---
Title: Gesundheitsbuch für das Schneidergewerbe
Description: Berlin: Carl Heymanns Verlag, 1898 (Wegweiser der Gewerbehygiene, Nr. 5). VI, 31 S.
Author: Alfred Adler
URL: https://adler.school/archivo/adler/original/1898%20Gesundheitsbuch%20f%C3%BCr%20das%20Schneidergewerbe
---


<!-- Cubierta (Umschlag) -->

Wegweiser der Gewerbehygiene.
Herausgegeben von
Dr. E. Golebiewski.

Nr. 5.

# Gesundheitsbuch für das Schneidergewerbe.

Von
Dr. Alfred Adler
in Wien.

Berlin.
Carl Heymanns Verlag.
1898.

M. 0,40. 25 Expl. M. 7,50, 100 Expl. M. 25.

<!-- Siguen en el original (págs. 2-4 del PDF HathiTrust) el prospecto de la serie "Wegweiser der Gewerbehygiene. Rathgeber zur Verhütung von Gewerbekrankheiten und Betriebsunfällen" (texto del editor, no de Adler); no se transcribe. -->

<!-- Portada (Titelblatt) -->

Gesundheitsbuch
für das
Schneidergewerbe.

Von
Dr. Alfred Adler
in Wien.

[Viñeta del editor]

Berlin.
Carl Heymanns Verlag.
1898.

<!-- Verso de la portada -->

Nachdruck, auch einzelner Theile, verboten.
Uebersetzungsrecht vorbehalten.

Verlags-Archiv 2834.

Gedruckt bei Julius Sittenfeld in Berlin W.

<!-- S. V -->

## Vorwort.

In dieser kleinen Schrift war ich bemüht, den Zusammenhang von ökonomischer Lage und Krankheiten eines Gewerbes zu schildern, sowie die Gefahren darzustellen, die der Volksgesundheit aus einer gesunkenen Lebenshaltung erwachsen. Einer solchen Betrachtung, welche den Menschen mit seinen körperlichen Leiden nicht als Einzel- sondern als Gesellschaftsprodukt untersucht, kann sich der Arzt heute nicht mehr verschließen. Und wenn auch Schule, Stellung und Wirken des Arztes dieser Auffassung wenig Raum geben, er kann nicht übersehen, daß aus neuen Verhältnissen auch in der Medizin neue Probleme hervorwachsen.

Die Grenzen der medizinischen Wissenschaft erweitern sich. Wir sehen die Ursachen der Krankheiten nicht mehr in einem zufälligen Zusammentreffen von Krankheitsstoff und Mensch, sondern suchen das Schlachtfeld der Arbeit nach Verwundeten und Leichen ab, deren Zahl sich nach großen ökonomischen Gesetzen durchsetzt. So wächst das Gebiet der Krankheitsätiologie und zeitigt Früchte, von denen der Skeptizismus der Schulmedizin nichts ahnt.

<!-- S. VI -->

Aerztlicherseits werden Forderungen laut und treffen sich mit Wünschen der Arbeiter und Vorschläge von Staatsmännern auf dem Boden der Sozialhygiene. Auf diesem Gebiete erst wächst eine verheißungsvolle Therapie der Volkskrankheiten.

Daß bei derartigen Untersuchungen die Schilderung der Lebenslage eines Standes, eines Gewerbes einen breiteren Raum einnimmt, ist selbstverständlich. So auch in vorliegender Abhandlung über die männliche Bekleidungsindustrie, zumal dieses Gewerbe auch eine Beleuchtung der hygienischen Seite der Hausindustrie erheischt. Bei der Schilderung der ökonomischen Struktur und Situation des Schneidergewerbes fanden Benutzung: Schmollers „Geschichte der Gewerbe“, „die Lage des Handwerks in Oesterreich“, (aus den Schriften des Vereins für Sozialpolitik), Enqueten, Genossenschafts- und Gewerkschaftsberichte, sowie Fachzeitungen. — Im rein medizinischen Theil der Abhandlung sah ich mich gefördert durch Poppers „Arbeiterkrankheiten“ und Hirts „Gewerbekrankheiten“. Nenne ich noch Krankenkassenberichte und österreichische und deutsche Handelsstatistik, so glaube ich litterarische Eigenthumsrechte vollauf gewahrt zu haben.

<!-- S. 1 -->

Der industrielle Aufschwung hat auch im Schneidergewerbe vieles geändert. Das schwächliche Männchen, das in früherer Zeit zu den Leuten „auf die Stör ging“, um dort Kleider anzumessen und fertig zu schneidern, oder in den Zeiten der Zunft für den Ortsgebrauch schneiderte, von den Kunden den Stoff entgegennahm und verarbeitete, existirt nicht mehr. Die nivellirende Tendenz des Großbetriebes hat auch im Schneidergewerbe durchgegriffen, neben der Familientradition sind tausenderlei Zufälligkeiten bei der Wahl des Berufes maßgebend geworden, und wie in allen anderen Betrieben arbeitet der Schwächling neben dem Kräftigen; die Standesmerkmale sind verwischt und dem allgemeinen Habitus des Handwerkers gewichen.

In den letzten Jahrzehnten haben sich diese Uebergänge vollzogen. Neue Berufsformen verdrängten die alten, die wachsende Bevölkerungszahl, die steigenden Bedürfnisse und ausgedehnten Handelsbeziehungen zwangen in allen Gewerben zum Aufgeben der ungenügenden Produktionsformen und sicherten dem Großbetrieb die Gunst der Konsumenten. Die kleine Werkstatt gerieth in eine kritische Lage, und der Kleinmeister, der die Konkurrenz des Großbetriebes bestehen muß, wird der wirthschaftliche Gegner des Großproduzenten oder sein — Arbeitnehmer.

Wo die Maschine siegreich vordringt, sammelt sich die Arbeit in großen Betriebswerkstätten. Diese <!-- S. 2 --> vorgeschrittene Form der Produktion bietet der Gesetzgebung Gelegenheit, mit gleichmäßigen Bestimmungen zu Gunsten der Arbeitnehmer einzugreifen. Die Zugänglichkeit der Fabrikstätten, die Konzentration der Arbeitskräfte ermöglichen eine Beaufsichtigung durch staatliche Organe. Andererseits anerkennen die staatlichen Behörden heute schon in wesentlichen Punkten ihre Verpflichtung, den Forderungen der Hygiene im Fabrikbetrieb, zum geringsten Theile im Kleinbetrieb Geltung zu verschaffen.

Der Arbeiter lernt im Großbetrieb am ehesten die Gleichförmigkeit seiner und der Arbeitsgenossen Interessen verstehen; die gleichen Erlebnisse und Leiden drängen ihn zur Organisation, die ihm hilft, den Widerwärtigkeiten seiner wirthschaftlichen Lage entgegen zu steuern. Aus der gemeinsamen Besprechung der Uebelstände ergiebt sich die gemeinsame Forderung nach Abhülfe und die Angabe zweckentsprechender Mittel. In den Organisationen werden meist die Fordecungen laut, die auf Besserung der Lage des Arbeiters hinzielen.

