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Title: Kongreß für Individualpsychologie. Der Sinn des Lebens
Description: Vorwärts (Berlin), 26. September 1930, S. 4. Kurzer Bericht, gezeichnet M. R., über den Vortrag „Der Sinn des Lebens“, mit dem Alfred Adler im großen Saal des Schöneberger Rathauses in Berlin den 5. Internationalen Kongreß für Individualpsychologie (26.-28. September 1930) einleitete: Förderung der Gemeinschaft als Sinn des Lebens, angeborene Gemeinschaftsfähigkeit, Schwererziehbarkeit, Verbrechen und Neurosen als mangelnde Kooperation; mit einem kritischen Zusatz des Berichterstatters.
Author: M. R.
URL: https://adler.school/archivo/adler/cronicas/original/1930-09-26%20Kongre%C3%9F%20f%C3%BCr%20Individualpsychologie.%20Der%20Sinn%20des%20Lebens
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<!-- S. 4 -->

# Kongreß für Individualpsychologie.

## Der Sinn des Lebens.

Den Auftakt zu dem heute (26.) beginnenden 5. Internationalen Kongreß für Individualpsychologie bildete ein Vortrag ihres Begründers, *Alfred Adler*, über den „Sinn des Lebens“ im großen Saal des *Schöneberger Rathauses*. Adler beginnt offenbar auf dem Umweg über Amerika nun auch hier bekannt zu werden. Die sich wegen des Riesenandrangs notwendig machende doppelte Abhaltung des gleichen Vortrags beweist es; allerdings fanden trotzdem eine Menge Interessenten keinen Einlaß.

Der Sinn des menschlichen Lebens ist, nach Adler, das Leben selbst und die Erhaltung des Menschengeschlechts, d. h. alle inneren Einstellungen und Handlungen, die auf *Förderung der Gemeinschaft* (Kooperation) gerichtet sind. Das Leben verlangt in jedem Fall Beitragsleistung des einzelnen von allgemeiner Nützlichkeit. Die menschlichen Organe und Fähigkeiten sind für die Funktionen vorgebildet. Die Sprache z. B. hat nur Sinn als Verständigungsmittel innerhalb einer Gemeinschaft. In Gesellschaft, Beruf, Liebe — überall kommt es auf die Gemeinschaftsfähigkeit des Menschen an, die als angeboren betrachtet werden könne. Ob und in welchem Grad sie durch die Erziehung, die am ersten Lebenstag beginnt, gefördert oder verhindert wird, hängt von dem Verhalten der Umgebung ab. — Unter diesem Gesichtspunkt liegen Schwererziehbarkeit, Lebensuntüchtigkeit, Verbrechen, Neurosen, geistige Anormalitäten auf der gleichen Linie: der der mangelnden Kooperation. Eine auf Förderung der Gemeinschaftsfähigkeit eingestellte Erziehung an Kindern *und Erwachsenen* wäre geeignet, Abhilfe zu schaffen. (Dem Vortrag fehlte ein Hinweis auf die Schranken, die der Erfüllung des Gemeinschaftsideals vorläufig durch die Klassentatsache gesetzt sind.)

Adler trug seine Ausführungen, die auf Allgemeinverständlichkeit eingestellt waren, mit der immer wieder verblüffenden Einfachheit vor, die den Hörer das Gesagte als selbstverständlich empfinden läßt.

M. R.

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*Fuente:* M. R., „Kongreß für Individualpsychologie. Der Sinn des Lebens“, *Vorwärts* (Berlin), 26. September 1930, S. 4, Sp. 4. Transkribiert nach dem Seitenbild der Deutschen Digitalen Bibliothek (Zeitungsportal), in Ausschnitten bei voller Auflösung gelesen; die beiden OCR-Fassungen dienten nur zur Orientierung. Der ganze Bericht ist lesbar. Gesperrter Druck ist kursiv wiedergegeben. Nicht aufgenommen sind die übrigen Beiträge und Anzeigen der Seite.
