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Title: Was Dr. Alfred Adler erzählt
Description: Arbeiter-Zeitung (Wien), 20. Jg., Nr. 79, 20. März 1908, S. 7: Abschnitt des Berichts «Revolverattentat auf Pernerstorfer. Die Tat eines Irrsinnigen» (S. 6-7). Ohne Verfasserangabe.
Author: Alfred Adler
URL: https://adler.school/archivo/adler/entrevistas/original/1908-03-20%20Was%20Dr.%20Alfred%20Adler%20erz%C3%A4hlt
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<!-- S. 6 -->

# Revolverattentat auf Pernerstorfer.

## Die Tat eines Irrsinnigen.

<!-- Der Bericht der Redaktion (S. 6-7) schildert das Attentat des Ignaz Pollak auf den Abgeordneten Engelbert Pernerstorfer am Abend des 19. März 1908 im Flur des Hauses der Arbeiter-Zeitung (Mariahilferstraße 89) und Pollaks Selbstmordversuch, mit den Unterabschnitten «Wie die Tat geschah», «Was Genosse Pernerstorfer erzählt», «Die Darstellung einer Augenzeugin», «Der Attentäter» und «Ein früherer Exzeß Pollaks»; darin wird erwähnt, daß der Redakteur Winter (Max Winter) Pollak mit einem Empfehlungsschreiben an Dr. Alfred Adler schickte. Transkribiert wird nur der Abschnitt mit Adlers Angaben, der den Bericht abschließt. -->

<!-- S. 7 -->

### Was Dr. Alfred Adler erzählt.

Im Sommer vergangenen Jahres suchte Pollak mit einer Empfehlung der Arbeiter-Zeitung den praktischen Arzt Dr. Alfred *Adler,* II. Czerningasse Nr. 7, auf, um ihn wegen seiner „nervösen“ Zustände zn befragen. Unter anderem glaubte er, auf der Gasse bespitzelt zu werden. Er begab sich sogar eines Tages auf ein Polizeikommissariat, um sich darüber zu beklagen. Er fragte, warum man ihm bespitzle; wenn man von ihm Auskunft wolle, sei er bereit, sie zu geben. Auf dem Kommissariat schaffte man ihn wahrscheinlich kurzerhand ab. Der Arzt, der bald erkannte, es mit einer beginnenden Paranoia zu tun zu haben, empfahl ihm Ruhe und Schonung. Besonders aber riet er ihm, seine *schriftstellerische Tätigkeit* einzustellen, weil der Kranke gerade durch Zurückweisung seiner Arbeiten, wie ihm dies bei mehreren Redaktionen passiert war, in seinem Gefühl einer beabsichtigten Kränkung, in seinem Wahn, bestimmte Persönlichkeiten hätten sich gegen ihn verschworen, bestärkt wurde. Ursprünglich gingen, wie aus den Besprechungen mit dem Arzt klar wurde, seine Beeinträchtigungsideen aus seinen *Familienverhältnissen* hervor, zu denen sich dann die Bitterkeit gesellte, als Schriftsteller nicht anerkannt zu werden. Pollak entzog sich nach einigen wenigen Besuchen der ärztlichen Behandlung; Dr. Alfred Adler stellte nach ihm Nachforschungen an, die ergebnislos blieben.

Das letztemal war der Patient nach längerer Pause Mitte September beim Arzt erschienen, dann kam er nicht wieder. In der Zwischenzeit scheint sein Wahn neue Nahrung gefunden zu haben. An Genossen *Pernerstorfer* hefteten sich jetzt seine Ideen. Auch Pernerstorfer hat ihm als Schriftsteller angeblich nicht die gebührende Reverenz erwiesen. Pollak hielt sich für einen sehr bedeutenden Schriftsteller und glaubte sich *verfolgt,* weil die Ueberzeugung von seiner Bedeutung nicht auch Dritten beizubringen war. Er baute nun seine Wahnideen dahin aus, daß Genosse Pernerstorfer an *allen* Zurückweisungen, auch an denen fremder Redaktionen, schuld sei. Dazu kam noch, daß er in seinen Wahnideen mit Pernerstorfer auch noch einen nahen Verwandten, mit dem der große Familienkonflikt ausgebrochen war, zu ersetzen versuchte. Vom Herbst bis zum heutigen Tage scheinen sich auch die äußeren Verhältnisse des Kranken bedeutend verschlimmert zu haben. Im Sommer verkehrte Pollak noch in Gesellschaften, besuchte Wirtshäuser; damit im Einklang stand eine verhältnismäßige Ruhe, ein Eingehen auf die Absichten des Arztes. Plötzlich blieb Pollak aus. Seine materielle Not hat offenbar auch das Fortschreiten seiner Krankheit *beschleunigt,* deren letzter Ausbruch das Revolverattentat ist.

<!-- Ende des Berichts; es folgt die Rubrik «Gemeinde-Angelegenheiten». «zn befragen» so im Druck. -->

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*Fuente:* transcripción a partir de la *Arbeiter-Zeitung* (Viena), año 20, n.º 79 (20-3-1908), pág. 7, primera columna, digitalizada en ANNO (Österreichische Nationalbibliothek); se partió del OCR de Fraktur propio y del OCR del portal, cotejados con la imagen de la página. Es la última sección, sin firma, de la crónica de la redacción sobre el atentado de Ignaz Pollak contra Engelbert Pernerstorfer (págs. 6-7); recoge en estilo indirecto lo que Adler, médico de Pollak, contó al periódico. Del resto de la crónica, que no contiene declaraciones de Adler, se dan solo los titulares y un resumen en comentario. Ortografía original; el espaciado se da en cursiva. La versión de Pollak apareció en la *Arbeiter-Zeitung* del 21-3-1908 (no consultada).