Es giebt aber Betriebe, deren Entwickelung andere Wege einschlägt. Wohl bemächtigt sich auch ihrer das Großkapital, aber es fehlt dort vorderhand die Möglichkeit, die technischen Hülfsmittel auszubauen, und so vermissen wir auch die großen Arbeitsräume, wo die Arbeit unter dem Schutze des Gesetzes vor sich geht und dem Einflusse der Organisation Raum giebt. Ja die gemeinsame Sorge der einzeln und zerstreut lebenden Arbeiter für ihr eigenes Wohl, ihr Streben für eine bessere Lebenshaltung erlahmt immer wieder. Die Produktion in solchen Betrieben geschieht auf die ungeregeltste Weise, die Waaren werden <!-- S. 3 --> von Zeit zu Zeit wahllos auf den Markt geschleudert und die ständige Ueberproduktion erdrückt den Produzenten. In Ermangelung der großen Betriebswerkstätten, zu deren Einrichtung dem Unternehmer jeder Ansporn fehlt, schafft der Arbeiter in seinem armseligen Heim oder im Wohnraum eines Kleinmeisters, lebt, ißt, trinkt, schläft und stirbt bei seinem Arbeitstisch, unter seinen Arbeitsgeräthen.

Auf gute Zeit mit guter Bezahlung folgt schlechte Zeit mit Spottlöhnen und Arbeitslosigkeit, denn der überladene Markt gebietet der Produktion Einhalt; und wenn sich der Markt endlich erholt hat, beginnt im tief verschuldeten Heim das wechselnde Spiel von neuem, ein System, bei welchem Meister, Geselle und Lehrjunge, ausgeschlossen von den Vortheilen der Kultur, oft kaum berührt von hygienischen Gesetzesbestimmungen, ein kümmerliches Dasein fristen, mit einem Wort: das Schwitzsystem.

Dies ist im wesentlichen die Gestalt der Hausindustrie, die noch in mehreren Gewerben, in einzelnen sogar als hauptsächlichste Betriebsform, kaum jemandem zu Nutzen, den Arbeitern aber und den Konsumenten eine vielfach unterschätzte Gefahr für Leben und Gesundheit, eine Rolle spielt. Aus diesen erbärmlichen Verhältnissen, deren antihygienische Tendenz der wirthschaftlichen Noth entspringt, führt nur ein Weg: gesetzliche Feststellung der Haftbarkeit des Unternehmers für die sanitäre Lage aller seiner Arbeiter.

---

Das Schneidergewerbe ist in der Hausindustrie namhaft vertreten, und Ursachen sowie Wirkungen dieser rückständigen Betriebsform liegen hier mit <!-- S. 4 --> wünschenswerther Klarheit zu Tage. Nur mühsam bahnt sich in der Bekleidungsindustrie ein technischer Fortschritt an. Es steht wohl die Nähmaschine, eine Erfindung des Wiener Schneiders Madersberger aus dem Anfang dieses Jahrhunderts, allgemein in Verwendung, aber sie scheint die Hausindustrie nur gekräftigt zu haben. Außerdem giebt es Zuschneide-, Knopfloch-, Knopfannähemaschinen und Bügelmaschinen, aber bei den billigen Löhnen der Hausindustrie rentirt sich ihre Einstellung nicht immer. Und auch sie sind nicht geeignet, allgemein große Betriebswerkstätten zu erzwingen, können vielmehr mit Vortheil nur in der Konfektionsbranche angewendet werden, welche die anspruchsloseren Käufer mit Lagerwaare versorgt. Die Lieferungsbranche dagegen hat noch immer mit der individuellen Geschicklichkeit des Arbeiters und seinem Geschmack zu rechnen.

Das Bedürfniß, beim Schneider auch die Stoffwahl treffen zu können, hat dem großen Kapital die Wege geebnet und dem Großproduzenten Gelegenheit gegeben, beim Tuchgeschäft schon sein materielles Interesse wahrnehmen zu können. Der große Schneider ist also Kaufmann und Produzent zugleich und steht gelassen dem konkurrirenden Kleinmeister am Waarenmarkt gegenüber. Sein Absatzgebiet ist nicht nur der heimische Markt, wo ihn in Oesterreich und Deutschland kein nennenswerther Gegner bedroht, sondern auch das Ausland. Oesterreich kann, allerdings mühevoll, seinen großen Export nach dem Balkan und nach Aegypten gegen England und Frankreich behaupten, Deutschland findet in England, in der Schweiz, in Dänemark und anderen Ländern geneigte Abnehmer. Der Großproduzent im Schneidergewerbe <!-- S. 5 --> ist im Großen und Ganzen ein aufrechter Unternehmer, den die „Chikanen“ des Gewerbegesetzes und die zünftlerischen Wünsche kalt lassen, der nur eine Instanz kennt, den Weltmarkt, und nur einen Wunsch hegt, eine willfährige Handelspolitik. —

Anders der Kleinmeister. Die ca. 200 000 Betriebe in Deutschland und die nicht viel geringere Zahl von Betrieben in Oesterreich verdienen zumeist den Namen von selbständigen Gewerben nicht mehr. Sie stehen im Solde des Großunternehmers, und ihre ökonomische Stellung schaukelt auf den Wellen des heimathlichen und Weltmarktes. Dazu kommt noch die große Kalamität der Saisonarbeit, die, durch den Wechsel der Jahreszeiten und durch die Mode bedingt, dem Schneidergewerbe erst sein charakteristisches Gepräge giebt. Zur Saison, 2 auch 4 mal im Jahre, wächst der Bedarf stark an. Da werden alle Kräfte mobilisirt, die Arbeitsintensität verdichtet sich, die Arbeiterschutzgesetze rücken in den Hintergrund, die Sonntagsruhe, die Nachtruhe, der Frauen- und Kinderschutz werden preisgegeben. Die Anspannung der Gesellen, Lehrlinge und Meister, die fern von ihrem Auftraggeber im Stücklohn oder Taglohn arbeiten, dehnt sich auf 16 bis 18 Stunden aus, ja „Durchmarsch“, d. h. „Rackern“ durch 24 Stunden im Tage ist nicht selten. Die Löhne ziehen an, die Leute zahlen ihre Schulden dem Hausherrn, Kaufmann und Fiskus oder legen sich etwas auf die Seite und — nennen das ihre gute Saison.

Dieser anormale Zustand erstreckt sich auf 5—6 Monate im Jahre. Während dieser Zeit wird der Markt mit Waaren überschwemmt, deren Aufstapelung die gute Saison überdauert, um in der schlechten die <!-- S. 6 --> Nachfrage zu decken. Dann steht es schlimm um den Verdienst des Meisters und um den Lohn des Arbeiters, zahlreiche Gesellen verlieren ihre Stellung, das bischen Habe wird aufgezehrt und die Schulden wachsen an, bis die gute Saison wieder herankommt und mit ihr der tolle Tanz wieder beginnt.

