andern. Auf das Kind machte das Verschwinden eines Wortes durch den Radiergummi einen tiefen Eindruck. Ebenso wollte er die andern Menschen und die ganze Realität durch den Gummifetischismus beseitigen. Alle Menschen seien gegen ihn, weil er mehr sei als die andern. Er heiratet, um der Frau seine Überlegenheit zu beweisen. Dieser Patient geht in der Entwertung der Realität nur bis zu einer gewissen Grenze. Doch einen Schritt weiter, und es gibt nur mehr zwei Möglichkeiten: Selbstmord oder Wahnsinn. *Nur sein neurotisches Zögern rettete ihn.* Einmal aber klagte er sich selbst an, er habe den Staat betrogen. Das nähert sich schon der Melancholie. — Der Mangel einer Veranlassung, der nach den Lehren der Psychiatrie für die Psychose charakteristisch ist, besteht nur darin, daß keine Vis a tergo, wohl aber ein Ziel vorhanden ist. Bei der Melancholie zeigt sich immer die zögernde Attitüde und die „Avance nach rückwärts“, beide bedingt durch die Furcht vor der Entscheidung.

In einem anderen *Fall* handelt es sich um einen 54jährigen Mann, der die Verantwortung seiner Stellung durch Krankheit vermied. Er war Hypochonder und Pedant (auf Grund von Organminderwertigkeit), menschenscheu, träge und adelsstolz. <!-- S. 30 --> Sein sorgfältig verhüllter Geiz wurde nur dem Kundigen bemerkbar. Er kam zum Arzt wegen eines Katarrhs der Luftwege und fragte nach einem Kurort. Er habe wegen seines Kompagnons den Urlaub zu weit hinausgeschoben und sei nun übermüdet. Hier verrät sich schon die Kampftendenz. Einen Verlust, den er der Firma zugezogen hatte, suchte er solange wie möglich zu verbergen, wollte austreten, aus Angst vor dem drohenden Prestigeverlust. In dieser Situation benützt er die Psychose, *um der Verantwortlichkeit auszuweichen*. Die Psychose, eine *Melancholie*, stellt fortan den „Rest“ dar, der ihn vom Persönlichkeitsideal zu trennen scheint. „Wenn ich nicht krank wäre, würde ich siegen.“ So entstehen im klinischen Sinne unkorrigierbare Wahnideen.

In der *Diskussion* bringt Dr. *Wexberg* einige *Fälle* zum Beleg der Adlerschen Auffassung. Ein 52jähriger Patient erkrankt an Melancholie und Verfolgungsideen, die durch einen Aufenthalt in einer geschlossenen Anstalt eine bedeutende Verschlimmerung erfahren: die Badediener hätten ihn vergiftet u. dergl. Er hatte zeitlebens mit einer herrschsüchtigen Frau und mit einem unfähigen Kompagnon zu kämpfen gehabt. Auch hier diente die Psychose dem Beweis seiner Unentbehrlichkeit. Außerdem verstand er es, durch seine Krankheit seine Frau unter der Maske der zärtlichsten Liebe in raffinierter Weise zu quälen. Diese Krankheit war eine langsame, mitleidlose Rache für alles, was man ihm angetan hatte. Das Ende war ein lange vorher angedrohter Selbstmord, an den seine Frau niemals glauben wollte. — In einem gewissen Gegensatz zur Melancholie stehen einige Fälle von Paranoia: unter dem Anschein der heftigsten Aggression zieht sich der Paranoiker immer mehr vom Leben zurück, negiert und vergißt die Realität und schaltet sich aus dem Leben aus.

Frau Dr. *Furtmüller* fragt nach den therapeutischen Möglichkeiten bei der Psychose. Dr. *Adler* (Schlußwort): Es gebe tatsächlich verschiedene Typen der neuropsychotischen Erkrankung. Bezüglich der Therapie sei folgendes zu sagen: Es gelingt manchmal, das System zu durchbrechen, aber große Vorsicht ist nötig. Die meisten Patienten ziehen sich zurück, sobald sie therapeutische Absichten merken.

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*Fuente:* transcripción a partir de la *Zeitschrift für Individualpsychologie. Studien aus dem Gebiete der Psychotherapie, Psychologie und Pädagogik* 1 (1914), sección «Sitzungsberichte des Vereins für Individualpsychologie», H. 1 (abril de 1914), S. 29-30 (Internet Archive; fichero local `1914/1914-04_Zeitschrift-Individualpsychologie_Bd1-H1_Problem-der-Distanz__archive.pdf`, págs. 31-32 del PDF). OCR de Internet Archive corregido sobre las imágenes. No es un texto redactado por Adler sino un acta sin firma (en estilo indirecto) de la redacción, cuyo responsable era Carl Furtmüller. La conferencia de Adler trata el mismo asunto que su artículo «Lebenslüge und Verantwortlichkeit in der Neurose und Psychose. Ein Beitrag zur Melancholie», publicado en el H. 2 de la misma revista (mayo de 1914), pero los casos del acta no coinciden con los del artículo. Correcciones del OCR sobre la imagen: «54jährigen», «52jähriger», «für alles», «dem Anschein», «Typen». Las demás actas de la misma serie con intervenciones de Adler (29-XI, 13-XII y 27-XII-1913; 10-I, 24-I, 31-I, 7-II, 14-II, 7-III, 14-III, 21-III, 28-III, 4-IV y 18-IV-1914) forman entradas aparte. Las cursivas reproducen el espaciado del original. Los comentarios `S. n` marcan el comienzo de cada página impresa.