Es giebt zwei Gruppen im Schneidergewerbe: die Lieferungsbranche und die Konfektionsbranche. Erstere hat den heimischen, anspruchsvolleren Konsumenten zu befriedigen, der Kleider nach Maß trägt; ist also im wesentlichen Kunstindustrie und nährt in den großen und mittleren Kundengeschäften ihren Mann. — Die Konfektionsbranche, die stets an Ausbreitung gewinnt, führt Lagerwaare ab für das Bedürfniß der großen Schichten des Volkes und für den Export. Ihre ursprünglichen Träger waren die Trödler, die mit dem Verkauf getragener Kleider solchen Profit machten, daß es rentabel erschien, diesen leicht erschöpfbaren Vorrath durch billige, auf ein Normalmaß gearbeitete Kleider zu ergänzen. Nach und nach emanzipirte sich der Großunternehmer vom Verkauf benutzter Waaren und trat als Konfektionär auf. Heute ist die Konfektion ein so integrirender Bestandtheil des Schneidergewerbes, daß sich die meisten Lieferungsgeschäfte gezwungen sehen, zeitweilig auf Konfektion zu arbeiten.

Die kleinen Kundenschneider, die vorzüglich Wochenarbeiter halten, theilen mit diesen ihre schlichten Wohnräume und ihre Kost, arbeiten mit ihnen 16—18 Stunden täglich in der guten Saison, häufig auch die Nacht hindurch, und reduziren ihr Personal in der todten Saison. Bei besonderer Häufung der Arbeit greifen sie selbstverständlich auf die Stückmeister, <!-- S. 7 --> die mit wenigen Gesellen und mindestens soviel Lehrjungen als das Genossenschaftsstatut erlaubt, bei wahren Hungerlöhnen ihr Gewerbe ausüben.

Die Konfektion beschäftigt in den Räumen der Kleinmeister, nur ausnahmsweise in größeren Werkstätten wie in Berlin, fast durchgängig Wochenarbeiter, die in ihren Lohn- und Arbeitsverhältnissen vielleicht die gedrückteste unter den Schneiderkategorien vorstellen. Sie stehen faktisch außerhalb aller gewerbegesetzlichen Bestimmungen und haben ihr Schicksal an die unsichere Existenz des Stückmeisters geknüpft. Wie der Stückmeister verfertigen auch sie meist nur einzelne Kleidungsstücke, Hosen oder Westen ꝛc., büßen die Fertigkeit betreffs anderer Stücke ein und beschränken so ihr eigenes Arbeitsfeld. Auch bei den Lehrlingen solcher Betriebe zeigt sich dieser Mangel der gewerblichen Ausbildung, der sie in der Zukunft als Gesellen schädigt.

Die Beschäftigung bei den Stückmeistern wird durch fortwährende Geschäftskrisen unterbrochen, und der Zuzug zu den großen Industriecentren, sowie die geringfügigen Kosten, mit denen man Stückmeister werden und die kleine Werkstatt errichten kann, steigern kontinuirlich die Konkurrenz unter den Stückmeistern und unter den Gesellen.

Lohnreduktionen, die den Meister als Zwischenunternehmer und den Gesellen betreffen, sind an der Tagesordnung, man lebt von einem Tag auf den andern, und es wird nun begreiflich, warum sich der Kleinmeister gegen jede Sozialreform wehrt: die Kulturwidrigkeiten des „Schwitzsystems“ bei Stücklohn und Hausindustrie sind derzeit die Existenzbedingungen des Kleinbetriebes.

<!-- S. 8 -->

Da der Stückmeister im Schneidergewerbe dominirt, kann es nicht auffallen, daß nur ein geringer Theil der Gesellen, der in größeren Kundengeschäften bedienstete, bei gutem Lohn und beschränkter Arbeitszeit thätig ist. Ebenso begreiflich ist es, daß die fachliche Ausbildung der Lehrjungen in der wirthschaftlich desolaten Stückmeisterei leidet und daß ihre Wohnungs- und Kostverhältnisse oft den einfachsten hygienischen Anforderungen Hohn sprechen.

Die Misère im Hause des Stückmeisters wird noch übertroffen und zugleich verschärft durch die Einrichtung des Sitzgesellenwesens und des Pfuscher- oder Störerthums. Der Sitzgeselle arbeitet in seiner Wohnung auf Stücklohn — eventuell mit Frau und Kind. Diese Art des Erwerbes ist gesetzlich gestattet, und der Sitzgeselle kann sich in den Stückmeister verwandeln, wenn er die Baarbeträge für den Gewerbeschein aufbringt. Lehrlinge zu halten, ist ihm nicht gestattet, und um des Lebens Nothdurft zu befriedigen, unterbietet er jeden Stücklohn.

„Störer“ oder „Pfuscher“ heißt ein solcher Sitzgeselle, wenn er unerlaubter Weise mit Gesellen oder Lehrjungen arbeitet. Seine Mitarbeiter sind der Krankenversicherung entzogen, und seine Lehrjungen können selbst bei abgedienter Lehrzeit nicht freigesprochen werden. Die ausgedehntesten Maßregeln und Strafbestimmungen der Genossenschaften waren bisher nicht im Stande, diesen Gewerbestörungen zu steuern.

Die Frauenarbeit ist in der männlichen Bekleidungsindustrie noch nicht namhaft vertreten, nimmt aber von Jahr zu Jahr zu. Auch sie wird bei der mangelhaften Organisation des Schneidergewerbes neues Unheil zu dem alten fügen.

<!-- S. 9 -->

Die früher oft erhobenen Klagen gegen die Konkurrenz der Strafhausarbeit verstummen immer mehr. Ja, einzelne Verwalter der Strafhäuser sprechen es offen aus, daß sich die Sträflingsarbeit bei den billigen Löhnen der Hausindustrie nicht rentire.

Gegen ein solches Darniederliegen eines Gewerbes ist der Kampf um den Befähigungsnachweis und zünftlerische Umgestaltung der Genossenschaft machtlos. Es ist ein alter brennender Kampf, der hier um die nothdürftigsten Existenzmittel geführt wird. Die fortwährende, oft fruchtlose Sorge um den Erwerb untergräbt die Gesundheit; die Wohnräume, zugleich Arbeitsräume, liegen in den billigsten, ungesundesten Vierteln der Städte, die Zimmer sind klein, niedrig, häufig feucht, finster und übervölkert. Dazu die Unreinlichkeit, denn häusliche Arbeiten werden zu Gunsten des Erwerbes vernachlässigt, dazu die ungenügende Ventilation und Ueberheizung, welche der Vermehrung von Krankheitskeimen gewaltigen Vorschub leisten. Ein übriges thut die lange Arbeitszeit. Das enge Zusammenleben von Gesunden und Kranken führt zur Ausbreitung der großen Volkskrankheiten und macht die Stätten der Hausindustrie in der Zeit einer Epidemie zum Seuchenherd. —

Mit dem fertigen Kleidungsstück aber wandern die Krankheitskeime hinaus aus der Arbeitsstube, wo der Meister oder seine Familie inmitten der schaffenden Arbeiter an ansteckenden Krankheiten darniederliegen, und der ahnungslose Käufer trägt mit der billigen Waare den Ansteckungsstoff in seine Behausung.

Seit diese Verhältnisse untersucht und dem großen Publikum bekannt geworden sind, beschäftigen sie unausgesetzt <!-- S. 10 --> Regierung und Parlament. Noch aber ist, abgesehen von einigen Staaten Nord-Amerikas, kein Land daran gegangen, die Hausindustrie und ihre scheußlichen Auswüchse gehörig zu überwachen oder wenigstens unter das Fabrikgesetz zu stellen. Von halben Maßregeln kann man sich nichts versprechen, und die Hygiene wird sich nur durchsetzen, wenn der Sitzgeselle verschwindet und Betriebswerkstätten entstehen.

---

Wenn wir die „*Gewerbekrankheiten*“ der Schneider auf ihre Ursachen prüfen, so müssen wir die oben geschilderten Verhältnisse fest im Auge behalten. Denn sie schaffen den Boden, auf welchem die großen *Volkskrankheiten* so üppig gedeihen, und sie stützen und fördern aufs wirksamste die sanitären Nachtheile, welche die Ausübung des Schneiderhandwerks mit sich bringt. Dadurch erfährt die Lehre von den Krankheitsursachen eine derartige Erweiterung, daß die gegenwärtige Institution der Aerzte unhaltbar erscheint.

Nimmt man zu der niedrigen Lebenshaltung der Schneider noch hinzu, daß dieses Gewerbe neben normalen, kräftigen Arbeitern noch immer eine Auslese der Schwächeren in sich birgt, so wird man in den gesammelten Krankenberichten höchst ungünstige Ziffern über das Schneiderhandwerk anzutreffen erwarten.

Dies trifft in der That zu. Seitdem man Einblick in die Gesundheitsverhältnisse der gewerblichen Arbeiter genommen hat, ist man daran gewöhnt, in der Schneiderindustrie einen Beruf zu erblicken, der mit Krankheiten überladen ist. Anfangs war man <!-- S. 11 --> geneigt, alle Schneiderkrankheiten auf eine spezielle Ungunst des Gewerbes zurückzuführen. Diese Ansicht mußte fallen, sobald man die ungeheure Noth im Schneidergewerbe aus statistischen Erhebungen, Enquèten, Genossenschafts- und Gewerkschaftsberichten kennen lernte. Eine objektive Betrachtung lehrt uns vielmehr, daß sich zu den Feinden der Gesundheit, die dem Arbeiter aus seiner ökonomischen Lage erwachsen und ihn durch mangelhafte Ernährung, schlechte Wohnungsverhältnisse, übermäßiger Arbeitszeit ꝛc. den verschiedenen Krankheiten in höherem Grade aussetzen, noch eine spezielle Schädlichkeit des Gewerbes gesellt, welche die Krankheitsgefahr um vieles näher rückt.

So ist es mit den *Lungenerkrankungen*, die unter den Schneidern wüthen. Neumann (Berlin 1854) fand unter den erkrankten Schneidern 60 % an *Lungentuberkulose* leidend, dem gegenüber nur 23—49 % in anderen Berufen. — Unter den 2072 kranken Schneidern Hirt’s litten:

22,7 % an *Lungenschwindsucht*,  
15,6 % an *chronischem Luftröhrenkatarrh*,  
7,6 % an *Lungenentzündung*,  
4,3 % an *Emphysem*;

im Ganzen also 50,2 % an Erkrankungen der *Athmungswerkzeuge*. — Auf 1000 Todesfälle in Frankreich kamen nach Neufville (1855) im Durchschnitt 256, die durch *Lungenschwindsucht* veranlaßt waren; bezüglich der Berufe standen die Schneider mit 399 obenan. — Popper (Prag) schätzt die relative Zahl der Schneider, welche der Lungentuberkulose erliegen, fast doppelt so hoch, als der Durchschnitt im Handwerk ergiebt. — Der letzte Bericht <!-- S. 12 --> der Wiener Arbeiter-Krankenkassen weist in der Bekleidungsindustrie bezüglich der Ursachen der Sterbefälle in 72 % Erkrankungen der Lunge aus.

Es kann nun keineswegs geleugnet werden, daß die Ausübung des Schneidergewerbes Berufsschädigungen ergiebt, die zur Erklärung dieser auffallend hohen Zahlen herangezogen werden müssen. Vor allem kommen die *sitzende Beschäftigungsweise* und die dauernd *gebückte Körperhaltung* in Betracht. Sie bewirken, daß sich der Gasaustausch in den Lungen mangelhaft vollzieht und daß die freie Entfaltung und Lüftung der Lungen behindert werden. Zudem ist die Thatsache bekannt, daß *Arbeiter, welche mit geringem Kraftaufwande in geschlossenen Räumen ihrer Arbeit nachgehen, in höherem Grade der Lungenschwindsucht ausgesetzt sind, als die im Freien mit mäßiger Anstrengung Arbeitenden*. — Aber all dies wäre nicht im Stande, die hohe Ziffer der Lungenerkrankungen im Schneidergewerbe zu erklären; findet man doch in günstiger situirten Gewerben bei ähnlicher Körperhaltung und ähnlicher Beschäftigungsweise eine ungleich niedrigere Ziffer. —

Auch die *Einathmung des Staubes, der von den Kleiderstoffen abfällt* und die Luft des Stübchens erfüllt, muß als eine weitere Schädlichkeit angesehen werden, und kann der Entstehung von Lungenkrankheiten, besonders der *Tuberkulose*, Vorschub leisten. — Doch auch der Staub kann die Höhe unserer Ziffern nicht erklären.

Der überwiegende Zimmeraufenthalt trägt gleichfalls zur Verschlimmerung der Situation bei und setzt gewiß die Schneider bezüglich der Lungentuberkulose <!-- S. 13 --> in eine ungünstigere Position gegenüber anderen Gewerben, die den Genuß freier, frischer Luft zulassen.

Aber man kann diese erschreckend hohen Ziffern erst begreiflich finden, wenn man weiß, wie die Schneider leben, wenn man den niederen standard of life in diesem Gewerbe, die *Unterernährung der Arbeiter, das enge Zusammenleben in kleinen, schlecht gereinigten, mangelhaft ventilirten Stuben in Betracht zieht, wo sich neben der Arbeit das häusliche Leben der Schneiderfamilie abspielt*. Häufig mangelt auch die desinfizirende Kraft des direkten Sonnenlichtes — und aus allen diesen Mängeln resultirt ein oft mit Jahren geschwächter Organismus, der zur leichten Beute der kleinen Feinde des Menschengeschlechtes wird. Erst aus der Konkurrenz aller dieser Thatsachen erwachsen die verheerenden Wirkungen. —

*Die antihygienische Bedeutung der gebückten Körperhaltung macht sich noch in anderen Richtungen geltend. Der Abfluß des Blutes vom Herzen in die Blutgefäße wird einigermaßen erschwert, wenn die peripheren Körpertheile in starker Beugung zum Stamme gehalten werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß bestehende Herzkrankheiten durch derartige Hemmungen im Blutkreislauf ungünstig beeinflußt werden.* —

Wichtiger ist, daß durch diese Haltung der *Abfluß des Venenblutes zum Herzen erschwert wird und die Bauchgefäße beständig eine große Menge Blutes enthalten*. Es besteht eine Ueberfüllung der Bauchgefäße, die für die Ernährung <!-- S. 14 --> der Bauchorgane, besonders der Darmwände, von schlimmen Folgen ist. Daraus leiten viele Untersucher die große Zahl der *Magen-Darmerkrankungen*, auch der *Stuhlunregelmäßigkeiten* ab. Die gleiche Ursache liegt den *Venenerweiterungen an den Füßen*, Krampfadern (Varicen) und den *Hämorrhoiden* zu Grunde. Letztere können durch Verschwärung zur Etablirung einer *Mastdarmfistel* Veranlassung geben, einer *Erkrankung, deren häufiges Vorkommen im Schneidergewerbe von mancher Seite betont wurde*.

Wir werden gut thun, bezüglich der *Magendarmerkrankungen die prädisponirende Bedeutung der ungesunden Körperhaltung anzuerkennen, ein besonderes Gewicht aber zu legen auf das überlange Verharren in dieser Haltung, und nicht minder auf die vielfach ungenügende und ungesunde, sowie unzweckmäßige Kost der Arbeiter*. Denn erst diese Verhältnisse sind geeignet, eine Erklärung für die 30 und mehr Prozente der Magen-Darmerkrankungen unter den Schneiderkrankheiten abzugeben. —

Eine Verunstaltung, die schon seit Langem bei den Schneidern auffällig war und je nach Sitte und Geist der Bevölkerung dem Spotte eine Zielscheibe gab, besteht in einer *Verkrümmung des Rückgrates — Skoliose, Buckel*. — Langandauerndes Sitzen in schlechter Körperhaltung muß bezüglich dieser Krankheit angeschuldigt werden. Die Träger solcher Skoliosen kommen vorzüglich aus den Reihen jener Schneider, die jugendlich und schlecht genährt bei harter Arbeit ihre körperliche Widerstandskraft vollends einbüßen. —

<!-- S. 15 -->

Ein häufiges Vorkommniß bei den Schneidern ist auch die *starke Schwiele mit darunter liegendem Schleimbeutel auf den beiden äußeren Knöcheln, weil auf diesen beim Sitzen mit gekreuzten Beinen die Last des Körpers ruhen muß*. Mit dieser eigenthümlichen Haltung der Schneider sind auch die Erschlaffung und Abnahme der Sensibilität der Beine, ferner die schwieligen Verdickungen der Sitzknorrengegenden in Verbindung zu bringen.

Auffällig ist die Häufigkeit, mit der unter den Schneidern die *Krätze (Scabies)* auftritt. Diese *Hauterkrankung wird durch das Eindringen der Krätzmilbe unter die Haut verursacht*. Zuerst werden gewöhnlich die Hautfalten zwischen den Fingern und ihre Umgebung am Handrücken befallen. Kleine Bläschen schießen auf, in denen sich die Milbe birgt. In der Wärme, wenn der Träger der Milbe sein Bett aufsucht, beginnt das Thierchen seine Arbeit und gräbt den Gang. — Dies vollzieht sich unter quälendem Jucken, das den Kranken zu fortwährendem Kratzen veranlaßt und ihn um seinen Schlaf bringt. Mit der Zeit werden die Achselfalten, Brust und Bauch, Geschlechtstheile und Gesäß in den Prozeß einbezogen. Oft begegnet man der Behauptung, daß die Krätze eine ganz spezielle Schneiderkrankheit sei, und thatsächlich ist fast der vierte Theil aller krätzkranken Arbeiter aus dem Schneidergewerbe. Derzeit haben ihnen die Schuster den Rang abgelaufen; sie stellen nämlich die Hälfte des Kontingents der Krätzkranken. Woran dies liegt, ist derzeit nicht mit Sicherheit zu sagen. Aber mancher Kassenarzt könnte den Beweis erbringen, <!-- S. 16 --> daß im Hause einiger Schneider- oder Schustermeister die Krätze nicht ausstirbt. Als Ursache der großen Ausbreitung der Krätze im Schneidergewerbe muß das enge Zusammenleben der Arbeiter, die Verknüpfung ihrer Häuslichkeit mit der Werkstätte und die mangelhafte Reinlichkeit von Bett- und Leibwäsche angesehen werden. Das *Hautjucken* an den Händen und Fingern, die Ekzeme und *ödematösen Schwellungen* des Gesichts, sind oft die Folge von Intoxikationen mit giftigen Substanzen gewisser Kleiderstoffe.

Bei der Handnäherei kommen häufig *Panaritien in Folge von Verletzungen durch Nadelstiche, ferner vom Zuschneiden durch den Scheerendruck Schwielen am rechten Zeigefinger und Daumen, bisweilen sogar Luxationen des rechten Daumens vor*.

*Panaritien des linken Daumens mit Verlust des Nagelgliedes durch Verletzungen beim Entgegendrängen von harten Stoffen an die durchstechende Nadel* sind auch bekannte Vorkommnisse bei Schneidern. Beim Herausziehen der Nadel sind nicht selten *Verletzungen der Augen* vorgekommen.

An der rechten Hand entstehen Schwielen am Rande des Mittel- und Zeigefingers und am äußeren Rande des kleinen Fingers als Druckerscheinung beim Ausziehen des Fadens; an der linken Hand kommen Verdickungen der Haut des kleinen Fingers vor.

*Vergiftungen* können bei Schneidern vorkommen durch Einathmen von giftigen Farben und Metallstaub, welche von den Kleiderstoffen und dem Nähzwirn beim Nähen abgerieben werden.

<!-- S. 17 -->

Die üble Gewohnheit, den öfters mit Giftfarben imprägnirten Faden in den Mund zu nehmen, abzubeißen, einzuspeicheln und zu kauen, verursacht Zahnfleischentzündungen, Uebelkeiten, Magenschmerzen und Koliken.

Daß die *Näharbeit* bezüglich der *Augen* ungünstige Verhältnisse schafft, ist allgemein bekannt. Bei *Kurzsichtigen steigert sie den Grad der Kurzsichtigkeit, bei Normal- und Uebersichtigen entwickeln sich oft lästige, schmerzhafte Störungen, Krämpfe der inneren Augenmuskeln, das Auge ermüdet leicht, so daß das Arbeiten oft unmöglich wird. Auch bei dieser „Gewerbekrankheit“ liegt das ursächliche Uebel in der langen Dauer der Näharbeit und in dem Zwange, bei anbrechender Dunkelheit oder bei mangelhafter Beleuchtung arbeiten zu müssen*.

Aehnlich verhält es sich mit dem *Schneiderkrampf*. *Bei angestrengter Inanspruchnahme einzelner Muskeln und Muskelgruppen kommt es oft zu schmerzhaften Krämpfen von kürzerer oder längerer Dauer. Vorwiegend sind die Beugemuskeln der Hand und des Vorderarmes dieser Gefahr ausgesetzt. Den Anlaß bietet vor allem angestrengte, dauernde Ueberarbeit, wie sie zur Saison im Schneidergewerbe gewöhnlich statt hat.*

Daß aus der Schneiderstube Infektionskrankheiten in die Welt getragen werden, ist schon erwähnt worden. Ebenso gelangen Infektionskrankheiten in die Schneiderstube durch die zum Umändern und Ausbessern überbrachten Kleidungsstücke.

<!-- S. 18 -->

*Rheumatismen und Gicht der Arme* heben sich auffällig in der Zahl der Erkrankungen hervor. Man wird nicht fehlgehen, wenn man für diese Krankheitsgruppen die ungesunden Wohnungen und schlechten Nahrungsverhältnisse verantwortlich macht.

---

Die Zahl der *Unfälle*, die sich in der Bekleidungsindustrie ereignen, ist zwar keine bedeutende, aber doch größer, als man gemeinhin annimmt. Die Unfälle geschehen durch *Verbrennung*, durch *Fall*, durch *Arbeitsmaschinen* und *Arbeitsgeräthe* und versetzen oft den kleingewerblichen Schneider in die hülfloseste Lage. Die Ausdehnung der Unfallversicherung auf das Schneidergewerbe ist im Interesse der allgemeinen Gesundheitspflege unumgänglich nothwendig. Einzelne Unfälle mußten bereits im Zusammenhange mit den Gewerbekrankheiten erwähnt werden. Hier sei noch Folgendes bemerkt:

Die Mehrzahl der *Stichwunden* fällt auf die Maschinenschneider, die geringere auf die Handarbeiter. Sie geschehen durch *Nadel*, *Scheere* und *Messer*, und ihre Bedeutung wird oft unterschätzt. Nicht *allzu selten schließen sich an solche Wunden Entzündungen, Zellgewebsvereiterungen, selbst Rothlauf an, die durch Verunreinigung der Wunde und durch Einwanderung von Mikroorganismen veranlaßt werden. Die Stichwunden am linken Daumen und linken Zeigefinger* sind aus begreiflichen Gründen sehr häufig, da diese Finger immer in nächster Nähe der Nadelspitze sich befinden. Im Uebrigen sei noch auf nachstehende statistische Tabellen verwiesen. —

<!-- S. 19 -->

Es ist noch anzuführen, daß einige Beobachter eine besondere Häufigkeit von *Zahnerkrankungen*, *Caries*, unter den Schneidern erwähnen; *das Abbeißen der Fäden mit den Zähnen soll diese Schädigung herbeiführen*. Es ist wahrscheinlich, daß bei der elenden Lebenshaltung der Schneider nur geringe Neigung vorhanden ist, irgend welche Sorgfalt auf die Reinigung der Zähne zu verwenden, ein Umstand, der sicherlich ebenso schwer wiegt wie das Abbeißen der Fäden.

Eine stattliche Anzahl von Erkrankungen also, die mit großer Vorliebe den Schneider heimsuchen. So erklären sich auch die hohen Ziffern der Gesammterkrankungen, relativ wohl die höchsten, die ein Gewerbe aufzuweisen hat. Statistische Erhebungen ergeben einen Gesammtkrankenstand von 12—27 %. — Tief sitzt das Elend im Schneidergewerbe, schlägt mit Krankheiten um sich und heckt so neues Elend.

*Die durchschnittliche Lebenszeit eines Schneidergehülfen ist nicht hoch, die Zahlen schwanken zwischen 33 und 48.* Wo immer Untersuchungen über die Lebensdauer einzelner Berufsstände die Kurzlebigkeit der arbeitenden Bevölkerung aufdecken, stellen sich die Schneider mit der bescheidensten Ziffer ein. —

Eben in dieselbe Zeit fällt auch die *Invalidität* des Schneiders in der Hausindustrie. — — —

---

Brauchbare statistische Zahlen über die Unfälle im Schneidergewerbe sind bis jetzt noch nicht vorhanden. Da wir wie aus begreiflichen Gründen von der großen Anzahl der in der Hausindustrie beschäftigten Schneider kaum eine Unfallstatistik be-

<!-- S. 20 -->

<!-- Tabelle I, a doble página (S. 20-21). Las cabeceras de columna están impresas en vertical; el título y la cabecera de grupo "b)" se reparten entre ambas páginas como en el original. Se conserva la numeración de columnas del original (faltan las columnas omitidas de las Amtliche Nachrichten). -->

**Verletzte Personen, für welche im Laufe des Rechnungs-**

| Berufs-Genossenschaften | Durchschnittliche Zahl der versicherten Personen | a) Zahl, Alter, Geschlecht d. Personen: Erwachsene m. | Erwachsene w. | Jugendliche (unter 16 Jahren) m. | Jugendliche (unter 16 Jahren) w. | Zusammen | Auf 1000 Personen kommen Verletzte | b) Gegenstände und sich die Un-: Motoren, Transmissionen und Arbeitsmaschinen | Fahrstühle, Aufzüge, Krahne, Hebezeuge | Dampfkessel, Dampfleitungen u. Dampfkochapparate, Explosion und sonstige | Feuergefährliche heiße und ätzende Stoffe ꝛc., Gase, Dämpfe ꝛc. | Zusammenbrechen, Einsturz, Herab- und Umfallen von Gegenständen |
|---|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|
| 1. | 2. | 3. | 4. | 5. | 6. | 7. | 8. | 9. | 10. | 11. | 13. | 14. |
| 1890 Bekleidungsindustrie B.G. | 96180 | 72 | 16 | 4 | 1 | 93 | 0,97 | 66 | 1 | — | 3 | 3 |
| 1897 Bekleidungsindustrie B.G. | 125246 | 180 | 64 | 9 | 4 | 257 | 2,05 | 173 | 2 | 1 | 5 | 4 |

Rubrik 12, 18, 19, 29 der Amtlichen

<!-- S. 21 -->

**jahres Entschädigungen gezahlt worden sind.**

| Vorgänge, bei welchen fälle ereigneten: Fall von Leitern, Treppen ꝛc., aus Luken ꝛc., in Vertiefungen ꝛc. | Auf- und Abladen von Hand, Heben, Tragen ꝛc. | Fuhrwerk (Ueberfahren von Wagen und Karren aller Art ꝛc.) | Thiere, Stoß, Schlag, Biß, einschließlich aller Unfälle beim Reiten | Handwerkszeug, einfache Geräthe, Hammer, Aexte, Spaten, Hacken ꝛc. | Sonstige | c) Folgen der Verletzungen: Tod | Dauernde Erwerbsunfähigkeit: völlige | Dauernde Erwerbsunfähigkeit: theilweise | Vorübergehende Erwerbsunfähigkeit | Zahl der entschädigungsberechtigten Hinterbliebenen der Getödteten: Wittwen | Kinder | Zusammen | Zahl aller Verletzten, für welche im Laufe des Rechnungsjahres Unfallanzeigen erstattet wurden | Auf 1000 vers. Personen kommen Verletzte |
|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|
| 15. | 16. | 17. | 20. | 21. | 22. | 23. | 24. | 25. | 26. | 27. | 28. | 30. | 31. | 32. |
| 8 | 5 | 1 | 1 | 3 | 2 | 5 | 1 | 83 | 4 | 4 | 2 | 6 | 419 | 4,36 |
| 32 | 8 | 3 | 2 | 8 | 19 | 5 | 4 | 204 | 44 | 5 | 9 | 14 | 1040 | 8,30 |

Nachrichten sind nicht mit abgedruckt.

<!-- S. 22 -->

kommen können, müssen wir uns mit der Statistik der Bekleidungsindustrie-Berufsgenossenschaften begnügen, welche wir in den Amtlichen Nachrichten des Deutschen Reichsversicherungsamtes vom Jahre 1890 finden.

Sämmtliche Tabellen sind der Statistik über die gewerblichen Berufsgenossenschaften aus dem Jahre 1890 entnommen.

Nur der Tabelle I (S. 20, 21) habe ich zum Vergleich die statistischen Zahlen aus dem Jahrgang 1897 beigefügt. Man sieht aus diesem Vergleich, daß die Unfälle ihrer Frequenz nach bedeutend, fast um das Doppelte seit 7 Jahren gestiegen sind, trotzdem im Verhältniß hierzu die Zahl der versicherten Personen sich nicht so sehr vermehrt hat.

Tabelle II (S. 23) giebt eine Uebersicht über die Zahl und Größe der Betriebe, in welchen sich entschädigungspflichtige Unfälle ereigneten.

Tabelle III (S. 24, 25) enthält die Art der Verletzungen und die verletzten Körpertheile. Von Interesse ist nur hervorzuheben, daß die weitaus größte Mehrzahl der Verletzungen die oberen Gliedmaßen betrifft.

Tabelle IV (S. 26) endlich enthält die Verletzungen nach ihrer Schwere und nach den Folgen.

Aus dieser tabellarischen Zusammenstellung sieht man nur soviel, daß die Unfallziffern im Schneidergewerbe keine so große Rolle spielen. Um so bedeutungsvoller dagegen ist die Krankheitsgefahr mit ihren Folgen.

---

Wer an diesen Uebeln bessern will, muß sich die soziale Struktur des Schneidergewerbes vor Augen

<!-- S. 23 -->

<!-- Tabelle II, impresa apaisada. -->

**Zahl und Größe der Betriebe, in welchem sich entschädigungspflichtige Unfälle ereigneten.**

| Berufs-Genossenschaften | Zahl der Betriebe, in welchen sich entschädigungspflichtige Unfälle ereigneten | Zahl der versicherten Personen in diesen Betrieben | Die Betriebe in Spalte 2 betragen Prozente aller Betriebe der B.G. | Die versicherten Personen in Spalte 3 betragen Prozente aller versicherten Personen der B.G. | Zahl u. Geschlecht der bei entschädigungspflichtigen Unfällen Verletzten: m. | w. | zusammen | Zahl der entschädigungspflichtigen Unfälle | Auf jeden Betrieb der B.G. kommen durchschnittlich: Versicherte Personen | Entschädigte Verletzte |
|---|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|
| 1. | 2. | 3. | 4. | 5. | 6. | 7. | 8. | 9. | 10. | 11. |
| Bekleidungsindustrie B.G. . . . . . | 60 | 6520 | 2,26 | 7,56 | 48 | 20 | 68 | 67 | 32,51 | 0,03 |

<!-- S. 24 -->

<!-- Tabelle III, a doble página (S. 24-25); título y cabecera de grupo "2. Wunden, Quetschungen, Knochenbrüche ꝛc." repartidos entre ambas páginas como en el original. -->

**Art der Verletzungen**

| Berufs-Genossenschaften | 1. Verbrennungen, Verbrühungen, Aetzungen: Mehrere Körpertheile zugleich und ganzer Körper | Zusammen Sp. 2—4 | 2. Wunden, — a) Arme: Rechter Arm (oder rechte Hand) | Linker Arm (oder linke Hand) | Zusammen Sp. 6—8 | b) Beine: Rechtes Bein (oder rechter Fuß) | Linkes Bein (oder linker Fuß) | Zusammen Sp. 10—12 |
|---|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|
| 1. | 2. | 5. | 6. | 7. | 9. | 10. | 11. | 13. |
| Bekleidungsindustrie B.G. | 1 | 1 | 30 | 21 | 51 | 4 | 2 | 6 |

Rubrik 3, 4, 8, 12, 17, 18, 19, 20, 28, 29, 30

<!-- S. 25 -->

**und verletzte Körpertheile.**

| Quetschungen, Knochenbrüche ꝛc. — c) Kopf und Hals: Ueberhaupt (ausgenommen Augen) | Augenverletzungen | Zusammen Sp. 14, 15 | d) Rumpf: Becken, Hüften | Leistenbrüche | Sonstige und mehrfache Verletzungen | Zusammen Sp. 17—23 | Mehrere Körpertheile a—d zugleich | Ganzer Körper | Zusammen Sp. 6—26 | Insgesammt Sp. 2—30 |
|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|
| 14. | 15. | 16. | 21. | 22. | 23. | 24. | 25. | 26. | 27. | 28. |
| 2 | 1 | 3 | 1 | 2 | — | 3 | 2 | 2 | 67 | 68 |

der Amtlichen Nachrichten mußten wegfallen.

<!-- S. 26 -->

<!-- Tabelle IV, impresa apaisada. -->

**Die Verletzungen nach ihrer Schwere und nach den Folgen.**

| Berufs-Genossenschaften | Verletzungen mit tödtlichem Verlauf | In Prozenten zu Sp. 12 | Nichttödtliche Verletzungen — Länger als 6 Monate dauernde Erwerbsunfähigkeit: Völlige | In Prozenten zu Sp. 12 | Theilweise | In Prozenten zu Sp. 12 | Erwerbsunfähigkeit von mehr als 13 Wochen bis zu 6 Monaten | In Prozenten zu Sp. 12 | Zusammen Sp. 4, 6, 8 | In Prozenten zu Sp. 12 | Verletzte, Sp. 2 und 10 zusammen | Auf 1000 versicherte Personen kommen: Getödtete Sp. 2 | Verletzte Sp. 12 | Entschädigungsberechtigte Hinterbliebene der Getödteten Sp. 2: Wittwen | Kinder | Ascendenten | Zusammen Sp. 15—17 |
|---|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|---:|
| 1. | 2. | 3. | 4. | 5. | 6. | 7. | 8. | 9. | 10. | 11. | 12. | 13. | 14. | 15. | 16. | 17. | 18. |
| Bekleidungsindustrie B.G. | 3 | 4,41 | 9 | 13,24 | 54 | 79,41 | 2 | 2,94 | 65 | 95,59 | 68 | 0,03 | 0,79 | 1 | 2 | — | 3 |

<!-- S. 27 -->

halten. Was in anderen Berufen die Maschine erzwungen hat oder die Organisation der Arbeiter, fehlt hier noch gänzlich. Die Situation des Schneidergewerbes schreit nach einer Ausbildung des Gewerbegesetzes, und nur staatliche Intervention kann verhindern, daß der Rückständigkeit des Betriebes Generationen zum Opfer fallen.

Und die kleinen Meister? Was kann der Befähigungsnachweis an diesen Zuständen ändern, was nützen Genossenschaftsstatuten über die Zahl der Lehrjungen und ihre Lehrzeit, was kann die Ueberwachung der Pfuscher und ein Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, was fruchten die paar Rohstoffvereine, Magazingenossenschaften und Produktivassoziationen, wenn die ungebundene Konkurrenz am Weltmarkte die Meister zu billiger Akkordarbeit, zur weitestgehenden Ausbeutung ihrer Hülfskräfte und zur Saisonarbeit zwingt.

Und die Rückständigkeit des Betriebes verdammt den Arbeiter, bei niedrigstem Standard in der ungesunden Kleinmeisterwohnung seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen, oder als Sitzgeselle in ein elendes Nest gebannt zu sein. Die Häufung der Zwischenmeister drückt den Lebenserwerb auf die tiefste Stufe, zwingt zu Ueberschreitungen des Gewerbegesetzes und fördert ein System fortwährender Lohnunterbietungen und Lohnreduktionen.

Die Fortschritte der sozialen Gesetzgebung haben den Schneidern zu einer obligatorischen Krankenversicherung verholfen, die mangelhafte Registrirung der Arbeiter seitens der Meister und die häufige Arbeitslosigkeit reißt viele wieder aus dieser segensreichen Institution.

<!-- S. 28 -->

*Auch ist es nöthig, darauf hinzuweisen, daß den großen Volkskrankheiten gegenüber das gegenwärtige Institut der Aerzte nicht ausreicht. Eine erfolgreiche Bekämpfung der Tuberkulose z. B. ist undenkbar, wenn sich der Wirkungskreis des Arztes nur auf das erkrankte Individuum erstreckt, wenn der Patient den Namen seiner Krankheit erfährt, ein Medikament oder ärztliche Rathschläge erhält und zurückkehrt an die Stätte, wo der Tod auf ihn lauert.*

Von der Unfallversicherung aber, die sich nur auf Betriebe von mindestens 20 Arbeitern erstreckt, ist der weitaus größte Theil der Schneider ausgeschlossen; mit welchem Recht, haben wir früher gezeigt.

Die Wohlthat der Fabrikinspektion kommt gleichfalls nur den großen Betrieben zu Gute; und doch hätten die kleinen Werkstätten eine Inspektion viel nöthiger.

Der Mangel einer Altersversorgung endlich oder ihre Geringfügigkeit droht mit der traurigen Wahl: frühzeitiger Tod oder Erniedrigung im Alter.

Jede Forderung der Sozialhygiene, die eine Hebung der Lage im Schneidergewerbe zu Gunsten der Arbeiter und Lehrjungen bezweckt, stößt auf den heftigsten Widerstand des Kleingewerbes. Dies ist begreiflich, vielleicht sogar verzeihlich, wenn man die strikte Abhängigkeit des Kleinmeisters vom Großunternehmer und seine kritische Situation ins Auge faßt, beweist aber nur die Kulturwidrigkeit des Kleinbetriebes im Schneiderhandwerk. Es geht weiter nicht an, zu Gunsten einer veralteten, auf Abwege <!-- S. 29 --> gerathenen Betriebsform die Gesundheit der Arbeiter aufs Spiel zu setzen.

Deshalb stellen alle Organisationen von Schneidergehülfen an die Spitze ihrer Forderungen die nach Errichtung von selbständigen Betriebswerkstätten, die von der Meisterwohnung losgelöst sind. Damit wäre auch das Ende des Sitzgesellen gekommen, und der Angriff gegen das „Schwitzsystem“ hätte begonnen. Vom Standpunkte der öffentlichen Gesundheitspflege müssen diese Forderungen vollkommen acceptirt werden.

Nicht minder wichtig ist die Einführung eines entsprechenden Normalarbeitstages, die Ausdehnung der Fabrikinspektion auf alle Betriebe, die Ausdehnung der Unfallversicherung auf das Schneidergewerbe, sowie die Schaffung einer Arbeitslosenversicherung und einer ausreichenden Altersversorgung.

Aerztlich geschulte Fabrikinspektoren, und solche wird uns die nächste Zeit wohl bringen müssen, hätten die Betriebswerkstätten zu revidiren, um dort den Grundsätzen der Hygiene Geltung zu verschaffen. Nicht allgemeine Bestimmungen, deren Deutung dem Fabrikanten und dem dilettirenden Hygieniker anheim gegeben sind, sondern genaue, aus der Hygiene geschöpfte Forderungen müßten erfüllt werden, um dem Schneiderhandwerk seine zahlreichen hygienischen Nachtheile zu nehmen. Durch genügenden Luftraum und ausreichende Lüftung, durch Herstellung einer zweckmäßigen Beleuchtung, durch Regulirung der Arbeitszeit und durch Belehrung der Arbeiter über die Gefahren ihres Berufes und deren Verhütung könnte der Feind in der Werkstatt erfolgreich bekämpft werden.

<!-- S. 30 -->

Das Uebel sitzt aber noch tiefer. Die Wohnungen der Schneidergehülfen und großentheils auch der Meister zählen zu den elendesten, liegen in ungesunden, schmutzigen Stadttheilen, sind überfüllt und bergen eine Unzahl von Krankheitskeimen. Die Sanirung dieser Wohnungsverhältnisse ist von größter Wichtigkeit für die Gesundheit der Bevölkerung und könnte nur von staatlich beauftragten Aerzten auf Grund einer strengen Bau- und Wohnungsgesetzgebung durchgeführt werden. Der Errichtung geeigneter Arbeiterhäuser sollten Staat und Gemeinden in jeder Weise entgegenkommen, um das Elend der Wohnungsfrage zu lindern.

Eine gleiche Aufmerksamkeit erfordern die Nahrungsmittel. Der geringe Lohn zwingt die Mehrzahl der Schneider, billige Kost zu genießen, sei es beim Meister, sei es im eigenen Haushalt. Daß diese Kost häufig zum Ersatz der verbrauchten Körperkräfte nicht ausreicht, wurde schon hervorgehoben. Verhängnißvoller noch ist es für den Arbeiter, die vielfach verfälschten und verdorbenen Lebensmittel genießen zu müssen, die eine oft gewissenlose Privatspekulation gerade dem Aermsten der Armen bietet. Es ist deshalb nur freudig zu begrüßen, wenn die arbeitende Bevölkerung zu Konsumvereinen oder gemeinsamen Speisehallen ihre Zuflucht nimmt. Und auch hier sehen wir den Aerzten eine große Aufgabe erwachsen: Beseitigung der groben Mißstände in der Ernährung des Volkes.

Die Hausindustrie hat dem österreichischen und dem deutschen Handel zu einem Weltrufe verholfen. Die Billigkeit ihrer Arbeitskräfte sichert den Beherrschern der Hausindustrie auf Jahre hinaus den <!-- S. 31 --> Vorrang am Weltmarkte. Aber weite Länderstrecken haben dadurch eine traurige Physiognomie erhalten, die der sinkenden Löhne und der stummen Ergebenheit in das Schicksal fortwährender Lohnreduktionen. — Wer diese Physiognomie kennt, wird jener Handelspolitik den Vorzug geben, die Gesundheit und Kraft der Bevölkerung besser wahrt. —

<!-- Fin del texto de Adler (ornamento de cierre). Siguen en el original anuncios del editor Carl Heymanns Verlag (págs. 40-42 del PDF HathiTrust; págs. 39 ss. del PDF ZB MED): Drucksachen der Kommission für Arbeiterstatistik (Kleider- und Wäschekonfektion) y Ed. Golebiewski, "Aerztlicher Kommentar zum Unfallversicherungsgesetz vom 6. Juli 1884", 2. Aufl.; no se transcriben. -->

---

*Fuente:* transcripción a partir del ejemplar de la University of Chicago digitalizado por Google (HathiTrust, chi.24267245), cotejada con el de ZB MED Köln (urn:nbn:de:hbz:38m:1-72731). Ortografía original de 1898. Los comentarios `S. n` del código marcan el comienzo de cada página impresa.
